Countdown für Nachtspeicherheizungen
Dienstag, den 31. Januar 2012Sie sind veraltet, ineffizient, teuer und energiefressend: Nachtspeicherheizungen. In zahlreichen unmodernisierten Häusern und Wohnungen, die in den 1970er Jahren erbaut wurden, gilt bis heute noch immer das antiquierte Prinzip Heizen per Strom. Damit soll laut Energieeinsparverordnung jedoch bis zum Jahr 2019 Schluss sein.
Heizen mit Strom ist Auslaufmodell
Vor etwa vierzig Jahren, in der Blütezeit der Nachtspeicherheizungen, hielt man die Technik für zukunftsweisend und sogar umweltfreundlich. Und so wurde eine Vielzahl von Haushalten mit Heizungen ausgestattet, die nachts per Strom aufgeladen werden und tagsüber die gespeicherte Wärme abgeben. Die Installation von Nachtspeicherheizungen wurde sogar staatlich gefördert, um den damals äußerst unflexiblen Kraftwerkspark auch nachts gleichmäßig auszulasten. Heute allerdings hat sich das Prinzip aus Umwelt- und Kostengründen längst überlebt. Bereits 2007 wurde per Energieeinsparverordnung ein Countdown für Nachtspeicherheizungen bis zum Jahr 2019 festgelegt. Allerdings ist nicht jeder Haushalt an dieses Datum gebunden. Der Umrüstzwang besteht vor allem bei älteren Mehrfamilienhäusern, deren Nachspeicherheizungen vor 1990 eingebaut wurden. Geräte jüngeren Datums müssen erst nach 30 Jahren Betriebszeit ausgetauscht werden. Generell nicht verpflichtend ist die Regelung für Besitzer von Ein- und Zweifamilienhäusern.
Aufgrund der schlechten Energiebilanz von Nachtspeicherheizungen, die zu hohen Kosten und negativen Umweltwerten führt, sollten allerdings alle Betroffenen über eine Umrüstung nachdenken. Verschiedene Baureihen, die vor 1984 installiert wurden, sollen zudem mit Asbest belastet gewesen sein. Hier ist ein rascher Austausch unbedingt von Nöten. Über die Nummer am Gerät kann ein entsprechender Fachbetrieb ermitteln, ob ein etwaiges Asbestrisiko besteht. Aber auch ohne einen solchen Ernstfall ist die Investition in ein zeitgemäßeres Heizsystem zumeist sehr wirtschaftlich, da das direkte Heizen mit dem Energieträger Strom generell kostspielig ist. Und Alternativen gibt es mittlerweile in Hülle und Fülle: Neben klassischen Gas- und Ölheizungen mit moderner Brennwerttechnik erfreuen sich zum Beispiel auch klimafreundliche Holzpelletheizungen oder Wärmepumpen zunehmender Beliebtheit. Auch die Kombination mit erneuerbaren Energien, zum Beispiel durch Solarthermie, kann sich bereits nach wenigen Jahren finanziell auszahlen.
Es dürfte allerdings mehr als wahrscheinlich sein, dass künftige Generationen irgendwann einmal zum Prinzip der Stromheizung zurückkehren. Sollte die Energiewende gelingen und parallel dazu die notwendige Emanzipation von fossilen Brennstoffen wie Öl und Gas stattfinden, könnte die Heizung der Zukunft wind- oder solarstrombetrieben sein. Dann allerdings auch tagsüber.
Foto © Pixelio, HERZ
Das WDR-Magazin Servicezeit berichtete Anfang der Woche von einem findigen Stahlbau-Meister aus Kleve, der ursprünglich lediglich die Kosten für einen neuen Wintergarten durch verbaute Solarzellen amortisieren wollte. Durch den selbst erzeugten Strom und die entsprechende Einspeisevergütung, so die Logik, würde sich der teure Anbau innerhalb von zehn Jahren selbst finanzieren. Benachbarte Haushalte waren von der Optik sowie vom Nutzen des Wintergartens derart überzeugt, dass sie den Pionier von nebenan baten, ihnen ebenfalls Solardächer zu errichten. Daraus wuchs eine überzeugende Idee: Der Stahlbau-Meister bot seinen Nachbarn an, ihre Dächer gegen Bezahlung zu mieten und auf eigene Rechnung mit Solarzellen auszustatten. Nach 20 Jahren würde die Einspeisevergütung die Kosten decken und sogar einen kleinen Gewinn erwirtschaften. Viele Nachbarn willigten ein und inzwischen wurde bereits ein halbes Dutzend Häuser mit Photovoltaikanlagen bestückt.
Der Sachzwang zum Ausbau des deutschen Stromnetzes ist ein im Prinzip hausgemachtes Problem. Durch die fortschreitende Integration erneuerbarer Energien, speziell der Windkraft, sind bei gleichzeitigem Nichtabschalten von Kohle- und Atomenergie zusätzliche Leitungskapazitäten von Nöten. Es fließt schlichtweg zuviel Strom durch die Trassen. Würde man die konventionellen Energieträger parallel zur Zunahme der erneuerbaren herunterfahren, ließe sich der kostenintensive Netzausbau wohl umgehen. Nicht aber die Interessen der Energiewirtschaft – und so verlegt der Bund lieber neue Kabel, anstatt den Energiemix früher als geplant anzupassen. Entsprechend wenig Akzeptanz findet der anstehende Netzausbau in der Bevölkerung. Im Rahmen einer aktuellen Studie der Universität Magdeburg im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe wurden von neuen Stromtrassen Betroffene befragt. Ergebnis: Um sich überhaupt mit dem Thema Netzausbau anfreunden zu können, fordern die Bürger beispielsweise Mindestabstände der Leitungen von ihren Wohngebieten bzw. eine grundsätzliche Erdverkabelung. Dafür wären viele Befragte sogar bereit, einen höheren
Zugegeben: Auf einer malerischen Nordseeinsel hat mans leichter energieautark zu leben denn als großstädtische Landratte – Wind und Sonne machens möglich. Trotzdem ist das seit den frühen 80er Jahren sukzessive ausbaldowerte Energieversorgungsmodell der Pellwormer in dieser Form schon beeindruckend. Die Insellage mit viel Wind, einer überdurchschnittlich hohen Sonneneinstrahlung und landwirtschaftlicher Ausrichtung bietet Pellworm hervorragende Voraussetzungen für die Nutzung erneuerbarer Energien. Mit selbiger begann man bereits vor rund 30 Jahren und verfügt heute über einen ansehnlichen Pool aus Windkraft-, Photovoltaik- und Biogasanlagen. Die etwas mehr als 1.000 Einwohner versorgen sich nicht nur selbst auschließlich durch erneuerbaren Strom, sie produzieren sogar weit mehr als nötig und leiten die Überschüsse gen Festland. Dabei ergänzen sich die beiden Hauptenergieträger Wind und Sonne hervorragend: Herrscht Flaute, scheint häufig die Sonne, ist es regnerisch und bedeckt, weht oftmals eine steife Brise.