Big Brother im Stromzähler
Donnerstag, den 5. April 2012Bis zum Jahr 2020 sollen 70 Prozent aller Haushalte in der EU mit intelligenten Stromzählern ausgestattet sein, die erste Umrüstwelle ist hierzulande bereits angelaufen. Das sogenannte Smart Metering hilft allerdings nicht nur dabei, die Energiewende voranzutreiben, es sammelt auch jede Menge private Daten. Ein IT-Sicherheitsexperte verrät, wie weit das mitunter gehen kann.
Datenmissbrauch durch Smart Metering
Im IT-Sicherheitslabor der Fachhochschule Münster wurde unlängst die aktuelle Generation von Smart Metern eingehend untersucht. Experte Dennis Löhr hat im Interview mit dem Lokalmagazin “Ultimo” erklärt, inwiefern wir in Zukunft von unseren eigenen Stromzählern ausspioniert werden. Anfängliche Baureihen, so der Fachmann, hätten den laufenden Stromverbrauch in viertelstündlichen Intervallen ermittelt, während moderne Geräte das mittlerweile sogar im Zwei-Sekunden-Takt bewerkstelligen. Dies mache den Stromverbrauch derart transparent, dass der Messstellenbetreiber am anderen Ende der Leitung exakt sehen könne, wer wann zu Hause ist und welches Elektrogerät bedient.
Klingt erstmal abstrakt, lässt sich aber durchaus konkret nutzen bzw. missbrauchen. Denn anhand der Stromdaten kann man laut Dennis Löhr beispielsweise nicht nur erkennen, wann der Fernseher eingeschaltet wurde, sondern auch welches Programm lief. “Der Stromverbrauch des Fernsehers schwankt minimal bei der Abfolge von hellen und dunklen Bildern. Wenn ich diese Information mit dem Programm der Sender abgleiche, kann ich daraus schließen, welchen Film Sie gesehen haben”, so der Experte. Man habe im Rahmen der Untersuchungen sogar mit geringem Aufwand ein Programm entwickelt, das einen Abgleich von Stromdaten und TV-Sendungen automatisch vornimmt. Löhr: “Die Werbeindustrie wird natürlich schwer hinter den Daten her sein, weil sie stark personalisierte Werbung ermöglichen.”
Und schon ist der Bürger wieder ein bisschen gläserner. Es ist ja hinreichend bekannt, mit welcher Emsigkeit zum Beispiel Adress- und Profildaten in den dunklen Gassen des Internets gehandelt werden. Kann man hierbei noch mit einem gewissen Maß an Selbstbestimmung durch eiserne Anonymität vorbeugen, wird das beim Smart Metering kaum möglich sein. Den intelligenten Zähler bekommen wir alle und können dabei nur hoffen, dass die Datensicherheit der Messstellenbetreiber funktioniert.
Foto © Pixelio, Cisco Ripac


Nach einem im vergangenen Monat erfolgten Beschluss der Koalitionsfraktionen soll die im Erneuerbare Energien Gesetz geregelte Vergütung von Solarstromanlagen bis zum Frühjahr 2011 in zwei Schritten um bis zu 33 Prozent reduziert werden. Darüber hinaus soll die Förderung der besonders ertragreichen Photovoltaikanlagen auf Ackerflächen ganz entfallen. SolarWorld-Chef Frank Asbeck warnt im Interview mit zeo2 vor einem “Gemetzel” gegen die Branche: “Die Absenkung ist zu massiv, und sie kommt zu früh. Das überleben nur die Besten, in Deutschland kostet das vermutlich 20.000 Arbeitsplätze.” Dies sei “katastrophal, ausgerechnet jetzt, wo wir kurz davor sind, Netz-Parität zu erreichen.” Der eigentliche Boom der Solarenergie stehe erst bevor, wenn in Deutschland 2013 ebendiese Netzparität erreicht sei. 




