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Archiv der Kategorie ‘Reportage‘

Countdown für Nachtspeicherheizungen

Dienstag, den 31. Januar 2012

Sie sind veraltet, ineffizient, teuer und energiefressend: Nachtspeicherheizungen. In zahlreichen unmodernisierten Häusern und Wohnungen, die in den 1970er Jahren erbaut wurden, gilt bis heute noch immer das antiquierte Prinzip Heizen per Strom. Damit soll laut Energieeinsparverordnung jedoch bis zum Jahr 2019 Schluss sein.

Heizen mit Strom ist Auslaufmodell

Vor etwa vierzig Jahren, in der Blütezeit der Nachtspeicherheizungen, hielt man die Technik für zukunftsweisend und sogar umweltfreundlich. Und so wurde eine Vielzahl von Haushalten mit Heizungen ausgestattet, die nachts per Strom aufgeladen werden und tagsüber die gespeicherte Wärme abgeben. Die Installation von Nachtspeicherheizungen wurde sogar staatlich gefördert, um den damals äußerst unflexiblen Kraftwerkspark auch nachts gleichmäßig auszulasten. Heute allerdings hat sich das Prinzip aus Umwelt- und Kostengründen längst überlebt. Bereits 2007 wurde per Energieeinsparverordnung ein Countdown für Nachtspeicherheizungen bis zum Jahr 2019 festgelegt. Allerdings ist nicht jeder Haushalt an dieses Datum gebunden. Der Umrüstzwang besteht vor allem bei älteren Mehrfamilienhäusern, deren Nachspeicherheizungen vor 1990 eingebaut wurden. Geräte jüngeren Datums müssen erst nach 30 Jahren Betriebszeit ausgetauscht werden. Generell nicht verpflichtend ist die Regelung für Besitzer von Ein- und Zweifamilienhäusern.

Aufgrund der schlechten Energiebilanz von Nachtspeicherheizungen, die zu hohen Kosten und negativen Umweltwerten führt, sollten allerdings alle Betroffenen über eine Umrüstung nachdenken. Verschiedene Baureihen, die vor 1984 installiert wurden, sollen zudem mit Asbest belastet gewesen sein. Hier ist ein rascher Austausch unbedingt von Nöten. Über die Nummer am Gerät kann ein entsprechender Fachbetrieb ermitteln, ob ein etwaiges Asbestrisiko besteht. Aber auch ohne einen solchen Ernstfall ist die Investition in ein zeitgemäßeres Heizsystem zumeist sehr wirtschaftlich, da das direkte Heizen mit dem Energieträger Strom generell kostspielig ist. Und Alternativen gibt es mittlerweile in Hülle und Fülle: Neben klassischen Gas- und Ölheizungen mit moderner Brennwerttechnik erfreuen sich zum Beispiel auch klimafreundliche Holzpelletheizungen oder Wärmepumpen zunehmender Beliebtheit. Auch die Kombination mit erneuerbaren Energien, zum Beispiel durch Solarthermie, kann sich bereits nach wenigen Jahren finanziell auszahlen.

Es dürfte allerdings mehr als wahrscheinlich sein, dass künftige Generationen irgendwann einmal zum Prinzip der Stromheizung zurückkehren. Sollte die Energiewende gelingen und parallel dazu die notwendige Emanzipation von fossilen Brennstoffen wie Öl und Gas stattfinden, könnte die Heizung der Zukunft wind- oder solarstrombetrieben sein. Dann allerdings auch tagsüber.

Foto © Pixelio, HERZ

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2011: Jahr der Energiewende

Dienstag, den 3. Januar 2012

Die Chancen stehen gut, dass das Jahr 2011 irgendwann einmal als entscheidender Impuls für die deutsche, vielleicht sogar die globale Energiewende in den Geschichtsbüchern vermerkt sein wird. In den vergangenen zwölf Monaten ist in Sachen Energie auf politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene so viel wie selten zuvor passiert. Grund genug für einen Rückblick auf die wichtigsten Eckdaten.

Von A(tomausstieg) bis Z(wischenlager Gorleben)

Blickt man auf das abgelaufene Jahr zurück, so überschattet nicht nur aus energiepolitischer Sicht ein Ereignis alle anderen: Fukushima. Die anfängliche Naturkatastrophe mit all ihren menschlichen Tragödien mündete letztlich in eine Nuklearkatastrophe und hat damit unsere Angst vor dem Unbeherrschbaren gleich in doppelter Hinsicht geschürt. Fukushima war nicht nur ausschlaggebend für den politischen Beschluss zum Atomausstieg, es hat gleichzeitig in allen Teilen der Gesellschaft zu einem breiten Konsens für sichere und zukunftsfähige Energie geführt. Es folgten massenhafte Anti-Atom-Demonstrationen, verordnete Sicherheitsüberprüfungen für Kernkraftwerke, ein nie gekannter Run der Verbraucher auf Ökostrom und letztlich sogar der erste grüne Ministerpräsident der deutschen Geschichte. Auch in der zweiten Jahreshälfte manifestierte sich das Thema in den bis heute massivsten Castor-Protesten und der hitzigen Diskussion um das mögliche Atommüll-Endlager Gorleben. Möglicherweise ist Fukushima sogar der entscheidende Impuls für die zarten Annäherungsversuche notorischer Klimaschutz-Verweigererstaaten gewesen, die Anfang Dezember auf der Weltklimakonferenz in Durban zu erkennen waren.

Fasst man den Blick etwas enger, so hat sich in 2011 auch viel für uns Stromverbraucher getan – sowohl auf dem Energiemarkt als auch in den eigenen vier Wänden. Im September verschwand die klassische 60-Watt-Glühlampe aus den Ladenregalen und seit Dezember verfügen endlich auch TV-Geräte über ein eigenes Energielabel. Generell scheinen die Themen Energieeffizienz, Stromsparen und Modernisierung nicht nur als politische Konstrukte, sondern auch beim Verbraucher deutlich an Stellenwert gewonnen zu haben. Negativer Höhepunkt auf dem Strommarkt war zweifelsohne die TelDaFax-Pleite im Sommer 2011. Die Insolvenz des Troisdorfer Unternehmens hat nicht nur eine Vielzahl von Haushalten ins finanzielle Unglück gestürzt, sondern auch eine berechtigte Diskussion um strittige Geschäftsmodelle, speziell das Vorkasse-Prinzip, entfacht. Was bleibt, sind sensibilisierte Stromkunden sowie die im November eröffnete, von Verbänden und Politik unterstützte “Schlichtungsstelle Energie”, die künftig bei Konflikten zwischen Versorgern und Verbauchern vermitteln soll.

Und was wird das gerade begonnene Jahr 2012 bringen? In erster Linie viel Arbeit – denn die Energiewende hat schließlich bestenfalls begonnen. Die Themen Netzausbau, Stromspeicherung und Kraftwerksmodernisierung dürften ganz oben auf der Agenda stehen. Auch die weitere Integration von Wind- und Solarkraft, die bereits in 2011 Rekordergebnisse erzielten, wird entscheidend bleiben. Neue und alte Diskussionen werden mit ziemlicher Sicherheit zur Kohlekraft, zur Atommüll-Endlagersuche sowie über die umstrittene Technologie zur unterirdischen Verpressung von CO2 geführt. Und ebenso wahrscheinlich ist, dass wir Verbraucher uns erneut über steigende Strompreise ärgern werden, die wir aber – sofern man den Umfragewerten des vergangenen Jahres Glauben schenkt – gern zum Wohle der Energiewende bezahlen.

Foto © Pixelio, Kathrin Antrak

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Fukushima: Neun Monate später

Dienstag, den 6. Dezember 2011

Fukushima ist zum Symbol geworden – für Sicherheit und Nachhaltigkeit, für den Atomausstieg und die Energiewende. Fukushima ist andererseits aber vor allem eine Katastrophe sowohl mit unmittelbaren als auch weitreichenden Tragödien. Neun Monate später ist vielen Betroffenen die Rückkehr in ihre Heimat noch immer unmöglich. Gleichzeitig grassiert in Japan die Angst vor verseuchten Böden und Lebensmitteln.

Verstrahltes Land, verseuchter Reis

Laut aktuellen Medienberichten sind durch die Folgen der Nuklearkatastrophe von Fukushima acht Prozent der japanischen Landfläche verstrahlt. Auch Japans Wirtschaftsministerium hat in diesem Zusammenhang bestätigt, dass insgesamt 30.000 Quadratkilometer mit radioaktivem Cäsium verseucht seien. In den betroffenen Gebieten wurden mehr als 10.000 Becquerel Cäsium pro Quadratmeter gemessen. Der überwiegende Teil der Strahlenbelastung wurde in den ersten zwei Wochen nach der Kernschmelze im Reaktor von Fukushima verursacht, weitere Schadstoffe fielen in Form von Regen und Schnee. Die Langzeitfolgen von Cäsium sind gefürchtet. Der Kontakt kann zu Krebserkrankungen sowie Erbgutschäden bei kommenden Generationen führen.

Unmittelbar betroffen von der Verstrahlung der Landflächen ist vor allem das japanische Grundnahrungsmittel Reis. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie japanischer Forscher sind die Böden in weiten Teilen Ost- und Nordostjapans so stark verseucht, dass die Kontamination der Reisernten ein mögliches Handelsverbot nach sich ziehen könnte. Dies betrifft nicht nur die Region Fukushima, sondern auch die Nachbarprovinzen Miyagi, Tochigi und Ibaraki. Tests hatten Belastungen von bis zu 630 Becquerel pro Kilogramm Reis nachgewiesen – der zulässige Grenzwert liegt bei 500 Becquerel.

Die japanische Regierung plant, Anfang nächsten Jahres mit der großflächigen Dekontamination der radioaktiv belasteten Gebiete zu beginnen. Dabei müssen gewaltige Bodenmengen abgetragen sowie verseuchte Schutt- und Aschereste entsorgt werden. Nur so kann den bis heute noch immer rund 160.000 Evakuierten Hoffnung auf eine Rückkehr in ihre Heimat gemacht werden.

Foto © Pixelio, Dieter Schütz

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China: Saubere Supermacht?

Dienstag, den 11. Oktober 2011

Bereits die Verleihung des Alternativen Nobelpreises 2011 an den chinesischen Solarunternehmer Huang Ming macht deutlich, wie stark sich die fernöstliche Wirtschaftsmacht derzeit in Sachen alternativer Energieerzeugung zeigt. Laut UN-Berichten investiert aktuell keine Nation der Welt mehr in erneuerbare Energien als China.

Zwischen Solarparadies und Klimakiller

482449_R_K_B_by_Gerd Altmann_pixelio.deInnerhalb der letzten sechs Jahre hat China seine Erzeugungskapazitäten an Wind- und Solarenergie von Jahr zu Jahr verdoppeln können. Zudem ist das Land mittlerweile Weltmarktführer bei der Produktion von Sonnenkollektoren, die vor allem in den globalen Export gehen. Ausschlaggebend für Chinas rasante Entwicklung alternativer Energieformen sind in erster Linie zwei Faktoren. Zum einen hat man Umwelttechnologien als lukrativen Zukunftsmarkt entdeckt, der massive ökonomische Potenziale birgt. Zum anderen hat China gar keine andere Wahl. Der stetig steigende Energiebedarf im bevölkerungsreichsten Land der Erde macht die Nutzung regenerativer Quellen, auch hinsichtlich des massiven wirtschaftlichen Aufschwungs, zum unbedingten Muss.

Aber: Noch kann Chinas Energiewende dem eigenen Wirtschaftswachstum nicht standhalten. Innerhalb des letzten Jahrzehnts hat sich der chinesische CO2-Ausstoß verdoppelt – kein anderes Land heizt die Erderwärmung derzeit stärker an. Die Pro-Kopf-Emissionen Chinas sind erstmals auf das Niveau der etablierten Industrienationen geklettert, was auch in der Landflucht und dem explosiven Wachstum der energieintensiven Städte begründet liegt. Chinas größte Umweltsünde bildet nach wie vor die Kohle. Trotz des hohen Engagements bei erneuerbaren Energien stützt sich das Land zu zwei Dritteln auf seine klimaschädlichen Kohlekraftwerke. Da aber auch die fossilen Brennstoffe dem enormen Energiebedarf nicht länger gewachsen sind, besteht der unbedingte Zwang zu neuen Strategien. Neben der staatlichen Förderung alternativer Erzeugungsformen will China deshalb vor allem die eigene Energieeffizienz steigern und damit den letztlichen Verbrauch signifikant mindern. Ob dies gelingen kann, steht allerdings in den Sternen, denn der Energiehunger in der “Fabrik der Welt” wächst weitaus rasanter als die Möglichkeiten zu einer nachhaltigen Versorgung.

Foto © Pixelio, Gerd Altmann

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Die Jagd nach dem Gas

Donnerstag, den 6. Oktober 2011

Explodierende Ölpreise, Atomausstieg, Kohlekritik, Energiewende – das sind die Schlagwörter unserer Zeit. Und dennoch ist ein fossiler Rohstoff beliebter denn je: das Gas. Auf dem gesamten Globus ist ein nie gekannter Run auf neue Quellen und Fördermethoden losgebrochen, um auch die verborgensten Reserven nutzbar zu machen.

Wunderressource “Unkonventionelles Gas”

387813_R_K_B_by_Katja Neubauer_pixelio.deGanz abgesehen seinem hiesigen Nummer-1-Status als Heizenergieträger hat Erdgas mittlerweile auch den Stellenwert inne, der der Atomkraft nie hätte zugeschrieben werden dürfen: Es ist Brückentechnologie. Solange Benzinmotoren zu schmutzig und Elektroautos zu unausgereift sind, erscheinen gasbetriebene Fahrzeuge als Königswegs. Und solange die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zu sehr schwankt, sollen flexibel regelbare Gaskraftwerke als sauberste Variante fossiler Verbrennung die Versorgung sichern. Nichtsdestotrotz bleibt Erdgas eine endliche Ressource.

Wie das Umweltmagazin zeo2 in seiner Herbstausgabe berichtet, lautet das Zauberwort deshalb “Unkonventionelles Gas”. Als solches werden Reserven in den Poren harter Gesteinsschichten bezeichnet, die noch bis vor Kurzem als unförderbar galten. Schätzungen zufolge übertreffen die weltweiten Vorräte an unkonventionellem Gas die konventionellen um ein Vielfaches. In den USA stammt bereits jetzt mehr als die Hälfte des geförderten Erdgases aus unkonventionellen Quellen, vor allem aus Schiefergas. Damit ist das Land inzwischen fast unabhängig von Gasimporten und sogar zum Nettoexporteur geworden. Auch hierzulande werden größere Vorkommen an unkonventionellem Gas vermutet. Doch trotz aller Euphorie ist die Fördermethode, das sogenannte “Fracking”, mehr als umstritten. Hierbei werden Chemikalien in eine Tiefbohrung eingepresst, um künstliche Risse im gashaltigen Gestein zu erzeugen. Die möglichen ökologischen Folgen sind bislang weitestgehend unerforscht, Umweltverbände und Bürgerinitiativen laufen jedoch bereits Sturm gegen das brachiale Verfahren. Sie befürchten verseuchtes Grundwasser und Ewigkeitsschäden in der Erdkruste.

Foto © Pixelio, Katja Neubauer

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Zukunftsressource Kupfer

Dienstag, den 27. September 2011

Die Endlichkeit fossiler Energieträger wie Öl und Gas ist allgemein bekannt, und deren Ablösungsprozess hat längst begonnen. Doch auch unsere Stromversorgung sowie eine Vielzahl klimafreundlicher Zukunftstechnologien stehen in engem Zusammenhang mit einer nicht unbegrenzt verfügbaren Ressource: dem Kupfer. Dessen weltweite Nachfrage ist mittlerweile bedenklich angestiegen.

Wie lange reichen unsere Kupferbestände?

500521_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.deWie die Wirtschaftsvereinigung Metalle berichtet, wurden im vergangenen Jahr mehr als 19 Millionen Tonnen Kupfer verarbeitet. Vor allem der anhaltend hohe Bedarf der neuen Wirtschafts- und Energie-Schwergewichte China und Indien bereitet Experten zunehmend Kopfzerbrechen, ob die vorhandenen Ressourcen den globalen Ansprüchen gewachsen sind. Kupfer ist im Hinblick auf zahlreiche Technologien unverzichtbar: Ob Stromversorgung, erneuerbare Energien, Verkehrswesen oder maschinelle und elektronische Anwendungen – ohne das begehrte Industriemetall läuft so gut wie nichts. Dr. Anton Klassert, Geschäftsführer des Deutschen Kupferinstituts, veranschaulicht: “Jeder Deutsche benötigt im Laufe seines Lebens mehr als eine Tonne Kupfer. Und der Einsatz neuer Technologien wie alternativer Energien und Elektromobilität wird auch in traditionellen Märkten zu einer steigenden Kupferverwendung führen.”

Allerdings gibt das Deutsche Kupferinstitut zumindest vorläufig Entwarnung. Auch wenn in den kommenden Jahren die Nachfrage nach Kupfer weiter steige, sei die geologische Versorgung noch für Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte gesichert. Hinzu kommt, dass beim Kupferkreislauf mittlerweile ein effizientes Recycling praktiziert wird. Deutschland hat bei der Wiederverwertung von Metallen weltweit eine führende Rolle inne. Beispielsweise werden hierzulande derzeit knapp 700.000 Tonnen an Elektro-Altgeräten im Jahr gesammelt. Das tatsächliche Potenzial liegt sogar noch weit höher. Dass sich die Wiederaufbereitung von Elektroschrott lohnt, zeigt folgende Zahl: Allein eine Tonne ausrangierter Mobiltelefone birgt 150 Kilogramm Kupfer. Mit über 50 Prozent ist die deutsche Quote beim Kupferrecycling schon heute vorbildlich. Und auch das Exportgeschäft brummt. Allein in 2009 ist der EU-weite Kupferexport um 30 Prozent auf 900.000 Tonnen angestiegen. Die deutschen Exporte Richtung China sind 2009 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 500 Prozent geradezu explodiert. Nichtsdestotrotz hat die Europäische Kommission Kupfer bislang nicht als kritischen Rohstoff eingestuft.

Foto © Pixelio, Rainer Sturm

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Achtung, Atommüll!

Dienstag, den 20. September 2011

Wie werden künftige Generationen unsere Epoche wohl im Rückblick betrachten? Vielleicht wird man sagen: “Damals haben die Menschen Atome gespalten, daraus Bomben und Kraftwerke gemacht und am Ende den ganzen Dreck verbuddelt. Wir wissen nur nicht mehr, wo.” Um dies zu verhindern, setzt sich die Forschungsrichtung der Atomsemiotik mit der Frage auseinander, wie man unsere Nachkommen noch in Millionen von Jahren vor endgelagertem Atommüll warnen kann.

Generation Endlager

505947_R_K_B_by_Gerd Altmann_pixelio.deDie Ursprünge der Atomsemiotik reichen bis in die frühen 1980er Jahre zurück, als sich die Politik erstmals mit der Warnung der Nachwelt vor den Gefahren atomaren Mülls beschäftigte. Damals beauftrage die US-Regierung eine eigens installierte Arbeitsgruppe, Lösungen zu finden, wie man Menschen auch in 10.000 Jahren noch davon abhalten kann, das Endlager Yucca Mountain in Nevada zu betreten. Das Dilemma ist klar: Selbst wenn das letzte Atomkraftwerk der Welt Stein für Stein abgetragen wurde, werden die nuklearen Hinterlassenschaften unserer Epoche noch Millionen Jahre lang unterirdisch vor sich hinstrahlen. Und die Geschichte lehrt uns, wie schnell vieles in Vergessenheit geraten kann. Während wir heute immer mal wieder über Dinosaurierknochen, Pharaonengräber oder Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg stolpern, könnten unsere Kindeskinder möglicherweise arglos eine Klassenfahrt ins schöne Gorleben unternehmen.

Wie also warnt man zukünftige Generationen effektiv vor deponiertem Atommüll? Die Atomsemiotik liefert auf diese Frage durchaus kreative Antworten. Ein Vorschlag besteht beispielsweise darin, die Erdoberfläche über atomaren Endlagern künstlich unwegsam zu gestalten. Beispielsweise erwägen die Forscher, ein meterhohes Feld aus sich kreuzenden Klingen zu errichten. Deutlicher kann man “Betreten verboten!” wohl nicht sagen. Ein anderer, nicht ganz so martialischer Vorschlag geht in eine eher monumentale Richtung. Demzufolge könnte man über Endlagern symbolische Bauwerke platzieren. Etwa einen riesigen Atommüll-Obelisken mit ikonografischen Zeichnungen, die auf die unterirdische Gefahr hinweisen. Damit wäre im Übrigen auch eine hübsche Verbindung zu den Höhlenmalereien unserer steinzeitlichen Vorfahren hergestellt. Botschaft 1: “Wir haben Mammuts gejagt.” Botschaft 2: “Wir haben mit Atomkraft ferngesehen.”

Foto © Pixelio, Gerd Altmann

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Das Kraftwerk von nebenan

Donnerstag, den 13. Januar 2011

In Zeiten stetig steigender Strompreise beschreiten immer mehr Verbraucher alternative Wege, um ihre Energiekosten klein zu halten. Eine Nachbarschaft im niederrheinischen Kleve, nahe der deutsch-holländischen Grenze, hat sich zu diesem Zweck zusammengeschlossen und einen eigenen, kleinen Kraftwerksverbund gebildet.

Nachbarn als Energieerzeuger

Gabi SchoenemannDas WDR-Magazin Servicezeit berichtete Anfang der Woche von einem findigen Stahlbau-Meister aus Kleve, der ursprünglich lediglich die Kosten für einen neuen Wintergarten durch verbaute Solarzellen amortisieren wollte. Durch den selbst erzeugten Strom und die entsprechende Einspeisevergütung, so die Logik, würde sich der teure Anbau innerhalb von zehn Jahren selbst finanzieren. Benachbarte Haushalte waren von der Optik sowie vom Nutzen des Wintergartens derart überzeugt, dass sie den Pionier von nebenan baten, ihnen ebenfalls Solardächer zu errichten. Daraus wuchs eine überzeugende Idee: Der Stahlbau-Meister bot seinen Nachbarn an, ihre Dächer gegen Bezahlung zu mieten und auf eigene Rechnung mit Solarzellen auszustatten. Nach 20 Jahren würde die Einspeisevergütung die Kosten decken und sogar einen kleinen Gewinn erwirtschaften. Viele Nachbarn willigten ein und inzwischen wurde bereits ein halbes Dutzend Häuser mit Photovoltaikanlagen bestückt.

Das Haus des Stahlbau-Meisters erzeugt per Solarkraft mittlerweile mehr Energie, als die Familie selbst verbraucht und hat überdies noch mehr zu bieten: Wärmedämmende Isolierung, Dreifachverglasung, Solarthermie-Anlage und Warmwasserspeicher. Doch man wollte noch einen Schritt weiter gehen – vom Niedrig-Energie-Haus zum Plus-Energie-Haus. Deshalb installierte die Familie zusätzlich ein eigenes Blockheizkraftwerk, das gleichzeitig Strom und Wärme produziert. Allerdings weniger für die eigene Immobilie, denn die ist energetisch bereits weitgehend abgedeckt, sondern vielmehr zum Nutzen der Nachbarschaft. So wurde eine mehrere hundert Meter lange Fernwärmeleitung verlegt, die ein knappes Dutzend Nachbarhäuser mit günstiger Energie versorgt – inklusive geschlossenem Wärmelieferungsvertrag und installierten Übergabestationen in den Kellern.

Und weil die Idee in der Nachbarschaft so populär geworden ist, stehen im ehemaligen Hobbykeller der Stahlbau-Meisters inzwischen drei solcher Blockheizkraftwerke. Die werden im Übrigen nicht, wie sonst üblich, mit Heizöl oder Erdgas betrieben, sondern mit regenerativem Rapsöl von einem nahegelegenen Landwirtschaftsbetrieb. Durch den so erzeugten Ökostrom steigt die Einspeisevergütung und die Wärmeversorgung der Nachbarn kann noch günstiger gestaltet werden. Und ganz nebenbei wird ein vorbildlicher Beitrag zum aktiven Klimaschutz geleistet.

Foto © Pixelio, Gabi Schoenemann

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Bürger gegen Leitungen

Montag, den 23. August 2010

Die Bundesregierung plant für die nahe Zukunft den massiven Ausbau des deutschen Stromnetzes. Ein Vorgang, der bei vielen Bürgern, insbesondere bei betroffenen Anwohnern, auf wenig Gegenliebe stößt.

Akzeptanzstudie zum Netzausbau

JurecDer Sachzwang zum Ausbau des deutschen Stromnetzes ist ein im Prinzip hausgemachtes Problem. Durch die fortschreitende Integration erneuerbarer Energien, speziell der Windkraft, sind bei gleichzeitigem Nichtabschalten von Kohle- und Atomenergie zusätzliche Leitungskapazitäten von Nöten. Es fließt schlichtweg zuviel Strom durch die Trassen. Würde man die konventionellen Energieträger parallel zur Zunahme der erneuerbaren herunterfahren, ließe sich der kostenintensive Netzausbau wohl umgehen. Nicht aber die Interessen der Energiewirtschaft – und so verlegt der Bund lieber neue Kabel, anstatt den Energiemix früher als geplant anzupassen. Entsprechend wenig Akzeptanz findet der anstehende Netzausbau in der Bevölkerung. Im Rahmen einer aktuellen Studie der Universität Magdeburg im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe wurden von neuen Stromtrassen Betroffene befragt. Ergebnis: Um sich überhaupt mit dem Thema Netzausbau anfreunden zu können, fordern die Bürger beispielsweise Mindestabstände der Leitungen von ihren Wohngebieten bzw. eine grundsätzliche Erdverkabelung. Dafür wären viele Befragte sogar bereit, einen höheren Strompreis zu zahlen. Außerdem sind die Menschen eher gewillt, dem Netzausbau vor ihrer Haustür zuzustimmen, wenn dieser nachweislich der Integration erneuerbarer Energien dient. Desweiteren zeigt die Studie, dass der Informationsbedarf zum Um- und Ausbau der Stromnetze unter den regional betroffenen Bürgern sehr groß ist. Eine frühe Ausfklärung der Anwohner über geplante Stromtrassen ist für die Akzeptanz essentiell.

Die Ängste betroffener Bürger angesichts des geplanten Netzausbaus sind vielfältig: Viele befürchten einen negativen Einfluss auf das Landschaftsbild, gesundheitliche und ökologische Beeinträchtigungen durch elektromagnetische Felder bis hin zu einem möglichen Wertverlust ihrer Immobilien. Vor allem aber sehen viele Bürger schlichtweg weder Bedarf noch Nutzen neuer Stromleitungen in ihrer Region. Es sei denn, sie würden der Integration erneuerbarer Energien dienen. Tatsächlich aber dienen sie oftmals auch dazu, Kohle- und Atomkraft zu erhalten.

Foto © Pixelio, Jurec

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Öko-Insel Pellworm

Montag, den 2. August 2010

“Wir befinden uns im Jahre 2010 nach Christus. Ganz Deutschland ist von Kohle- und Atomkraft besetzt. Ganz Deutschland? Nein! Eine von unbeugsamen Pellwormern bevölkerte Insel…” Ach ne, das ist eine andere Geschichte. Und trotzdem handelt auch unsere vom heroischen Widerstand eines kleinen Völkchens – und zwar im Namen von Klimaschutz und sauberer Energie.

Klima-Idyll in der Nordsee

Axel DulzZugegeben: Auf einer malerischen Nordseeinsel hat mans leichter energieautark zu leben denn als großstädtische Landratte – Wind und Sonne machens möglich. Trotzdem ist das seit den frühen 80er Jahren sukzessive ausbaldowerte Energieversorgungsmodell der Pellwormer in dieser Form schon beeindruckend. Die Insellage mit viel Wind, einer überdurchschnittlich hohen Sonneneinstrahlung und landwirtschaftlicher Ausrichtung bietet Pellworm hervorragende Voraussetzungen für die Nutzung erneuerbarer Energien. Mit selbiger begann man bereits vor rund 30 Jahren und verfügt heute über einen ansehnlichen Pool aus Windkraft-, Photovoltaik- und Biogasanlagen. Die etwas mehr als 1.000 Einwohner versorgen sich nicht nur selbst auschließlich durch erneuerbaren Strom, sie produzieren sogar weit mehr als nötig und leiten die Überschüsse gen Festland. Dabei ergänzen sich die beiden Hauptenergieträger Wind und Sonne hervorragend: Herrscht Flaute, scheint häufig die Sonne, ist es regnerisch und bedeckt, weht oftmals eine steife Brise.

Das Konzept ist wohl deshalb so erfolgreich, weil es nicht politisch aufoktroyiert, sondern von den Pellwormern in Eigenregie entwickelt wurde. Heute halten viele Einwohner Anteile an den großen Photovoltaik- und Windparks und tragen durch Solarzellen auf dem eigenen Haus oder Hof zusätzlich zur Stromversorgung bei. Und genau das war von Anfang an die Idee: Jeder einzelne Pellwormer soll vom Ökomodell der Nordseeinsel profitieren. Sei es als direkte Einnahmequelle, durch die günstige Eigenversorgung oder auch durch die ebenfalls äußerst wichtige Tourismusbranche. Denn die boomt seit Pellworms Ökotrend ebenso wie die zukunftsweisende Energiewirtschaft.

Foto © Pixelio, Axel Dulz

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