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Stromanbieter Wechsel – Darauf kommt es an

Mittwoch, den 12. Oktober 2011

Interview mit Dr. Jörg Heidjann von StromAuskunft.de

Wie viel lässt sich denn mit einem Wechsel des Anbieters tatsächlich sparen?

Dr. Jörg Heidjann

Dr. Jörg Heidjann

Die mögliche Ersparnis bei einem Stromanbieterwechsel hängt von Ihrem jetzigen Tarif sowie von Ihrem Jahresverbrauch ab. Wenn Sie z.B. noch nie Ihren Anbieter gewechselt haben und somit den in der Regel teuren Grundtarif Ihres lokalen Versorgers beziehen, dann sind für eine Familie schnell mal 500 Euro Ersparnis pro Jahr drin.

Die größte Sorge der Verbraucher ist oft noch – es geht etwas schief und man sitzt im Dunkeln. Begründet?

Nein, der Stromanbieter Wechsel ist einfach und ohne jegliches Risiko möglich. Wenn Sie sich für einen neuen Stromanbieter entschieden haben, dann übernimmt dieser die lückenlose Stromversorgung. Der Stromzähler muss nicht ausgetauscht werden und es werden auch keine neuen Leitungen gelegt. Es gibt kein Risiko, nach dem Wechsel ohne Strom dazustehen. Das ist gesetzlich garantiert.

Worauf sollte man bei Preisvergleichen denn achten? Der billigste Anbieter steht ja immer ganz oben. Den kann man doch gleich nehmen?

Im Prinzip ist das richtig. Wir empfehlen jedoch, die Tarife genau zu vergleichen und die vorhandenen Filterfunktionen in unserem Tarifrechner zu nutzen.  Achten Sie z.B. auf eine nicht zu lange Vertragslaufzeit und auf eine kurze Kündigungsfrist.  Je kürzer, desto besser. Dann sollten Sie Tarife mit hohen Vorauszahlungen, hohen Kautionen sowie Festpreisangebote meiden.

Nicht erst seit dem beschlossenen Atomausstieg steht Ökostrom immer höher im Kurs. Hier hält sich hartnäckig das Vorurteil, dass der oft deutlich teurer ist. Was sind Ihre Erfahrungen?

In der Tat wechseln immer mehr Verbraucher zu einem Ökostrom Anbieter. Und die sind in der Regel nicht teurer, als der jetzige Anbieter. Viele Verbraucher sparen durch einen Wechsel zu einem Ökostromanbieter sogar noch Geld, insbesondere natürlich die Estwechsler, d.h. diejenigen, die in den teureren Tarifen Ihres lokalen Versorgers stecken.

Wir empfehlen unseren Kunden ganz klar einen Wechsel zu einem Ökostromanbieter. Denn damit sorgen sie nicht nur für mehr Wettbewerb im Strommarkt, sondern leisten gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz.

Wie geht das? Worauf kommt es an?

Für einen Strompreisvergleich benötigen Sie lediglich Ihren Jahresverbrauch und Ihre Postleitzahl. Bei der Auswahl des richtigen Tarifes geben wir folgende Empfehlungen:

-       Die Vertragslaufzeit sollte nicht zu lang sein. Als Faustformel kann man sich hier 1 Jahr merken.

-       Für die Kündigungsfrist gilt: Je kürzer, desto besser.

-       Tarife mit hohen Vorrauszahlungen, hohen Kautionen sowie Festpreisangebote sollten gemieden werden.

-       Der Stromtarif sollte regelmäßig, mindestens 1 mal pro Jahr überprüft werden. Dazu bieten wir bei StromAuskunft.de z.B. unseren kostenlosen Service, den „StromSheriff“ an.

Unser Tipp:

Überprüfen Sie jetzt Ihren Stromtarif mit dem kostenlosen Stromrechner von StromAuskunft.de

P.S. Hören Sie sich auch den Radiobeitrag zum Thema Strompreise und Stromanbieterwechsel an.


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Von den Zinsen leben, nicht von der Substanz

Mittwoch, den 25. Mai 2011

Jedes Unternehmen in Deutschland benötigt Energie. Strom für Anlagen in der Produktion, Wärme für Gebäude. Größere, produzierende Mittelständler benötigen dabei häufig soviel Strom und Wärme, die jeweils dem Verbrauch einer Kleinstadt entsprechen können. Klimaschützer sprach mit Prof. Dr. Andreas Schulte, Leiter des Wald-Zentrums der Universität Münster, über die Möglichkeiten von Unternehmen, Energie zu sparen und damit nicht nur im Sinne der Umwelt, sondern auch im Sinne der Wirtschaftlichkeit zu handeln.

Klimaschützer:
Prof. Schulte, vorab die wichtigste Frage: Kann Klimaschutz für ein Unternehmen überhaupt wirtschaftlich sein?

Prof. Schulte:portrait-andreas-schulte
„Ich behaupte sogar: Umwelt- und Klimaschutz sind heute Voraussetzung für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg! Aber fangen wir von vorne an. Unternehmen, die sich für erneuerbare Energien interessieren, haben natürlich die enorm gestiegenen Energiepreise im Blick – oder besser im Nacken. Durch Optimierungen im Produktionsprozess können der Energieverbrauch und damit die Kosten gesenkt werden, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern und damit volatilen, stark steigenden Preisen bleibt jedoch bestehen. Natürlich ist ein Umstieg auf erneuerbare Energien mit einer Investition verbunden. Neue Anlagen müssen angeschafft und installiert, ggf. Personal angelernt und neue Zulieferer gefunden werden. Das Beispiel einer von uns durchgeführten Studie für die Krombacher Brauerei zeigt, dass sich diese Investition bereits nach deutlich weniger als 10 Jahren bezahlt macht. Das Unternehmen reduziert damit bereits mittelfristig die CO2-Emissionen, die Abhängigkeit von großen Energieversorgern und Energiekosten in Millionenhöhe jährlich.“

Klimaschützer:
Wie wird man als Unternehmen klimaneutral?

Prof. Schulte:
„Der Weg zur sogenannten Klimaneutralität beginnt mit der Erfassung der Treibhausgasbilanz des Unternehmens, des Corporate Carbon Footprint. Um diesen zu ermitteln werden nach vorgegebenen Standards möglichst sämtliche Stoff- und Energieströme des Unternehmens identifiziert und quantifiziert. Ist dies geschehen, ist der 1. Schritt die Vermeidung von Emissionen durch z. B. Steigerung der Energieeffizienz bei der Produktion, dem Umstieg vom Flugzeug auf die Bahn, etc. Im 2. Schritt wird geprüft, welche Möglichkeiten bestehen, aus der fossilen in die regenerative Energieversorgung am Standort selbst einzusteigen. Hierbei gibt es keine allgemeingültigen Lösungen, sondern nur einzelbetriebliche Betrachtungen, die dann mit Vorschlägen von der Geothermie bis zum Biomasse-Blockheizkraftwerk reichen können.

Trotz Vermeidung und Substitution verbleiben grundsätzlich klimarelevante Emissionen, die nicht vermieden werden können. Um diesen ‚Rest-Fußabdruck’ auszugleichen kann ein Unternehmen dann als 3. Schritt Natur- und Umweltschutzprojekte initiieren oder unterstützen, die z. B. über die Wiedervernässung von Mooren oder Moorwäldern, Waldschutzprojekte bzw. Aufforstungen von degradierten Agrar- und Weideflächen CO2 binden oder natürliche Emissionen stoppen.“

Klimaschützer:
Viele Unternehmen geben sich einen grünen Anstrich. Ist Nachhaltigkeit nur ein Modetrend für Unternehmen.

Prof. Schulte:
„Im Jahr des Waldes muss man darauf verweisen, dass das heute fast überstrapazierte Prinzip des nachhaltigen Wirtschaftens erstmalig vor etwa 300 Jahren in forstwirtschaftlichen Schriften beschrieben wird. Von den Zinsen leben, nicht von der Substanz, bringt das Prinzip der nachhaltigen Waldbewirtschaftung auf den Punkt und meinte damals, nur soviel Holz dem Wald zu entnehmen, wie nachwächst. Heute wird der Begriff der Nachhaltigkeit auch in Unternehmen, die auf den ersten Blick weit von der Forst- und Holzwirtschaft entfernt sind, zum Leitprinzip erhoben. Ökologische Aspekte des Umwelt- und Naturschutzes werden heute mit sozialen und wirtschaftlichen Zielen verknüpft.
Grüne Verpackungen, die aus dem Marketing kommen, reichen längst nicht mehr aus und werden schnell als ‚Greenwashing’ erkannt. Eins ist klar: Der Wille zum nachhaltigen Wirtschaften muss langfristig in einer Nachhaltigkeitsstrategie und damit auch in der Unternehmensleitung verankert sein. Diese rechnet sich bereits kurz- bis mittelfristig nicht nur für die Natur und das Klima, sondern auch den betriebswirtschaftlichen Erfolg.“

Das Team des Wald-Zentrums berät Unternehmen, die zukünftig nachhaltig bzw. klimaneutral arbeiten und dabei auch noch Kosten einsparen wollen. Dazu entwickeln die Wissenschaftler Machbarkeitsstudien, die eine wissenschaftliche und unabhängige Entscheidungsgrundlage für die Unternehmen darstellen. Neben der Krombacher Brauerei gehören u.a. auch die Provinzial Rheinland Versicherung AG und die Klasmann-Deilmann GmbH zu den Kunden des Wald-Zentrums in Sachen nachhaltig erfolgreichem Wirtschaften.

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“Gemetzel” gegen Solarbranche

Montag, den 19. April 2010

Das Thema Solarkürzung erhitzt weiterhin die Gemüter aus Wirtschaft und Politik: Das Umweltmagazin zeo2 veröffentlicht in seiner aktuellen Ausgabe ein Interview mit Frank Asbeck, Vorstandsvorsitzender des bekanntesten deutschen Solarenergiekonzerns SolarWorld. Asbeck spricht angesichts der anstehenden Förderkürzungen von einem “Gemetzel” gegen die deutsche Photovoltaik-Industrie, das “nur die Besten überleben”.

SolarWorld-Chef warnt vor Kürzungen

Klaus-Uwe GerhardtNach einem im vergangenen Monat erfolgten Beschluss der Koalitionsfraktionen soll die im Erneuerbare Energien Gesetz geregelte Vergütung von Solarstromanlagen bis zum Frühjahr 2011 in zwei Schritten um bis zu 33 Prozent reduziert werden. Darüber hinaus soll die Förderung der besonders ertragreichen Photovoltaikanlagen auf Ackerflächen ganz entfallen. SolarWorld-Chef Frank Asbeck warnt im Interview mit zeo2 vor einem “Gemetzel” gegen die Branche: “Die Absenkung ist zu massiv, und sie kommt zu früh. Das überleben nur die Besten, in Deutschland kostet das vermutlich 20.000 Arbeitsplätze.” Dies sei “katastrophal, ausgerechnet jetzt, wo wir kurz davor sind, Netz-Parität zu erreichen.” Der eigentliche Boom der Solarenergie stehe erst bevor, wenn in Deutschland 2013 ebendiese Netzparität erreicht sei. Solarstrom vom eigenen Dach würde dann preislich auf einem Niveau mit dem konventionellen Saft aus der Steckdose liegen. Asbeck: “Dann wird sich der Markt verzehnfachen. Nach 2013 werden mit Solaranlagen in OECD-Ländern mehr als 200 Milliarden Dollar im Jahr umgesetzt.” Den Zeitpunkt der Förderkürzungen seitens der Bundesregierung als schlechtes Timing zu bezeichnen, ist also noch maßlos untertrieben.

Foto © Pixelio, Klaus-Uwe Gerhardt

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Interview Stromauskunft-Blog

Donnerstag, den 9. April 2009

Interview

Der Journalist und Buchautor Gerd Kebschull wurde zum Thema Stromauskunft-Blog befragt. Das Interview können Sie unter :

nachlesen.

» Interview Stromauskunft-Blog

5. Teil: Interview mit Greenpeace

Montag, den 7. Juli 2008

Die Atomkraftwerke sollen sukzessive abgeschaltet werden. Aber wie wird die “Stromlücke” geschlossen? Zu diesem Thema werden wir Politiker und Verantwortliche der Stromindustrie befragen. Stromauskunft.de sprach mit Dipl. Betriebswirt Thomas Breuer, CFA und Energy Unit Head von Greenpeace e.V.

Es ist Unsinn, Atomkraftwerke wären nötig, um CO2 einzusparen

Frage 1: Der Atomausstieg ist eine beschlossene Sache. Es stellt sich nun die Frage, wie kann die produzierte Energiedifferenz ausgeglichen werden?

(c) GreenpeaceThomas Breuer: Greenpeace hat in seinem Energiekonzept “Plan B” dargestellt, dass wir schnell aus der Atomenergie aussteigen können und der Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent (gegenüber 1990) verringert werden kann. Wenn die Atomkraftwerke in Deutschland ab 2015 abgeschaltet sind, lässt sich das mit den vorhandenen technischen Möglichkeiten ausgleichen, ohne dass zusätzliche CO2-Emissionen entstehen. Unser „Plan B“ ist sogar eher konservativ gerechnet. Es ist also Unsinn zu behaupten, Atomkraftwerke wären nötig, um CO2 einzusparen und den Klimawandel aufzuhalten.

Nach „Plan B“ ist die Versorgungs- sicherheit zu jeder Zeit gewährleistet. Hinzu kommt, dass für Deutschland die Importabhängigkeit von Energierohstoffen wie Kohle und Uran sinken wird – in Zeiten knapper werdenden Rohstoffe und steigender Preise ist dies enorm wichtig. Für die Versorgungssicherheit ist es notwendig, die Kraft-Wärme-Kopplung stärker einzusetzen, die großen Potenziale für höhere Energieeffizienz zu erschließen und Erneuerbare Energien weiter auszubauen.

Frage 2: Gibt es eine Prognose, wie hoch etwa der Anteil an Erneuerbaren Energien (EN) in fünf Jahren (2013) sein wird? Können Sie Zahlen liefern?

Breuer: Da wir uns in unserer nationalen Analyse auf 2020 konzentriert haben, können wir nur den Anteil der Erneuerbaren Energien 2020 benennen. Der Anteil Erneuerbarer Energien beträgt im Jahr 2020 nach unserem Plan B 33 Prozent der Bruttostromerzeugung.

Frage 3: Wie bewerten Sie die Option “Fusionsenergie”? Gibt es eine Chance, durch Erhöhung der Fördermittel den Fortschritt zu beschleunigen?

Breuer: Greenpeace lehnt die Kernfusion ab. Das Kernfusionsprojekt ITER in Cadarache in Frankreich verschlingt über die nächsten 30 Jahre 10 Milliarden Euro. Mit diesen 10 Milliarden könnte man nach dem heutigen Stand der Technik 10.000 Megawatt Windstrom zubauen. Ersetzte man Braunkohlekraftwerke, würde das schon heute mit dazu beitragen, dass 100 Millionen Tonnen CO2 eingespart würden. Das bedeutet, dass man schon heute einen konkreten aktiven Beitrag zum Klimaschutz leisten würde und nicht erst in 50 bis 100 Jahren. Darüber hinaus ist völlig unklar, wann und ob die Kernfusion jemals mehr Energie produziert, als man in sie hineinstecken muss.

Zudem fällt bei einem Fusionsreaktor mehr Atommüll an, als beispielsweise bei Atomkraftwerken, wie sie derzeit noch in Deutschland laufen. Der Atommüll selbst ist weniger radioaktiv, da er weniger radioaktive Stoffe mit langen Halbwertzeiten aufweist, als Brennstäbe aus herkömmlichen Atomkraftwerken. Fakt bleibt aber auch hier, dass es nach wie vor keine Lösung für den Atommüll gibt, auch nicht für Atommüll aus dem ITER.

Ein weiteres großes Problem stellt das Proliferationsrisiko dar, also die militärische Nutzung. In einem Fusionsreaktor fällt radioaktives Tritium an. Tritium ist der Stoff, der eingesetzt wird, um Atombomben leichter und effektiver zu machen.

Fazit: Fördermittel sollten lieber in die Weiterentwicklung Erneuerbarer Energien gesteckt werden, die Ihre Leistungsfähigkeit im Gegensatz zur Fusionsenergie schon bewiesen haben.

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Foto © Greenpeace

» 5. Teil: Interview mit Greenpeace

5. Teil: Interview mit Prof. Dr. Herbert Schui

Montag, den 30. Juni 2008

Die Atomkraftwerke sollen sukzessive abgeschaltet werden. Aber wie wird die “Stromlücke” geschlossen? Zu diesem Thema werden wir Politiker und Verantwortliche der Stromindustrie befragen. Stromauskunft.de sprach mit dem Energieexperten Prof. Dr. Herbert Schui DIE LINKE, Mitglied des Deutschen Bundestages, Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Technologie.

Frage 1: Der Atomausstieg ist eine beschlossene Sache. Es stellt sich nun die Frage, wie kann die produzierte Energiedifferenz ausgeglichen werden?

(c) BundestagDr. Herbert Schui: Im Strombereich sind vor allem folgende drei Ziele wichtig: mehr erneuerbare Energien, ein geringerer Energieverbrauch und ein effizienterer Umgang mit Energie. Durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verzeichnen wir in den letzten Jahren schon einen rasanten Anstieg des Anteils erneuerbarer Energien, hier ist das EEG das richtige Instrument (s. Frage 2).Daneben brauchen wir aber eine Energiespar- und -effizienzoffensive. Hier liegen viele Potenziale brach, obwohl sie relativ leicht erschließbar wären. Auf Seite der Stromerzeugung bedeutet dies die konsequente Förderung von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, die gleichzeitig Wärme und Strom produzieren und so zu einer optimalen Energieausbeute des eingesetzten Brennstoffs kommen. Das kürzlich beschlossene Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz bleibt hier leider auf halber Strecke stehen.

Noch viel weniger passiert jedoch bei der Förderung eines effizienten und sparsamen Umgangs mit dem produzierten Strom. Hier geht es um Ordnungsrecht wie strengere Standards für Elektrogeräte, aber auch um eine geschickte Investitionsförderung. So fordern wir einen “Energiesparfonds”, der ein breites Angebot an Energieeffizienz und -sparprogrammen für private Haushalte, Unternehmen und die öffentliche Verwaltung umfasst. Natürlich muss man dafür auch etwas Geld in die Hand nehmen. Mit einer Milliarde Euro jährlich ausgestattet, könnte ein solcher Fonds nach Berechnungen des Wuppertal-Instituts jährlich rund 75 TWh Strom und etwa 102 TWh Gas, Öl, Fernwärme und Kohle einsparen.

Die Energierechnung der Verbraucherinnen und Verbraucher würden dadurch netto um 9 Mrd. Euro pro Jahr und die Atmosphäre um Treibhausgasemissionen von jährlich bis zu 72 Mio. t CO2 entlastet. Und ganz nebenbei würden dadurch mehr als 40.000 Vollzeit-Arbeitsplätze entstehen. Wenn die politischen Weichen richtig gestellt würden, wäre auch ein beschleunigter Atomausstieg kein Problem.

Frage 2: Gibt es eine Prognose, wie hoch etwa der Anteil an Erneuerbaren Energien (EN) in fünf Jahren (2013) sein wird?

Schui: In den letzten sechs Jahren hat sich der Anteil erneuerbarer Energien mehr als verdoppelt. Im Jahr 2007 kamen über 14 Prozent des verbrauchten Stroms in Deutschland aus erneuerbaren Energien. Dieser Aufwärtstrend wird sich in den kommenden Jahren fortsetzen. Konkrete Zahlen für ein bestimmtes Jahr zu benennen wäre aber unseriös – zumal bislang jede Prognose übertroffen wurde.

Der Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Endenergieverbrauch betrug im Jahr 2007 hingegen erst 8,5 Prozent. Dies liegt vor allem daran, dass der Ausbau erneuerbarer Energien zur Deckung des Wärmebedarfs viel zu schleppend verläuft. Hier hat die Koalition erst kürzlich mit der Verabschiedung des “Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetz” eine Chance vertan. In der jetzigen Form hätten sie sich das Gesetz sparen können. Zur Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien im Wärmebereich wird es jedenfalls kaum beitragen, auch nicht bis 2013. Als politische Richtschnur für den Ausbau erneuerbarer Energien halten

wir bei einer entsprechenden politischen Weichenstellung eine Deckung eines Viertels des Gesamtenergieverbrauchs durch Erneuerbare bis 2020 für möglich, im Strombereich sogar eine Steigerung auf 35 Prozent.

Frage 3: Wie bewerten Sie die Option “Fusionsenergie”? Gibt es eine Chance, durch Erhöhung der Fördermittel den Fortschritt zu beschleunigen? Ist die Industrie an diesem Projekt involviert?

Schui: Vor 40 Jahren hieß es, die “Fusionsenergie” werde in 40 Jahren zur Verfügung stehen. Heute wird sie wieder als Lösung aller Probleme angepriesen, allerdings wieder erst in 40 Jahren. Seit Jahrzehnten fließen hunderte Millionen Euro Forschungsmittel in die Fusionsforschung. Wo ständen wir heute, wenn dieses Geld stattdessen in die Forschung zu erneuerbaren Energien und Energieeffizienz geflossen wäre? Wir sind strikt gegen eine Ausweitung der Fördermittel für die Kernfusionsforschung. Die Forschungsmittel können in anderen Bereichen der Energieforschung viel sinnvoller eingesetzt werden.

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Foto © Bundestag

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Teil 4: Interview mit Gudrun Kopp

Mittwoch, den 7. Mai 2008

Die Atomkraftwerke sollen sukzessive abgeschaltet werden. Aber wie wird die “Stromlücke” geschlossen? Zu diesem Thema werden wir Politiker und Verantwortliche der Stromindustrie befragen. Stromauskunft.de sprach mit der Energieexpertin Gudrun Kopp (FDP) und Mitglied des Deutschen Bundestages. Gudrun Kopp ist Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion für Energiepolitik und Welthandelsfragen.

“…der Atomausstieg ist keine beschlossene Sache”

Gudrun Kopp ist Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion für Energiepolitik und WelthandelsfragenFrage: Der Atomausstieg ist eine beschlossene Sache. Es stellt sich nun die Frage, wie kann die produzierte Energiedifferenz ausgeglichen werden?

Gudrun Kopp: Aus Sicht der FDP ist der Ausstieg aus der Kernenergie keineswegs beschlossene Sache, auch wenn er heute im Atomgesetz steht. So wie Rot-Grün seinerzeit, könnte auch eine andere politische Mehrheit den Ausstiegsbeschluss mit einfacher Mehrheit im Deutschen Bundestag kippen. Das wird auch dringend notwendig sein, um die allseits prognostizierte Stromlücke zu schließen. Sollte dies nicht geschehen, kann die Erzeugungslücke nach Lage der Dinge nur durch Importstrom (z.B. aus Kernenergie oder Kohleverstromung) gedeckt werden. Dies würde zu massiven Preiserhöhungen führen, die letztlich die Verbraucher zu tragen hätten.

Frage: Gibt es eine Prognose, wie hoch etwa der Anteil an Erneuerbaren Energien (EN) in fünf Jahren (2013) sein wird?

Kopp: Nein, eine solche Prognose hängt gegenwärtig ausschließlich von den politischen Rahmenbedingungen ab. Der gegenwärtige Ausbau der erneuerbaren Energien beruht auf der Zwangseinspeisung zu Garantiepreisen gemäß Eneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Insofern hängt es auch von diesen politisch definierten Preisen ab, wie stark die erneuerbare Strommenge zunehmen wird. Die FDP hat immer gegen das EEG votiert, weil es letztlich die erneuerbaren Energieträger keinerlei Wettbewerbs- und damit Innovationsdruck aussetzt, sondern auf 20 Jahre garantierte Preise festsetzt. Im Ergebnis werden die Verbraucher mit immer höheren Umlagen (inzwischen bis zu 7 Mrd. Euro pro Jahr) belastet, mit denen Technologien auf breiter Front installiert werden, die das eigentliche Problem immer noch nicht lösen können. Die FDP plädiert deshalb für ein System der differenzierten Mengensteuerung, innerhalb derer sich die erneuerbaren Energien zumindest untereinander im Wettbewerb befinden.

Frage: Wie bewertet Sie die Option “Fusionsenergie”? Gibt es eine Chance, durch Erhöhung der Fördermittel den Fortschritt zu beschleunigen?

Kopp: Das müssen Sie die Bundesregierung fragen! Für die FDP war die Kernfusionstechnik immer ein viel versprechendes technologisches Projekt. Mehr als das ist es leider bislang nicht. Es lohnt allerdings, diesen Weg weiter zu verfolgen, schon weil es fahrlässig wäre, technologische Entwicklungspfade nach politischem Gusto einfach abzuschneiden. Zweifelhaft erscheint mir allerdings, ob höhere Forschungsmittel zwangsläufig zu schnelleren Entwicklungssprüngen führen.

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Foto © Frank Ossenbrink

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Teil 3: Interview mit Dr. Georg Nüßlein

Dienstag, den 29. April 2008

Die Atomkraftwerke sollen sukzessive abgeschaltet werden. Aber wie wird die “Stromlücke” geschlossen? Zu diesem Thema werden wir Politiker und Verantwortliche der Stromindustrie befragen. Stromauskunft.de sprach mit dem Energieexperten Dr. Georg Nüßlein (CDU/CSU) und Mitglied des Deutschen Bundestages.

…es müsste teuerer Strom – aus europäischen Kernkraft – und Kohlekraftwerken – bezogen werden.

Frage: Der Atomausstieg ist eine beschlossene Sache. Es stellt sich nun die Frage, wie kann die produzierte Energiedifferenz ausgeglichen werden?

Dr. Georg Nüßlein: Der Ausstieg aus der Kernenergie im herkömmlichen Sinne ist politisch nicht zu verantworten, solange Alternativen, wie etwa die Kernfusion oder die C02-Abscheidung, fehlen. Wir brauchen die Kernenergie als Brücke zu einem neuen Energiemix.

Frage: Gibt es eine Prognose, wie hoch etwa der Anteil an Erneuerbaren Energien (EN) in fünf Jahren (2013) sein wird?

Nüßlein: Die Koalition hat sich verständigt, die Erneuerbaren Energien auf bis zu 30% im Jahr 2020 auszubauen. Das EEG ist hierfür ein ebenso geeignetes, wie notwendiges Instrumentarium. Unter Klimaschutzgesichtspunkten müssten die Erneuerbaren eigentlich fossile Energiequellen ersetzen. Erreichen wir im Strombereich das Ziel bis 2020 von 25 bis 30 %, bleiben nämlich 70 % noch zu decken. Das Argument, hier sei mit Energieeffizienz etwas zu machen, ist falsch. Die relative Angabe muss sich auf den tatsächlichen Bedarf nach Effizienzgewinnen beziehen. So jedenfalls habe ich Prozentrechnung gelernt.

Ich halte es an sich schon für fraglich, ob Kernkraft in gut zehn Jahren durch den verstärkten Einsatz von Erneuerbaren, der Kraft-Wärme-Kopplung sowie dem Ausschöpfen von Energieeffizienzpotentialen komplett abgelöst werden kann. Ein zentrales Thema ist dabei die so genannte Grundlastfähigkeit der Kernenergie – an dieser Stelle muss speziell die Technologie im Bereich der Erneuerbaren noch entscheidend vorankommen. Vor diesem Hintergrund halte ich zum heutigen Zeitpunkt die Weichenstellung für den vorgesehenen Atomausstieg für absolut verfrüht. An dieser Stelle verweise ich etwa auch auf eine aktuelle Studie der Deutsche Energie Agentur (dena), wonach bei der im Jahr 2020 zu erwartenden Stromnachfrage die deutschen Kraftwerkskapazitäten nicht mehr ausreichen werden. Das hieße, dass Deutschland in absehbarer Zukunft entweder nicht mehr genug Energie zur Verfügung stünde oder es müsste teuerer Strom – aus europäischen Kernkraft – und Kohlekraftwerken – bezogen werden. Wer hier weiter die Verlängerung von Restlaufzeiten bei Kernkraftwerken oder den Bau von Kohlekraftwerken boykottiert, gefährdet eine sichere bezahlbare und umweltfreundliche Energieversorgung in Deutschland.”

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Foto (c) Georg Nüßlein

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Teil 2: Interview mit Kerstin Andreae

Samstag, den 26. April 2008

Die Atomkraftwerke sollen sukzessive abgeschaltet werden. Aber wie wird die “Stromlücke” geschlossen? Zu diesem Thema werden wir Politiker und Verantwortliche der Stromindustrie befragen. Stromauskunft.de sprach mit der Energieexpertin Kerstin Andreae, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Mitglied des Deutschen Bundestages.

Die Szenarien hängen immer vom politischen Willen ab

Frage: Der Atomausstieg ist eine beschlossene Sache. Es stellt sich nun die Frage, wie kann die produzierte Energiedifferenz ausgeglichen werden?

Kerstin Andreae: Bis 2020 wollen Bündnis 90 / Die Grünen die Energieversorgung wie folgt umstellen: 40% durch erneuerbare Energien, 30% durch hocheffiziente KWK (Kraft-Wärme-Kopplung, Anm. d. Red.) und die restlichen 30 % durch konventionelle Kraftwerke.

Frage: Gibt es eine Prognose, wie hoch etwa der Anteil an Erneuerbaren Energien (EN) in fünf Jahren (2013) sein wird?

Andreae: Die Regierung entwickelt grad ein neues Erneuerbares-Energien-Gesetz (EEG). Das ist jetzt im Parlament. Die Regierung will 25 – 30 % bis 2020 umsetzen. Aber: 40 % wären möglich. Es gibt unterschiedliche Szenarien für 2013. Einen guten Überblick bietet www.erneuerbare-energien.de. Letztlich hängen die Szenarien immer am politischen Willen, das EEG engagiert fortzuentwickeln.

Frage: Wie bewertet die Bundesregierung die Option “Fusionsenergie”? Gibt es eine Chance, durch Erhöhung der Fördermittel den Fortschritt zu beschleunigen?

Andreae: Das müssen sie die Bundesregierung fragen. Wir sind in der Opposition. Die Fusionsenergie ist seit 50 Jahren in der Entwicklung und absehbar nicht einsehbar. Insofern kann sie für die in den nächsten Jahrzehnten anstehenden Probleme keine Lösung darstellen.

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Teil 1 – Interview: Atomkraftwerke – Nein Danke?

Donnerstag, den 17. April 2008

Die Atomkraftwerke sollen sukzessive abgeschaltet werden. Aber wie wird die “Stromlücke” geschlossen. Zu diesem Thema werden wir Politiker und Verantwortliche der Stromindustrie befragen. Stromauskunft.de sprach mit dem Energieexperten der SPD und Mitglied des Deutschen Bundestages Rolf Hempelmann.

Frage: Der Atomausstieg ist eine beschlossene Sache. Es stellt sich nun die Frage, wie kann die produzierte Energiedifferenz ausgeglichen werden?

Rolf HempelmannRolf Hempelmann: Um die durch den im Atomgesetz verankerten Kernenergieausstieg wegfallenden Erzeugungskapazitäten zu kompensieren, bedarf es zunächst einer signifikanten Steigerung der Energieeffizienz sowohl auf der Angebots- wie auch auf der Erzeugungsseite. Ziel der Bundesregierung ist hier die Verdopplung der Energieproduktivität bis zum Jahr 2020.

Flankiert werden muss diese Effizienzstrategie durch einen weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien, für den wir aktuell mit der Novelle des EEG die geeigneten Rahmenbedingungen schaffen.

Allein wird dies allerdings nicht ausreichen: Notwendig sind daher auch Investitionen in die Modernisierung des fossilen Kraftwerksparks. Ganz oben auf der Tagesordnung steht dabei die Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWKG-Novelle), aber auch die Errichtung weiterer fossiler Kraftwerke als Ersatz für Altanlagen, die weit hinter dem Stand der Technik zurückliegen. Die Politik hat hier die Aufgabe, diese notwendigen Investitionen auch gegen öffentliche Widerstände argumentativ zu unterstützen.

Frage: Gibt es eine Prognose, wie hoch etwa der Anteil an Erneuerbaren Energien (EN) in fünf Jahren (2013) sein wird?

Rolf Hempelmann: Der Ausbau der Erneuerbaren Energien geht schneller voran als von vielen erwartet. Im Jahr 2007 konnte der Anteil Erneuerbarer am Stromverbrauch auf 14,2% und am Gesamtenergieverbrauch auf 8,5% gesteigert werden. Schon heute ist also das ursprünglich für das Jahr 2010 anvisierte Ziele eines EE-Anteils von 12,5% an der Stromerzeugung übertroffen. Diesen Weg wollen wir – auch durch eine entsprechende Gesetzgebung (u.a. EEG, EEWärmeG, KWKG) – fortsetzen. Realistische Ausbauszenarien für die Erneuerbaren Energien sind nach einer im Auftrag des BMU vom DLR erstellten Leitstudie Anteile von knapp 10% (2010) und 18% (2020) am gesamten Endenergieverbrauch. Die deckt sich übrigens auch mit dem von Deutschland zu leistenden Beitrag, um das EU-Ziel eines Ausbaus der Erneuerbaren Energien auf 20% bis 2020 zu erreichen.

Frage: Wie bewertet die Bundesregierung die Option “Fusionsenergie”? Gibt es eine Chance, durch Erhöhung der Fördermittel den Fortschritt zu beschleunigen?

Rolf Hempelmann: Ob die Fusionsenergie tatsächlich eine Option für die langfristige Energieversorgung sein kann, muss sich erst noch erweisen. Im Blick auf die Förderung dieser Technologie ist aber festzustellen, dass die Bundesregierung im Zeitraum von 2007-2010 Mittel in Höhe von über 450 Mio. Euro für die institutionell bei der Helmholtz-Gesellschaft angesiedelte Fusionsforschung bereitstellt. Hinzu kommen Projektfördermittel in Höhe von 11 Mio. Euro jährlich. Angesichts der Tatsache, dass auch finanzielle Ressourcen begrenzt sind und gerade im Bereich der Energieforschung eine erhebliche Fördermittelkonkurrenz besteht (Grundlagenforschung, rationelle Energieumwandlung, Erneuerbare Energien, Sicherheitstechnologien), ist dies ein durchaus beachtlicher Beitrag.

Foto © Deutscher Bundestag

Serie Atomkraftwerke – Nein Danke, »Interview Teil 2

» Teil 1 – Interview: Atomkraftwerke – Nein Danke?