Förderstreit um Solarenergie
Montag, den 9. Januar 2012Im gerade begonnen Jahr 2012 wird die Zukunft der deutschen Solarkraft zweifelsohne eine der wichtigsten Fragen zum Thema Energiewende sein. Dabei gehen die Meinungen über den Sinn und Zweck der Photovoltaik weit auseinander. Während Befürworter darin eine weltweit boomende Zukunftstechnologie sehen, halten Skeptiker sie für ein übersubventioniertes Fördergrab.
Wirtschaftsminister Rösler will Solarkraft ausbremsen
Obwohl seine Partei nach aktuellen Umfragewerten eigentlich in der politischen Landschaft unter “Sonstige” laufen müsste, ist FDP-Chef Philipp Rösler immer noch Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler. Deshalb wird seine Meinung gehört – zum Beispiel beim traditionellen Dreikönigstreffen am vergangenen Freitag. Hier äußerte Rösler unter anderem seine Standpunkte zur Energiewende. Einer davon lautete: “Wer aus der Kernenergie aussteigen will, der muss auch in fossile Kraftwerke einsteigen.” Gemeint sind damit vor allem klimaschädliche Kohlekraftwerke, deren Neubau der Wirtschaftsminister für unbedingt notwendig hält. Demgegenüber, so Rösler, sei die Solarenergie in Deutschland maßlos übersubventioniert. Die Hälfte des Fördervolumens aus der EEG-Umlage auf eine Energietechnologie zu verwenden, die lediglich drei Prozent zur Stromversorgung des Landes beitrage, habe nichts mit Marktwirtschaft zu tun. Deshalb strebt Rösler ein baldiges Ende der Solarförderung an.
Immerhin in einem Punkt muss man dem Wirtschaftsminister Recht geben: Die Solarkraft wird wohl auch auf absehbare Zeit nicht zu den führenden Energieträgern in Deutschland gehören. Ihr wirkliches Potenzial liegt schon aus klimatischen Gründen weiter südlich, zum Beispiel im Rahmen des ambitionierten Zukunftsprojektes Desertec, das uns irgendwann einmal mit Sonnenstrom aus der Wüste versorgen soll. Dennoch beurteilt Rösler den hiesigen Stellenwert der Solarkraft viel zu eindimensional. Die Produkte der deutschen Photovoltaik-Branche sind unter anderem durch per Förderung erreichten Technologievorsprung zum Exportschlager geworden. Dies zu entschleunigen wäre vor allem im Angesicht der boomenden Konkurrenz aus Fernost ökonomisch unsinnig und würde zahlreiche Arbeitsplätze kosten. Darüber hinaus kommt die Solarförderung nicht nur der Wirtschaft, sondern auch vielen Verbrauchern zugute. Mehr und mehr Haushalte in Deutschland beteiligen sich mit privaten Solaranlagen an der allgemeinen Stromerzeugung. Diese Form der dezentralen, erneuerbaren Energiegewinnung ist klimafreundlich und effizienzsteigernd – und sie ist nur deshalb ein wachsender Trend, weil Subventionen die Preise für die nötige Technologie purzeln lassen.
Foto © Pixelio, Rainer Sturm