Die Atomkraftwerke sollen sukzessive abgeschaltet werden. Aber wie wird die “Stromlücke” geschlossen. Zu diesem Thema werden wir Politiker und Verantwortliche der Stromindustrie befragen. Stromauskunft.de sprach mit dem Energieexperten der SPD und Mitglied des Deutschen Bundestages Rolf Hempelmann.
Frage: Der Atomausstieg ist eine beschlossene Sache. Es stellt sich nun die Frage, wie kann die produzierte Energiedifferenz ausgeglichen werden?
Rolf Hempelmann: Um die durch den im Atomgesetz verankerten Kernenergieausstieg wegfallenden Erzeugungskapazitäten zu kompensieren, bedarf es zunächst einer signifikanten Steigerung der Energieeffizienz sowohl auf der Angebots- wie auch auf der Erzeugungsseite. Ziel der Bundesregierung ist hier die Verdopplung der Energieproduktivität bis zum Jahr 2020.
Flankiert werden muss diese Effizienzstrategie durch einen weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien, für den wir aktuell mit der Novelle des EEG die geeigneten Rahmenbedingungen schaffen.
Allein wird dies allerdings nicht ausreichen: Notwendig sind daher auch Investitionen in die Modernisierung des fossilen Kraftwerksparks. Ganz oben auf der Tagesordnung steht dabei die Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWKG-Novelle), aber auch die Errichtung weiterer fossiler Kraftwerke als Ersatz für Altanlagen, die weit hinter dem Stand der Technik zurückliegen. Die Politik hat hier die Aufgabe, diese notwendigen Investitionen auch gegen öffentliche Widerstände argumentativ zu unterstützen.
Frage: Gibt es eine Prognose, wie hoch etwa der Anteil an Erneuerbaren Energien (EN) in fünf Jahren (2013) sein wird?
Rolf Hempelmann: Der Ausbau der Erneuerbaren Energien geht schneller voran als von vielen erwartet. Im Jahr 2007 konnte der Anteil Erneuerbarer am Stromverbrauch auf 14,2% und am Gesamtenergieverbrauch auf 8,5% gesteigert werden. Schon heute ist also das ursprünglich für das Jahr 2010 anvisierte Ziele eines EE-Anteils von 12,5% an der Stromerzeugung übertroffen. Diesen Weg wollen wir – auch durch eine entsprechende Gesetzgebung (u.a. EEG, EEWärmeG, KWKG) – fortsetzen. Realistische Ausbauszenarien für die Erneuerbaren Energien sind nach einer im Auftrag des BMU vom DLR erstellten Leitstudie Anteile von knapp 10% (2010) und 18% (2020) am gesamten Endenergieverbrauch. Die deckt sich übrigens auch mit dem von Deutschland zu leistenden Beitrag, um das EU-Ziel eines Ausbaus der Erneuerbaren Energien auf 20% bis 2020 zu erreichen.
Frage: Wie bewertet die Bundesregierung die Option “Fusionsenergie”? Gibt es eine Chance, durch Erhöhung der Fördermittel den Fortschritt zu beschleunigen?
Rolf Hempelmann: Ob die Fusionsenergie tatsächlich eine Option für die langfristige Energieversorgung sein kann, muss sich erst noch erweisen. Im Blick auf die Förderung dieser Technologie ist aber festzustellen, dass die Bundesregierung im Zeitraum von 2007-2010 Mittel in Höhe von über 450 Mio. Euro für die institutionell bei der Helmholtz-Gesellschaft angesiedelte Fusionsforschung bereitstellt. Hinzu kommen Projektfördermittel in Höhe von 11 Mio. Euro jährlich. Angesichts der Tatsache, dass auch finanzielle Ressourcen begrenzt sind und gerade im Bereich der Energieforschung eine erhebliche Fördermittelkonkurrenz besteht (Grundlagenforschung, rationelle Energieumwandlung, Erneuerbare Energien, Sicherheitstechnologien), ist dies ein durchaus beachtlicher Beitrag.
Foto © Deutscher Bundestag
Serie Atomkraftwerke – Nein Danke, »Interview Teil 2
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