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Aktuelle Strompreise / Stromvergleich 2026

Studie: Stromkunden zahlen 11 Milliarden Euro Treuestrafe – Wechsel spart bis zu 492 €
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Stromstudie: Treue Stromkunden zahlen 11 Milliarden Euro zu viel

12.03.2026 | Energienachrichten

Treue zahlt sich im deutschen Strommarkt offenbar nicht aus. Eine aktuelle Studie von Octopus Energy in Zusammenarbeit mit der Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen kommt zu einem drastischen Ergebnis: Stromkundinnen und -kunden haben im Jahr 2025 rund elf Milliarden Euro zu viel bezahlt, weil sie in ihren bestehenden Stromtarifen geblieben sind.

Studie zeigt strukturellen Missstand im Strommarkt

Dass Bestandskunden oft höhere Strompreise zahlen, ist seit längerem bekannt. Wie groß der Effekt tatsächlich ist, ließ sich bislang jedoch schwer belegen. Die Preise für bestehende Verträge gelten im Markt häufig als intransparent oder schwer vergleichbar.

Die Studie der RWTH Aachen liefert nun erstmals belastbare Zahlen. Demnach waren im Jahr 2025 bis zu 30 Millionen Haushalte von der Treuestrafe betroffen. Das entspricht knapp drei Viertel aller Haushalte in Deutschland.

Die Forschenden sprechen von einer sogenannten „Treuestrafe“ im Strommarkt. Viele Haushalte werden zunächst mit günstigen Einstiegspreisen angelockt. Nach rund einem Jahr steigen die Tarife jedoch deutlich an – im Durchschnitt um 13 Cent pro Kilowattstunde, was einem Preisaufschlag von etwa 47 Prozent entspricht.

Besonders brisant: In rund 75 Prozent aller Verträge kommt es genau nach einem Jahr zu einer Preiserhöhung. Wer seinen Tarif nicht aktiv überprüft oder den Anbieter wechselt, zahlt häufig deutlich mehr als notwendig.

Auch die Strompreisanalysen von StromAuskunft bestätigen seit Jahren dieses Muster: Neukundentarife liegen häufig deutlich unter den Preisen für Bestandskunden.

Studie basiert auf echten Preiserhöhungsschreiben

Die Untersuchung hebt sich von vielen bisherigen Analysen ab. Statt nur Tarife zu vergleichen, wurden tausende reale Preisanpassungsschreiben von Stromkunden ausgewertet.

Dadurch konnten erstmals belastbare Daten zu tatsächlichen Bestandskundenpreisen gewonnen werden. Bisher dienten in vielen Vergleichen lediglich Grundversorgungstarife am jeweiligen Wohnort als Referenz. Die wissenschaftliche Auswertung der Preisschreiben liefert damit einen seltenen Einblick in die realen Preisentwicklungen bei bestehenden Stromverträgen.

Das Ergebnis: Bestandskundenpreise entwickeln sich oft weitgehend unabhängig von der Marktlage, während Neukundenpreise deutlich stärker an die Entwicklungen am Energiemarkt gekoppelt sind.

Millionen Haushalte könnten durch Wechsel sparen

Für viele Haushalte kann ein Anbieterwechsel erhebliche Einsparungen bringen. Laut Studie liegt die mögliche jährliche Ersparnis im Durchschnitt bei:

- 304 Euro für Haushalte mit einem wettbewerblichen Stromanbieter

- bis zu 492 Euro für Haushalte in der Grundversorgung

Die gesamte Mehrbelastung summiert sich laut Analyse auf rund 11 Milliarden Euro im Jahr 2025.

Bemerkenswert: Nur etwa vier Milliarden Euro dieser Mehrkosten entfallen auf Kunden in der Grundversorgung.

Damit widerlegt die Studie ein verbreitetes Vorurteil:

Nicht nur die Grundversorgung ist teuer. Auch viele Bestandsverträge bei Wettbewerbsanbietern werden im Laufe der Zeit deutlich teurer.

Energiekrise hat Preisunterschiede verstärkt

Die Unterschiede zwischen Neu- und Bestandskundentarifen haben sich in den vergangenen Jahren deutlich vergrößert.

Vor der Energiekrise lag die durchschnittliche mögliche Ersparnis durch einen Anbieterwechsel laut Studie zwischen 121 und 241 Euro pro Jahr.

Heute ist das Einsparpotenzial deutlich größer. Die mögliche Ersparnis ist nahezu dreimal so hoch wie vor 2021.

Auch mehrere Jahre nach der Energiekrise sehen die Studienautoren keine Rückkehr zum früheren Preisniveau. Während sich Neukundentarife relativ eng an den Entwicklungen der Energiemärkte orientieren, steigen Bestandskundentarife häufig weitgehend unabhängig von der Marktentwicklung.

Auch StromAuskunft beobachtet diese Entwicklung seit der Energiekrise 2022. Während sich die Neukundenpreise schnell an sinkende Großhandelspreise anpassen, bleiben Bestandskundenpreise häufig länger auf einem höheren Niveau.

Für Verbraucher bedeutet das: Regelmäßiges Prüfen des eigenen Tarifs ist wichtiger geworden als früher.

Kritik an mangelnder Transparenz bei Preiserhöhungen

Ein weiterer Kritikpunkt der Studie betrifft die Kommunikation der Stromanbieter bei Preisanpassungen.

In vielen Preiserhöhungsschreiben wird laut Untersuchung pauschal auf gestiegene Kosten für „Beschaffung und Vertrieb“ verwiesen – selbst dann, wenn die tatsächliche Marktentwicklung diese Erhöhungen nicht vollständig erklärt.

Die Studie spricht deshalb von Informationsdefiziten für Verbraucher.

Bastian Gierull, Deutschlandchef von Octopus Energy, formuliert es deutlich:

„Wir sehen zum ersten Mal, dass die Abzocke am deutschen Strommarkt System hat. Es geht nicht um ein paar unseriöse Anbieter, sondern um die ganze Branche.“

Die Autoren sehen darin eine strukturelle Schwäche des Marktes: Viele Kunden bleiben lange in ihren Verträgen, während Anbieter stärker um Neukunden konkurrieren.

Strommarkt entwickelt sich zur Zwei-Klassen-Gesellschaft

Die Ergebnisse der Studie zeichnen das Bild eines Strommarkts mit zwei Gruppen von Kunden:

  1. aktive Wechsler, die regelmäßig ihren Tarif überprüfen und günstigere Angebote nutzen
  2. treue Bestandskunden, deren Tarife im Laufe der Zeit deutlich teurer werden

Treue kann laut Studie bis zu 492 Euro Mehrkosten pro Jahr bedeuten.

In der Praxis schrecken viele Verbraucher jedoch vor einem Wechsel zurück. Gründe sind unter anderem:

- Unsicherheit über Bonuszahlungen

- Zweifel an der Seriosität neuer Anbieter

- Sorge vor komplizierten Wechselprozessen

Regelmäßiger Tarifcheck kann Kosten deutlich senken

Für Verbraucher zeigt die Studie vor allem eines: Wer seinen Stromtarif regelmäßig überprüft, kann häufig mehrere hundert Euro pro Jahr sparen.

Gerade nach Ablauf von Preisgarantien oder Bonuszeiträumen lohnt sich ein genauer Blick auf die Stromrechnung. Ein Anbieterwechsel ist heute in der Regel unkompliziert, da der neue Versorger die Kündigung beim bisherigen Anbieter übernimmt und die Stromversorgung jederzeit gesichert bleibt.

Verbraucher können mit einem regelmäßigen Tarifvergleich häufig mehrere hundert Euro pro Jahr sparen. StromAuskunft bietet dafür einen TÜV-geprüften Stromvergleich und kostenlosen Wechselservice an, der von  Stiftung Warentest als Spitzenreiter ausgezeichnet wurde.

Zum kostenlosen Wechselservice für Strom und Gas

 

Quellen

Studie zum Strommarkt und Preisentwicklung bei Bestandskunden:  Loyale Stromkunden zahlen 11 Mrd. Euro zu viel: Studie von Octopus Energy und RWTH Aachen deckt Preisdiskriminierung auf

Treuestrafe im Strommarkt

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