Dienstag, 25. Januar 2022

Strompreise in Deutschland - Was kostet Strom?

Empfehlungen

TÜV geprüftes Vergleichsportal,
Wechselservice & Tarifaufpasser

Strompreise 2022 - Wohin geht die Reise?


Von Dr. Jörg Heidjann

Deutschland ist Europameister bei den Strompreisen - nirgendwo sonst in der EU zahlen Haushalte mehr für Strom als hierzulande. Aktuell liegt der Preis für Haushaltsstrom in der Grundversorgung bei 40,21 Cent pro kWh und 37,39 Cent pro kWh beim günstigsten Alternativanbieter.*

*Grundlage für die Berechnung der Strompreise ist ein Jahresverbrauch von 3.500 kWh. Stromtarife mit Kaution und/oder Vorauskasse werden nicht berücksichtigt.

Doch wohin geht die Reise bei den Strompreisen 2022? Mit welchen Kosten müssen Haushalte und Unternehmen im kommenden Jahr rechnen? Steigt der Strompreis weiter, oder wird es eine Entlastung für Verbraucher geben? Wir stellen folgende Prognose:

"Alle Verbraucher sollten sich auf Preiserhöhungen einstellen. Wir gehen davon aus, dass sich die derzeitigen Übertreibungen am Strommarkt im Laufe des Jahre beruhigen und die extremen Preiserhöhungen wieder relativieren werden. Dennoch werden wir das Preisniveau aus dem Jahr 2020 nicht so schnell wieder erreichen". Dr. Jörg Heidjann, Geschäftsführer StromAuskunft.de

Prognose zur Entwicklung der Strompreise für das Jahr 2022

Wer in nächster Zeit seine Stromrechnung erhält oder auf der Suche nach einem günstigen Stromanbieter ist, könnte eine böse Überraschung erleben. Denn vor allem die Erzeugerpreise steigen derzeit stark an. Im Hinblick auf den staatlichen Anteil, der über die Hälfte des Strompreises für Haushalte ausmacht, hat die Bundesregierung zwar eine deutliche Reduzierung der EEG-Umlage beschlossen. Wir vermuten jedoch, dass diese Entlastung nicht ausreicht, um die Strompreise auf dem jetzigen Niveau zu stabilisieren.

Erzeugerpreise auf Rekordhoch

Am Terminmarkt der Strombörse in Leipzig (EEX) sind die Strompreise aktuell so hoch wie noch nie. Dort kostete die Megawattstunde für Grundlaststrom im September 2021 über 100 Euro, ein neuer Preisrekord. Einen solch rasanten Anstieg haben Marktexperten nicht vorhergesehen.

Dass die Erzeugerpreise so hoch sind, ist eine Verkettung mehrerer Ursachen. Zum einen ist 2021 ein bislang ungewöhnlich windarmes Jahr, so dass durch Windenergie deutlich weniger regenerativer Strom erzeugt wurde. Nutznießer hiervon sind Kohlekraftwerke, die hochgefahren werden, um Stromlücken zu schließen. Für den schmutzigen Kohlestrom sind jedoch kostspielige CO2-Zertifikate notwendig, die zu einer Verteuerung des Stroms führen.

Gleichzeitig sind auch die Preise am Terminmarkt in Leipzig gestiegen. Hier decken sich Versorger für die Zukunft mit Strom ein. Die erhöhten Beschaffungskosten werden in der Regel an die Kunden weitergegeben. Haushalte und auch Unternehmen sollten daher für das Jahr 2022 mit steigenden Preisen rechnen.

Die Beschaffungskosten sind im Unterschied zu Steuern, Umlagen und Netzentgelten der Strompreis-Bestandteil, auf den die Energieversorger tatsächlichen Einfluss haben. Sie machen, inklusive Vertriebskosten und Gewinnmarge, etwa ein Viertel des Strompreises für Privathaushalte aus.

Strompreisentwicklung in Deutschland
Strompreise für Privathaushalte

Die Grafik „Strompreisentwicklung in Deutschland“ zeigt die Entwicklung der durchschnittlichen Strompreise seit dem Jahr 2014 für Haushaltkunden in Deutschland. Die Preise beziehen sich auf einen Jahresverbrauch von 3500 kWh für den lokalen Stromanbieter, den günstigsten Stromtarif sowie den günstigsten Ökostromtarif. Es handelt sich dabei um Durchschnittspreise für ganz Deutschland, jeweils gemittelt aus den Preisen für 6300 Städte und umgerechnet in Cent pro kWh.

Steuern, Abgaben, Umlagen

  • Die EEG-Umlage sinkt im kommenden Jahr 2022 deutlich von 6,5 Cent pro Kilowattstunde auf 3,723 Cent. Die Reduktion bedeutet für einen Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden eine finanzielle Entlastung von knapp 100 Euro.
  • Die Offshore-Netzumlage steigt von 0,395 ct/kWh auf 0,419 Cent/kWh für nichtprivilegierte Letztverbraucher.
  • Die KWKG-Umlage steigt von 0,254 Cent pro Kilawattstunde auf 0,378 Cent/kWh
  • Die § 19 StromNEV-Umlage erhöht sich auf 0,437 Cent/kWh (2021 betrug diese 0,432 Cent/kWh).

Energiemarkt-Experten bezweifeln allerdings, dass die Absenkung der EEG-Umlage ausreichen wird, um Verbraucher nachhaltig zu entlasten. Zumal die Stromerzeugung aus nichtregenerativen Energieträgern durch einen Anstieg des CO2 Preises auf 30 Euro pro Tonne teurer wird.

Die EEG-Umlage soll laut Koalitionsvertrag der neuen Regierung abgeschafft werden und ab dem Jahr 2023 soll die EEG-Förderung durch den Energie- und Klimafonds (EKF) finanziert werden, damit Strom bezahlbar bleibt und nicht zu einem Luxusgut wird.

Steigende Netzentgelte

Die Netzentgelte steigen ebenfalls seit Jahren kontinuierlich an. Die Gebühr für Stromtransport und Messung wird von den Netzbetreibern erhoben und macht knapp ein Viertel des Strompreises für Privathaushalte aus. Sie ist damit der größte Kostenblock auf der Stromrechnung.

Seit 2015 sind die Netzentgelte im bundesweiten Schnitt um über 25 Prozent gestiegen. Wer im Jahr 3.000 Kilowattstunden Strom verbraucht, zahlt heute 47 Euro mehr für die Netznutzung als vor fünf Jahren.

Auch 2022 ist bei den Netzentgelten keine Entlastung zu erwarten. So steigt nach neuesten Berechnungen des Bundeswirtschafsministeriums der Stromverbrauch durch die Energiewende in den nächsten Jahren stark an. Für das Jahr 2030 geht man von einem Strombedarf von bis zu 665 TWh aus - das sind 17 Prozent mehr als 2020. Die für die Energiewende und den erhöhten Strombedarf benötigten Leitungen fehlen aber noch. Geplant ist dafür der Bau von 12.200 Kilometern neuer Stromtrassen. Die Netzbetreiber haben für die nächsten zehn Jahre einen um 17 Prozent gestiegenen Ausbaubedarf an die Bundesnetzagentur gemeldet und wollen dafür über 16 Milliarden Euro investieren. Das führt wahrscheinlich zu einem weiteren Anstieg der Netzengelte.

Lesen Sie auch: Gaspreise 2022 - unsere Prognose zur Entwicklung der Strompreise in Deutschland.

Wie sollten Sie als Verbraucher jetzt reagieren?

Um der Kostenlast entgegenzuwirken, empfehlen wir Verbrauchern, ihren Stromtarif zu optimieren, denn hier schlummert in vielen Fällen ein erhebliches Sparpotenzial. Unsere aktuellen Strompreis-Analysen zeigen: Durch einen Wechsel vom Grundversorger zum günstigsten Stromanbieter spart ein Haushalt in Deutschland im bundesweiten Schnitt 98,73 EUR.

Unsere Ratschläge für Haushaltskunden

(Faustregeln für einen durchschnittlichen Haushalt in Deutschland. Die Richtwerte sind je nach Verbrauch und PLZ unterschiedlich, da die Preise regional sehr unterschiedlich ausfallen.)

  • Sie haben einen langfristigen Vertrag und einen Arbeitspreis zwischen 25 und 37 Cent pro kWH?

    Der Wechsel des Anbieters lohnt sich derzeit eher nicht.

  • Sie haben eine Preiserhöhung mit einem Arbeitspreis von > 37 Cent pro kWh erhalten?

    Sie sollten sich einen neuen Anbieter suchen, z.B. mit unserem Stromrechner. Haben Sie einen günstigen Anbieter gefunden, können Sie einen Wechsel beauftragen und die Strompreiserhöhung ablehnen.  

  • Ihr bisheriger Versorger hat die Versorgung eingestellt und Sie sind in der Ersatzversorung bei Ihrem Grundversorgung gelandet?

    Überprüfen Sie den Preis. Viele Grundversorger verlangen seit Anfang 2022 sehr hohe Preise von Verbrauchern, die neu in die Ersatzversorgung fallen. Diese sind viel höher als die Preise für Bestandskunden, die schon länger grundversorgt sind.

Überprüfen Sie Ihren Stromtarif regelmäßig

Stiftung Warentest hat festgestellt, dass Verbraucher am meistern sparen, wenn Sie regelmäßig den Anbieter wechseln. Das liegt daran, dass viele Anbieter wechselwillige Kunden mit hohen Bonuszahlungen belohnen. Diese Bonuszahlungen bedeuten einen sehr günstigen Strompreis im ersten Jahr. Leider sind gerade Tarife mit attraktiven Bonuszahlungen im zweiten Jahr deutlich teurer. Daher sollten Sie als Verbraucher Ihren Tarif im Auge behalten. Sehr einfach und bequem ist das mit unserem kostenlosen Premium-Wechselservice für Strom und Gas möglich. Damit passen wir dauerhaft und automatisch auf Ihren Tarif auf und wechseln auf Wunsch regelmäßig den Anbieter für Sie.

So lehnen Sie Strompreiserhöhungen ab

Erhöht Ihr Anbieter den Strompreis, können Sie Ihr geltendes Sonderkündigungsrecht wahrnehmen. Gerne können Sie dazu unser Musterschreiben "Sonderkündigung nach Preiserhöhung" verwenden. Diese und weitere Hilfen finden Sie in unserem Special "Strompreiserhöhung und Sonderkündigungsrecht".

Wichtig: Machen Sie von Ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch, so setzen Sie das Kündigungsschreiben unbedingt persönlich auf - eine Kündigung durch den neuen Anbieter reicht in diesem Fall nicht aus.

Wie sollten Sie als Unternehmer jetzt reagieren?

Für Unternehmen in Deutschland sind die hohen Strompreise ein Wettbewerbsnachteil im internationalen Geschäft. Insofern ist es für Unternehmen besonders wichtig, günstigen Gewerbestrom zu erhalten. Gewerbekunden, deren aktuelle Lieferverträge auslaufen, stehen vor einer großen Herausforderung: In der Regel müssen sie zu schlechteren Konditionen neu abschließen.

Unser Ratschlag für Unternehmen

Nutzen Sie unseren kostenlosen Preisvergleich für Gewerbekunden. Wenn Sie mehr als 50.000 kWh Strom oder Gas im Jahr verbrauchen, dann holen wir für Ihr Unternehmen maßgeschneiderte Angebote ein. Sie können in aller Ruhe die Preise vergleichen und beim günstigsten Anbieter abschließen.

FAQ Strompreise

Mein Energieversorger erhöht die Preise. Muss ich das akzeptieren?

Sie müssen die Preiserhöhung nicht akzeptieren und können Widerspruch dagegen einlegen bzw. Ihr Sonderkündigungsrecht nutzen. Die Sonderkündigung kann innerhalb einer bestimmten Frist wahrgenommen werden, die in der Mitteilung zur Preiserhöhung genannt wird. Laut Energiewirtschaftsgesetz ...

weiterlesen

Wie spart man Strom?

Um Strom zu sparen, sollten Sie sich zuerst auf die größten Stromverbraucher im Haushalt konzentrieren. Das sind die drei größten Stromfresser im Haushalt: - Waschmaschine und Trockner benötigen ca. 20% des Jahresstromverbrauchs - Kühl & Gefriergeräte verbrauchen ca. 20 % des ...

weiterlesen

Was verbraucht am meisten Strom?

Stromverbrauch im Haushalt: Am meisten Strom im Haushalt verbrauchen TV, Audio und Bürogeräte, gefolgt von Kühlgeräten, Trockner, Waschmaschine und Beleuchtung. Fernseher, Computer, Stereoanlage & Co. TV. Audio und Bürogeräte verbrauchen bis zu 25% des Jahresstromverbrauchs. Hier lässt ...

weiterlesen

Wer legt die Strompreise fest?

Der Stromanbieter legt den Strompreis fest. Allerdings besteht ein Großteil des Stromspreises aus Steuern und Netzentgelten, die vom Staat bzw. den Netzbetreiben einmal pro Jahr festegelegt werden. Insofern ist ein Großteil des Strompreises schon durch Steuern und Abgaben festgelegt. Die ...

weiterlesen

Wie entstehen Strompreise?

Seit der Liberalisierung des Strommarkts im Jahr 1998 wird der Strompreis am Markt durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Der in den Kraftwerken produzierte Strom wird ganz ähnlich wie Aktien oder Rohstoffe an der Börse gehandelt. Die Strombörse ist die European Energy Exchange (kurz: EEX) in ...

weiterlesen

Wie setzen sich die Strompreise zusammen?

Im Wesentlichen setzt sich der Strompreis aus den drei Bereichen zusammen 54% des Strompreises bestimmen Steuern und Abgaben 21% des Strompreises bestimmen Strombeschaffung und Vertrieb 25% des Strompreises bestimmen regulierte Netzentgelte Für Haushaltskunden in Deutschland betrug der Anteil ...

weiterlesen

Warum sind die Strompreise in Deutschland so hoch?

Die Strompreise in Deutschland sind im Europa-Ranking ganz vorne. Grund dafür sind vor allem die hohen staatlichen Abgaben, die in Deutschland rund 52% betragen. Die Strompreise eines Landes werden von einer Reihe verschiedener Faktoren beeinflusst. Neben der konkreten Wettbewerbssituation auf ...

weiterlesen

Wer ist der günstigste Stromanbieter?

Es gibt nicht den einen günstigsten Stromanbieter. Je nach Region und Verbrauch können Verbraucher an ihrem Wohnort zwischen rund 100 Versorgern und mehreren hundert Stromtarifen wählen. Welcher Stromanbieter der günstigste ist, lässt sich schnell, kostenfrei und unverbindlich mit unserem ...

weiterlesen

Stromrechnung zu hoch, was tun?

Es gibt viele Gründe für hohe Stromrechnungen und unliebsame Nachzahlungen: Gestiegene Strompreise, ein höherer Verbrauch im Vergleich zu Vorjahren oder schlicht und einfach Abrechnungsfehler des Anbieters. Egal, ob die jährliche Endabrechnung nun einmalig und sprunghaft oder kontinuierlich und ...

weiterlesen

Wie kann ich meine Stromkosten senken?

Um Ihre Stromkosten dauerhaft zu senken sollten Sie an zwei Stellen gleichzeitig ansetzen. Zum einen ist die Wahl des richtigen Stromtarifes entscheidend, denn wir oben gezeigt, sparen Sie dadurch mehrere hundert Euro pro Jahr. Zum anderen können Sie Ihren Stromverbrauch reduzieren. Stromkosten ...

weiterlesen

Aktuelle Nachrichten zum Thema Strompreise

24.01.2022
Bundesregierung plant Anpassungen für das Energiewirtschaftsgesetz Die Bundesregierung möchte kurzfristig neue Regeln...
24.01.2022
Angesichts der hohen Belastung für Verbraucher durch gestiegene Energiekosten erwägt die Bundesregierung offenbar ein ...
20.01.2022
Vor dem Hintergrund der deutlich gestiegenen Energiekosten sollten Verbraucher im Falle von Strompreiserhöhungen einen ...
19.01.2022
Viele Strom- und Gasanbieter haben zum Jahreswechsel ihre Preise erhöht - für Millionen Haushalte eine spürbare Mehrb...

Das sagen unsere Kunden: TÜV geprüft, Testsieger und eKomi Gold Siegel


eKomi Siegel Gold StromAuskunft
Kundenzufriedenheit ekomi
Note 4,9 von 5
Insgesamt 237 Empfehlungen
tuev-kundenzufriedenheit-2020.png
Test Bild