Energy Price Data Lab: Aktuelle Strompreise & Stromvergleich
Neue Zahlen der Bundesnetzagentur zeigen: Im dritten Quartal 2026 stammten 66,5 Prozent des eingespeisten Stroms aus erneuerbaren Energien. Gleichzeitig stiegen die Börsenstrompreise um fast 52 Prozent. Auch die Strompreise für Neukunden haben sich deutlich verteuert. StromAuskunft erklärt die Ursachen und zeigt, wann sich ein Anbieterwechsel trotzdem lohnt.
Deutschland erzeugt immer mehr Strom aus erneuerbaren Energien. Besonders die Photovoltaik erreichte im dritten Quartal 2026 neue Rekordwerte. Dennoch müssen Verbraucher für neue Stromverträge aktuell deutlich mehr bezahlen als noch vor wenigen Monaten.
Das erscheint zunächst widersprüchlich: Schließlich können Wind- und Solaranlagen Strom vergleichsweise günstig erzeugen. Warum sinken dann nicht auch die Strompreise?
Die Antwort liegt vor allem in der Preisbildung an der Strombörse und den stark gestiegenen Gaspreisen.
Die Bundesnetzagentur hat am 21. Oktober 2026 neue Zahlen zum deutschen Strommarkt veröffentlicht. Demnach lag der durchschnittliche Börsenstrompreis im dritten Quartal bei 125,51 Euro je Megawattstunde. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es lediglich 82,76 Euro. Das entspricht einem Anstieg von 51,7 Prozent.
Gleichzeitig stieg der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromeinspeisung von 65 auf 66,5 Prozent. Die Photovoltaik erreichte mit 31,5 Terawattstunden einen neuen Rekord für ein drittes Quartal.
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Kennzahl |
3. Quartal 2025 |
3. Quartal 2026 |
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Durchschnittlicher Börsenstrompreis |
82,76 €/MWh |
125,51 €/MWh |
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Anteil erneuerbarer Energien |
65,0 % |
66,5 % |
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Gesamte Stromeinspeisung |
ca. 100,1 TWh |
111,1 TWh |
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Viertelstunden mit negativen Strompreisen |
544 |
675 |
Quelle: Bundesnetzagentur/SMARD, Strommarktbericht vom 21. Oktober 2026.
Ein wesentlicher Grund für die steigenden Börsenstrompreise sind die hohen Gaspreise. Nach Angaben der Bundesnetzagentur verteuerte sich Erdgas am Großhandelsmarkt im dritten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 91 Prozent. Das wirkt sich auch auf den Strommarkt aus, obwohl Deutschland einen großen Teil seines Stroms aus erneuerbaren Energien gewinnt. Entscheidend ist das sogenannte Merit-Order-Prinzip.
An der Strombörse werden Kraftwerke vereinfacht gesagt nach ihren kurzfristigen Erzeugungskosten eingesetzt. Zunächst kommen günstige Anlagen zum Zug, darunter Windkraft- und Solaranlagen. Reicht deren Stromproduktion nicht aus, werden weitere Kraftwerke benötigt. Der Börsenpreis richtet sich in der jeweiligen Handelsperiode grundsätzlich nach dem teuersten noch benötigten Angebot. Wenn beispielsweise ein Gaskraftwerk zur Deckung der Nachfrage erforderlich ist, können dessen hohe Brennstoffkosten den Börsenstrompreis bestimmen – auch wenn gleichzeitig viel günstiger Solar- und Windstrom erzeugt wird. Hohe Gaspreise können deshalb zu steigenden Strompreisen führen. Im dritten Quartal wurden Gaskraftwerke aufgrund der hohen Brennstoffkosten sogar häufiger durch Kohlekraftwerke verdrängt. Trotzdem blieb der Kostendruck am Strommarkt hoch.
Die Entwicklung an der Strombörse spiegelt sich inzwischen auch in den Angeboten für private Haushalte wider. Nach aktuellen Auswertungen des StromAuskunft Energy Price Data Labs kostet Strom im günstigsten verfügbaren Neukundentarif bundesweit durchschnittlich 31,13 Cent pro Kilowattstunde. Im Juni 2026 lag dieser Wert noch bei 23,47 Cent. Das entspricht einem Preisanstieg von rund 32,6 Prozent.
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Zeitpunkt |
Strompreis für Neukunden |
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Juni 2026 |
23,47 ct/kWh |
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August 2026 |
27,03 ct/kWh |
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September 2026 |
27,78 ct/kWh |
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25. Oktober 2026 |
31,13 ct/kWh |
Quelle: StromAuskunft Energy Price Data Lab. Bundesweite Durchschnittswerte der günstigsten verfügbaren Tarife bei 3.500 kWh Jahresverbrauch einschließlich Grundgebühren und Boni.
Für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden bedeutet die Preisentwicklung gegenüber Juni rechnerisch Mehrkosten von rund 268 Euro jährlich, wenn er zu den jeweiligen Marktpreisen einen neuen Vertrag abschließt.
Allerdings ist wichtig: Bestehende Stromverträge werden durch steigende Börsenpreise nicht automatisch teurer. Viele Verbraucher profitieren weiterhin von langfristig vereinbarten Preisen und Preisgarantien.
Der Ausbau erneuerbarer Energien ist nicht die Ursache für den aktuellen Preisanstieg. Im Gegenteil: Wind- und Solaranlagen können die Strompreise insbesondere dann senken, wenn sie viel Strom erzeugen und dadurch teurere fossile Kraftwerke verdrängen. Das zeigt sich bereits an der Strombörse. Im dritten Quartal 2026 gab es 675 Viertelstunden mit negativen Börsenstrompreisen. In diesen Zeiträumen war das Stromangebot so hoch, dass die Preise unter null fielen. In anderen Stunden, insbesondere bei wenig Wind und Sonne, waren die Preise dagegen erheblich höher. Der Ausbau erneuerbarer Energien kann die Abhängigkeit von teuren fossilen Brennstoffen verringern. Damit diese Vorteile möglichst umfassend bei Verbrauchern ankommen, sind jedoch auch ausreichend Netze, Speicher und flexible Stromverbraucher erforderlich.
Die gestiegenen Börsenpreise wirken sich nicht bei allen Haushalten gleichermaßen aus. Wer einen bestehenden Stromvertrag mit günstigen Konditionen und einer laufenden Preisgarantie besitzt, kann derzeit deutlich besser dastehen als ein Neukunde. Anders sieht es bei Verbrauchern aus, die einen teuren Bestandsvertrag oder einen Grundversorgungstarif haben.
Nach aktuellen Berechnungen von StromAuskunft kostet Strom in der Grundversorgung bundesweit durchschnittlich 40,39 Cent pro Kilowattstunde. Der günstigste verfügbare Neukundentarif liegt dagegen bei 31,13 Cent. Bei einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden ergibt sich daraus eine durchschnittliche Wechselersparnis von rund 324 Euro pro Jahr.
Ein Anbieterwechsel kann sich deshalb trotz der gestiegenen Marktpreise weiterhin lohnen.
Stromanbieter wechseln oder lieber abwarten?
StromAuskunft empfiehlt Verbrauchern, die Wechselentscheidung von ihrem bestehenden Vertrag abhängig zu machen.
Dann kann es sinnvoll sein, den Vertrag zunächst weiterlaufen zu lassen. Ein Wechsel zu den aktuell höheren Neukundenpreisen könnte Ihre Stromkosten sogar erhöhen.
Dann sollten Sie die verfügbaren Alternativen prüfen. Trotz gestiegener Neukundenpreise ist die Grundversorgung vielerorts deutlich teurer.
Prüfen Sie die neuen Konditionen und ein mögliches Sonderkündigungsrecht. Ein Tarifvergleich zeigt, ob sich ein Wechsel lohnt.
Dann ist eine rechtzeitige Überprüfung sinnvoll. Entscheidend sind die tatsächlichen Jahreskosten einschließlich Grundgebühren und Bonuszahlungen sowie die Qualität des neuen Anbieters.
StromAuskunft: Nicht jeder Wechsel ist ein guter Wechsel
„Die aktuellen Zahlen zeigen, dass Verbraucher beim Stromanbieterwechsel genauer hinschauen sollten. Wer noch einen günstigen Vertrag besitzt, muss nicht unbedingt wechseln. Wer dagegen in der teuren Grundversorgung steckt, kann häufig mehrere hundert Euro sparen“, erklärt Dr. Jörg Heidjann, Energieexperte und Geschäftsführer von StromAuskunft.de.
Unser Tipp: Prüfen Sie nicht nur, welcher Stromtarif aktuell am günstigsten ist, sondern auch, ob ein Wechsel gegenüber Ihrem bestehenden Vertrag tatsächlich eine Ersparnis bringt.
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