Studie zur aktuellen Diskussion um Atomausstieg und Ökostrom
Münster / Berlin, 22. Juli 2011:
StromAuskunft hat mit Unterstützung der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin (HTW Berlin) eine Studie zum Atomausstieg und dem Image der Stromanbieter durchgeführt. Dazu wurden 344 per Zufall ausgewählte Nutzer von StromAuskunft mittels dem Markforschungstool questfox in einer Online-Befragung zu den Themen Atomausstieg und Ökostrom befragt.
Ergebnisse der Stromstudie
Verbraucher zu Mehrkosten bereit
Die Ergebnisse der Studie zeigen generell die Bereitschaft der Bundesbürger, die Einleitung der Energiewende unterstützen zu wollen. So ist eine Mehrheit der Befragten persönlich bereit, für ihren Strom mehr zu zahlen, wenn dadurch der Atomausstieg gelingt. Nur ein kleiner Teil der Befragten (<9 %) will das Vorhaben von Merkel und Co. nicht aus eigener Tasche mitfinanzieren. Trotz stetig steigender Stromtarife mit teils zweistelligen Preiserhöhungen sieht es ein Großteil der Verbraucher als notwendig an und ist bereit, mehr für Energie zu zahlen, um einen Atomausstieg bis 2022 zu ermöglichen.

Abb. 1:Zahlungsbereitschaft Atomausstieg, Anzahl=336 – Mittelwert = 5,06, Standardabweichung = 1,64: Auf einer Skala von 1 – 8 (1= Nein, auf keinen Fall, (= Ja, auf jeden Fall) ergibt sich ein Mittelwert von 5,06, d.h. eine knappe Mehrheit ist bereit für den Atomaustieg mehr Geld für Strom zu bezahlen.
Wenn es allerdings um die Mehrkosten geht, die Kunden bereit sind, zu zahlen, unterscheiden sich die Meinungen der Befragten deutlich. Im Durchschnitt ist der Deutsche willig, 85 Euro mehr im Jahr auszugeben, um den Umstieg auf die regenerativen Energien zu unterstützen. Die Diskrepanz der genannten Beträge liegt jedoch weit auseinander. So würde fast die Hälfte der Befragten 25 bis 50 Euro jährlich für Strom mehr bezahlen, während weitere 20 Prozent der Umfrage-Teilnehmer 100 Euro an Mehrkosten und jeder Zehnte sogar 200 Euro und mehr in Strom zusätzlich investieren würde. Generell lässt sich also eine hohe Bereitschaft ausmachen, durch Mehrzahlungen den Atomausstieg unterstützen zu wollen, die Höhe der zu leistenden Zahlungen variiert dabei jedoch stark.

Abb. 2: Anzahl=344 – Mittelwert = 4,38, Standardabweichung = 3,11: Auf einer Skala von 1 – 10 (1= 0 Euro, 10= > 300 Euro) ergibt sich ein Mittelwert von 4,38 und entspricht einem Wert von ca. 85 Euro pro Jahr, d.h. die Befragten wären im Schnitt bereit, rund 85 Euro mehr pro Jahr für Strom auszugeben. Die große Standardabweichung zeigt hier, dass bei der Frage nach der Zahlungsbereitschaft große Unterschiede herrschen. So ist z.B. die größe Gruppe bereit 25 € pro Jahr mehr zu bezahle, aber über 20% wäre auch bereit 150 Euro oder mehr pro Jahr für den Atomausstieg zu bezahlen.
Ökostromanbieter auf dem Vormarsch
Das Image der vier großen Stromanbieter (E.On, ENBW, RWE und Vattenfall) hat sich nach Meinung der Befragten in den letzten Monaten signifikant verschlechtert, während die Ökostromanbieter ihr Image gleichzeitig deutlich verbessert haben. Durch das neue Bewusstsein der Verbraucher für einen umfassenden Umwelt- und Klimaschutz sind Ökostromanbieter wie Lichtblick, EWS -Schönau, Naturstrom oder Greenpeace Energy ins Interesse der Kunden gerückt und haben so seit der Katastrophe in Fukushima einen riesigen Zulauf erhalten.

Abb. 3. Was ist wichtige bei der Auswahl eines Stromanbieters: Für eine Mehrheit der Befragten (58 Prozent) ist das Angebot von Ökostromtarifen ausschlaggebend für die Wahl des Anbieters.
Bei der Frage "Was ist Ihnen wichtiger, billiger Ökostrom oder echter Ökostrom" haben sich 73% der Befragten für echten Ökostrom entschieden. Dieses Ergebnis zeigt auch, dass Verbraucher, wie eingangs aufgeführt, nicht nur bereit sind, mehr für ihren Strom für die Energiewende zu zahlen, sondern für das Beziehen von Ökostrom teurere Tarife vorziehen, wenn sie dafür echten Ökostrom bekommen.

Abb. 4. Echter Ökostrom vs. Billiger Ökostrom
Wechselbereitschaft bei Verbrauchern vorhanden
Auch die Wechselbereitschaft, die häufig für das Beziehen von echtem Ökostrom notwendig ist, scheint zu steigen. Waren viele Verbraucher vor 2 Jahren noch unsicher, ob und wie sie wechseln sollten, hat ein Großteil der Kunden erkannt, dass ein Stromanbieterwechsel einfach und schnell vollbracht ist. Auch die Insolvenz des Billigstromanbieters TelDaFax hat diese Wechselbereitschaft nicht beeinträchtigt. Obwohl gerade TelDaFax viele Kunden mit seinen Billigpreisen werben konnte und diese nun wieder vor einem Wechsel stehen, sind Verbraucher nach wie vor überzeugt, dass ein Wechsel häufig die bessere Lösung ist. Auch dies belegt die Studie von StromAuskunft. 91 Prozent der Befragten geben an, dass sich trotz der Insolvenz von TelDaFax nichts an ihrer Wechselbereitschaft geändert hat. Gleichzeitig ist sich der Verbraucher jedoch auch klar, dass die Wahl des falschen Stromanbieters zu Problemen führen kann. Eine deutliche Mehrheit der Befragten unterstreicht dies.

Abb. 5. Die Auswahl des falschen Stromanbieters kann zu einem Problem werden
Fazit: Bundesbürger wollen Energiewende
Die Studie zeigt ein eindeutiges Bild. Die Mehrheit der Bundesbürger will den Atomausstieg und die Energiewende auch finanziell unterstützen. Die Verbraucher sind bereit, mehr für ihren Strom zu zahlen. Zudem wird Ökostrom mit dem steigenden Bewusstsein der Kunden für Umwelt- und Klimaschutz von Tag zu Tag populärer. Auch hierbei sind Verbraucher bereit, Mehrkosten zu tragen, wenn dafür echter Ökostrom bezogen werden kann. Die Ergebnisse der Studie führen also zu dem Fazit, dass die Wechsel- und Zahlungsbereitschaft der Kunden die Energiewende möglich machen könnte. Ein Atomausstieg bis 2022 sollte also nicht an der Einstellung der Deutschen Verbraucher scheitern.
Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse
- Eine knappe Mehrheit ist bereit, für den Atomausstieg mehr Geld für Strom zu bezahlen
- Bei der Zahlungsbereitschaft zeigen sich große Unterschiede. Die eine Hälfte ist bereit 25 € bzw. 50€ pro Jahr mehr für ihren Strom zu bezahlen, während jeder zehnte bereit ist, 200 Euro und mehr pro Jahr zusätzlich zu bezahlen. Im Durchschnitt sind die Befragen bereit 85 Euro mehr pro Jahr für ihren Strom zu bezahlen.
- Das Image der großen vier Stromversorger E.ON, ENBW, RWE und Vattenfall hat sich in den letzten Monaten deutlich verschlechtert, während das der Ökostromanbieter sich deutlich verbessert hat.
- Für die Mehrheit (58%) ist bei der Auswahl eines Stromanbieters ein Ökostromanbieter wichtig. Zudem ist für 73% der Befragten „echter Ökostrom“ deutlich wichtiger als „Billiger Ökostrom“. Der Preis ist damit weniger wichtig. Billigstrom ist „out“.
- Für 91% der Befragten hat sich durch die TelDaFax Insolvenz die Bereitschaft den Stromanbieter zu wechseln, nicht geändert.
- Für die Mehrheit der Befragten ist die Aussage „Die Auswahl des falschen Stromanbieters kann zu einem Problem werden“ richtig.
- Das Image der großen vier Stromversorger E.ON, ENBW, RWE und Vattenfall hat sich in den letzten Monaten deutlich verschlechtert, während das der Ökostromanbieter sich deutlich verbessert hat.
- Für die Mehrheit (58%) ist bei der Auswahl eines Stromanbieters ein Ökostromanbieter wichtig. Zudem ist für 73% der Befragten „echter Ökostrom“ deutlich wichtiger als „Billiger Ökostrom“. Der Preis ist damit weniger wichtig. Billigstrom ist „out“.
- Für 91% der Befragten hat sich durch die TelDaFax Insolvenz die Bereitschaft den Stromanbieter zu wechseln, nicht geändert.
- Für die Mehrheit der Befragten ist die Aussage „Die Auswahl des falschen Stromanbieters kann zu einem Problem werden“ richtig.




