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Stromanbieterwechsel: Datenbanken sollen wechselfreudige Kunden blockieren

08.09.2020 | Energienachrichten

Verbraucher, die ihren Strom- und Gasanbieter häufig wechseln, könnten nach Recherchen des Norddeutschen Rundfunks (NDR) und der Süddeutschen Zeitung (SZ) künftig systematisch daran gehindert werden. Demnach existieren Pläne zur branchenweiten Speicherung von Vertragsdaten, um besonders wechselfreudige Kunden identifizieren und blockieren zu können.

Schufa sammelt Kundendaten

Laut Berichterstattung von NDR und SZ haben die Schufa und die Münchner Wirtschaftsauskunftei CRIF Bürgel entsprechende Datenbanken über Kunden, Verträge und Wechsel auf dem Strom- und Gasmarkt entwickelt. Verbraucher- und Datenschützer fürchten, dass Energieversorger diese Datenpools künftig nutzen könnten, um wechselfreudige Verbraucher abzulehnen. Anfang November werden sich die Datenschutzbehörden in Deutschland mit dem Thema befassen.

Die größte deutsche Wirtschaftsauskunftei, die Schufa, hat den Recherchen zufolge eine Datenbank namens "Schufa-E-Pool" konzipiert, die unter anderem "wertvolle Hinweise" zur Laufzeit des bestehenden Energievertrags enthalte. Ein Schufa-Sprecher betonte, der Datenpool sei bislang nicht "marktfähig", außerdem sei "die Idee hinter dem E-Pool nicht das Verhindern eines Wechsels".

Verbraucher- und Datenschützer schlagen Alarm

Bisher dürfen ausschießlich Daten von säumigen Kunden (Stichwort: Schufa-Eintrag) oder Betrugsfällen branchenweit ausgetauscht werden. Die neuen Datenbanken sollen dagegen auch vertragstreue Kunden erfassen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband sieht die Pläne mit Sorge: Wenn Strom- und Gasanbieter durch Datenbanken künftig sehen könnten, dass Kunden schon häufiger gewechselt haben, könnten sie diese entweder systematisch ablehnen oder ihnen attraktive Konditionen vorenthalten, mahnt der Verband.

Energieversorger zeigen Interesse

Eine Umfrage unter 75 Energieversorgern von NDR und SZ hat das überwiegende Interesse der Branche an solchen Kunden- und Vertragsdaten offenbart. Nur wenige Unternehmen zeigten sich grundsätzlich ablehnend. Von den drei größten deutschen Energiekonzernen mit Privatkundengeschäft positionierte sich lediglich EnBW negativ. E.ON und Vattenfall erklärten grundsätzliches Interesse und bestätigten sogar einen ansatzweisen Austausch mit den betreffenden Auskunfteien.

Wechselfreudige Stromkunden sparen am meisten

Weil viele Strom- und Gasversorger Neukunden lukrative Wechselboni anbieten, sind entsprechende Tarife im ersten Vertragsjahr besonders günstig. Für Verbraucher gilt daher: Regelmäßiges Wechseln - beispielsweise mit einem kostenlosen Wechselservice - bringt den größten Preisvorteil. Die Energieversorger sind hingegen an mehrjähriger Kundentreue interessiert, denn ab dem zweiten Vertragsjahr verteuern sich viele Tarife spürbar, und die Gewinnmarge wächst. Aber: Aktive, wechselfreudige Kunden sparen nicht nur am meisten, sie beleben auch das Marktgeschehen und sorgen damit für Konkurrenz und dynamische Preise. Deshalb ermuntern Verbraucherzentralen und Behörden Haushalte auch immer wieder zum regen Anbieterwechsel.

Björn Katz, Redaktion StromAuskunft.de


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