Die Haushalte in Deutschland müssen weiterhin mit hohen Strom- und Gaspreisen rechnen. Kurzfristige Entlastungen, wie ursprünglich von der Politik angekündigt, bleiben vorerst aus. Marktexperten und Verbraucherschützer kritisieren die Strategie der Bundesregierung.
von Björn Katz
Die Senkung der Stromsteuer gilt als schnelles und wirkungsvolles Instrument, um die Stromkosten für alle Endverbraucher zu reduzieren. Diese Maßnahme wird von der Bundesregierung auch umgesetzt - allerdings nur für Unternehmen, Haushaltskunden bleiben außen vor. Auch im Hinblick auf die anhaltend hohen Gaspreise zeigt der Kostentrend eher auf- als abwärts.
Die eigentlich im Koalitionsvertrag von Union und SPD vereinbarte Stromkostenentlastung für alle Verbraucher in Deutschland ist weder für das laufende Jahr noch im Haushaltsentwurf 2026 vorgesehen. Die ursprünglich von der Bundesregierung angekündigte Stromsteuersenkung wird ausschließlich für Unternehmen gelten. Privatkunden hätten, je nach Haushaltsgröße und Verbrauch, allein durch diese Maßnahme bis zu 100 Euro im Jahr sparen können.
Verbraucherschützer kritisieren die einseitige Entlastung zugunsten der Wirtschaft scharf: "Dass auch im Haushalt für das kommende Jahr und in der weiteren Finanzplanung keine Entlastung der Verbraucherinnen und Verbraucher bei den Stromkosten vorgesehen ist, ist eine herbe Enttäuschung und eine falsche Weichenstellung", sagt Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung. "Wenn die Menschen mit Wärmepumpen statt fossil heizen und sich E-Autos statt Verbrenner kaufen sollen, dann muss doch gerade Strom bezahlbar sein. Mit hohen Stromkosten behindert sie aber die weitere Elektrifizierung. Ein Hemmnis für die, die in nachhaltige Heizung oder Mobilität investieren wollen."
Nach Berechnungen des Magazins Finanztip können Haushalte auch im nächsten Winter nicht auf sinkende Heizkosten hoffen. Zwar entfalle die im Gaspreis enthaltene Gasspeicherumlage, dies könne die jährlich steigende CO2-Bepreisung jedoch kaum auffangen.
Finanztip-Energieexperte Benjamin Weigl: "Die angekündigte Abschaffung der Gasspeicherumlage werden die meisten Haushalte kaum im Geldbeutel spüren. Je nach Gasverbrauch liegt die Entlastung in den meisten Fällen bei nur 30 bis 70 Euro im Jahr. Laut unseren Berechnungen sinkt der Gaspreis dadurch lediglich um 0,34 Cent pro Kilowattstunde (brutto). Das als Entlastung zu verkaufen, ist Augenwischerei. Denn zeitgleich wird zum Jahreswechsel der CO2-Preis steigen, was die Entlastung fast vollständig auffressen wird. Verbraucherinnen und Verbrauchern droht somit eine Nullnummer. Mit niedrigeren Gaspreisen dürfen sie nicht rechnen."
Als kritisch beurteilt Finanztip außerdem die Tatsache, dass die Gasspeicherumlage zukünftig aus dem Klima- und Transformationsfonds finanziert werden soll. Dieser Fonds soll eigentlich Klimaschutzmaßnahmen fördern und nicht klimaschädliches Erdgas vergünstigen.
Verbraucher, die ihre Energiekosten effektiv senken wollen, sollten selbst aktiv werden. Der Markt bietet durchaus hohes Sparpotenzial, wie unsere täglichen Strompreisanalysen belegen: So zahlen Haushalte in der Grundversorgung aktuell fast 20 Cent pro Kilowattstunde mehr als Kunden, die einen günstigen alternativen Stromtarif abgeschlossen haben. Und auch außerhalb der teuren Grundversorgung ergeben sich immer wieder Möglichkeiten, von preiswerteren Angeboten zu profitieren. Tarifvergleich und Anbieterwechsel bei Strom und Gas sind nach wie vor wirkungsvolle Maßnahmen zur Kostensenkung.