Strom- und Gaspreise steigen: Wer jetzt wechseln sollte
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Strom und Gas werden teurer: Für wen sich ein Anbieterwechsel jetzt lohnt

21.09.2026 | Energienachrichten

Die Energiepreise für Neukunden sind zuletzt deutlich gestiegen. Strom kostet aktuell im bundesweiten Durchschnitt 29,93 Cent pro Kilowattstunde, beim Gas liegen günstige Neukundentarife bei rund 12,5 Cent. Die Daten des StromAuskunft Energy Price Data Labs zeigen: Seit dem Jahrestief im Juni ist der Strompreis um 27,5 Prozent gestiegen. Ein überstürzter Anbieterwechsel ist dennoch nicht für jeden sinnvoll. StromAuskunft erklärt, wer jetzt handeln sollte – und wer besser an seinem bestehenden Vertrag festhält.

Strompreis steigt auf 29,93 Cent pro Kilowattstunde

Die Strompreise für Neukunden sind im September deutlich gestiegen. Nach aktuellen Daten des StromAuskunft Energy Price Data Labs kostet der günstigste Stromtarif für Neukunden am 21. September 2026 im bundesweiten Durchschnitt 29,93 Cent pro Kilowattstunde.

Damit erreicht der Strompreis den höchsten bislang im Jahr 2026 gemessenen Wert. Noch im Juni waren vergleichbare Neukundentarife für durchschnittlich 23,47 Cent pro Kilowattstunde erhältlich.

Auch andere Marktbeobachtungen bestätigen das aktuelle Preisniveau: Der vom NDR auf Basis von Verivox-Daten ermittelte Neukundenpreis lag am 20. September bei 29,7 Cent pro Kilowattstunde. Gegenüber der Vorwoche ist auch dieser Wert deutlich gestiegen.

Strompreisentwicklung 2026: Seit Juni 27,5 Prozent teurer

Die monatlichen Daten des Energy Price Data Labs zeigen, wie stark sich der Markt im Laufe des Jahres verändert hat. Zu Jahresbeginn waren günstige Neukundentarife noch für weniger als 24 Cent pro Kilowattstunde erhältlich. Nach zwischenzeitlichen Schwankungen erreichten die Preise im Juni mit 23,47 Cent ihr bisheriges Jahrestief. Seitdem zeigt die Entwicklung deutlich nach oben.

Monat Günstigster Stromtarif für Neukunden
Januar 2026 23,84 ct/kWh
Februar 2026 23,90 ct/kWh
März 2026 24,94 ct/kWh
April 2026 27,24 ct/kWh
Mai 2026 24,49 ct/kWh
Juni 2026 23,47 ct/kWh
Juli 2026 25,10 ct/kWh
August 2026 27,03 ct/kWh
21. September 2026 29,93 ct/kWh

Quelle: StromAuskunft Energy Price Data Lab. Bundesweite Auswertung der günstigsten Neukundentarife nach den StromAuskunft-Kriterien.

Besonders deutlich wird die Entwicklung beim Vergleich mit dem Jahrestief. Von 23,47 Cent im Juni auf 29,93 Cent am 21. September ist der Preis um 6,46 Cent beziehungsweise 27,5 Prozent gestiegen.

Allein gegenüber August beträgt der Anstieg 10,7 Prozent.

Für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden macht der Preisunterschied zwischen Juni und September rechnerisch rund 226 Euro pro Jahr aus.

Vom Jahrestief zum Jahreshoch

23,47 ct/kWh im Juni → 25,10 ct/kWh im Juli → 27,03 ct/kWh im August → 29,93 ct/kWh am 21. September.

Die Entwicklung zeigt, wie schnell sich die Konditionen für Neukunden verändern können. Sie bedeutet allerdings nicht, dass nun jeder Stromkunde möglichst schnell einen neuen Vertrag abschließen sollte. Gerade Verbraucher mit einem älteren, günstigen Tarif können aktuell sogar besser dastehen als Neukunden.

Auch Gas ist deutlich teurer geworden

Auch am Gasmarkt haben die Preise für Neukunden zuletzt deutlich angezogen. Aktuell liegen günstige Gastarife für Neukunden im bundesweiten Vergleich bei rund 12,5 Cent pro Kilowattstunde.

Für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden entsprechen 12,5 Cent pro Kilowattstunde rechnerisch Energiekosten von rund 2.500 Euro im Jahr. Der konkrete Tarifpreis kann je nach Wohnort, Verbrauch, Grundpreis und Anbieter erheblich davon abweichen.

Für Gaskunden ist deshalb derzeit besonders wichtig, den eigenen Vertrag zu kennen. Entscheidend sind der aktuelle Arbeitspreis, der Grundpreis, das Ende der Vertragslaufzeit und insbesondere die Dauer einer bestehenden Preisgarantie.

Jetzt wechseln oder lieber abwarten?

Die gestiegenen Marktpreise führen zu einer auf den ersten Blick ungewöhnlichen Situation: Ein Anbieterwechsel kann derzeit sehr sinnvoll sein – aber nicht für jeden.

Wer noch einen günstigen Vertrag aus den vergangenen Monaten besitzt, sollte diesen nicht vorschnell aufgeben. Wer dagegen in der teuren Grundversorgung steckt, eine deutliche Preiserhöhung erhalten hat oder einen überdurchschnittlich teuren Vertrag besitzt, sollte jetzt vergleichen.

1. Kunden in der Grundversorgung: Wechsel jetzt prüfen

Für Strom- und Gaskunden in der Grundversorgung lohnt sich ein Tarifvergleich besonders häufig. Die Grundversorgung ist flexibel, aber oftmals erheblich teurer als günstige Sonderverträge.

Ein weiterer Vorteil: Verträge in der Grundversorgung können grundsätzlich mit einer Frist von zwei Wochen gekündigt werden.

Unsere Empfehlung: Wer noch in der Grundversorgung ist, sollte jetzt aktuelle Angebote vergleichen. Ein Wechsel kann trotz der zuletzt gestiegenen Neukundenpreise weiterhin erhebliche Einsparungen bringen.

2. Stromkunden mit günstigem Bestandsvertrag: Nicht vorschnell wechseln

Wer beispielsweise noch einen Stromtarif mit einem Arbeitspreis deutlich unter dem aktuellen Marktniveau von rund 30 Cent pro Kilowattstunde besitzt und durch eine laufende Preisgarantie abgesichert ist, hat möglicherweise einen sehr attraktiven Vertrag.

Unsere Empfehlung: Einen günstigen Vertrag nicht allein wegen der aktuellen Nachrichten über steigende Energiepreise kündigen. Stattdessen Vertragslaufzeit und Preisgarantie prüfen und rechtzeitig vor deren Ablauf erneut vergleichen.

3. Stromkunden mit einem Preis oberhalb des Marktniveaus: Vergleich lohnt sich

Wer deutlich mehr als das aktuelle Neukundenniveau bezahlt, sollte seinen Tarif überprüfen. Dabei darf allerdings nicht allein der Arbeitspreis betrachtet werden.

Für einen fairen Vergleich zählen die gesamten Jahreskosten aus Arbeitspreis und Grundpreis sowie gegebenenfalls Bonuszahlungen. Auch Vertragslaufzeit, Kündigungsfrist und Preisgarantie sollten berücksichtigt werden.

Unsere Empfehlung: Bestehende Jahreskosten mit aktuellen Angeboten vergleichen und dabei nicht automatisch den billigsten Tarif wählen, sondern auch Vertragsbedingungen und Anbieterqualität berücksichtigen.

4. Gaskunden mit günstigem Altvertrag und Preisgarantie: Konditionen sichern

Beim Gas ist diese Prüfung derzeit besonders wichtig. Wer noch einen günstigen Vertrag besitzt, dessen Arbeitspreis deutlich unter dem aktuellen Neukundenniveau von rund 12,5 Cent pro Kilowattstunde liegt, sollte diesen Vorteil nicht vorschnell aufgeben.

Unsere Empfehlung: Laufende Preisgarantie nutzen und einige Wochen vor deren Ablauf erneut den Markt prüfen.

5. Gaskunden mit angekündigter Preiserhöhung: Jetzt handeln

Besonders aufmerksam sollten Verbraucher sein, die derzeit ein Schreiben ihres Gasversorgers mit einer Preiserhöhung erhalten.

Bei einer einseitigen Preisänderung besteht in der Regel ein Sonderkündigungsrecht. Wichtig ist jedoch, vor einem Wechsel zu prüfen, welche Alternativen am eigenen Wohnort tatsächlich verfügbar sind.

Unsere Empfehlung: Preiserhöhung nicht einfach hinnehmen. Neuen Preis und Jahreskosten berechnen, aktuelle Angebote vergleichen und gegebenenfalls das Sonderkündigungsrecht nutzen. Bei einer zeitkritischen Sonderkündigung sollten Verbraucher die Kündigung vorsorglich selbst erklären.

Preisgarantie wird wieder wichtiger

In einem Markt mit fallenden Preisen können kurze Vertragslaufzeiten besonders attraktiv sein, weil Verbraucher schneller auf günstigere Angebote reagieren können. Steigen die Preise dagegen, gewinnt eine Preisgarantie an Bedeutung.

Eine Preisgarantie bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass sämtliche Bestandteile des Endpreises unverändert bleiben. Verbraucher sollten deshalb genau prüfen, welche Preisbestandteile von der jeweiligen Garantie erfasst werden.

StromAuskunft empfiehlt grundsätzlich verbraucherfreundliche Vertragsbedingungen. Dazu gehören insbesondere eine überschaubare Vertragslaufzeit, eine ausreichende Preisgarantie und eine kurze Kündigungsfrist. Ein besonders niedriger Preis allein macht noch keinen empfehlenswerten Energietarif aus.

Die StromAuskunft-Wechselampel

grün: Wechsel jetzt prüfen:
Sie befinden sich in der Grundversorgung, zahlen deutlich mehr als das aktuelle Marktniveau oder haben eine Preiserhöhung erhalten.

gelb: Vertrag beobachten:
Ihr Strom- oder Gaspreis liegt ungefähr auf aktuellem Marktniveau oder Ihre Preisgarantie läuft in den kommenden Monaten aus. Vergleichen Sie rechtzeitig vor Vertragsende erneut.

rot: Nicht vorschnell wechseln:
Sie besitzen einen günstigen Bestandsvertrag, dessen Preis deutlich unter dem aktuellen Marktniveau liegt, und verfügen noch über eine ausreichende Preisgarantie.

Regelmäßig vergleichen bleibt die beste Strategie

Die aktuelle Entwicklung zeigt, warum es sinnvoll ist, Strom- und Gasverträge regelmäßig zu überprüfen. Die Verbraucherzentralen empfehlen insbesondere Kunden in der Grundversorgung einen Anbieter- oder Tarifwechsel. Bei der Auswahl sollten neben dem Preis auch Vertragsbedingungen und der neue Anbieter geprüft werden.

Wer seinen Vertrag nicht selbst laufend beobachten möchte, kann den kostenlosen Premium-Wechselservice von StromAuskunft nutzen. Dabei wird der bestehende Energievertrag regelmäßig überprüft.

Für Verbraucher folgt daraus jedoch kein pauschaler Aufruf zum schnellen Anbieterwechsel. Im Gegenteil: Günstige bestehende Verträge mit Preisgarantie sind in einem steigenden Markt besonders wertvoll.

Handlungsbedarf besteht vor allem für Kunden in der Grundversorgung, bei deutlich überdurchschnittlichen Preisen und nach angekündigten Preiserhöhungen. Für sie gilt: Jetzt vergleichen und Einsparpotenzial prüfen.

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