Strompreiserhöhungen: Ende offen
Freitag, den 30. März 2012Das Jahr 2012 steht bislang zweifelsohne im Zeichen steigender Strompreise. Kaum ein Monat vergeht ohne neue Hiobsbotschaften von teurer werdenden Tarifen. Nun fordern bundesweit rund 300 Netzbetreiber erneut eine Anhebung der Gebühren – und auch diese wird sich letztenendes auf der Stromrechnung der Verbraucher wiederfinden.
Netzbetreiber fordern höhere Gebühren
Die jüngste Chronologie der Ereignisse sorgt bei Stromkunden für einigen Ärger: Bereits zu Jahresbeginn hatten zahlreiche Stromanbieter, darunter etwa 250 Grundversorger, ihre Preise im Schnitt um 3,5 Prozent erhöht. Im März folgte die nächste Welle und auch für April und Mai stehen weitere Preissteigerungen bei mehreren Hundert Versorgern um durchschnittlich vier Prozent auf dem Plan. Das Hauptargument der Stromanbieter ist jedesmal das Gleiche: Die in 2012 gestiegenen Netzgebühren müssten über den Strompreis auf die Verbraucher umgelegt werden. Und tatsächlich, im Vergleich zum Vorjahr sind die Netznutzungsentgelte im Schnitt um fünf Prozent angehoben worden. Doch dies scheint vielen Netzbetreibern noch zu kurz zu greifen. Mit dem Argument, die Bundesnetzagentur habe bei der Berechnung der Durchleitungsgebühren kostenmindernde Produktivitätsfortschritte zu hoch angesetzt, sind aktuell rund 300 Netzbetreiber vor das Düsseldorfer Oberlandesgericht gezogen, um weitere Preissteigerungen durchzusetzen. Sollte dies gebilligt werden, würden die Versorger die höheren Gebühren erneut an die Endkunden weitergeben.
Spätestens seit dem Beschluss zum schrittweisen Atomausstieg war offenkundig, dass die Energiewende auch und vor allem den Verbrauchern einige Opfer abverlangen würde. Speziell das Einbinden der Offshore-Windkraft macht den Netzausbau in Deutschland unumgänglich und lässt die Kosten dementsprechend in die Höhe schnellen. Aber eine derart massive Häufung von Preiserhöhungen innerhalb weniger Monate hatte wohl niemand erwartet, vor allem, da noch längst kein Ende in Sicht ist. Die Politik hat jüngst angekündigt, mit dem Einrichten einer sogenannten Markttransparenz-Stelle beim Bundeskartellamt die Vorgänge auf den Energiemärkten künftig stärker überwachen zu wollen. Und dies scheint dringend notwendig, denn es droht die Gefahr, dass Versorger und Netzbetreiber die Kuh Energiewende stärker melken als erforderlich.
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