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Bundesumweltministerin Lemke: Grünes EU-Label für Atomkraft ist "grundfalsch"

Bundesumweltministerin Lemke: Grünes EU-Label für Atomkraft ist "grundfalsch"

04.01.2022 | Energienachrichten

Während in Deutschland zum Jahreswechsel drei weitere Reaktorblöcke abgeschaltet wurden, und die Atomenergie hierzulande in ihr letztes Jahr geht, plant die EU-Kommission Investitionen in Kernkraftwerke unter bestimmten Umständen künftig als "nachhaltig" einzustufen. Ein Vorstoß, der auf viel Kritik stößt - auch von Seiten der neuen Bundesumweltministerin Steffi Lemke.

Nachhaltige Atomkraft? Bundesregierung contra EU

Die im Entwurf zur EU-Taxonomie enthaltene Einstufung von Gas- und Atomkraftwerken als nachhaltige Energiequellen sieht Bundesumweltministerin Lemke äußerst kritisch. Gegenüber dem Nachrichtensender Phoenix sagte sie: "Ich halte das - was die Atomkraft anbetrifft - für grundfalsch und - was das Erdgas anbetrifft - für fragwürdig." Die Nachhaltigkeit einer Energieform, so die Grünen-Politikerin, bemesse sich "einerseits aus Klimaschutzgründen, andererseits aus abfallrechtlichen, umweltschutzrechtlichen Gründen". Angesichts der Jahrtausende langen Lagerzeit von Atommüll seien letztere nicht zu erfüllen.

Unterstützt wird Lemkes Standpunkt vom Branchenverband der Energiewirtschaft BDEW. Dessen Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae betont: "Für die Energiewirtschaft in Deutschland ist klar: Der deutsche Ausstieg aus der Atomkraft ist endgültig, niemand in der Energiewirtschaft will zurück in diese risikobehaftete und teurere Technologie."

Erdgas ist "perspektivisch nicht nachhaltig"

Ministerin Lemke stimmt hingegen der Einschätzung von Bundeskanzler Olaf Scholz und Bundesfinanzminister Christian Lindner zu, Erdgas als Brückentechnologie einzustufen: "Auch ich bin der Meinung, dass wir auf Erdgas kurzfristig nicht verzichten können, sondern dass es noch einen gewissen Zeitraum braucht, um Erdgas zu nutzen." Nachhaltig sei der fossile Brennstoff perspektivisch aber nicht. Lemke: "Ich bleibe bei meiner Einschätzung bei Erdgas, dass es fragwürdig ist und aus meiner Sicht nicht notwendig ist, darauf ein Nachhaltigkeitslabel zu kleben, weil wir wissen, dass wir perspektivisch auf Erdgas bis auf ganz wenige Anwendungen komplett verzichten müssen, um die Pariser Klimaschutzziele einzuhalten."

Keine neuen Reaktoren in Deutschland

Darüber hinaus erklärte Lemke im Phoenix-Interview, sie halte die Finanzierung weiterer Reaktoren in Deutschland trotz der neuen EU-Pläne für unwahrscheinlich. Private Investoren, so die Umweltministerin, "werden sich trotzdem gut überlegen, ob sie in diese sehr teure, sehr riskante Technologie investieren wollen. Ohne massive Finanzströme aus dem privaten wie dem öffentlichen Sektor sehe ich nicht, dass neue Reaktoren finanzierbar sind." Die Bundesregierung arbeite stattdessen daran, "dass die Finanzströme in die erneuerbaren, in die wirklich nachhaltigen Energieformen gehen", so Lemke.

Björn Katz, Redaktion StromAuskunft.de

Atomkraftwerk, Kühltürme

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