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Archiv der Kategorie ‘Reportage‘

Japan ohne Atomkraft

Freitag, den 11. Mai 2012

Am vergangenen Samstag wurde mit dem Meiler Tomari auf der nördlichen Insel Hokkaido Japans letztes noch in Betrieb stehendes Atomkraftwerk vorläufig abgeschaltet. Zum ersten Mal seit 1970 muss nun eines der bedeutendsten Industrieländer der Welt vollständig ohne Kernenergie auskommen. Ob dies nur ein flüchtiges Symbol bleibt, oder aber Japans Energiewende einleitet, ist momentan noch ungewiss.

50 Reaktoren stehen still

Japan verfügt über insgesamt 50 Reaktoren, mit Ausnahme des Meilers Tomari wurde in den Nachwehen der Katastrophe von Fukushima jedoch der komplette Kernkraftwerkspark aus Sicherheitsgründen heruntergefahren. Nun steht auch der letzte verbliebene Reaktor still – allerdings nur für etwa 70 Tage andauernde Wartungsarbeiten. Die Abschaltung am Samstag wurde in Japan von vielfachen Anti-Atom-Demonstrationen begleitet.

Bis zu den tragischen Ereignissen von Fukushima im März letzten Jahres basierte Japans Stromversorgung zu rund einem Drittel auf Atomkraft. Dementsprechend ist der vollständige Verzicht auf die Risikotechnologie binnen eines Jahres für das Land alles andere als unproblematisch. Zum Vergleich: Im deutschen Strommix ist der Anteil der Kernenergie nach Fukushima von rund 22 auf etwa 18 Prozent gesunken, und der schrittweise Ausstieg wird sich noch bis zum endgültigen Abschaltdatum 2022 hinziehen. Dementsprechend wurde die abrupt wegfallende Atomenergie in Japan durch den vermehrten Einsatz von Verbrennungskraftwerken aufgefangen. Dies führt zu steigenden Kosten für die Wirtschaft und treibt zugleich den Ausstoß von Treibhausgasen in die Höhe.

Da die japanische Bevölkerung mittels Kampagnen zum gezielten Stromsparen aufgerufen wurde und energieintensive Unternehmen ihre Produktion zeitweise bewusst drosseln, hat das Land bisher nicht mit dramatischen Stromengpässen zu kämpfen. Selbige werden allerdings für die in Japan sehr heißen Sommermonate erwartet, wenn die Klimaanlagen traditionell auf Hochtouren laufen. Ob die Behörden dann grünes Licht für eine Wiederinbetriebnahme einiger als sicher geltender AKW geben werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch fraglich. Während Teile der Wirtschaft und vor allem die inländischen Energiekonzerne die Angst vor massiver Stromknappheit schüren, hoffen Umweltschützer ebenso wie die Mehrheit der Bevölkerung auf eine japanische Energiewende. Tatsächlich bereitet die Regierung aktuell ein entsprechendes Versorgungskonzept vor, innerhalb dessen erneuerbare Energien gezielt subventioniert werden sollen. Vorläufig jedoch hat sogar die OECD Japan empfohlen, drohenden Wirtschaftsrisiken mit dem erneuten Anfahren einiger Meiler zuvorzukommen.

Bild © Pixelio, Thommy Weiss

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Müllproblem Ökostrom

Montag, den 7. Mai 2012

Während gegenwärtig händeringend nach einer Lösung gesucht wird, wie man mit den radioaktiven Hinterlassenschaften unseres atomaren Energie-Zeitalters verfahren soll, könnte bereits in wenigen Jahrzehnten ein ganz neues Müllproblem entstehen. Denn auch die Altlasten der erneuerbaren Energien, sprich Wind- und Solarkraft, müssen irgendwann entsorgt werden.

Solarschrottplätze und Windraddeponien

Offizielle Zahlen besagen, dass es in Deutschland bereits heute weit mehr als zwei Millionen Solaranlagen gibt – Tendenz steigend. Besonders Aufdachanlagen erfreuen sich großer Beliebtheit, da sie keinen direkten Eingriff in die Natur bedeuten. Allerdings schreitet gerade bei der weltweit boomenden Photovoltaik der Stand der Technik äußerst schnell voran. Und so hinterlassen immer effizienter, dünner und flexibler werdende Solarzellen zwangsläufig einen Müllberg ausgedienter Altanlagen. In spätestens zwanzig Jahren, so prophezeien Experten des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), sei mit einer solaren Entsorgungswelle zu rechnen. Und die ist nicht gerade unproblematisch, da die Anlagen Schwermetalle und andere Problemstoffe enthalten und somit Sondermüll darstellen.

Auch die gegenwärtig wie Pilze aus dem Boden schießenden Windräder haben ein technologisches Ablaufdatum und stehen irgendwann vor dem zwangsläufigen Rückbau. Allein der Bauschutt der riesigen Anlagen stellt diesbezüglich schon ein Problem dar. Hinzu kommt eine Vielzahl von Metallen und Faserverbundstoffen aus den Generatoren und Rotoren der Windräder. Weniger problematisch, so die Karlsruher Experten, sei hingegen die Entsorgung veralteter Wasserkraftanlagen. Da es diese Technologie bereits seit 100 Jahren gebe, falle beim rein mechanischen Abbau kein spezieller Müll an.

Das künftige Müllproblem durch erneuerbare Energien ist selbstverständlich kein Plädoyer für deren Begrenzung. Wind- und Solaranlagen sind die klimatische und wirtschaftliche Basis des kommenden Energiezeitalters. Nichtsdestotrotz müssen idealerweise schon zum Zeitpunkt der Errichtung schlüssige Entsorgungskonzepte her. Ansonsten droht irgendwann das gleiche Szenario wie bereits heute beim Thema Elektroschott, der auf illegal verschifften Containern nach Afrika gelangt und dort ganze Küstenregionen unter sich begräbt.

Foto © Pixelio, Rainer Sturm

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Big Brother im Stromzähler

Donnerstag, den 5. April 2012

Bis zum Jahr 2020 sollen 70 Prozent aller Haushalte in der EU mit intelligenten Stromzählern ausgestattet sein, die erste Umrüstwelle ist hierzulande bereits angelaufen. Das sogenannte Smart Metering hilft allerdings nicht nur dabei, die Energiewende voranzutreiben, es sammelt auch jede Menge private Daten. Ein IT-Sicherheitsexperte verrät, wie weit das mitunter gehen kann.

Datenmissbrauch durch Smart Metering

Im IT-Sicherheitslabor der Fachhochschule Münster wurde unlängst die aktuelle Generation von Smart Metern eingehend untersucht. Experte Dennis Löhr hat im Interview mit dem Lokalmagazin “Ultimo” erklärt, inwiefern wir in Zukunft von unseren eigenen Stromzählern ausspioniert werden. Anfängliche Baureihen, so der Fachmann, hätten den laufenden Stromverbrauch in viertelstündlichen Intervallen ermittelt, während moderne Geräte das mittlerweile sogar im Zwei-Sekunden-Takt bewerkstelligen. Dies mache den Stromverbrauch derart transparent, dass der Messstellenbetreiber am anderen Ende der Leitung exakt sehen könne, wer wann zu Hause ist und welches Elektrogerät bedient.

Klingt erstmal abstrakt, lässt sich aber durchaus konkret nutzen bzw. missbrauchen. Denn anhand der Stromdaten kann man laut Dennis Löhr beispielsweise nicht nur erkennen, wann der Fernseher eingeschaltet wurde, sondern auch welches Programm lief. “Der Stromverbrauch des Fernsehers schwankt minimal bei der Abfolge von hellen und dunklen Bildern. Wenn ich diese Information mit dem Programm der Sender abgleiche, kann ich daraus schließen, welchen Film Sie gesehen haben”, so der Experte. Man habe im Rahmen der Untersuchungen sogar mit geringem Aufwand ein Programm entwickelt, das einen Abgleich von Stromdaten und TV-Sendungen automatisch vornimmt. Löhr: “Die Werbeindustrie wird natürlich schwer hinter den Daten her sein, weil sie stark personalisierte Werbung ermöglichen.”

Und schon ist der Bürger wieder ein bisschen gläserner. Es ist ja hinreichend bekannt, mit welcher Emsigkeit zum Beispiel Adress- und Profildaten in den dunklen Gassen des Internets gehandelt werden. Kann man hierbei noch mit einem gewissen Maß an Selbstbestimmung durch eiserne Anonymität vorbeugen, wird das beim Smart Metering kaum möglich sein. Den intelligenten Zähler bekommen wir alle und können dabei nur hoffen, dass die Datensicherheit der Messstellenbetreiber funktioniert.

Foto © Pixelio, Cisco Ripac

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Energiearmut in Deutschland

Dienstag, den 6. März 2012

Alles wird teurer, Strom jedoch im Besonderen. Während das allgemeine Niveau der Verbraucherpreise in Deutschland seit dem Jahr 2000 um etwas mehr als 10 Prozent gestiegen ist, sind die Strompreise im gleichen Zeitraum laut Zahlen des Bundeswirtschaftsministeriums um ganze 40 Prozent in die Höhe geschnellt. Auch aktuell rollt eine neue Welle von Preiserhöhungen auf die Verbraucher zu. Die Folge: Immer mehr Haushalte können sich den teuren Strom kaum noch leisten und geraten in akute Energiearmut.

Hunderttausende zeitweise ohne Strom

So unerlässlich Strom für unseren Alltag auch ist – er zählt nicht wie Nahrung, Kleidung und Obdach zu den Dingen, auf die jeder Bürger auch in wirtschaftlichen Notlagen ein automatisches Anrecht hat. Wer in Zahlungsrückstände bei seinem Versorger gerät, dem wird nach drei Mahnungen und einer vier Wochen im Voraus erfolgenden Sperrankündigung der Anschluss abgeklemmt. Ein Schreckensszenario, das nicht zuletzt aufgrund der Strompreisexplosion hierzulande offenbar immer mehr Haushalte ereilt. Laut Zahlen der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen wurden 2010 im bevölkerungsreichsten Bundesland der Republik rund drei Millionen Mahnungen verschickt und mehr als 60.000 Stromsperren verhängt. Bundesweit, so schätzt die Verbraucherzentrale, wurde bis zu 600.000 Menschen in Deutschland der Strom abgestellt.

Die Folgen für Betroffene sind weitreichend. Ein Leben ohne Fernseher, Radio, Computer, Kühlgeräte und Beleuchtung ist selbst kurzfristig kaum vorstellbar. In vielen Fällen sind von einer Stromsperre zudem auch der Heizungsbetrieb und die Warmwasserbereitung betroffen. Darüber hinaus droht das Abrutschen in eine schwerwiegende Schuldenspirale. Einmal rückständige Zahlungen summieren sich oftmals immer weiter auf und münden letztenendes in Beträge, die gerade von an der Armutsgrenze lebenden Haushalten kaum noch bewältigt werden können. Bereits die Stromsperre an sich birgt eine ernstzunehmende finanzielle Belastung, denn ein Neuanschluss durch den Versorger kostet Verbraucher bis zu 300 Euro. Alarmiert durch die steigende Zahl der in akuter Energiearmut lebenden Menschen, bieten einige Versorger Betroffenen mittlerweile sogar eine kostenlose Entschuldungsberatung in Zusammenarbeit mit Verbraucherzentralen an. Und dies ist durchaus kein rein wohltätiger Akt, denn die Energieversorger müssen in Zeiten von Niedriglöhnen, Hartz IV und grassierenden Privatinsolvenzen immer mehr Forderungen abschreiben.

Foto © Pixelio, Cisco Ripac

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Strom und Miete: Metropolen im Vergleich

Donnerstag, den 9. Februar 2012

Großstädte sind ein teures Pflaster – davon können Millionen Kölner, Münchener und Hamburger ein Lied singen. Lediglich Berlin bildet im Vergleich der Metropolen mit einem vergleichsweise moderaten Mietspiegel und verkraftbaren örtlichen Strompreisen eine Ausnahme. Demnach wohnen und leben Hauptstädter merkbar günstiger.

Deutliche Preisunterschiede zwischen Köln und Berlin

Laut offiziellem Kölner Mietspiegel liegt der Mietpreis in der Rhein-Metropole je nach Lage und Größe der Immobilie zwischen 6,45 € und 8,35 € pro Quadratmeter. Wohnungen in Köln, die nach 2005 erbaut wurden, rangieren preislich zwischen 7,20 € und 12,00 €. Ganz anders die Lage im Osten der Republik. Der aktuelle Berliner Mietspiegel weist für die Hauptstadt Quadratmeterpreise zwischen 4,84 € und 5,92 € aus. Damit liegt der teuerste durchschnittliche Mietpreis für Wohnungen in Berlin sogar noch unter dem günstigsten Satz in Köln. Zum Vergleich: Als bundesdeutsche Durchschnittsmiete gibt das Statistische Bundesamt einen Quadratmeterpreis von 5,00 € an.

Der wirkliche Preis fürs Wohnen ergibt sich natürlich erst in Addition sämtlicher Kosten – wobei die stetig steigenden Strompreise in Deutschland dabei einen immer entscheidender werdenden Faktor darstellen. Dass diese im örtlichen Vergleich große Unterscheide aufweisen, zeigt der Strompreis-Atlas von StromAuskunft. Hier werden die aktuellen monatlichen Strompreise des günstigsten Tarifs der lokalen Versorger in Städten und Landkreisen angezeigt. Während der Osten Deutschlands generell eine kostenintensive Zone in Sachen Strom ist, fällt, ähnlich dem Mietspiegel, auch hier Berlin als Preisinsel auf. Bei einem Jahresverbrauch von 2.800 Kilowattstunden beträgt der monatliche Strompreis in der Hauptstadt 62 Euro. Berlin liegt damit im bundesweiten Vergleich auf Platz 78 der günstigsten Strompreis-Regionen. Abgeschlagen hingegen Köln auf Platz 190. Hier betragen die monatlichen Stromkosten bei gleichem Verbrauch derzeit 65 Euro im günstigsten Tarif des lokalen Versorgers. Ein Preisunterschied von drei Euro pro Monat im Vergleich zu Berlin mag auf den ersten Blick gering anmuten, im Verlauf mehrer Jahre ergeben sich dadurch jedoch signifikante Summen. Immerhin: Bei einem Stromanbieterwechsel zum aktuell günstigsten verfügbaren Angebot liegen Köln und Berlin gleichauf.

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Countdown für Nachtspeicherheizungen

Dienstag, den 31. Januar 2012

Sie sind veraltet, ineffizient, teuer und energiefressend: Nachtspeicherheizungen. In zahlreichen unmodernisierten Häusern und Wohnungen, die in den 1970er Jahren erbaut wurden, gilt bis heute noch immer das antiquierte Prinzip Heizen per Strom. Damit soll laut Energieeinsparverordnung jedoch bis zum Jahr 2019 Schluss sein.

Heizen mit Strom ist Auslaufmodell

Vor etwa vierzig Jahren, in der Blütezeit der Nachtspeicherheizungen, hielt man die Technik für zukunftsweisend und sogar umweltfreundlich. Und so wurde eine Vielzahl von Haushalten mit Heizungen ausgestattet, die nachts per Strom aufgeladen werden und tagsüber die gespeicherte Wärme abgeben. Die Installation von Nachtspeicherheizungen wurde sogar staatlich gefördert, um den damals äußerst unflexiblen Kraftwerkspark auch nachts gleichmäßig auszulasten. Heute allerdings hat sich das Prinzip aus Umwelt- und Kostengründen längst überlebt. Bereits 2007 wurde per Energieeinsparverordnung ein Countdown für Nachtspeicherheizungen bis zum Jahr 2019 festgelegt. Allerdings ist nicht jeder Haushalt an dieses Datum gebunden. Der Umrüstzwang besteht vor allem bei älteren Mehrfamilienhäusern, deren Nachspeicherheizungen vor 1990 eingebaut wurden. Geräte jüngeren Datums müssen erst nach 30 Jahren Betriebszeit ausgetauscht werden. Generell nicht verpflichtend ist die Regelung für Besitzer von Ein- und Zweifamilienhäusern.

Aufgrund der schlechten Energiebilanz von Nachtspeicherheizungen, die zu hohen Kosten und negativen Umweltwerten führt, sollten allerdings alle Betroffenen über eine Umrüstung nachdenken. Verschiedene Baureihen, die vor 1984 installiert wurden, sollen zudem mit Asbest belastet gewesen sein. Hier ist ein rascher Austausch unbedingt von Nöten. Über die Nummer am Gerät kann ein entsprechender Fachbetrieb ermitteln, ob ein etwaiges Asbestrisiko besteht. Aber auch ohne einen solchen Ernstfall ist die Investition in ein zeitgemäßeres Heizsystem zumeist sehr wirtschaftlich, da das direkte Heizen mit dem Energieträger Strom generell kostspielig ist. Und Alternativen gibt es mittlerweile in Hülle und Fülle: Neben klassischen Gas- und Ölheizungen mit moderner Brennwerttechnik erfreuen sich zum Beispiel auch klimafreundliche Holzpelletheizungen oder Wärmepumpen zunehmender Beliebtheit. Auch die Kombination mit erneuerbaren Energien, zum Beispiel durch Solarthermie, kann sich bereits nach wenigen Jahren finanziell auszahlen.

Es dürfte allerdings mehr als wahrscheinlich sein, dass künftige Generationen irgendwann einmal zum Prinzip der Stromheizung zurückkehren. Sollte die Energiewende gelingen und parallel dazu die notwendige Emanzipation von fossilen Brennstoffen wie Öl und Gas stattfinden, könnte die Heizung der Zukunft wind- oder solarstrombetrieben sein. Dann allerdings auch tagsüber.

Foto © Pixelio, HERZ

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2011: Jahr der Energiewende

Dienstag, den 3. Januar 2012

Die Chancen stehen gut, dass das Jahr 2011 irgendwann einmal als entscheidender Impuls für die deutsche, vielleicht sogar die globale Energiewende in den Geschichtsbüchern vermerkt sein wird. In den vergangenen zwölf Monaten ist in Sachen Energie auf politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene so viel wie selten zuvor passiert. Grund genug für einen Rückblick auf die wichtigsten Eckdaten.

Von A(tomausstieg) bis Z(wischenlager Gorleben)

Blickt man auf das abgelaufene Jahr zurück, so überschattet nicht nur aus energiepolitischer Sicht ein Ereignis alle anderen: Fukushima. Die anfängliche Naturkatastrophe mit all ihren menschlichen Tragödien mündete letztlich in eine Nuklearkatastrophe und hat damit unsere Angst vor dem Unbeherrschbaren gleich in doppelter Hinsicht geschürt. Fukushima war nicht nur ausschlaggebend für den politischen Beschluss zum Atomausstieg, es hat gleichzeitig in allen Teilen der Gesellschaft zu einem breiten Konsens für sichere und zukunftsfähige Energie geführt. Es folgten massenhafte Anti-Atom-Demonstrationen, verordnete Sicherheitsüberprüfungen für Kernkraftwerke, ein nie gekannter Run der Verbraucher auf Ökostrom und letztlich sogar der erste grüne Ministerpräsident der deutschen Geschichte. Auch in der zweiten Jahreshälfte manifestierte sich das Thema in den bis heute massivsten Castor-Protesten und der hitzigen Diskussion um das mögliche Atommüll-Endlager Gorleben. Möglicherweise ist Fukushima sogar der entscheidende Impuls für die zarten Annäherungsversuche notorischer Klimaschutz-Verweigererstaaten gewesen, die Anfang Dezember auf der Weltklimakonferenz in Durban zu erkennen waren.

Fasst man den Blick etwas enger, so hat sich in 2011 auch viel für uns Stromverbraucher getan – sowohl auf dem Energiemarkt als auch in den eigenen vier Wänden. Im September verschwand die klassische 60-Watt-Glühlampe aus den Ladenregalen und seit Dezember verfügen endlich auch TV-Geräte über ein eigenes Energielabel. Generell scheinen die Themen Energieeffizienz, Stromsparen und Modernisierung nicht nur als politische Konstrukte, sondern auch beim Verbraucher deutlich an Stellenwert gewonnen zu haben. Negativer Höhepunkt auf dem Strommarkt war zweifelsohne die TelDaFax-Pleite im Sommer 2011. Die Insolvenz des Troisdorfer Unternehmens hat nicht nur eine Vielzahl von Haushalten ins finanzielle Unglück gestürzt, sondern auch eine berechtigte Diskussion um strittige Geschäftsmodelle, speziell das Vorkasse-Prinzip, entfacht. Was bleibt, sind sensibilisierte Stromkunden sowie die im November eröffnete, von Verbänden und Politik unterstützte “Schlichtungsstelle Energie”, die künftig bei Konflikten zwischen Versorgern und Verbauchern vermitteln soll.

Und was wird das gerade begonnene Jahr 2012 bringen? In erster Linie viel Arbeit – denn die Energiewende hat schließlich bestenfalls begonnen. Die Themen Netzausbau, Stromspeicherung und Kraftwerksmodernisierung dürften ganz oben auf der Agenda stehen. Auch die weitere Integration von Wind- und Solarkraft, die bereits in 2011 Rekordergebnisse erzielten, wird entscheidend bleiben. Neue und alte Diskussionen werden mit ziemlicher Sicherheit zur Kohlekraft, zur Atommüll-Endlagersuche sowie über die umstrittene Technologie zur unterirdischen Verpressung von CO2 geführt. Und ebenso wahrscheinlich ist, dass wir Verbraucher uns erneut über steigende Strompreise ärgern werden, die wir aber – sofern man den Umfragewerten des vergangenen Jahres Glauben schenkt – gern zum Wohle der Energiewende bezahlen.

Foto © Pixelio, Kathrin Antrak

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Fukushima: Neun Monate später

Dienstag, den 6. Dezember 2011

Fukushima ist zum Symbol geworden – für Sicherheit und Nachhaltigkeit, für den Atomausstieg und die Energiewende. Fukushima ist andererseits aber vor allem eine Katastrophe sowohl mit unmittelbaren als auch weitreichenden Tragödien. Neun Monate später ist vielen Betroffenen die Rückkehr in ihre Heimat noch immer unmöglich. Gleichzeitig grassiert in Japan die Angst vor verseuchten Böden und Lebensmitteln.

Verstrahltes Land, verseuchter Reis

Laut aktuellen Medienberichten sind durch die Folgen der Nuklearkatastrophe von Fukushima acht Prozent der japanischen Landfläche verstrahlt. Auch Japans Wirtschaftsministerium hat in diesem Zusammenhang bestätigt, dass insgesamt 30.000 Quadratkilometer mit radioaktivem Cäsium verseucht seien. In den betroffenen Gebieten wurden mehr als 10.000 Becquerel Cäsium pro Quadratmeter gemessen. Der überwiegende Teil der Strahlenbelastung wurde in den ersten zwei Wochen nach der Kernschmelze im Reaktor von Fukushima verursacht, weitere Schadstoffe fielen in Form von Regen und Schnee. Die Langzeitfolgen von Cäsium sind gefürchtet. Der Kontakt kann zu Krebserkrankungen sowie Erbgutschäden bei kommenden Generationen führen.

Unmittelbar betroffen von der Verstrahlung der Landflächen ist vor allem das japanische Grundnahrungsmittel Reis. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie japanischer Forscher sind die Böden in weiten Teilen Ost- und Nordostjapans so stark verseucht, dass die Kontamination der Reisernten ein mögliches Handelsverbot nach sich ziehen könnte. Dies betrifft nicht nur die Region Fukushima, sondern auch die Nachbarprovinzen Miyagi, Tochigi und Ibaraki. Tests hatten Belastungen von bis zu 630 Becquerel pro Kilogramm Reis nachgewiesen – der zulässige Grenzwert liegt bei 500 Becquerel.

Die japanische Regierung plant, Anfang nächsten Jahres mit der großflächigen Dekontamination der radioaktiv belasteten Gebiete zu beginnen. Dabei müssen gewaltige Bodenmengen abgetragen sowie verseuchte Schutt- und Aschereste entsorgt werden. Nur so kann den bis heute noch immer rund 160.000 Evakuierten Hoffnung auf eine Rückkehr in ihre Heimat gemacht werden.

Foto © Pixelio, Dieter Schütz

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China: Saubere Supermacht?

Dienstag, den 11. Oktober 2011

Bereits die Verleihung des Alternativen Nobelpreises 2011 an den chinesischen Solarunternehmer Huang Ming macht deutlich, wie stark sich die fernöstliche Wirtschaftsmacht derzeit in Sachen alternativer Energieerzeugung zeigt. Laut UN-Berichten investiert aktuell keine Nation der Welt mehr in erneuerbare Energien als China.

Zwischen Solarparadies und Klimakiller

482449_R_K_B_by_Gerd Altmann_pixelio.deInnerhalb der letzten sechs Jahre hat China seine Erzeugungskapazitäten an Wind- und Solarenergie von Jahr zu Jahr verdoppeln können. Zudem ist das Land mittlerweile Weltmarktführer bei der Produktion von Sonnenkollektoren, die vor allem in den globalen Export gehen. Ausschlaggebend für Chinas rasante Entwicklung alternativer Energieformen sind in erster Linie zwei Faktoren. Zum einen hat man Umwelttechnologien als lukrativen Zukunftsmarkt entdeckt, der massive ökonomische Potenziale birgt. Zum anderen hat China gar keine andere Wahl. Der stetig steigende Energiebedarf im bevölkerungsreichsten Land der Erde macht die Nutzung regenerativer Quellen, auch hinsichtlich des massiven wirtschaftlichen Aufschwungs, zum unbedingten Muss.

Aber: Noch kann Chinas Energiewende dem eigenen Wirtschaftswachstum nicht standhalten. Innerhalb des letzten Jahrzehnts hat sich der chinesische CO2-Ausstoß verdoppelt – kein anderes Land heizt die Erderwärmung derzeit stärker an. Die Pro-Kopf-Emissionen Chinas sind erstmals auf das Niveau der etablierten Industrienationen geklettert, was auch in der Landflucht und dem explosiven Wachstum der energieintensiven Städte begründet liegt. Chinas größte Umweltsünde bildet nach wie vor die Kohle. Trotz des hohen Engagements bei erneuerbaren Energien stützt sich das Land zu zwei Dritteln auf seine klimaschädlichen Kohlekraftwerke. Da aber auch die fossilen Brennstoffe dem enormen Energiebedarf nicht länger gewachsen sind, besteht der unbedingte Zwang zu neuen Strategien. Neben der staatlichen Förderung alternativer Erzeugungsformen will China deshalb vor allem die eigene Energieeffizienz steigern und damit den letztlichen Verbrauch signifikant mindern. Ob dies gelingen kann, steht allerdings in den Sternen, denn der Energiehunger in der “Fabrik der Welt” wächst weitaus rasanter als die Möglichkeiten zu einer nachhaltigen Versorgung.

Foto © Pixelio, Gerd Altmann

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Die Jagd nach dem Gas

Donnerstag, den 6. Oktober 2011

Explodierende Ölpreise, Atomausstieg, Kohlekritik, Energiewende – das sind die Schlagwörter unserer Zeit. Und dennoch ist ein fossiler Rohstoff beliebter denn je: das Gas. Auf dem gesamten Globus ist ein nie gekannter Run auf neue Quellen und Fördermethoden losgebrochen, um auch die verborgensten Reserven nutzbar zu machen.

Wunderressource “Unkonventionelles Gas”

387813_R_K_B_by_Katja Neubauer_pixelio.deGanz abgesehen seinem hiesigen Nummer-1-Status als Heizenergieträger hat Erdgas mittlerweile auch den Stellenwert inne, der der Atomkraft nie hätte zugeschrieben werden dürfen: Es ist Brückentechnologie. Solange Benzinmotoren zu schmutzig und Elektroautos zu unausgereift sind, erscheinen gasbetriebene Fahrzeuge als Königswegs. Und solange die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zu sehr schwankt, sollen flexibel regelbare Gaskraftwerke als sauberste Variante fossiler Verbrennung die Versorgung sichern. Nichtsdestotrotz bleibt Erdgas eine endliche Ressource.

Wie das Umweltmagazin zeo2 in seiner Herbstausgabe berichtet, lautet das Zauberwort deshalb “Unkonventionelles Gas”. Als solches werden Reserven in den Poren harter Gesteinsschichten bezeichnet, die noch bis vor Kurzem als unförderbar galten. Schätzungen zufolge übertreffen die weltweiten Vorräte an unkonventionellem Gas die konventionellen um ein Vielfaches. In den USA stammt bereits jetzt mehr als die Hälfte des geförderten Erdgases aus unkonventionellen Quellen, vor allem aus Schiefergas. Damit ist das Land inzwischen fast unabhängig von Gasimporten und sogar zum Nettoexporteur geworden. Auch hierzulande werden größere Vorkommen an unkonventionellem Gas vermutet. Doch trotz aller Euphorie ist die Fördermethode, das sogenannte “Fracking”, mehr als umstritten. Hierbei werden Chemikalien in eine Tiefbohrung eingepresst, um künstliche Risse im gashaltigen Gestein zu erzeugen. Die möglichen ökologischen Folgen sind bislang weitestgehend unerforscht, Umweltverbände und Bürgerinitiativen laufen jedoch bereits Sturm gegen das brachiale Verfahren. Sie befürchten verseuchtes Grundwasser und Ewigkeitsschäden in der Erdkruste.

Foto © Pixelio, Katja Neubauer

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