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Deutsches Stromnetz überlastet

19.11.2010

Die Stromnetze in Deutschland sind insbesondere an Starkwindtagen nicht mehr in der Lage, die Zusatzlast durch erneuerbare Energien aufzunehmen. Allein beim ostdeutschen Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz gab es in diesem Jahr bereits mehr als 120 Eingriffs- und Gefährdungstage. Wird gegen diese Engpässe nichts unternommen, steigt das Risiko von Strom-Blackouts weiter. Das erklärte Regierungsziel, in den nächsten zehn Jahren rund 30 Prozent des Strombedarfs in Deutschland mit erneuerbaren Energien decken zu wollen, rückt ohne die dafür benötigten Netzkapazitäten in weite Ferne. Dies ergibt eine aktuelle Marktanalyse der Unternehmensberatung PUTZ & PARTNER.

"Die stark schwankenden Einspeisungen durch erneuerbare Energien und rapide Lastwechsel bedeuten neue und komplexere Herausforderungen für die Stabilität des Netzes", erklärt Volker Isbrecht, Energieexperte bei PUTZ & PARTNER. "Denn das sprunghaft steigende Angebot grüner Energie aus Windkraft und Solaranlagen lässt sich mit der aktuellen Infrastruktur nicht mehr sicher an seinen Bestimmungsort leiten."

Experten prognostizieren, dass sich der Ausbaubedarf für Höchstspannungsleitungen in Deutschland gegenüber den Planungen von 2005 bis Ende dieses Jahres um etwa das Vierfache steigern wird. Ging die Deutsche Energie Agentur bisher davon aus, dass rund 850 Kilometer gebaut werden müssen, um die erneuerbaren Energien in das Stromnetz zu integrieren, liegen deren neue Schätzungen nun in einer Größenordnung von rund 3.600 Kilometern. Bis diese Zusatzkapazitäten zur Verfügung stehen, bleibt den Netzbetreibern bisher als letztes Mittel nur der Einsatz einer Notbremse, um einen drohenden Stromkollaps abzuwenden. Das Energiewirtschaftsgesetz sieht daher das schlichte Abschalten von Wind- und Photovoltaikanlagen vor, wenn sich die Netzstabilität anders nicht mehr gewährleisten lässt.

"Da Energiespeicher derzeit noch nicht mit ausreichender Kapazität wirtschaftlich verfügbar sind, bleibt in dieser Situation nur, die Genehmigungsverfahren für neue Leitungen zu beschleunigen. Die Politik ist gefordert, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen. Zudem gibt es in der Bevölkerung derzeit eine geringe Akzeptanz für neue Leitungen, was an den zahlreichen Protesten besorgter Bürger zu erkennen ist. Hier ist es an den Übertragungsnetzbetreibern, aber auch an der Politik und der Wirtschaft, die Notwendigkeit und den volkswirtschaftlichen Nutzen neuer Leitungen transparent und nachvollziehbar zu kommunizieren", so Volker Isbrecht.

© 2010 StromAuskunft

Björn Katz, Redaktion StromAuskunft

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