Anbieterwechsel: 786 Millionen Euro Ersparnis bei Strom und Gas
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Anbieterwechsel 2026: 786 Millionen Euro Ersparnis – doch der Vorteil schrumpft

03.11.2026 | Energienachrichten

Rund 3,7 Millionen Haushalte haben im ersten Halbjahr 2026 ihren Stromanbieter gewechselt, 1,1 Millionen ihren Gasanbieter. Das zeigen neue Zahlen der Bundesnetzagentur. Beim Gas war der Preisvorteil besonders groß. Seitdem sind Neukundentarife jedoch deutlich teurer geworden – beim Strom liegt der durchschnittliche Neukundenpreis inzwischen sogar über dem Niveau der Bestandskunden.

786 Millionen Euro Entlastung durch Anbieterwechsel

Die Bundesnetzagentur schätzt, dass die Wechsler des ersten Halbjahres 2026 jährlich 331 Millionen Euro beim Strom und 455 Millionen Euro beim Gas sparen – zusammen rund 786 Millionen Euro.

Die Wechselbereitschaft blieb hoch: Rund sieben Prozent der Haushalte wechselten ihren Stromanbieter, knapp neun Prozent ihren Gasanbieter. Beim Strom lag die Zahl der Wechsel rund zwei Prozent unter dem Vorjahreszeitraum, beim Gas rund zwei Prozent darüber.

Gas: Wechselvorteil gewachsen – Strom: geschrumpft

Gaskunden zahlten zum Stichtag 1. April 2026 durchschnittlich 12,16 Cent pro Kilowattstunde. Der von der Bundesnetzagentur modellierte Neukundenpreis lag im ersten Halbjahr bei 10,13 Cent. Bei 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch entspricht das einer rechnerischen Ersparnis von rund 406 Euro im Jahr, nach rund 264 Euro im Vorjahreszeitraum. Die geschätzte Gesamtentlastung stieg von 285 auf 455 Millionen Euro.

Beim Strom verlief die Entwicklung umgekehrt. Einem Bestandskundenpreis von 37,96 Cent standen durchschnittliche Neukundenpreise von 35,39 Cent gegenüber. Für einen Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch ergibt das rund 90 Euro im Jahr, nach rund 121 Euro im Vorjahreszeitraum. Die Gesamtentlastung sank von 454 auf 331 Millionen Euro – vor allem, weil der Abstand zwischen Neu- und Bestandskundenpreisen kleiner geworden ist.

 

Anbieterwechsel im ersten Halbjahr 2026

Kennzahl Strom Gas
Haushalte mit Anbieterwechsel 3,7 Mio. 1,1 Mio.
Veränderung zum Vorjahreszeitraum - 2 % + 2 %
Durchschnittlicher Bestandskundenpreis (Stichtag 1.4.2026) 37,96 ct/kWh 12,16 ct/kWh
Modellierter Neukundenpreis (1. Halbjahr 2026) 35,39 ct/kWh 10,13 ct/kWh
Modellierter Neukundenpreis (September 2026) 38,62 ct/kWh 11,33 ct/kWh
Rechnerische Ersparnis pro Haushalt und Jahr ca. 90 € ca. 406 €
Geschätzte jährliche Gesamtersparnis 331 Mio. € 455 Mio. €
Gesamtentlastung Vorjahreszeitraum 454 Mio. € 285 Mio. €

Quelle: Bundesnetzagentur/SMARD, Einzelhandelsdaten Strom und Gas, veröffentlicht am 27. Oktober 2026. Die Berechnungen beruhen auf durchschnittlichen Preisunterschieden und standardisierten Verbrauchswerten. Es handelt sich nicht um individuell nachgewiesene Einsparungen.

Steigende Neukundenpreise verringern den Wechselvorteil

Seit dem Frühjahr sind die Beschaffungskosten der Versorger deutlich gestiegen. Die Gasgroßhandelspreise liegen laut Bundesnetzagentur rund 60 Prozent über dem Niveau vom April. Als Treiber nennt die Behörde vor allem geopolitische Unsicherheiten, unter anderem rund um den Iran-Konflikt.

Das schlägt auf neue Verträge durch. Im September lag der modellierte Strompreis für Neukunden bei 38,62 Cent pro Kilowattstunde – rund neun Prozent über dem Durchschnitt des ersten Halbjahres und damit bereits über dem durchschnittlichen Bestandskundenpreis vom April. Beim Gas stieg der Neukundenpreis um rund zwölf Prozent auf 11,33 Cent, blieb aber noch unter dem Bestandskundenniveau. Für Oktober erwartet die Bundesnetzagentur weitere Anstiege. Da Bestandskundenpreise nur zum Stichtag 1. April vorliegen, ist der Vergleich ein Anhaltspunkt.

Die Daten des StromAuskunft Energy Price Data Lab bestätigen den Trend: Der günstigste Stromtarif für Neukunden kostete im bundesweiten Durchschnitt im Juni 23,47 Cent pro Kilowattstunde, im Oktober 30,54 Cent und am 3. November 32,02 Cent – gut ein Drittel mehr als im Juni (3.500 kWh, Grundpreis und Boni eingerechnet).

Zugleich liegen die günstigsten Angebote weiterhin deutlich unter dem von der Bundesnetzagentur modellierten Durchschnittspreis. Entscheidend ist deshalb nicht nur, ob man wechselt, sondern in welchen Tarif.

Für Verbraucher heißt das: Ein neuer Vertrag ist nicht automatisch günstiger als der bestehende. Wer einen günstigen Vertrag mit laufender Preisgarantie hat, sollte ihn nicht vorschnell aufgeben. In der Grundversorgung oder nach einer Preiserhöhung kann sich ein Wechsel dagegen weiterhin deutlich lohnen.

Wann lohnt sich ein Strom- oder Gasanbieterwechsel?

Entscheidend sind die gesamten Jahreskosten, nicht der beworbene Kilowattstundenpreis. In den Vergleich gehören Arbeitspreis, Grundpreis, Boni, Vertragslaufzeit und Preisgarantie.

  • Grundversorgung: Hier ist das Sparpotenzial am größten. Zum 1. April kostete Strom in der Grundversorgung laut Bundesnetzagentur durchschnittlich 41,23 Cent pro Kilowattstunde, bei einem anderen Lieferanten 36,85 Cent – rund 153 Euro Unterschied im Jahr bei 3.500 Kilowattstunden. Beim Gas waren es rund 230 Euro bei 20.000 Kilowattstunden. Nach aktuellen Data-Lab-Zahlen spart der Wechsel aus der Strom-Grundversorgung in den günstigsten Tarif derzeit durchschnittlich 293 Euro im Jahr. Grundversorgungsverträge lassen sich mit einer Frist von zwei Wochen kündigen.

  • Angekündigte Preiserhöhung: Erhöht der Versorger die Preise einseitig, können Haushalte in der Regel ohne Einhaltung einer Frist zum Inkrafttreten der Erhöhung kündigen (§ 41 Abs. 5 EnWG). Die Erhöhung muss mindestens einen Monat vorher angekündigt werden. Ein Vergleich lohnt sich deshalb direkt nach Erhalt des Schreibens.

  • Günstiger Bestandsvertrag: Wer noch einen günstigen Tarif mit laufender Preisgarantie hat, sollte ihn behalten und rechtzeitig vor Ende der Garantie neu vergleichen.

Vorsicht bei Boni: Sie machen einen Tarif im ersten Vertragsjahr günstiger, entfallen aber meist danach. Wichtig sind deshalb auch die Preise und Bedingungen nach Ablauf der Erstlaufzeit.

StromAuskunft empfiehlt: Wechseln, wenn es sich wirklich lohnt

StromAuskunft unterstützt Verbraucher deshalb mit einem kostenlosen Strom- und Gasvergleich sowie einem persönlichen Wechselservice. Ziel ist nicht ein möglichst häufiger Anbieterwechsel, sondern eine langfristig wirtschaftlich sinnvolle Energieversorgung.

Besonders wichtig: Kunden sollten angekündigte Strom- oder Gaspreiserhöhungen frühzeitig melden. Nur wenn die neuen Vertragskonditionen bekannt sind, lässt sich zuverlässig beurteilen, ob sich ein Wechsel lohnt.

Über die kostenlose Tarifberatung können Verbraucher ihre Preiserhöhung melden und einen individuellen Energiecheck anfordern:

Jetzt Preiserhöhung melden und kostenlosen Energiecheck anfordern

Alternativ können Haushalte ihre Tarife direkt selbst vergleichen:

Stromtarife vergleichen

Gastarife vergleichen

Fazit: Die Wechsler des ersten Halbjahres haben vom Wettbewerb deutlich profitiert, beim Gas stärker als im Vorjahr. Seitdem sind Neukundentarife jedoch spürbar teurer geworden; beim Strom liegt der durchschnittliche Neukundenpreis inzwischen über dem der Bestandskunden. Ob sich ein Wechsel lohnt, hängt deshalb mehr denn je vom eigenen Vertrag ab – und davon, den richtigen neuen Tarif zu finden.

Infografik Anbieterwechsel Strom und Gas 2026
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