Die Ökostrom-Offensive
Dienstag, den 17. Januar 2012Ökostrom wird mehr und mehr zum Lieblingskind der deutschen Energieverbraucher. Seit Fukushima und dem Atomausstiegsbeschluss hält der Boom grüner Stromprodukte ungebrochen an – fast monatlich treten neue Anbieter und Tarife auf den Markt und eine stetig wachsende Zahl von Kunden entscheidet sich für einen Wechsel hin zum ökologischen Strombezug. Und endlich scheinen auch die großen Energiekonzerne die Zeichen der Zeit erkannt zu haben und investieren zunehmend in erneuerbare Energien.
Energiekonzerne forcieren grüne Strategien
Nach Angaben des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE) ist der deutsche Strommix im abgelaufenen Jahr deutlich grüner geworden. Der Anteil von Sonne, Wind, Biomasse und Co. an der hiesigen Stromerzeugung hat 2011 sogar die 20-Prozent-Marke geknackt. Dabei boomt Ökostrom gleich in zweierlei Hinsicht: Als immer beliebter werdendes Tarifmodell für Endverbraucher sowie als technologischer Zukunftsmarkt, innerhalb dessen beispielsweise Wind- und Solaranlagen zum internationalen Verkaufsschlager werden. Laut BEE-Geschäftsführer Björn Klusmann hat die Energiewende allerdings nicht erst im letzten Jahr begonnen. Erneuerbare Stromerzeugung sei ein langfristiger Trend, der im Moment bei 20 Prozent liege und innerhalb des nächsten Jahrzehnts sogar bis zu 50 Prozent erreichen könne.
Diese Entwicklung, von vielen kleineren Stromanbietern längst erkannt und genutzt, fordert nun auch seitens der lange Zeit zögerlichen Energiekonzerne ein Umdenken. Nach eigenen Angaben planen E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall Großinvestitionen in eine grünere Zukunft. E.ON hatte bereits im vergangenen Dezember ein sieben Milliarden Euro schweres Programm für erneuerbare Energien angekündigt. Der Stromriese will künftig alle 18 Monate einen neuen Windpark anfahren – darunter das Großprojekt “Amrumbank West”, wo in drei Jahren 80 Turbinen Windstrom für 300.000 Haushalte produzieren sollen. Auch RWE hat für die nächsten fünf Jahre ein Investitionsvolumen von fünf Milliarden Euro aufgelegt. Diese sollen vor allem in die Offshore-Windenergie fließen. Konventionelle Kraftwerksprojekte will der Konzern, sofern bereits begonnen, zwar noch zu Ende führen, allerdings vorerst keine neuen Investitionen in diesem Bereich tätigen. EnBW, mehrheitlich in Händen des mittlerweile grün regierten Landes Baden-Württemberg, hatte in letzter Zeit vor allem durch personelle Umbrüche in der Führungsetage Schlagzeiten gemacht. Zudem ließ das Unternehmen verlautbaren, sich in Zukunft stärker auf erneuerbare Energien und flexibel regelbare Gaskraftwerke konzentrieren zu wollen. Ähnliche Töne bei Vattenfall. Auch hier soll grüne Energie, vor allem in Form dezentraler Anlagen für Strom und Fernwärme, gefördert werden. Zwischen 50 und 70 Milliarden Euro will der Konzern nach eigenen Aussagen bis 2050 investieren, um bis zu 90 dieser nachhaltigen Kleinkraftwerke zu errichten.
Foto © Pixelio, Henrik Gerold Vogel
Grundsätzlich müssen Verbraucher für den Bezug von Ökostrom noch immer tiefer in die Tasche greifen als bei günstigen Tarifen auf Basis konventioneller Erzeugung. Allerdings schrumpfen die Preisunterschiede zusehends, so dass Ökostrom oftmals schon heute günstiger zu beziehen ist als zum Beipiel die generell teuren Tarife der Grundversorgung. Wer aus ebendieser zu einem Ökostrom-Anbieter wechselt, kann durchaus spürbar sparen. Für viele Verbraucher ist diese Diskussion allerdings längst nicht mehr entscheidend – sie sind bereit, einen höheren Preis für sauber erzeugten Strom zu zahlen. Wie sauber ist aber ein bestimmter Ökostromtarif? An dieser Stelle gehen die Definitionen nämlich aufgrund mangelnder gesetzlicher Vorgaben deutlich auseinander. Manche Versorger deklarieren auschließlich die Erzeugung aus erneuerbaren Quellen als Ökostrom, andere fassen darunter beispielsweise auch Energieprodukte aus Kraft-Wärme-Kopplung, die zwar ressourcenschonend aber eben nicht rein regenerativ angelegt ist. Und für den harten Kern ist Ökostrom nur dann wirklich öko, wenn die erzielten Gewinne auch in den Ausbau erneuerbarer Energien investiert werden. Auf dieses Kriterium sollten Verbraucher stets achten, sofern sie mit ihrem grün gemeinten Strompreis nicht letztenendes den Bau neuer Kohlekraftwerke finanzieren möchten.
Zwischen Anspruch und Wirklichkeit liegen oftmals ganze Welten. Und genau dies gilt auch laut der vorliegenden Studie beim Wechselverhalten deutscher Stromkunden. Zwar befinden mehr als drei Viertel der Befragten die Themen Umweltschutz und Energiesparen grundsätzlich für wichtig – der konkrete Stromtarif wird allerdings nach anderen Maßstäben ausgewählt. Mit einer Quote von über 90 Prozent steht das Kriterium “günstiger Preis” an erster Stelle der Motive für einen Anbieterwechsel. Weiterhin legen 90 Prozent der Befragten Wert auf eine “lange Preisgarantie” und 80 Prozent überzeugt das Argument “guter Service”. Und die Umwelt? Abgeschlagen. Das Kriterium Ökostrom rangiert laut Studie weit hinter den genannten finanziellen Aspekten – 50 Prozent der Befragten stufen klimaschonende Tarife als wichtig ein.
Gleich zu Beginn das Entscheidende: der Preis. Tchibo wirbt mit explizit günstigen Gaskosten, die laut Stiftung Warentest einem umfassenden
Vor wenigen Wochen berichtete das Handelsblatt über eine angebliche Verschuldung und möglicherweise sogar drohende Insolvenz von