Donnerstag, 22. Februar 2024

Aktuelle Strompreise / Energiekosten reduzieren 

Gaspreis-Prognose

Gaspreis-Prognose 2023

Gaszähler

Von Dr. Jörg Heidjann und Björn Katz

Worauf sich Verbraucher einstellen müssen und wie Sie mit den hohen Gaspreisen am besten umgehen

Verbraucher müssen sich darauf einstellen, dass sich die Abschlagszahlungen für Gas 2023 deutlich erhöhen. 2022 sind die hohen Gaspreise bei den meisten Haushalten noch nicht vollumfänglich angekommen, viele Kunden profitierten noch von laufenden Verträgen. Spätestens dann, wenn diese ausgelaufen sind, kommt es jedoch zu Preiserhöhungen. Die Bundesnetzagentur warnte Ende 2022 vor Abschlägen, die dreimal so hoch liegen, wie die bisherigen.

"Es ist absolut realistisch, dass Kunden, die derzeit 1.500 Euro im Jahr für Gas bezahlten, künftig mit 4.500 Euro und mehr zur Kasse gebeten werden. Das kommt nicht alles sofort und nicht in vollem Umfang bei den Verbrauchern an, aber irgendwann muss es bezahlt werden." Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur.

Zu Jahresbeginn 2023 hat sich bei den Großhandelspreisen für Gas eine leichte Entspannung eingestellt. Gut gefüllte Gasspeicher, ein vergleichsweise milder Winter, neue Beschaffungswege abseits russischer Gaslieferungen und die beschlossene Gaspreisbremse konnten die angespannte Marktlage verbessern. Weil die Börsenpreise jedoch verzögert bei den Endkunden ankommen, wird Gas 2023 für Verbraucher deutlich teurer als in früheren Jahren.

Gaspreisbremse: 12 ct/kWh ab März 2023

Die Gaspreisbremse ist zum 1. März 2023 in Kraft getreten - rückwirkend zu Januar und Februar. Für 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs wird Gas für Haushalte, kleine und mittlere Unternehmen dann maximal 12 Cent pro Kilowattstunde kosten. Für dieses Grundkontingent wird die Jahresverbrauchsprognose herangezogen, die der Abschlagszahlung im September 2022 zugrunde lag.

Zum Vergleich: Der durchschnittliche Gaspreis in Deutschland lag im Vorkrisenjahr 2021 bei knapp 7 ct/kWh. Ein Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 12.000 kWh muss trotz Gaspreisbremse im kommenden Jahr demnach mit Mehrkosten von rund 600 Euro rechnen.

Für energieintensive Industriebetriebe hat bereits ab Januar eine eigene Gaspreisbremse gegriffen. Sie erhalten staatliche Subventionen für ein Gaskontingent, das 70 Prozent ihres Jahresverbrauchs 2021 entspricht.

Heizkosten: Staat übernimmt Dezember-Abschläge 2022

Um die Zeit bis zum Eintritt der Gaspreisbremse zu überbrücken, hat das Bundeskabinett eine "Soforthilfe" für Gas und Fernwärme beschlossen: Die im Dezember fälligen Abschlagszahlungen übernimmt demnach der Staat. Die für Haushalte, kleine und mittlere Unternehmen geltende Einmalzahlung beruht auf Vorschlägen der Gaskommission und wird den Bund voraussichtlich rund neun Milliarden Euro kosten. An zahlreiche zur Miete wohnende Haushalte wird die Soforthilfe im Rahmen der Betriebskostenabrechnung 2022 weitergegeben.

Entwicklung der Gaspreise von 2015 bis 2023

Lange kostete die Kilowattstunde Gas in Deutschland weniger als 7 Cent/kWh. Seit Herbst 2021 sind die Preise jedoch außerordentlich stark angestiegen und erreichten ein Jahr später ihren vorläufigen Höhepunkt.

Jahr Gaspreis in Cent pro kWh
2023 März 12,00 (Gaspreisbremse für 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs)
2023 Jahresbeginn 18,15 (Marktpreis)
2022 9,88
2021 6,68
2020 6,31
2019 6,34
2018 6,07
2017 6,15
2016 6,54
2015 6,68

(Quelle: Bundesnetzagentur, BDEW)

Hintergrund und Ursachen der Gaskrise

Jahrelang profitierten Verbraucher in Deutschland von moderaten Gaspreisen. Im Unterschied zu den hohen Stromkosten für Privathaushalte (hier finden Sie unsere Strompreis Prognose) lagen die Preise für Erdgas hierzulande viele Jahre sogar unter dem EU-Durchschnitt. Diese Situation hat sich 2021 und 2022 schlagartig geändert. 

Ein erstes Preishoch erfolgte aus der stark anziehenden Gasnachfrage nach dem Ende coronabedingter Lockdown-Maßnahmen im Herbst 2021. Der Ausbruch des Ukraine-Kriegs und die verhängten Wirtschaftssanktionen gegen Russland Anfang 2022 haben die angespannte Lage nochmals deutlich verschärft.

Im Sommer 2022 folgten Drosselungen und wiederholte Lieferstopps seitens Russland. Dies sorgte für eine zeitweise Vervierfachung der Gaseinkaufspreise und brachte erste Energieunternehmen in Deutschland in finanzielle Nöte. Die Bundesregierung sprach offen von einer Gaskrise, rief die Alarmstufe des "Notfallplans Gas" aus und beschloss Finanzhilfen für Haushalte und Unternehmen.

Großhandelspreise für Gas

Die Großhandelspreise für Gas lagen im Jahr 2022 am Terminmarkt, an dem die Gasversorger den Großteil des künftig benötigten Gases beschaffen, im Schnitt bei 117 Euro je Megawattstunde (MWh). Das ist rund sechsmal so hoch wie vor der Krise: Im Mittel der Jahre 2015 bis 2019 lag der durchschnittliche Gaspreis im Großhandel bei rund 18,50 Euro/MWh.

  • Am Spotmarkt wird kurzfristig lieferbares Gas gehandelt. Kurzfristig bedeutet in diesem Zusammenhang einen Tag im Voraus. Auf dem Terminmarkt hingegen werden Lieferverträge bis zu sechs Jahre im Voraus geschlossen.
  • Die Versorger decken sich am Terminmarkt mit einem Großteil des von ihnen prognostizierten Bedarfs ein. Die am Spotmarkt eingekauften Mengen dienen insbesondere dem kurzfristigen Ausgleich von prognostiziertem und tatsächlichem Verbrauch der nächsten 24 bis 48 Stunden.

Hohe Gaspreise: Wie Sie als Verbraucher am besten reagieren

gaspreis

Gas ist aktuell so teuer wie nie zuvor. Damit wächst auch die finanzielle Belastung für Millionen Haushalte in Deutschland. Das können Sie jetzt tun, um die Gaskosten zu reduzieren.

1. Gas sparen, um Verbrauch und Kosten zu reduzieren

Das Gebot der Stunde lautet: Energie sparen. Gerade bei den Kosten für Heizung und Warmwasser, die den Großteil des Energieverbrauchs im Haushalt ausmachen, schlummert in vielen Fällen erhebliches Sparpotenzial. Unsere Tipps zum Gasparen:

  1. Duschen statt Baden: Einmal Baden entspricht ungefähr dem Wasserverbrauch von dreimal Duschen. Zudem ist die Wassertemperatur beim Baden höher, so dass dort deutlich mehr Energie verbraucht wird.
  2. Fenster und Türen dichthalten: Fenster und Türen in älteren Gebäuden weisen häufig Wärmelecks auf, lassen sich jedoch einfach abdichten. Bei sehr alten, nicht sanierten Gebäuden kann sich ein Austauch alter Fenster und Türen lohnen.
  3. Richtig Lüften: Es empfiehlt sich grundsätzliches Stoßlüften, bei dem Sie die Fenster kurzzeitig weit öffnen. Die Luft kann so optimal zirkulieren, was bei einer Kippstellung nicht der Fall ist. Optimalerweise sorgen Sie auch für Durchzug und drehen für kurze Zeit das Thermostat herunter.
  4. Raumtemperatur absenken: In den einzelnen Räumen sollte unterschiedlich intensiv geheizt werden. Schon eine Absenkung im 1 Grad Raumtemperatur spart bis zu 6 Prozent Heizenergie. In Bad und Wohnzimmer sind 20 bis 22 Grad die Obergrenze, in Schlafzimmer und Küche reichen 16 bis 18 Grad aus.
  5. Heizung regelmäßig entlüften: Entlüften Sie Ihre Heizkörper regelmäßig. Denn bei zu viel Luft sind diese deutlich weniger leistungsfähig. Jeder Heizkörper hat dafür ein Ventil, mit dem sich die Luft ablassen lässt. Passende Entlüftungsschlüsse erhalten Sie in jedem Baumarkt.
  6. Heizung regelmäßig warten lassen: Die Heizung sollte einmal pro Jahr von einem Fachbetrieb gewartet werden, sonst sinkt der Wirkungsgrad und der Verbrauch steigt. Zudem hat die Heizung bei regelmäßiger Wartung eine längere Lebensdauer.
  7. Heizung erneuern: Wenn Ihre Heizung 20 Jahre und älter ist, sollten Sie über eine Modernisierung nachdenken. Informieren Sie sich bei einem Fachhändler und vergleichen Sie Preise. Unter Umständen kann der Umstieg von einer Gasheizung auf eine klimafreundliche Wärmepumpe sinnvoll sein.

2. Abschläge anpassen, um hohe Nachzahlungen zu vermeiden

2023 müssen sich Haushalte auf deutliche Preissteigerungen einstellen. Um bei der kommenden Jahresrechnung nicht von hohen Nachzahlungen überrascht zu werden, kann es sich lohnen, schon jetzt die Abschläge freiwillig zu erhöhen oder alternativ Geld zurückzulegen.

3. Gastarif regelmäßig überprüfen

In den allermeisten Fällen sparen Verbraucher dann am meisten, wenn Sie regelmäßig den Anbieter wechseln. Das zeigen sowohl unsere eigenen jahrzehntelangen Erfahrungen auf dem Energiemarkt als auch die Untersuchungen von Verbraucherschützern. Viele Anbieter belohnen wechselwillige Kunden mit attraktiven Bonuszahlungen. Diese Prämien bedeuten einen sehr günstigen Gaspreis im ersten Vertragsjahr. Da die Tarife im zweiten Jahr deutlich teurer werden, sollten Sie als Verbraucher die Preise im Auge behalten.

Sehr einfach und bequem ist das mit unserem kostenlosen Premium-Wechselservice für Strom und Gas möglich. Hierbei passen wir dauerhaft und automatisch auf Ihren Tarif auf und wechseln auf Wunsch regelmäßig den Anbieter für Sie.

Angesichts der aktuellen Preislage empfehlen wir Verbrauchern, bei einem Anbieterwechsel zunächst einen Vertrag mit kurzer Laufzeit abzuschließen - maximal 12 Monate. Sollten im Laufe des nächsten Jahres wieder günstige Angebote verfügbar sein, können Kunden kurzfristig wechseln.

Unser Ratschlag für Unternehmen

Für Unternehmen bedeuten hohe Energiekosten einen direkten Wettbewerbsnachteil. Gewerbekunden, deren bisherige Gaslieferverträge auslaufen, stehen aktuell vor einer großen Herausforderung: Unter Umständen müssen sie zu schlechteren Konditionen neu abschließen.

Nutzen Sie unseren kostenlosen Preisvergleich für Gewerbekunden. Wenn Sie mehr als 50.000 kWh Strom oder Gas im Jahr verbrauchen, dann holen wir für Ihr Unternehmen maßgeschneiderte Angebote ein. Sie können in aller Ruhe die Preise vergleichen und beim günstigsten Anbieter abschließen.

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