Zukunftsressource Kupfer
Dienstag, den 27. September 2011Die Endlichkeit fossiler Energieträger wie Öl und Gas ist allgemein bekannt, und deren Ablösungsprozess hat längst begonnen. Doch auch unsere Stromversorgung sowie eine Vielzahl klimafreundlicher Zukunftstechnologien stehen in engem Zusammenhang mit einer nicht unbegrenzt verfügbaren Ressource: dem Kupfer. Dessen weltweite Nachfrage ist mittlerweile bedenklich angestiegen.
Wie lange reichen unsere Kupferbestände?
Wie die Wirtschaftsvereinigung Metalle berichtet, wurden im vergangenen Jahr mehr als 19 Millionen Tonnen Kupfer verarbeitet. Vor allem der anhaltend hohe Bedarf der neuen Wirtschafts- und Energie-Schwergewichte China und Indien bereitet Experten zunehmend Kopfzerbrechen, ob die vorhandenen Ressourcen den globalen Ansprüchen gewachsen sind. Kupfer ist im Hinblick auf zahlreiche Technologien unverzichtbar: Ob Stromversorgung, erneuerbare Energien, Verkehrswesen oder maschinelle und elektronische Anwendungen – ohne das begehrte Industriemetall läuft so gut wie nichts. Dr. Anton Klassert, Geschäftsführer des Deutschen Kupferinstituts, veranschaulicht: “Jeder Deutsche benötigt im Laufe seines Lebens mehr als eine Tonne Kupfer. Und der Einsatz neuer Technologien wie alternativer Energien und Elektromobilität wird auch in traditionellen Märkten zu einer steigenden Kupferverwendung führen.”
Allerdings gibt das Deutsche Kupferinstitut zumindest vorläufig Entwarnung. Auch wenn in den kommenden Jahren die Nachfrage nach Kupfer weiter steige, sei die geologische Versorgung noch für Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte gesichert. Hinzu kommt, dass beim Kupferkreislauf mittlerweile ein effizientes Recycling praktiziert wird. Deutschland hat bei der Wiederverwertung von Metallen weltweit eine führende Rolle inne. Beispielsweise werden hierzulande derzeit knapp 700.000 Tonnen an Elektro-Altgeräten im Jahr gesammelt. Das tatsächliche Potenzial liegt sogar noch weit höher. Dass sich die Wiederaufbereitung von Elektroschrott lohnt, zeigt folgende Zahl: Allein eine Tonne ausrangierter Mobiltelefone birgt 150 Kilogramm Kupfer. Mit über 50 Prozent ist die deutsche Quote beim Kupferrecycling schon heute vorbildlich. Und auch das Exportgeschäft brummt. Allein in 2009 ist der EU-weite Kupferexport um 30 Prozent auf 900.000 Tonnen angestiegen. Die deutschen Exporte Richtung China sind 2009 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 500 Prozent geradezu explodiert. Nichtsdestotrotz hat die Europäische Kommission Kupfer bislang nicht als kritischen Rohstoff eingestuft.
Foto © Pixelio, Rainer Sturm
Das WDR-Magazin Servicezeit berichtete Anfang der Woche von einem findigen Stahlbau-Meister aus Kleve, der ursprünglich lediglich die Kosten für einen neuen Wintergarten durch verbaute Solarzellen amortisieren wollte. Durch den selbst erzeugten Strom und die entsprechende Einspeisevergütung, so die Logik, würde sich der teure Anbau innerhalb von zehn Jahren selbst finanzieren. Benachbarte Haushalte waren von der Optik sowie vom Nutzen des Wintergartens derart überzeugt, dass sie den Pionier von nebenan baten, ihnen ebenfalls Solardächer zu errichten. Daraus wuchs eine überzeugende Idee: Der Stahlbau-Meister bot seinen Nachbarn an, ihre Dächer gegen Bezahlung zu mieten und auf eigene Rechnung mit Solarzellen auszustatten. Nach 20 Jahren würde die Einspeisevergütung die Kosten decken und sogar einen kleinen Gewinn erwirtschaften. Viele Nachbarn willigten ein und inzwischen wurde bereits ein halbes Dutzend Häuser mit Photovoltaikanlagen bestückt.
Der Sachzwang zum Ausbau des deutschen Stromnetzes ist ein im Prinzip hausgemachtes Problem. Durch die fortschreitende Integration erneuerbarer Energien, speziell der Windkraft, sind bei gleichzeitigem Nichtabschalten von Kohle- und Atomenergie zusätzliche Leitungskapazitäten von Nöten. Es fließt schlichtweg zuviel Strom durch die Trassen. Würde man die konventionellen Energieträger parallel zur Zunahme der erneuerbaren herunterfahren, ließe sich der kostenintensive Netzausbau wohl umgehen. Nicht aber die Interessen der Energiewirtschaft – und so verlegt der Bund lieber neue Kabel, anstatt den Energiemix früher als geplant anzupassen. Entsprechend wenig Akzeptanz findet der anstehende Netzausbau in der Bevölkerung. Im Rahmen einer aktuellen Studie der Universität Magdeburg im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe wurden von neuen Stromtrassen Betroffene befragt. Ergebnis: Um sich überhaupt mit dem Thema Netzausbau anfreunden zu können, fordern die Bürger beispielsweise Mindestabstände der Leitungen von ihren Wohngebieten bzw. eine grundsätzliche Erdverkabelung. Dafür wären viele Befragte sogar bereit, einen höheren
Zugegeben: Auf einer malerischen Nordseeinsel hat mans leichter energieautark zu leben denn als großstädtische Landratte – Wind und Sonne machens möglich. Trotzdem ist das seit den frühen 80er Jahren sukzessive ausbaldowerte Energieversorgungsmodell der Pellwormer in dieser Form schon beeindruckend. Die Insellage mit viel Wind, einer überdurchschnittlich hohen Sonneneinstrahlung und landwirtschaftlicher Ausrichtung bietet Pellworm hervorragende Voraussetzungen für die Nutzung erneuerbarer Energien. Mit selbiger begann man bereits vor rund 30 Jahren und verfügt heute über einen ansehnlichen Pool aus Windkraft-, Photovoltaik- und Biogasanlagen. Die etwas mehr als 1.000 Einwohner versorgen sich nicht nur selbst auschließlich durch erneuerbaren Strom, sie produzieren sogar weit mehr als nötig und leiten die Überschüsse gen Festland. Dabei ergänzen sich die beiden Hauptenergieträger Wind und Sonne hervorragend: Herrscht Flaute, scheint häufig die Sonne, ist es regnerisch und bedeckt, weht oftmals eine steife Brise.
Auch wenn New York als die wahrscheinlich europäischste Stadt der Staaten gilt, ist der dortige Zeitgeist immer auch Sinnbild für das übrige Land. Und Überraschung – die Amerikaner sind weit entfernt vom energiefressenden Klimakiller-Image, das ihnen hierzulande oftmals zugeschoben wird. Im Gegenteil: New York hat den grünen Lifestyle für sich entdeckt. Und das heißt nicht nur Sojasprossen statt Burger, sondern zielt auf umfassend nachhaltige Trends ab. Hybrid- und Elektrobusse tuckern durch Manhattan, über die Brooklyn-Bridge, durch den Central Park und sogar um den Times Square schlängeln sich mittlerweile Radwege und zahlreiche Müllbehälter für Plastik und Papier schieben zarte Recycling-Versuche an. Und auch wenn die Werbeaufschrift eines Herstellers von Mineralwasserflaschen, durch kleinere Plastikdeckel die Umwelt zu schonen, etwas bizarr wirken mag – New York hat Müll und CO2 den Kampf angesagt.
Hinter dem Projekt Innovation City steht der Initiativkreis Ruhr, ein Zusammenschluss von 59 Unternehmen der Region, die bis zum kommenden Herbst unter allen kommunalen Bewerbern die künftige Ökostadt erwählen. Selbige kann anschließend mit öffentlichen Fördergeldern und privaten Investitionen in Höhe von rund 2,5 Milliarden Euro rechnen und eine grüne Zukunft mit Vorbildcharakter planen. Die Innovation City soll durch Effizienzmaßnahmen wie Gebäudesanierung, Bioerdgas, Erdwärme, Wind- und Solarkraft, Kleinst-Blockheizkraftwerke und dergleichen mehr sowie durch eine Flotte aus Elektroautos und -bussen zum einzigartigen Energiesparmodell werden. Versorgung, Verkehr und das gesamte Stadtbild werden über einen Zeitraum von zehn Jahren im ökologischen Sinne komplett renoviert. Und das Interesse ist groß: 53 Ruhrgebietskommunen waren zum offiziellen Startschuss der Ausschreibung vertreten und viele davon werden um den Zuschlag buhlen. Darunter zum Beispiel Gelsenkirchen, Herten, Bottrop, Mühlheim und möglicherweise auch Ortsteile von Großstädten wie Essen, Duisburg, Dortmund oder Bochum.
Die Energiepreise sind hoch und Braunkohle ist billig. Ein aus der Sicht von Erzeugungsunternehmen unschlagbares Argument für den Tagebau. Während importierte Brennstoffe aufgrund der hohen Nachfrage am Weltmarkt preislich immer weiter explodieren, ist Braunkohle in Deutschland massenhaft vorhanden und deshalb kostenmäßig nahezu konstant. Rund ein Viertel der heimischen Stromproduktion nährt sich noch immer aus dem bröckeligen Sedimentgestein und Deutschland ist unangefochtener Weltmeister im Braunkohle-Baggern. Angesichts des in der Schwebe hängenden Atomausstiegs und zu stark schwankenden Erträgen aus regenerativen Energien wedeln die Erzeuger schon lange das Fähnchen mit der Aufschrift “Versorgungslücke” und verweisen auf den Notausgang Kohlekraft. Aus dieser Logik heraus plant Vattenfall nun, die Dörfer Atterwasch, Grabko und Kerkwitz in eine Mondlandschaft zu verwandeln und deren Einwohner samt Kind, Kegel, Haus und Hof umzusiedeln. Ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor, aber der erweiterte Tagebau dürfte Vattenfalls Portokasse wohl um ein Vielfaches füllen. Aus Erfahrung haben die betroffenen Bürger mehr als nur Sorgenfalten, denn das ehemalige Nachbardorf Horno ereilte bereits 2004 trotz des Marschs durch sämtliche Gerichtsinstanzen das gleiche Schicksal. Heute ist Horno ein Krater.


