Montag, 18. Oktober 2021

Strompreise in Deutschland - Was kostet Strom?

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Netzentgelte im Strompreis für Privathaushalte

Die Netzentgelte in Deutschland werden sowohl von Privathaushalten als auch von Industrie- und Gewerbekunden über den Strompreis bezahlt. Im Jahr 2020 machen die Netzgebühren rund 22 Prozent des Strompreises für Verbraucher aus. In der Gesamtheit fallen auf diese Weise jedes Jahr Beträge in Milliardenhöhe an.

Die Entgelte werden von den Netzbetreibern erhoben und über die Stromrechnung an die Endkunden weitergegeben. Sie sind inzwischen zum gößten Stromkosten-Faktor für Privathaushalte geworden. Was die Netzentgelte genau sind, wozu sie dienen und warum sie die Strompreise in Deutschland immer stärker belasten, zeigen wir Ihnen im Folgenden.

Netzgebühren: Das zahlen Verbraucher in Deutschland aktuell

Bei einem durchschnittlichen Strompreis von 32,05 ct/kWh machen die Netzentgelte im Jahr 2020 mit 7,14 ct/kWh einen Anteil von 22,3 Prozent aus (Quelle: Bundesnetzagentur). Damit wird knapp ein Viertel des Strompreises in Deutschland durch die Netzentgelte bestimmt.

Ein Musterhaushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 3.500 Kilowattstunden zahlt im Jahr 2020 Netzgebühren in Höhe von 250 Euro.

Je nach Netzbetreiber und Region fallen die Netzentgelte sehr unterschiedlich aus. Die Ursachen dafür sind vielschichtig und hängen laut Bundesnetzagentur unter anderem von der regionalen Auslastung der Netze ab, von der jeweiligen Besiedlungsdichte, von Alter und Qualität der Netze sowie von unterschiedlich hohen Kosten für Einspeisemanagementmaßnahmen.

-> So setzt sich der Strompreis in Deutschland zusammen

Tabelle: Netzengelte nach Bundesländern

In der nachfolgenden Tabelle haben wir die aktuellen Netzengelte für Haushalte nach Bundesländern gelistet. Der Vergleich zeigt: Es gibt deutliche regionale Preisunterschiede in Deutschland. 

Region Gewichteter Mittelwert in ct/kWh Minimum in ct/kWh Maximum in ct/kWh
Baden-Württemberg 7,01 3,94 11,07
Bayern 6,97 4,13 11,82
Berlin 5,59 4,34 9,90
Brandenburg 8,45 4,79 14,20
Bremen 5,56 4,34 8,66
Hamburg 8,17 4,34 11,38
Hessen 6,92 4,34 9,82
Mecklenburg-Vorpommern 8,13 4,97 9,48
Niedersachsen 7,17 5,01 11,34
Nordrhein-Westfalen 6,72 4,34 16,16
Rheinland-Pfalz 6,79 4,80 8,76
Saarland 7,39 4,88 15,78
Sachsen 7,16 5,19 9,34
Sachsen-Anhalt 7,52 5,01 10,39
Schleswig-Holstein 9,63 5,39 11,38
Thüringen 7,27 5,55 8,84

(Quelle: Bundesnetzagentur)

Langzeittrend: Steigende Netzentgelte in Deutschland

Laut Zahlen der Bundesnetzagentur sind die durchschnittlichen Netzentgelte im Strompreis für Privathaushalte von 5,81 ct/kWh im Jahr 2010 auf 7,50 ct/kWh in 2020 kontinuierlich angestiegen.

Netzentgelte im Strompreis von 2010 bis 2020

2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020
5,81 5,75 6,04 6,52 6,54 6,6 6,79 7,31 7,19 7,22 7,50

 

Eine Analyse der Kostenerhebungen aller 880 deutschen Stromnetzbetreiber durch den Ökostromanbieter LichtBlick hat zudem ergeben: Seit 2015 stiegen die Netzentgelte im Durchschnitt um über 25 Prozent. Haushalte mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden, zahlen heute rund 50 Euro mehr für die Netznutzung als vor fünf Jahren. Kritik übt LichtBlick in seiner Analyse auch am Flickenteppich im deutschen Stromnetz: Von den rund 880 Netzbetreibern versorgen 70 Prozent jeweils weniger als 30.000 Kunden. Dies treibe die Kosten in die Höhe und bremse die Digitalisierung der Netze.

"Die Netzentgelte sind der Preistreiber auf der Stromrechnung. Ihr enormer Anstieg in den letzten fünf Jahren ist gegenüber den Stromkunden nicht zu rechtfertigen. Es braucht dringend mehr Transparenz über die Verwendung der Gelder und eine Reform des viel zu teuren Netzbetriebs." Ralf Schmidt-Pleschka, Koordinator Energie- und Klimapolitik bei LichtBlick.

Netzentgelte in Ost- und Westdeutschland

Für Haushalte in Ostdeutschland war Strom lange Zeit teurer, weil der starke Zubau erneuerbarer Energien, der damit verbundene Netzausbau sowie die geringere Bevölkerungsdichte zu hohen regionalen Netzkosten führten. Diese wurden über die Stromrechnung direkt auf die Haushalte umgelegt.

Seit 2019 werden die Entgelte der vier großen Übertragungsnetze jedoch bundesweit vereinheitlicht. Laut Gesetzgebung sind die Gebühren schrittweise bis zum Jahr 2023 anzugleichen, um die Kosten der Energiewende gerechter zu verteilen.

Die Angleichung der Entgelte hat bereits Wirkung gezeigt: Weil die Ost-West-Differenz bei den Netzgebühren prozentual kaum noch signifikant ist, haben sich inzwischen auch die lange Zeit im Osten höheren Strompreise dem Kostenniveau der alten Bundesländer angeglichen.

-> Strompreis-Atlas für Deutschland

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