Freitag, 27. November 2020

Strompreise in Deutschland - Was kostet Strom?

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Netzentgelte im Strompreis für Privathaushalte


Verbraucher in Deutschland entrichten im Rahmen des Strompreises jedes Jahr Netzentgelte in Milliardenhöhe. Die Gebühr wird von den Netzbetreibern erhoben und über die Stromrechnung an die Endkunden weitergegeben. Sie ist inzwischen zum gößten Stromkosten-Faktor für Privathaushalte geworden - Tendenz weiterhin steigend. Was die Netzentgelte genau sind, wozu sie dienen und warum sie die Strompreise in Deutschland immer stärker belasten, zeigen wir Ihnen im Folgenden.

Netzgebühren: Das zahlen Verbraucher in Deutschland aktuell

Bei einem durchschnittlichen Strompreis von 30,85 ct/kWh machten die Netzentgelte 2019 mit 7,22 ct/kWh einen Anteil von 23,4 Prozent aus (Quelle: Bundesnetzagentur). Damit wird knapp ein Viertel des Strompreises in Deutschland durch die Netzentgelte bestimmt.

Ein Musterhaushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 3.500 Kilowattstunden zahlte 2019 Netzgebühren in Höhe von 253 Euro. 2020 sind die Netzentgelte im bundesweiten Schnitt um weitere sieben Prozent gestiegen. Für den genannten Musterhaushalt bedeutet dies ein weiteres Kostenplus von knapp 18 Euro.

-> So setzt sich der Strompreis in Deutschland zusammen

Langzeittrend: Steigende Netzentgelte in Deutschland

Laut Zahlen der Bundesnetzagentur sind die durchschnittlichen Netzentgelte im Strompreis für Privathaushalte von 5,81 ct/kWh im Jahr 2010 auf 7,22 ct/kWh in 2019 kontinuierlich angestiegen.

Netzentgelte im Strompreis: 2010 - 2019

2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019
5,81 5,75 6,04 6,52 6,54 6,6 6,79 7,31 7,19 7,22

Tabelle: Entwicklung der Netzengelte 2010 - 2019 in ct/kWh

Netzentgelte belasten Haushalte

Eine Analyse der Kostenerhebungen aller 880 deutschen Stromnetzbetreiber durch den Ökostromanbieter LichtBlick hat zudem ergeben: Seit 2015 stiegen die Netzentgelte im Durchschnitt um über 25 Prozent. Haushalte mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden, zahlen heute rund 50 Euro mehr für die Netznutzung als vor fünf Jahren. Kritik übt LichtBlick in seiner Analyse auch am Flickenteppich im deutschen Stromnetz: Von den rund 880 Netzbetreibern versorgen 70 Prozent jeweils weniger als 30.000 Kunden. Diese Kleinstaaterei treibe die Kosten in die Höhe und bremse die Digitalisierung der Netze.

"Die Netzentgelte sind der Preistreiber auf der Stromrechnung. Ihr enormer Anstieg in den letzten fünf Jahren ist gegenüber den Stromkunden nicht zu rechtfertigen. Es braucht dringend mehr Transparenz über die Verwendung der Gelder und eine Reform des viel zu teuren Netzbetriebs." (Ralf Schmidt-Pleschka, Koordinator Energie- und Klimapolitik bei LichtBlick)

Netzentgelte in Ost- und Westdeutschland

Für Haushalte in Ostdeutschland war Strom lange Zeit teurer, weil der starke Zubau erneuerbarer Energien, der damit verbundene Netzausbau sowie die geringere Bevölkerungsdichte zu hohen regionalen Netzkosten führten. Diese wurden über die Stromrechnung direkt auf die Haushalte umgelegt.

Seit 2019 werden die Entgelte der vier großen Übertragungsnetze jedoch bundesweit vereinheitlicht. Laut Gesetzgebung sind die Gebühren schrittweise bis zum Jahr 2023 anzugleichen, um die Kosten der Energiewende gerechter zu verteilen.

Die Angleichung der Entgelte hat bereits Wirkung gezeigt: So liegt die Ost-West-Differenz bei den Netzgebühren nach Angaben des Vergleichsportals Verivox 2020 bei nur noch fünf Prozent - drei Jahre zuvor betrug sie noch 24 Prozent. Die Stromanbieter haben den preislichen Spielraum offenbar genutzt, denn auch die lange Zeit im Osten höheren Strompreise haben sich inzwischen dem Kostenniveau der alten Bundesländer angeglichen.

-> Strompreis-Atlas für Deutschland

Netzentgelte lassen den Strompreis 2021 weiter steigen

Die Entgelte für die Nutzung der Stromnetze werden im Jahr 2021 im bundesweiten Schnitt voraussichtlich um vier Prozent steigen. Für einen Musterhaushalt mit einem Jahresstromverbrauch von 3.500 Kilowattstunden bedeutet dies einen Kostenanstieg von knapp 11 Euro. Von der jährlichen Stromrechnung würden dann mehr als 280 Euro allein auf die Netzgebühren entfallen.

Vorläufige Kostenmeldungen 2021 der vier Übertragungsnetzbetreiber:

  • 50Hertz hat einen Anstieg der Netzentgelte 2021 um voraussichtlich sieben Prozent gemeldet.
  • TenneT wird seine Netzgebühren 2021 voraussichtlich um knapp 17 Prozent senken.
  • TransnetBW wird die Netzentgelte 2021 voraussichtlich um 10 Prozent erhöhen.
  • Amprion hat eine moderate Erhöhung der Netzentgelte um gut ein Prozent in Aussicht gestellt.

-> Strompreise 2021 - so lautet unsere Prognose

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Was sind die Netzentgelte?

Die Netzentgelte sind Gebühren, die von den Stromnetzbetreibern für die Nutzung ihrer Stromnetze erhoben werden. In Deutschland gibt es vier große Übertragungsnetzbetreiber und rund 880 Verteilnetzbetreiber. Die Übertragungsnetzbetreiber Tennet, 50Hertz, Amprion und TransnetBW betreiben die ...

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Kann ich bei den Netzentgelten sparen?

Auf den ersten Blick: Nein. Haushaltskunden können ihren Netzbetreiber nicht frei wählen und die erhobenen Gebühren deshalb nicht aktiv senken. Beim Stromanbieter haben Verbraucher hingegen die freie Wahl. Der Wechsel in einen günstigeren Tarif bringt zwar keine direkte Minderung der ...

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Wie viel an Stromnetzentgelten bezahle ich?

Laut Zahlen der Bundesnetzagentur sind die durchschnittlichen Netzentgelte im Strompreis für Privathaushalte von 5,81 ct/kWh im Jahr 2010 auf 7,22 ct/kWh in 2019 kontinuierlich angestiegen. Die konkrete Höhe der Stromnetzentgelte können Sie Ihrer jährlichen Stromrechnung entnehmen, sie werden ...

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Warum sind die Netzentgelte in Deutschland so hoch?

Die Energiewende in Deutschland stellt hohe Anforderungen an den Ausbau und die Modernisierung der Stromnetze. Die zunehmende Menge erneuerbarer Energien muss integriert, verteilt und stabilisiert werden. Beispielsweise müssen große Mengen Windstrom aus dem Norden Deutschlands an die südlicher ...

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