Japan ohne Atomkraft
Freitag, den 11. Mai 2012Am vergangenen Samstag wurde mit dem Meiler Tomari auf der nördlichen Insel Hokkaido Japans letztes noch in Betrieb stehendes Atomkraftwerk vorläufig abgeschaltet. Zum ersten Mal seit 1970 muss nun eines der bedeutendsten Industrieländer der Welt vollständig ohne Kernenergie auskommen. Ob dies nur ein flüchtiges Symbol bleibt, oder aber Japans Energiewende einleitet, ist momentan noch ungewiss.
50 Reaktoren stehen still
Japan verfügt über insgesamt 50 Reaktoren, mit Ausnahme des Meilers Tomari wurde in den Nachwehen der Katastrophe von Fukushima jedoch der komplette Kernkraftwerkspark aus Sicherheitsgründen heruntergefahren. Nun steht auch der letzte verbliebene Reaktor still – allerdings nur für etwa 70 Tage andauernde Wartungsarbeiten. Die Abschaltung am Samstag wurde in Japan von vielfachen Anti-Atom-Demonstrationen begleitet.
Bis zu den tragischen Ereignissen von Fukushima im März letzten Jahres basierte Japans Stromversorgung zu rund einem Drittel auf Atomkraft. Dementsprechend ist der vollständige Verzicht auf die Risikotechnologie binnen eines Jahres für das Land alles andere als unproblematisch. Zum Vergleich: Im deutschen Strommix ist der Anteil der Kernenergie nach Fukushima von rund 22 auf etwa 18 Prozent gesunken, und der schrittweise Ausstieg wird sich noch bis zum endgültigen Abschaltdatum 2022 hinziehen. Dementsprechend wurde die abrupt wegfallende Atomenergie in Japan durch den vermehrten Einsatz von Verbrennungskraftwerken aufgefangen. Dies führt zu steigenden Kosten für die Wirtschaft und treibt zugleich den Ausstoß von Treibhausgasen in die Höhe.
Da die japanische Bevölkerung mittels Kampagnen zum gezielten Stromsparen aufgerufen wurde und energieintensive Unternehmen ihre Produktion zeitweise bewusst drosseln, hat das Land bisher nicht mit dramatischen Stromengpässen zu kämpfen. Selbige werden allerdings für die in Japan sehr heißen Sommermonate erwartet, wenn die Klimaanlagen traditionell auf Hochtouren laufen. Ob die Behörden dann grünes Licht für eine Wiederinbetriebnahme einiger als sicher geltender AKW geben werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch fraglich. Während Teile der Wirtschaft und vor allem die inländischen Energiekonzerne die Angst vor massiver Stromknappheit schüren, hoffen Umweltschützer ebenso wie die Mehrheit der Bevölkerung auf eine japanische Energiewende. Tatsächlich bereitet die Regierung aktuell ein entsprechendes Versorgungskonzept vor, innerhalb dessen erneuerbare Energien gezielt subventioniert werden sollen. Vorläufig jedoch hat sogar die OECD Japan empfohlen, drohenden Wirtschaftsrisiken mit dem erneuten Anfahren einiger Meiler zuvorzukommen.
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