Gaspreise steigen auf höchsten Stand seit 2022 – wer jetzt handeln sollte
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Gaspreise steigen auf höchsten Stand seit 2022 – wer jetzt handeln sollte

30.10.2026 | Energienachrichten

Die Gaspreise in Europa sind kräftig gestiegen. Der europäische Großhandelspreis erreichte erstmals seit Dezember 2022 wieder kurzzeitig 100 Euro je Megawattstunde. Gleichzeitig sind die deutschen Gasspeicher mit rund 62 Prozent deutlich schwächer gefüllt als im europäischen Durchschnitt. Für Verbraucher bedeutet das allerdings nicht automatisch, dass sie jetzt sofort den Anbieter wechseln sollten. StromAuskunft erklärt, für wen sich ein Tarifvergleich jetzt lohnt – und wer mit seinem bestehenden Vertrag besser abwartet.

Gaspreis im Großhandel erreicht 100 Euro je Megawattstunde

Am europäischen Gasmarkt hat sich die Lage vor Beginn des Winters deutlich angespannt. Der richtungsweisende niederländische TTF-Gaspreis erreichte Ende Oktober kurzzeitig 100 Euro je Megawattstunde. So teuer war Erdgas im europäischen Großhandel zuletzt im Dezember 2022.

Hauptgründe sind die niedrigeren europäischen Speicherstände sowie anhaltende geopolitische Risiken und Unsicherheiten bei internationalen Gas- und LNG-Lieferungen. Europa ist inzwischen stärker auf Flüssigerdgas angewiesen und konkurriert damit auf dem Weltmarkt mit anderen Abnehmern um verfügbare Mengen.

Trotz des starken Preisanstiegs liegt der Großhandelspreis noch deutlich unter den Extremwerten der Energiekrise 2022. Damals waren zeitweise Preise von mehr als 300 Euro je Megawattstunde erreicht worden.

Deutsche Gasspeicher nur zu rund 62 Prozent gefüllt

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhalten derzeit die deutschen Gasspeicher. Ende Oktober lagen die Füllstände bei rund 62 Prozent und damit deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von etwa 75 Prozent.

Deutschland startet damit mit einer vergleichsweise schwachen Ausgangslage in die Heizperiode. Gleichzeitig ist die Versorgungssituation heute breiter aufgestellt als noch während der Energiekrise 2022, unter anderem durch zusätzliche LNG-Importmöglichkeiten und europäische Lieferwege.

Ein niedrigerer Speicherstand bedeutet deshalb nicht automatisch eine drohende Gasmangellage. Er erhöht jedoch die Abhängigkeit von kontinuierlichen Importen und vom weiteren Witterungsverlauf.

Warum der Winter jetzt entscheidend wird

Für die weitere Entwicklung der Gaspreise dürfte vor allem das Wetter entscheidend sein. Ein milder Winter würde den Verbrauch begrenzen und die Speicher schonen. Ein längerer Kälteeinbruch könnte dagegen den Gasverbrauch deutlich erhöhen und die Großhandelspreise weiter nach oben treiben. Hinzu kommen geopolitische Risiken und mögliche Störungen auf den internationalen Energiemärkten. Das größte Risiko für Verbraucher ist deshalb derzeit weniger eine akute Gasknappheit als vielmehr ein erneuter Preisschub am Großhandelsmarkt.

Neukundentarife kosten aktuell rund 14 Cent pro Kilowattstunde

Die höheren Großhandelspreise zeigen sich inzwischen auch bei den Angeboten für Neukunden. Nach aktuellen Berechnungen liegt der durchschnittliche Gaspreis bei einem Neuabschluss derzeit bei rund 14 Cent pro Kilowattstunde brutto. Die Berechnung basiert auf Daten unseres Datenpartners Verivox für einem Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden und dem deutschlandweit gewichteten Mittel der zehn günstigsten Angebote je Postleitzahl. Berücksichtigt werden ausschließlich Neukundentarife mit einer Preisgarantie von zwölf Monaten einschließlich Boni; der ausgewiesene Kilowattstundenpreis enthält sowohl den Arbeitspreis als auch den anteiligen Grundpreis. 

Stand der Auswertung: 29. Oktober 2026.

Damit liegt das Preisniveau für neue Gasverträge inzwischen deutlich höher als noch vor einigen Monaten. Verbraucher mit einem bestehenden Vertrag sollten deshalb nicht allein wegen der gestiegenen Großhandelspreise wechseln, sondern zunächst ihre individuellen Jahreskosten mit den aktuell verfügbaren Angeboten vergleichen.

Sollte man jetzt den Gasanbieter wechseln?

Ein pauschaler Wechsel ist derzeit nicht sinnvoll. Entscheidend ist, wie teuer der eigene Vertrag ist und wie lange die Preisgarantie noch läuft.

Günstigen bestehenden Vertrag behalten

Wer aktuell deutlich weniger als etwa 14 Cent pro Kilowattstunde zahlt und noch über eine laufende Preisgarantie verfügt, sollte einen günstigen bestehenden Vertrag nicht vorschnell aufgeben. Gerade ältere Verträge können derzeit deutlich günstiger sein als ein Neuabschluss.

Preiserhöhung erhalten: Tarifvergleich durchführen

Anders sieht es aus, wenn der Versorger eine deutliche Preiserhöhung ankündigt. Dann sollten die neuen Jahreskosten mit aktuellen Angeboten verglichen werden. Bei einer Preiserhöhung besteht regelmäßig ein Sonderkündigungsrecht. Dadurch kann ein Wechsel gegebenenfalls auch während einer laufenden Vertragsperiode möglich sein.

Vertrag läuft aus: Angebote frühzeitig prüfen

Wer seinen Anbieter ohnehin in den kommenden Wochen oder Monaten wechseln kann, sollte die verfügbaren Tarife jetzt beobachten. Bei weiter steigenden Großhandelspreisen könnten auch Neukundentarife noch teurer werden. Sinnvoll sind derzeit insbesondere Tarife mit einer Preisgarantie von mindestens zwölf Monaten.

StromAuskunft empfiehlt: Nicht in Panik wechseln – aber Vertrag prüfen

Die aktuelle Situation unterscheidet sich deutlich von der Energiekrise 2022. Die Versorgung ist breiter aufgestellt und es besteht derzeit kein Anlass, allein wegen der Speicherstände vorschnell einen neuen Vertrag abzuschließen.

Gleichzeitig sind die Preisrisiken gestiegen.

Unsere Empfehlung:

  • Deutlich unter 11 Cent/kWh und laufende Preisgarantie: bestehenden Vertrag behalten.
  • Zwischen etwa 11 und 14 Cent/kWh: Jahreskosten mit aktuellen Angeboten vergleichen; ein Wechsel lohnt sich nur bei einer klaren Ersparnis.
  • Deutlich über 14 Cent/kWh: Tarifvergleich durchführen und mögliche Wechseloptionen prüfen.
  • Preiserhöhung erhalten: neue Jahreskosten sofort mit aktuellen Tarifen vergleichen und gegebenenfalls Sonderkündigungsrecht nutzen.
  • Grundversorgung: prüfen, ob günstigere Alternativen verfügbar sind.
  • Bei einem Neuabschluss möglichst auf mindestens zwölf Monate Preisgarantie, faire Vertragsbedingungen und keine Vorkasse achten.

Entscheidend sind dabei immer die gesamten Jahreskosten aus Arbeitspreis und Grundpreis – nicht allein der beworbene Arbeitspreis pro Kilowattstunde.

Beispiel: Zwei Cent Unterschied können 400 Euro im Jahr ausmachen

Bei einem Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden bedeutet bereits ein Preisunterschied von zwei Cent je Kilowattstunde rechnerisch 400 Euro Unterschied pro Jahr. Bei einem Einfamilienhaus mit 30.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch wären es bereits 600 Euro. Gerade bei Gas lohnt es sich deshalb, die eigenen Jahreskosten regelmäßig mit dem aktuellen Markt zu vergleichen.

Infografik Gaspreise, Q4 2026
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