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Archiv der Kategorie ‘Politik‘

Förderstreit um Solarenergie

Montag, den 9. Januar 2012

Im gerade begonnen Jahr 2012 wird die Zukunft der deutschen Solarkraft zweifelsohne eine der wichtigsten Fragen zum Thema Energiewende sein. Dabei gehen die Meinungen über den Sinn und Zweck der Photovoltaik weit auseinander. Während Befürworter darin eine weltweit boomende Zukunftstechnologie sehen, halten Skeptiker sie für ein übersubventioniertes Fördergrab.

Wirtschaftsminister Rösler will Solarkraft ausbremsen

Obwohl seine Partei nach aktuellen Umfragewerten eigentlich in der politischen Landschaft unter “Sonstige” laufen müsste, ist FDP-Chef Philipp Rösler immer noch Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler. Deshalb wird seine Meinung gehört – zum Beispiel beim traditionellen Dreikönigstreffen am vergangenen Freitag. Hier äußerte Rösler unter anderem seine Standpunkte zur Energiewende. Einer davon lautete: “Wer aus der Kernenergie aussteigen will, der muss auch in fossile Kraftwerke einsteigen.” Gemeint sind damit vor allem klimaschädliche Kohlekraftwerke, deren Neubau der Wirtschaftsminister für unbedingt notwendig hält. Demgegenüber, so Rösler, sei die Solarenergie in Deutschland maßlos übersubventioniert. Die Hälfte des Fördervolumens aus der EEG-Umlage auf eine Energietechnologie zu verwenden, die lediglich drei Prozent zur Stromversorgung des Landes beitrage, habe nichts mit Marktwirtschaft zu tun. Deshalb strebt Rösler ein baldiges Ende der Solarförderung an.

Immerhin in einem Punkt muss man dem Wirtschaftsminister Recht geben: Die Solarkraft wird wohl auch auf absehbare Zeit nicht zu den führenden Energieträgern in Deutschland gehören. Ihr wirkliches Potenzial liegt schon aus klimatischen Gründen weiter südlich, zum Beispiel im Rahmen des ambitionierten Zukunftsprojektes Desertec, das uns irgendwann einmal mit Sonnenstrom aus der Wüste versorgen soll. Dennoch beurteilt Rösler den hiesigen Stellenwert der Solarkraft viel zu eindimensional. Die Produkte der deutschen Photovoltaik-Branche sind unter anderem durch per Förderung erreichten Technologievorsprung zum Exportschlager geworden. Dies zu entschleunigen wäre vor allem im Angesicht der boomenden Konkurrenz aus Fernost ökonomisch unsinnig und würde zahlreiche Arbeitsplätze kosten. Darüber hinaus kommt die Solarförderung nicht nur der Wirtschaft, sondern auch vielen Verbrauchern zugute. Mehr und mehr Haushalte in Deutschland beteiligen sich mit privaten Solaranlagen an der allgemeinen Stromerzeugung. Diese Form der dezentralen, erneuerbaren Energiegewinnung ist klimafreundlich und effizienzsteigernd – und sie ist nur deshalb ein wachsender Trend, weil Subventionen die Preise für die nötige Technologie purzeln lassen.

Foto © Pixelio, Rainer Sturm

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Kampf den Konzernen

Dienstag, den 20. Dezember 2011

Die Energiewende ist eine Chance. Und zwar nicht nur für Umwelt und Klima, sondern auch für neue Machtverhältnisse auf dem Strommarkt. Die Dominanz der etablierten Kohle- und Atomkonzerne könnte angesichts alternativer Erzeugungs- und Vermarktungsformen zunehmend schwinden, während kleinteilige, dezentral organisierte Anbieter den Ausbau erneuerbarer Energien für sich nutzen. Diesbezüglich hat nun die SPD angekündigt, die Marktmacht der Konzerne künftig auch mit politischen Mitteln brechen zu wollen.

SPD will neue Verhältnisse auf dem Strommarkt

Geht es nach dem Willen der Sozialdemokraten, so soll der Marktanteil der Energiekonzerne E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall – derzeit noch bei etwa 80 Prozent – innerhalb der nächsten zehn Jahre auf unter 50 Prozent sinken. Gleichzeitig soll die Position der Stadtwerke und kommunalen Versorger, die derzeit über einen rund zehnprozentigen Marktanteil verfügen, deutlich gestärkt werden. Der Weg dahin führt zwangsläufig über den Bereich der Erzeugung. So heißt es im SPD-eigenen Antrag zur Energiewende: “Dabei müssen sich die Stadtwerke weiter entwickeln, sie dürfen nicht mehr alleine nur Stromhändler sein, sondern müssen auch wieder eigenständig Produktionskapazitäten aufbauen.” Und genau das will man künftig gezielt fördern. Beim Bau neuer und hocheffizienter Kraftwerke sollen entsprechende Investitionszuschüsse des Staates nach dem Willen der SPD ausschließlich an mittelständische Erzeugungsunternehmen, Stadtwerke und Genossenschaften vergeben werden. Gleichzeitig ist im Falle eines Wahlsieges 2013 geplant, die bis 2016 laufende Brennelementesteuer zu entfristen und damit zu erhöhen. Die Atomkonzerne, die nach bisheriger Planung bereits mit jährlich rund 1,3 Milliarden Euro zur Kasse gebeten werden, würden dadurch noch stärker belastet.

Im Positionspapier der SPD zur Energiewende finden sich des Weiteren Strategien zur Minderung des Verbrauchs und gleichzeitigen Steigerung der Effizienz. Beispielsweise soll in Zukunft deutlich mehr Geld als die bisherigen 1,5 Milliarden Euro pro Jahr in die Förderung energetischer Sanierungen fließen. Im Strombereich plant die SPD bereits bis zum Jahr 2020 einen mehr als 40-prozentigen Anteil erneuerbarer Energien. Dieser soll unter anderem durch eine weiterhin dynamische und nicht etwa, wie aktuell von Wirtschaftsminister Rösler gefordert, begrenzte Solarförderung erzielt werden. Auch der Strom für den deutschen Bahnverkehr soll nach sozialdemokratischer Planung künftig rein erneuerbar und damit CO2-frei werden. In Bezug auf den dringend notwendigen Netzausbau prüft die SPD, ob Bahnstrecken und Autobahnen verstärkt für neue Trassen genutzt werden können, um Landschaftseingriffe zu vermeiden.

Foto © Pixelio, her-life.com

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Europas unsichere Atommeiler

Dienstag, den 29. November 2011

Die Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima löste Anfang des Jahres nicht nur in Deutschland eine Grundsatzdiskussion über die Sicherheit von Atomkraftwerken aus. Als unmittelbare Reaktion verordnete die EU sämtlichen europäischen Meilern sogenannte Stresstests, die mögliche Auswirkungen von Naturkatastrophen sowie menschlichem Versagen überprüfen sollten. Vor allem im Atomkraftland Frankreich dürften die nun veröffentlichten Ergebnisse für einige Kopfschmerzen sorgen.

Französische AKW fallen durch Stresstests

Innerhalb der Europäischen Union sind aktuell 143 Atomkraftwerke aktiv. Während die meisten EU-Mitgliedstaaten zwischen zwei und neun Meiler betreiben, befinden sich in Frankreich ganze 58. Unsere westlichen Nachbarn stützen ihre Stromversorgung zu rund 80 Prozent auf die Kernenergie. Die innerhalb der vergangenen Wochen durchgeführten Stresstests haben allerdings speziell für Frankreich erschütternde Ergebnisse zu Tage gefördert: Alle 58 Meiler weisen demnach erhebliche Sicherheitsmängel auf.

Laut EU-Richtlinie müssen Kernkraftwerke sowohl Bränden, Erdbeben und Überflutungen als auch starken Temperaturschwankungen widerstehen können. Viele europäische AKW, darunter jedes einzelne in Frankreich, halten, so das Fazit der ersten Stresstests, die dafür erforderlichen Sicherheitsstandards nicht ein. Zwar wurde im selben Atemzug beschwichtigt, dass keiner der Meiler stillgelegt werden müsse, die erforderlichen Nachrüstungen dürften allerdings millionenschwer ausfallen. Für das durch die Euro-Krise ohnehin schwer gebeutelte Frankreich sozusagen ein Super-GAU.

Besonders bedenklich ist die Tatsache, dass diese ersten Sicherheitsüberprüfungen ausschließlich von den Kraftwerksbetreibern und den nationalen Aufsichtsbehörden durchgeführt wurden. Wenn, wie geplant, bis Mitte nächsten Jahres weitere Auswertungen unabhängiger Experten auf dem Tisch liegen, könnte sich durchaus ein nochmalig verschärftes Bild ergeben. Und wie auch immer die Reaktion der einzelnen EU-Mitgliedstaaten dann ausfällt – Atomausstieg oder Nachrüstung – eins steht fest: Es wird teuer.

Foto © Pixelio, Bjoern Schwarz

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Verbraucherfreundliche Stromrechnung

Dienstag, den 18. Oktober 2011

Infolge einer Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) müssen Strom- und Gasrechnungen künftig deutlich mehr und vor allem verständlichere Informationen enthalten, um letztlich verbraucherfreundlicher zu werden. Höchste Zeit, denn eine Umfrage des Bundes der Energieverbraucher zeigt, dass rund die Hälfte der Stromkunden bei der jährlichen Endabrechnung keinen Durchblick hat.

Stromversorger zu mehr Informationen verpflichtet

352300_R_B_by_Andreas Morlok_pixelio.deDie Novelle des EnWG sieht bereits jetzt ein deutliches Informationsplus für alle Strom- und Gasrechnungen vor. So müssen beispielsweise die Vertragsdauer, die Kündigungsfrist sowie die nächstmögliche Kündigungsmöglichkeit ab sofort auf der Jahresrechnung vermerkt sein. Ab Februar nächsten Jahres folgen weitere Pflichtangaben. Künftig müssen die Stromanbieter grafisch darstellen, inwieweit sich der eigene Verbrauch vom Konsumverhalten anderer Kunden mit vergleichbaren Gegebenheiten unterscheidet. Damit sollte jeder Endverbraucher auf einen Blick erkennen können, wie sparsam bzw. verschwenderisch im eigenen Haushalt mit Energie umgegangen wird. Darüber hinaus muss die jährliche Stromrechnung künftig spätestens sechs Wochen nach Ende des Abrechnungszeitraums zugestellt werden. Die Verbraucher können ab nächstem Jahr außerdem frei wählen, ob sie statt der jährlichen eine monatliche, vierteljährliche oder halbjährliche Abrechnung erhalten möchten. Bei intelligenten Stromzählern ist dieser Service kostenfrei. Befindet sich ein herkömmlicher Stromzähler im Haushalt, darf der Versorger allerdings ein zusätzliches Entgelt für Abrechnungen in kürzeren Intervallen erheben.

Aribert Peters, Vorsitzender des Bundes der Energieverbraucher, begrüßt die neue Informationspflicht und denkt noch einen Schritt weiter: “Die neuen Regelungen des EnWG zu Stromrechnungen kommen den Bedürfnissen der Verbraucher entgegen. Die Bundesnetzagentur sollte den Unternehmen genauere Vorgaben für eine bundesweit einheitliche Gestaltung der Rechnungen machen. Zu solchen Vorgaben ist die Netzagentur aufgrund der neuen gesetzlichen Regelung auch durchaus berechtigt.” Laut Umfrage des Verbandes halten 51 Prozent der Stromkunden ihre bisherige Rechnung für schwer verständlich. Mehr als 80 Prozent der Befragten wünschen sich in Zukunft eine aufgeschlüsselte Detailübersicht sowie einen direkten Überblick zu Gesamtverbrauch und Endpreis auf der ersten Seite. Die Befragung ergab außerdem, dass rund die Hälfte der Verbraucher eine Abrechnung in kürzeren Intervallen als nur einmal pro Jahr für sinnvoll hält.

Foto © Pixelio, Andreas Morlok

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Japan und China fördern Ökostrom

Dienstag, den 13. September 2011

Obwohl Deutschland mit dem Beschluss zum vorzeitigen Atomausstieg die globale Ausnahme bildet, gibt es dennoch weltweite Bestrebungen zur gezielten Förderung Erneuerbarer Energien. Ein vieldiskutiertes Instrument dazu sind feste Einspeisevergütungen, die derzeit zum Beispiel in Japan und China eingeführt wurden, um Ökoenergien markttauglicher zu gestalten.

Feste Einspeisevergütungen für Erneuerbare Energien

WindkraftNicht nur vor dem Hintergrund der Atomkatastrophe von Fukushima, sondern auch im Hinblick auf die ökonomischen Perspektiven Erneuerbarer Energien, gewinnt deren politische Förderung weltweit zunehmend an Bedeutung. Beispielhaft haben sich aktuell die beiden größten Wirtschaftsmächte Asiens für feste Einspeisetarife als Förderrahmen entschieden, um den zügigen Ausbau regenerativer Stromerzeugung voranzutreiben. In Japan wurde ein spezielles Vorranggesetz installiert, welches sich stark am deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) orientiert. Die chinesische Regierung hat parallel dazu landesweit gültige Einspeisevergütungen für Solarstrom als ein erstes Förderinstrument festgelegt.

Das Prinzip der festen Einspeisetarife ist allerdings nicht unumstritten. Kritiker bezeichnen es immer wieder als zu teuer und zu wenig marktwirtschaftlich. Alternativ wird in Teilen der Welt das sogenannte Quotenmodell praktiziert, bei dem die Energieversorger eines Landes eine gesetzte Ökostrom-Quote produzieren müssen und diese per Zertifikatehandel untereinander aufteilen können. Das Quotenmodell erzielte bislang allerdings ebenso wie spezielle Bonus- oder Prämiensysteme eher enttäuschende Ergebnisse. Die mangelnde Investitionssicherheit innerhalb dieser Prinzipien führt meist zu hoch kalkulierten Kosten und verhindert gleichzeitig das Entstehen einer eigenen Herstellerindustrie. Länder wie Italien und Großbritannien sind hierfür exemplarische Negativbeispiele. Demgegenüber gilt das deutsche EEG mit seinen festen Einpeisetarifen und Vorrangregelungen als weltweit erfolgreichstes Instrument zur Förderung erneuerbarer Energien. Das EEG fungiert in mittlerweile mehr als 40 Ländern der Welt als Vorbild und ist damit das meistkopierte Energiegesetz der Welt. Genau aus diesem Grund orientieren sich nun auch Japan und China bei ihrer Förderpolitik an einem System mit festen Einspeisevergütungen.

Foto © Pixelio, Thommy Weiss

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Renaissance der Kohlekraft

Dienstag, den 16. August 2011

Vor diesem Szenario hatten Umwelt- und Energieexperten bereits seit Beginn der Atomdiskussion in Deutschland gewarnt: Man dürfe den Ausstieg aus der Kernenergie nicht mit einem Plus an Kohlekraft bewältigen. Doch nun verdichten sich die Anzeichen, dass genau dies geschehen könnte, denn die Bundesnetzagentur dringt aktuell auf den außerplanmäßigen Weiterbetrieb von vier veralteten Kohlekraftwerken in Nordrhein-Westfalen.

Laufzeitverlängerung für Kohlekraftwerke in NRW

485116_R_K_B_by_Dieter Schütz_pixelio.deLaut Medienberichten hat die Bundesnetzagentur die nordrhein-westfälische Landesregierung aufgefordert, die in 2012 geplante Stilllegung von vier Kohlekraftwerken aufzuschieben. Konkret geht es um drei Blöcke in Datteln und eine Anlage in Herne – allesamt bereits seit mehr als 40 Jahren in Betrieb. Die Begründung ist nicht schwer zu erraten: Man befürchtet aufgrund der schwindenden Atomkraft mögliche Stromengpässe. Dies betreffe vor allem die Bereiche Fernwärme und Bahnstrom. Die NRW-Landesregierung ist nach eigenen Aussagen grundsätzlich gesprächsbereit und erwägt gar einen “geduldeten” Weiterbetrieb der Altanlagen. Kraftwerksbetreiber E.ON hat indes schon mal vorsorglich Klage gegen die ursprünglich geplante Stilllegung eingereicht. Wohl auch, weil sich im Fall Datteln noch immer ein umstrittener Kraftwerksneubau in der Schwebe befindet, den man in der Gunst der Stunde nun gerichtlich durchdrücken will.

Erinnert sich noch jemand an die hiesige Energiediskussion vor Fukushima? Die deutschen Atomkraftwerke sollten damals lustig weiterlaufen, weil sie als sicher und sauber galten. Das globale Klima war in aller Munde, und der Staatsfeind Nummer eins hieß CO2. Selbiges wird bis heute unvermindert aus den Schloten der Kohlekraftwerke geblasen, weil eine simple Werteverschiebung stattgefunden hat. Im Licht der monströsen Risikotechnologie Kernkraft wirkt die Kohle zwar immer noch schmutzig, aber eben nicht lebensbedrohlich. Zwar hatten zahlreiche Politiker, Umweltverbände und Energieexperten frühzeitig vor einer drohenden Renaissance der Kohlekraft im Zuge des Atomausstiegs gewarnt. Aber seien wir ehrlich: Der Klimakiller Kohle steht seit den Ereignissen in Japan völlig außerhalb der öffentlichen Debatte. Windparks und Solardächer werden ausgiebig gefeiert, dabei vergessen viele, dass die Kohlekraft noch immer unangefochten an der Spitze der deutschen Energieerzeugung steht.

Foto © Pixelio, Dieter Schütz

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Atomausstieg unterzeichnet

Donnerstag, den 4. August 2011

Vor nicht einmal acht Monaten hat Christian Wulff zum letzten Mal ein Gesetz zur Kernenergie unterschrieben. Damals galt in der Regierung allerdings noch eher das Motto: Atomkraft – ja bitte. Nun hat der Bundespräsident erneut zum Stift gegriffen und diesmal den endgültigen Atomausstieg Deutschlands besiegelt.

Bundespräsident unterschreibt Änderung zum Atomgesetz

516738_R_K_B_by_Gerd Altmann_pixelio.deWie schon bei der Absegnung der Laufzeitverlängerung im Dezember 2010 teilte das Präsidialamt mit, Christian Wulff habe die Änderung zum Atomgesetz nach sorgfältiger Prüfung der Verfassungsmäßigkeit unterzeichnet. Tja, das Leben ist eben doch eine Aneinanderreihung von Wiederholungen. Der Kern des Gesetzes ist allgemein bekannt: Schrittweises Abschalten der deutschen Meiler bis zum endgültigen Ausstiegsdatum 2022. Die acht ältesten und bereits abgeschalteten Kernkraftwerke verbleiben im ewigen Schlummer, bis September soll die Bundesnetzagentur allerdings entscheiden, ob einer der Altreaktoren für den Fall von Stromengpässen noch zwei Jahre lang in Bereitschaft bleibt. Ab 2015 beginnen dann weitere Stilllegungen. Den Anfang wird das AKW Grafenrheinfeld machen, 2017 folgt Gundremmingen B, 2019 Philippsburg II, 2021 die Meiler Grohnde, Brokdorf und Gundremmingen C und im Jahr 2022 gehen mit Isar II, Neckarwestheim II und Emsland die letzten Reaktoren vom Netz.

Jedes stillgelegte Kernkraftwerk bedarf einer mehrjährigen Nachbetriebsphase, innerhalb derer die Brennelemente abkühlen müssen. Erst danach kann mit dem eigentlichen Abbau begonnen werden. Schätzungen zufolge kostet das Ganze mindestens 500 Millionen Euro pro Meiler, die, oh Wunder, von den Konzernen bezahlt werden müssen. Selbige haben dafür allerdings auch Milliarden durch den jahrelangen Betrieb abgeschriebener Atomkraftwerke auf der hohen Kante. Zornig sind E.ON, RWE und Co. trotzdem. Zum einen erwägen sie Schadensersatzforderungen wegen einst zugesicherter und nun verfallender Reststrommengen. Zum anderen ist mit Klagen gegen die vieldiskutierte Brennelementesteuer zu rechnen. Selbige war nämlich zu Zeiten der geplanten Laufzeitverlängerung erdacht worden, soll nun aber trotz Kurswechsel jährlich 1,3 Milliarden Euro in die Staatskasse spülen. In den Atomdeal haben also noch nicht alle Hände eingeschlagen.

Foto © Pixelio, Gerd Altmann

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Atomprotest als Bürgerhobby

Dienstag, den 12. Juli 2011

Deadline 2022 und bis dahin schrittweises Abschalten der deutschen Meiler – die Würfel in der Atompolitik sind gefallen. Sollte man meinen. Gesellschaftliche Zufriedenheit sieht allerdings anders aus, denn der zivile Protest läuft so unaufhörlich Sturm gegen das Energiekonzept der Bundesregierung, als hätte es die Ausstiegsentscheidung nie gegeben.

“Erna, grab den Pflasterstein aus”

503336_R_B_by_Gerd Altmann_pixelio.deDie deutsche Demonstrationskultur ist innerhalb des letzten Jahres prächtig gediehen. Es gab ja auch jede Menge Anlässe zum Üben. Speziell Stuttgart 21, die kurzzeitige Laufzeitverlängerung der AKW und Fukushima haben dazu geführt, dass sich Alt-68er und Oberstudienräte in der ersten Reihe vor dem Wasserwerfer in den Armen lagen. Gut so, denn eine lebhafte Protestkultur zeigt stets den Grad der politischen Aufklärung einer Gesellschaft an. Allerdings existiert ziviler Widerstand ja nicht um seiner selbst Willen, sondern um bestimmte Ziele zu erreichen oder zumindest zum Ausdruck zu bringen. Und doch sind die Kampfparolen nach der Verkündung des schrittweisen Atomausstiegs keineswegs knallenden Sektkorken gewichen. Umweltverbände und Bürgerinitiativen zieht es nach wie vor in Strömen auf die Straße, und in der politischen Phalanx der neuen Erfolgs-Grünen tun sich tiefe Gräben bei der Frage auf, ob man dem Kurs der Regierung nun zustimmen sollte oder nicht.

Bei allem Verständnis für die Sache, muss man sich doch die Frage stellen: Macht das noch Sinn? Immerhin markiert der nun beschlossene Atomausstieg einen historischen Einschnitt in der deutschen Energiepolitik. Anders als beim rot-grünen Konzept von 2001 sitzt heute die komplette Parteienlandschaft in einem Boot – einen nochmaligen Ausstieg aus dem Ausstieg wird es also nicht geben. Zudem hätte sich bis vor wenigen Monaten wohl nicht mal der Kapitän der Rainbow Warrior erträumen lassen, dass gleich acht Meiler auf einen Schlag vom Netz genommen werden. Vielleicht ist es also an der Zeit, auch mal die Erfolge zu feiern und die Protestplakate im Hobby-Keller zu lassen.

Ach ja, die notorischen Atomkraftbefürworter halten im Angesicht des offiziellen Ausstiegs natürlich auch nicht still. Neben der Tatsache, dass der ein oder andere Energiekonzern noch immer Verfassungsklagen erwägt, wirkt eine aktuelle Meldung besonders kurios: Die Working Class der deutschen Kerntechniker hatte unlängst zur allgemeinen Mobilmachung gegen den “überhasteten” Atomausstieg aufgerufen und war bis vor die Türen des Kanzleramtes marschiert. Mal ehrlich, der Berufsstand der Kerntechniker dürfte auf der öffentlichen Beliebtheitsskala derzeit irgendwo zwischen Hedge-Fonds-Manager und griechischem Finanzpolitiker rangieren. Auf welche gesellschaftliche Lobby hofft man denn da?

Wäre ein schnellerer Atomausstieg möglich? Mit Sicherheit. Aber die Deadline 2022 ist eben kein umweltpolitischer Idealfall, sondern eine gesamtgesellschaftliche Kompromisslösung. Und wahrscheinlich ging das auch nicht anders, denn die Politik musste neben den Protestbannern der Bürger wohl oder übel auch die drohenden Zeigefinger der Konzerne im Hinterkopf behalten.

Foto © Pixelio, Gerd Altmann

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Energiewende auf Kosten der Armen?

Dienstag, den 5. Juli 2011

Der endgültige Beschluss zum Atomausstieg und damit zur breit angelegten Energiewende trifft bei der überwältigenden Mehrheit der Bundesbürger auf große Zustimmung. Wenn man sich auch nicht gleich “blühende Landschaften” ausmalt, dann doch zumindest eine nachhaltige, klima- und ressourcenschonende Zukunft. Aber ist die dann auch sozial gerecht? Die Hilfsorganisation “Brot für die Welt” mahnt diesbezüglich an, dass die nationale Energiewende durchaus Tendenzen beinhaltet, die die internationale Armut befördern.

“Brot für die Welt” kritisiert Kürzungen beim internationalen Klimaschutz

517018_R_B_by_Gerd Altmann_Shapes_dezignus.com_pixelio.deGrundsätzlich begrüßt das evangelische Hilfswerk den Beschluss der Bundesregierung zum Atomausstieg. Immerhin sei die Verwirklichung der Energiewende auch auf das Engagement der Zivilgesellschaft und der Kirchen zurückzuführen. Deren Ruf nach Zukunftsverantwortung habe den politischen Entscheidungsprozess positiv beeinflusst. Nun aber appelliert “Brot für die Welt” an die Regierungskoalition, ihre klimapolitische Verantwortung auch international wahrzunehmen. Auf einer Bilanzpressekonferenz in Berlin gab die Direktorin, Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel, zu bedenken, dass die deutsche Energiewende auf Kosten armer Länder zu gehen drohe. Hintergrund ist ein Gesetzentwurf der Regierung, demzufolge die ursprünglich für den weltweiten Klimaschutz vorgesehenen Mittel gekürzt werden sollen, um die nationale Energiewende zu finanzieren. Diese Gelder sollen künftig beispielsweise in den Ausbau der Elektromobilität oder auch in die Kompensation energieintensiver Wirtschaftszweige fließen. Füllkrug-Weitzel übt daran deutliche Kritik: “Damit würden wir nicht nur die Armen weiter in eine fatale Richtung treiben, sondern auch unsere Glaubwürdigkeit verlieren.”

Nicht nur Kürzungen beim internationalen Klimaschutz könnten sich dabei als fatal für die Entwicklung ärmerer Länder erweisen, sondern auch der zunehmende Run auf Agrarflächen, die zum Anbau von Biotreibstoffen genutzt werden. Während selbst in Deutschland diesbezüglich immer wieder Diskussionen geführt werden, stellt die Vedrängung des Nahrungsmittelanbaus durch Bioenergien gerade in agrarwirtschaftlich orientierten Ländern und Regionen eine massive Belastung dar. Benachteiligt werden in erster Linie ärmere Bevölkerungsteile, weil Ackerflächen knapp und Nahrungsmittel teurer werden. Als Beispiel nennt “Brot für die Welt” den Fall Sierra Leone, wo ausländische Firmen Ackerland für den Anbau von Zuckerrohr als Biotreibstoff vereinnahmen, während die heimischen Kleinbauern gleichzeitig verarmen.

Foto © Pixelio, Gerd Altmann

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Stromtransport per Deutsche Bahn

Freitag, den 13. Mai 2011

Wenn Sie in Zukunft nach Feierabend in den Zug nach Hause steigen, dann könnte es sein, dass ihr Strom gleich mitfährt. Denn in einer Machbarkeitsstudie soll demnächst geprüft werden, ob und in welchem Ausmaß das Stromnetz der Deutschen Bahn genutzt werden kann, um Ökostrom von A nach B zu schicken.

Bahn-Netz soll Ökostrom befördern

502982_R_B_by_Erich Westendarp_pixelio.deNicht erst seit der Diskussion um einen vorzeitigen Atomausstieg ist der Politik eines klar: Die Energiewende wird teuer. Einen erheblichen Kostenfaktor im Versorgungskonzept der Zukunft stellen vor allem die Netze dar. Selbige sollen nämlich nicht nur möglichst intelligent sein – Stichwort Smart Grid – sondern auch massiv ausgebaut werden. Schließlich will man vom sauberen Windstrom aus der Nordsee auch im alpinen Bayern noch was haben. Ergo muss der Ökostrom transportiert werden. Ob dies zu einem gewissen Teil künftig über das Netz der Deutschen Bahn realisiert werden kann, wollen nun Vertreter der Bundesministerien für Wirtschaft und Verkehr, der Bahn, des Eisenbahn-Bundesamtes sowie der Bundesnetzagentur überprüfen. Die rund 7.800 Kilometer langen Hochspannungsleitungen der Bahn werden bislang ausschließlich für die Versorgung der Züge genutzt. Würden diese zusätzlich zu Gütern und Fahrgästen in Zukunft auch noch Strom transportieren, könnte sich die Regierung so manche neue Trasse und damit vielleicht die ein oder andere Million sparen.

Laut einer Studie der Deutschen Energie-Agentur müssten 3.600 Kilometer an neuen Stromtrassen errichtet werden, um den im Norden der Republik erzeugten Windstrom künftig bundesweit effektiv zu verteilen. Neben den immensen Kosten stehen diesem Vorhaben auch zahlreiche Bürgerproteste im Wege, die negative Auswirkungen der Hochspannungsleitungen auf Mensch und Umwelt befürchten. Warum also nicht ein bereits landesweit bestehendes Netz nutzen und den Bau neuer Trassen minimieren? Die Bahn zumindest steht diesem Konzept noch eher skeptisch gegenüber. Die möglichen Gewinnmargen gelten als niedrig, und man fragt sich im Unternehmen, ob man mit der Stromdurchleitung überhaupt ein neues Geschäftsfeld aktivieren kann und will. Immerhin äußerte ein Vertreter der Bahn kürzlich gegenüber dem Magazin Spiegel: “Alles ist möglich, wenn für die Bahn keine zusätzlichen Kosten entstehen.” Tja, wer weiß, vielleicht kommt unser Strom bald auch immer zehn Minuten später als laut Fahrplan angekündigt.

Foto © Pixelio, Erich Westendarp

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