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Archiv der Kategorie ‘Reportage‘

Zukunftsressource Kupfer

Dienstag, den 27. September 2011

Die Endlichkeit fossiler Energieträger wie Öl und Gas ist allgemein bekannt, und deren Ablösungsprozess hat längst begonnen. Doch auch unsere Stromversorgung sowie eine Vielzahl klimafreundlicher Zukunftstechnologien stehen in engem Zusammenhang mit einer nicht unbegrenzt verfügbaren Ressource: dem Kupfer. Dessen weltweite Nachfrage ist mittlerweile bedenklich angestiegen.

Wie lange reichen unsere Kupferbestände?

500521_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.deWie die Wirtschaftsvereinigung Metalle berichtet, wurden im vergangenen Jahr mehr als 19 Millionen Tonnen Kupfer verarbeitet. Vor allem der anhaltend hohe Bedarf der neuen Wirtschafts- und Energie-Schwergewichte China und Indien bereitet Experten zunehmend Kopfzerbrechen, ob die vorhandenen Ressourcen den globalen Ansprüchen gewachsen sind. Kupfer ist im Hinblick auf zahlreiche Technologien unverzichtbar: Ob Stromversorgung, erneuerbare Energien, Verkehrswesen oder maschinelle und elektronische Anwendungen – ohne das begehrte Industriemetall läuft so gut wie nichts. Dr. Anton Klassert, Geschäftsführer des Deutschen Kupferinstituts, veranschaulicht: “Jeder Deutsche benötigt im Laufe seines Lebens mehr als eine Tonne Kupfer. Und der Einsatz neuer Technologien wie alternativer Energien und Elektromobilität wird auch in traditionellen Märkten zu einer steigenden Kupferverwendung führen.”

Allerdings gibt das Deutsche Kupferinstitut zumindest vorläufig Entwarnung. Auch wenn in den kommenden Jahren die Nachfrage nach Kupfer weiter steige, sei die geologische Versorgung noch für Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte gesichert. Hinzu kommt, dass beim Kupferkreislauf mittlerweile ein effizientes Recycling praktiziert wird. Deutschland hat bei der Wiederverwertung von Metallen weltweit eine führende Rolle inne. Beispielsweise werden hierzulande derzeit knapp 700.000 Tonnen an Elektro-Altgeräten im Jahr gesammelt. Das tatsächliche Potenzial liegt sogar noch weit höher. Dass sich die Wiederaufbereitung von Elektroschrott lohnt, zeigt folgende Zahl: Allein eine Tonne ausrangierter Mobiltelefone birgt 150 Kilogramm Kupfer. Mit über 50 Prozent ist die deutsche Quote beim Kupferrecycling schon heute vorbildlich. Und auch das Exportgeschäft brummt. Allein in 2009 ist der EU-weite Kupferexport um 30 Prozent auf 900.000 Tonnen angestiegen. Die deutschen Exporte Richtung China sind 2009 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 500 Prozent geradezu explodiert. Nichtsdestotrotz hat die Europäische Kommission Kupfer bislang nicht als kritischen Rohstoff eingestuft.

Foto © Pixelio, Rainer Sturm

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Achtung, Atommüll!

Dienstag, den 20. September 2011

Wie werden künftige Generationen unsere Epoche wohl im Rückblick betrachten? Vielleicht wird man sagen: “Damals haben die Menschen Atome gespalten, daraus Bomben und Kraftwerke gemacht und am Ende den ganzen Dreck verbuddelt. Wir wissen nur nicht mehr, wo.” Um dies zu verhindern, setzt sich die Forschungsrichtung der Atomsemiotik mit der Frage auseinander, wie man unsere Nachkommen noch in Millionen von Jahren vor endgelagertem Atommüll warnen kann.

Generation Endlager

505947_R_K_B_by_Gerd Altmann_pixelio.deDie Ursprünge der Atomsemiotik reichen bis in die frühen 1980er Jahre zurück, als sich die Politik erstmals mit der Warnung der Nachwelt vor den Gefahren atomaren Mülls beschäftigte. Damals beauftrage die US-Regierung eine eigens installierte Arbeitsgruppe, Lösungen zu finden, wie man Menschen auch in 10.000 Jahren noch davon abhalten kann, das Endlager Yucca Mountain in Nevada zu betreten. Das Dilemma ist klar: Selbst wenn das letzte Atomkraftwerk der Welt Stein für Stein abgetragen wurde, werden die nuklearen Hinterlassenschaften unserer Epoche noch Millionen Jahre lang unterirdisch vor sich hinstrahlen. Und die Geschichte lehrt uns, wie schnell vieles in Vergessenheit geraten kann. Während wir heute immer mal wieder über Dinosaurierknochen, Pharaonengräber oder Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg stolpern, könnten unsere Kindeskinder möglicherweise arglos eine Klassenfahrt ins schöne Gorleben unternehmen.

Wie also warnt man zukünftige Generationen effektiv vor deponiertem Atommüll? Die Atomsemiotik liefert auf diese Frage durchaus kreative Antworten. Ein Vorschlag besteht beispielsweise darin, die Erdoberfläche über atomaren Endlagern künstlich unwegsam zu gestalten. Beispielsweise erwägen die Forscher, ein meterhohes Feld aus sich kreuzenden Klingen zu errichten. Deutlicher kann man “Betreten verboten!” wohl nicht sagen. Ein anderer, nicht ganz so martialischer Vorschlag geht in eine eher monumentale Richtung. Demzufolge könnte man über Endlagern symbolische Bauwerke platzieren. Etwa einen riesigen Atommüll-Obelisken mit ikonografischen Zeichnungen, die auf die unterirdische Gefahr hinweisen. Damit wäre im Übrigen auch eine hübsche Verbindung zu den Höhlenmalereien unserer steinzeitlichen Vorfahren hergestellt. Botschaft 1: “Wir haben Mammuts gejagt.” Botschaft 2: “Wir haben mit Atomkraft ferngesehen.”

Foto © Pixelio, Gerd Altmann

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Das Kraftwerk von nebenan

Donnerstag, den 13. Januar 2011

In Zeiten stetig steigender Strompreise beschreiten immer mehr Verbraucher alternative Wege, um ihre Energiekosten klein zu halten. Eine Nachbarschaft im niederrheinischen Kleve, nahe der deutsch-holländischen Grenze, hat sich zu diesem Zweck zusammengeschlossen und einen eigenen, kleinen Kraftwerksverbund gebildet.

Nachbarn als Energieerzeuger

Gabi SchoenemannDas WDR-Magazin Servicezeit berichtete Anfang der Woche von einem findigen Stahlbau-Meister aus Kleve, der ursprünglich lediglich die Kosten für einen neuen Wintergarten durch verbaute Solarzellen amortisieren wollte. Durch den selbst erzeugten Strom und die entsprechende Einspeisevergütung, so die Logik, würde sich der teure Anbau innerhalb von zehn Jahren selbst finanzieren. Benachbarte Haushalte waren von der Optik sowie vom Nutzen des Wintergartens derart überzeugt, dass sie den Pionier von nebenan baten, ihnen ebenfalls Solardächer zu errichten. Daraus wuchs eine überzeugende Idee: Der Stahlbau-Meister bot seinen Nachbarn an, ihre Dächer gegen Bezahlung zu mieten und auf eigene Rechnung mit Solarzellen auszustatten. Nach 20 Jahren würde die Einspeisevergütung die Kosten decken und sogar einen kleinen Gewinn erwirtschaften. Viele Nachbarn willigten ein und inzwischen wurde bereits ein halbes Dutzend Häuser mit Photovoltaikanlagen bestückt.

Das Haus des Stahlbau-Meisters erzeugt per Solarkraft mittlerweile mehr Energie, als die Familie selbst verbraucht und hat überdies noch mehr zu bieten: Wärmedämmende Isolierung, Dreifachverglasung, Solarthermie-Anlage und Warmwasserspeicher. Doch man wollte noch einen Schritt weiter gehen – vom Niedrig-Energie-Haus zum Plus-Energie-Haus. Deshalb installierte die Familie zusätzlich ein eigenes Blockheizkraftwerk, das gleichzeitig Strom und Wärme produziert. Allerdings weniger für die eigene Immobilie, denn die ist energetisch bereits weitgehend abgedeckt, sondern vielmehr zum Nutzen der Nachbarschaft. So wurde eine mehrere hundert Meter lange Fernwärmeleitung verlegt, die ein knappes Dutzend Nachbarhäuser mit günstiger Energie versorgt – inklusive geschlossenem Wärmelieferungsvertrag und installierten Übergabestationen in den Kellern.

Und weil die Idee in der Nachbarschaft so populär geworden ist, stehen im ehemaligen Hobbykeller der Stahlbau-Meisters inzwischen drei solcher Blockheizkraftwerke. Die werden im Übrigen nicht, wie sonst üblich, mit Heizöl oder Erdgas betrieben, sondern mit regenerativem Rapsöl von einem nahegelegenen Landwirtschaftsbetrieb. Durch den so erzeugten Ökostrom steigt die Einspeisevergütung und die Wärmeversorgung der Nachbarn kann noch günstiger gestaltet werden. Und ganz nebenbei wird ein vorbildlicher Beitrag zum aktiven Klimaschutz geleistet.

Foto © Pixelio, Gabi Schoenemann

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Bürger gegen Leitungen

Montag, den 23. August 2010

Die Bundesregierung plant für die nahe Zukunft den massiven Ausbau des deutschen Stromnetzes. Ein Vorgang, der bei vielen Bürgern, insbesondere bei betroffenen Anwohnern, auf wenig Gegenliebe stößt.

Akzeptanzstudie zum Netzausbau

JurecDer Sachzwang zum Ausbau des deutschen Stromnetzes ist ein im Prinzip hausgemachtes Problem. Durch die fortschreitende Integration erneuerbarer Energien, speziell der Windkraft, sind bei gleichzeitigem Nichtabschalten von Kohle- und Atomenergie zusätzliche Leitungskapazitäten von Nöten. Es fließt schlichtweg zuviel Strom durch die Trassen. Würde man die konventionellen Energieträger parallel zur Zunahme der erneuerbaren herunterfahren, ließe sich der kostenintensive Netzausbau wohl umgehen. Nicht aber die Interessen der Energiewirtschaft – und so verlegt der Bund lieber neue Kabel, anstatt den Energiemix früher als geplant anzupassen. Entsprechend wenig Akzeptanz findet der anstehende Netzausbau in der Bevölkerung. Im Rahmen einer aktuellen Studie der Universität Magdeburg im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe wurden von neuen Stromtrassen Betroffene befragt. Ergebnis: Um sich überhaupt mit dem Thema Netzausbau anfreunden zu können, fordern die Bürger beispielsweise Mindestabstände der Leitungen von ihren Wohngebieten bzw. eine grundsätzliche Erdverkabelung. Dafür wären viele Befragte sogar bereit, einen höheren Strompreis zu zahlen. Außerdem sind die Menschen eher gewillt, dem Netzausbau vor ihrer Haustür zuzustimmen, wenn dieser nachweislich der Integration erneuerbarer Energien dient. Desweiteren zeigt die Studie, dass der Informationsbedarf zum Um- und Ausbau der Stromnetze unter den regional betroffenen Bürgern sehr groß ist. Eine frühe Ausfklärung der Anwohner über geplante Stromtrassen ist für die Akzeptanz essentiell.

Die Ängste betroffener Bürger angesichts des geplanten Netzausbaus sind vielfältig: Viele befürchten einen negativen Einfluss auf das Landschaftsbild, gesundheitliche und ökologische Beeinträchtigungen durch elektromagnetische Felder bis hin zu einem möglichen Wertverlust ihrer Immobilien. Vor allem aber sehen viele Bürger schlichtweg weder Bedarf noch Nutzen neuer Stromleitungen in ihrer Region. Es sei denn, sie würden der Integration erneuerbarer Energien dienen. Tatsächlich aber dienen sie oftmals auch dazu, Kohle- und Atomkraft zu erhalten.

Foto © Pixelio, Jurec

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Öko-Insel Pellworm

Montag, den 2. August 2010

“Wir befinden uns im Jahre 2010 nach Christus. Ganz Deutschland ist von Kohle- und Atomkraft besetzt. Ganz Deutschland? Nein! Eine von unbeugsamen Pellwormern bevölkerte Insel…” Ach ne, das ist eine andere Geschichte. Und trotzdem handelt auch unsere vom heroischen Widerstand eines kleinen Völkchens – und zwar im Namen von Klimaschutz und sauberer Energie.

Klima-Idyll in der Nordsee

Axel DulzZugegeben: Auf einer malerischen Nordseeinsel hat mans leichter energieautark zu leben denn als großstädtische Landratte – Wind und Sonne machens möglich. Trotzdem ist das seit den frühen 80er Jahren sukzessive ausbaldowerte Energieversorgungsmodell der Pellwormer in dieser Form schon beeindruckend. Die Insellage mit viel Wind, einer überdurchschnittlich hohen Sonneneinstrahlung und landwirtschaftlicher Ausrichtung bietet Pellworm hervorragende Voraussetzungen für die Nutzung erneuerbarer Energien. Mit selbiger begann man bereits vor rund 30 Jahren und verfügt heute über einen ansehnlichen Pool aus Windkraft-, Photovoltaik- und Biogasanlagen. Die etwas mehr als 1.000 Einwohner versorgen sich nicht nur selbst auschließlich durch erneuerbaren Strom, sie produzieren sogar weit mehr als nötig und leiten die Überschüsse gen Festland. Dabei ergänzen sich die beiden Hauptenergieträger Wind und Sonne hervorragend: Herrscht Flaute, scheint häufig die Sonne, ist es regnerisch und bedeckt, weht oftmals eine steife Brise.

Das Konzept ist wohl deshalb so erfolgreich, weil es nicht politisch aufoktroyiert, sondern von den Pellwormern in Eigenregie entwickelt wurde. Heute halten viele Einwohner Anteile an den großen Photovoltaik- und Windparks und tragen durch Solarzellen auf dem eigenen Haus oder Hof zusätzlich zur Stromversorgung bei. Und genau das war von Anfang an die Idee: Jeder einzelne Pellwormer soll vom Ökomodell der Nordseeinsel profitieren. Sei es als direkte Einnahmequelle, durch die günstige Eigenversorgung oder auch durch die ebenfalls äußerst wichtige Tourismusbranche. Denn die boomt seit Pellworms Ökotrend ebenso wie die zukunftsweisende Energiewirtschaft.

Foto © Pixelio, Axel Dulz

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Energietagebuch New York

Dienstag, den 11. Mai 2010

Ich habe kürzlich zehn spannende Tage in New York City geurlaubt. Und nachdem ich den Mund vor lauter Superlativen endlich wieder zubekommen habe, konnte ich nicht anders, als auch ein halbes StromAuskunft-Auge zwischen die Straßenschluchten zu werfen. Hier also ein kurzer Energie-Reisebericht aus Übersee.

Grüner Zeitgeist in NYC

01Auch wenn New York als die wahrscheinlich europäischste Stadt der Staaten gilt, ist der dortige Zeitgeist immer auch Sinnbild für das übrige Land. Und Überraschung – die Amerikaner sind weit entfernt vom energiefressenden Klimakiller-Image, das ihnen hierzulande oftmals zugeschoben wird. Im Gegenteil: New York hat den grünen Lifestyle für sich entdeckt. Und das heißt nicht nur Sojasprossen statt Burger, sondern zielt auf umfassend nachhaltige Trends ab. Hybrid- und Elektrobusse tuckern durch Manhattan, über die Brooklyn-Bridge, durch den Central Park und sogar um den Times Square schlängeln sich mittlerweile Radwege und zahlreiche Müllbehälter für Plastik und Papier schieben zarte Recycling-Versuche an. Und auch wenn die Werbeaufschrift eines Herstellers von Mineralwasserflaschen, durch kleinere Plastikdeckel die Umwelt zu schonen, etwas bizarr wirken mag – New York hat Müll und CO2 den Kampf angesagt.

Klar ist aber auch: In den USA ist Energie zum Verbrauchen da – und zwar in vollen Zügen. Die Klimaanlagen der Apartment-Häuser an Upper West und East Side röhren auf derart hohen Touren, dass gleich noch die Gehwege mitgekühlt werden und der an Wahnwitz grenzende Benzinverbrauch im unermüdlichen Stop-and-Go-Verkehr macht jede Ölkrise der Weltgeschichte vergessen. Trotzdem: In die Nachttischlampe meines Hotelzimmers war eine Energiesparbirne geschraubt. Nett.

Foto © Björn Katz

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Innovation City

Donnerstag, den 1. April 2010

Das Thema Energiesparen wird mehr und mehr zum gestalterischen Großprojekt. Ab Oktober dieses Jahres wird eine Stadt aus dem Ruhrgebiet bzw. deren Ortsteil zum urbanen Ökomodell. Ziel ist es, den Energiebedarf der sogenannten Innovation City bis 2020 um mehr als die Hälfte zu reduzieren.

Ruhrpott wird Energiesparmodell

Lars PaegeHinter dem Projekt Innovation City steht der Initiativkreis Ruhr, ein Zusammenschluss von 59 Unternehmen der Region, die bis zum kommenden Herbst unter allen kommunalen Bewerbern die künftige Ökostadt erwählen. Selbige kann anschließend mit öffentlichen Fördergeldern und privaten Investitionen in Höhe von rund 2,5 Milliarden Euro rechnen und eine grüne Zukunft mit Vorbildcharakter planen. Die Innovation City soll durch Effizienzmaßnahmen wie Gebäudesanierung, Bioerdgas, Erdwärme, Wind- und Solarkraft, Kleinst-Blockheizkraftwerke und dergleichen mehr sowie durch eine Flotte aus Elektroautos und -bussen zum einzigartigen Energiesparmodell werden. Versorgung, Verkehr und das gesamte Stadtbild werden über einen Zeitraum von zehn Jahren im ökologischen Sinne komplett renoviert. Und das Interesse ist groß: 53 Ruhrgebietskommunen waren zum offiziellen Startschuss der Ausschreibung vertreten und viele davon werden um den Zuschlag buhlen. Darunter zum Beispiel Gelsenkirchen, Herten, Bottrop, Mühlheim und möglicherweise auch Ortsteile von Großstädten wie Essen, Duisburg, Dortmund oder Bochum.

Dass gerade die ehemalige Dreckschleuder Ruhrgebiet zur Modellregion für ökologische und energieeffiziente Umgestaltung wird, hat schon was von “Auferstanden aus Ruinen”. Und es ist in dieser Form einzigartig – denn vergleichbare Projekte wie etwa im schwedischen Malmö oder in Abu Dhabi stammen eher aus der Retorte. Innovation City zeigt, dass ein strukturelles Umdenken auch in gewachsenen Regionen mit Geschichte möglich ist.

Foto © Pixelio, Lars Paege

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Vattenfall holt die Schaufel raus

Donnerstag, den 7. Januar 2010

Atterwasch, Grabko und Kerkwitz – das sind die idyllischen Namen dreier Lausitzer Dörfer, die in Kürze möglicherweise von der Landkarte verschwunden sein werden. Grund: Der Energiekonzern Vattenfall plant einen massiven Ausbau des Braunkohletagebaus Jänschwalde, dem die rund 900 betroffenen Einwohner per Zwangsumsiedlung weichen sollen.

Braunkohle bedroht Bürger

Jochen SievertDie Energiepreise sind hoch und Braunkohle ist billig. Ein aus der Sicht von Erzeugungsunternehmen unschlagbares Argument für den Tagebau. Während importierte Brennstoffe aufgrund der hohen Nachfrage am Weltmarkt preislich immer weiter explodieren, ist Braunkohle in Deutschland massenhaft vorhanden und deshalb kostenmäßig nahezu konstant. Rund ein Viertel der heimischen Stromproduktion nährt sich noch immer aus dem bröckeligen Sedimentgestein und Deutschland ist unangefochtener Weltmeister im Braunkohle-Baggern. Angesichts des in der Schwebe hängenden Atomausstiegs und zu stark schwankenden Erträgen aus regenerativen Energien wedeln die Erzeuger schon lange das Fähnchen mit der Aufschrift “Versorgungslücke” und verweisen auf den Notausgang Kohlekraft. Aus dieser Logik heraus plant Vattenfall nun, die Dörfer Atterwasch, Grabko und Kerkwitz in eine Mondlandschaft zu verwandeln und deren Einwohner samt Kind, Kegel, Haus und Hof umzusiedeln. Ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor, aber der erweiterte Tagebau dürfte Vattenfalls Portokasse wohl um ein Vielfaches füllen. Aus Erfahrung haben die betroffenen Bürger mehr als nur Sorgenfalten, denn das ehemalige Nachbardorf Horno ereilte bereits 2004 trotz des Marschs durch sämtliche Gerichtsinstanzen das gleiche Schicksal. Heute ist Horno ein Krater.

Während Vattenfall mit Versorgungszwängen und der Wirtschaftlichkeit der Region argumentiert, setzen die Bürgerproteste Heimatvertreibung und Klimaschutz dagegen. Wer hier sozialmoralisch auf der sauberen Seite ist, steht außer Frage – aber danach wird nicht entschieden. Trotzdem: Die Braunkohle weist von allen gängigen Energieträgern die schlechteste CO2-Bilanz auf und das Kraftwerk Jänschwalde zählt zu den drei dreckigsten Deutschlands. Welche Zukunft wird also eher enden? Die der drei Dörfer oder die der Braunkohle?

Foto © Pixelio, Jochen Sievert

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(4) Kopswerk II – Fertigstellung

Samstag, den 30. August 2008

Im August dieses Jahres hatten wir die Chance das Korpswerk II zu besichtigen. Ein interessantes Projekt, das kurz vor der Fertigstellung ist.

Wasserschloss

Im so genannten Wasserschloss werden die Abläufe so gesteuert, dass so wohl Strom erzeugt als auch

Energie gespeichert werden kann. Die Dimensionen dieses “Schlosses” sind gigantisch: Untere Kammer mit einer Länge von 270 Metern, Steigschacht 193 Meter Länge und Längsneigung 49 Grad, obere Kammer mit 240 Metern.

Das zwischen Versalstollen II und Druckschacht eingebaute Wasserschloss Außertafamunt schützt die Triebwasserführung vor zu hoher Belastung, die durch Wasserschwingungen und Drückstöße bei den Regelvorgängen hervorgerufen werden können. Die Fertigstellung wurde mit Ungeduld erwartet, denn nur mit diesem Regelinstrument war es möglich, die ersten Versuche zu fahren. Damit man eine Vorstellung hat, welche Kräfte da zu bändigen sind: Das im horizontalen Druckstollen fließende Wasser hat eine Masse von 90.000 Tonnen. Es fließt vom Kopssee im Turbinenbetrieb mit 15 Kilometer pro Stunden in Richtung Karvernenkrafthaus. Beim Umstellen vom Turbinen- in Pumpbetrieb (und umgekehrt) muss diese Wassersäule binnen 20 Sekunden gestoppt und in die Gegenrichtung beschleunigt werden.

Hydraulischer Kurzschluss

Irgendwie passt die Begrifflichkeit nicht ganz, weil man mit einem Kurzschluss einen technischen Defekt beschreibt. Die Illwerkgruppe, die diese Technik zum Patent angemeldet haben, benutzen aber diesen Begriff, um damit festzulegen, dass zwei Energiearten gleichzeitig (kurzgeschlossen) benutzt werden, um Energie zu speichern.

Wie bereits erwähnt, ist bei dem neuen Kraftwerk Pumpe und Turbine getrennt. Nur so ist es möglich, dass beispielsweise 100 MW Leistung aus dem Netz genutzt werden kann, um Speicherenergie zu gewinnen. Beispiel: Aus dem Netz werden 100 MW Leistung eingespeist und vom Generator / Motor aufgenommen. Das System benötigt aber 150 MW. Also werden von der Turbine zusätzlich 50 MW bereitgestellt. An der Pumpe stehen daher 150 MW an. 100 MW werden an den Speicher Kops abgegeben. Das System kann also die Leistung nutzen, die angeboten wird.

Fazit

Der Besuch im Kopswerk II lohnt sich auf jeden Fall. Nicht nur die landschaftlich schöne Gegend lockt, sondern auch die intelligente Lösung von Energieproblemen ist interessant. Besucher können im Informationszentrum weitere Einzelheiten erfahren. Schüler- und Studentengruppen können nach Anmeldung auch einen Blick hinter die Kulisse werden.

  • Illwerke vkw – Kommunikation, Anmeldung via »Internet

Noch eine Besonderheit, die positiv hervorzuheben ist: Während der über fünfjährigen Bauzeit musste nicht ein tödlicher Unfall beklagt werden.

Linktipps:

Foto / Grafiken © Illwerk AG

» (4) Kopswerk II – Fertigstellung

(3) Kopswerk II – Bauphase

Mittwoch, den 27. August 2008

Im August dieses Jahres hatten wir die Chance das Korpswerk II zu besichtigen. Ein interessantes Projekt, das kurz vor der Fertigstellung ist.

Mächtige Maschinen sind im Berg versteckt

Um die Maschinen in diesem sechs geschössigem “Bauwerk” unterzubringen, musste ein riesiger Holraum im Berg geschaffen werden. Dazu wurde von oben nach unten eine Höhle gesprengt, um dann in den entsprechenden Geschossen die Technik montieren zu können:

  • 1. Tiefgeschoss (TG) Turbinengeschoss
  • 2. TG Druckluftkammergeschoss
  • 3. TG Generatorgeschoss
  • 4. TG Wandlergeschoss
  • 5. TG Pumpengeschoss
  • 6. TG Pumpenklappenraum / Pumpenzulauf

Ein Maschinensatz (drei sind vorhanden) besteht aus der sechsdüsigen Peltonturbine, dem Motorgenerator, dem Wandler und der Speicherpumpe. Die Teile können natürlich nicht in einem Stück angeliefert werden, sondern wurden vor Ort montiert. Um ein Vorstellung zu haben, hier einige Zahlen: Wandler (5,1 x 4,8 Meter) wiegt 95 Tonnen, eine Startorhälfte (4,8 x 6,4 Meter) 95 Tonnen sowie der Rotor (9 x 3,4 Meter) mit 135 Tonnen. Für die Montage stehen zwei 130-t-Kräne zur Verfügung. Auch wenn es sich hier um Schwermaschinenbau handelt, ging es oft nur um Millimeter – in einem Berg geht es halt eng zu. Die Bauteile wurden meist auf der Schiene angeliefert und für die letzten Kilometer auf Schwerlasttransporter verladen. Die Anlieferung erfolgt nachts, um den allgemeinen Straßenverkehr so wenig wie möglich zu behindern. Jeder Transport war ein kleines Abenteuer.

24-Stundenschichten für die Termintreue

Das Gesamtprojekt wurde in unterschiedliche Baulose eingeteilt. Gearbeitet wurde im Drei-Schichtbetrieb rund um die Uhr. Ein Baulos war beispielsweise der Bereich Druckstollen / Versalstollen. Riesige Höhlen müssen dazu in den Berg getrieben werden. In diesen Röhren wurden dann die Rohrleitungssegmente eingesetzt und miteinander verschweißt. Natürlich spielt auch der Korrosionsschutz eine besondere Rolle. Wo Wasser auf Stahl trifft entsteht Rost. Korrosion erzeugt Undichtigkeit – daher wurden nicht nur ständig alle Schweißnähte kontrolliert, sondern auch die Korrosionsschutzschicht. Zusammengefasst hieß dies: Strahlen – reinigen – prüfen – grundieren – Abnahme. Weitere Informationen im Teil 4.

Linktipps:

Foto / Grafiken © Illwerk AG

» (3) Kopswerk II – Bauphase

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