Windstrom im Erdgasnetz speichern
Montag, den 14. November 2011Wasserstoff ist ein idealer Energiespeicher. Daher macht es Sinn, Strom in Wasserstoff umzuwandeln. E.ON errichtet im brandenburgischen Falkenhagen eine Pilotanlage zur Umwandlung von Strom aus Windenergie zu Wasserstoff und investiert dazu mehr als fünf Millionen Euro in die Erforschung dieser Technologie.
Wasserstoff marsch
- “Power to Gas” als innovativer Beitrag zur Energiewende
Die Anlage soll ab 2013 aus regenerativ erzeugtem Strom durch Elektrolyse pro Stunde rund 360 Kubikmeter Wasserstoff produzieren. Dieser wird in das Ontras-Ferngasnetz eingespeist und wie normales Erdgas genutzt. Damit wird das Erdgasnetz zum Speicher für Strom aus wetterabhängigen Erneuerbaren Energien.

E.ON will diese Technologie in Falkenhagen intensiv testen und weiterentwickeln. Das Potenzial ist immens: Bereits heute kann dem Erdgas im Netz problemlos bis zu fünf Prozent Wasserstoff beigefügt werden, mittelfristig erwarten Experten bis zu 15 Prozent. Damit könnte die gesamte heutige regenerative Stromerzeugung im deutschen Erdgasnetz gespeichert werden. Ein Bedarf für Speicherkapazitäten in solchen Größenordnungen wird aber erst in einigen Jahrzehnten bestehen, wenn der größte Teil des Strombedarfs aus regenerativen Energien gedeckt wird.
Wenn Deutschland in den nächsten Jahren den Anteil fluktuierender Wind- und Sonnenenergie an der Stromerzeugung wie geplant erhöht, wird das Angebot zeitweise den Strombedarf übersteigen und das Stromnetz an die Grenzen seiner Belastbarkeit bringen. Deswegen investiert E.ON in Technologien zur Speicherung dieser überschüssigen Energie. Derzeit steht dabei vor allem der Ausbau der Kapazitäten an Pumpspeicherkraftwerken im Vordergrund. So plant E.ON eine Erweiterung des Pumpspeicherkraftwerks am hessischen Edersee und – gemeinsam mit Partnern – den Bau einer neuen Anlage an der deutsch-österreichischen Grenze.
Foto © E.ON


Das Projekt wird zu gleichen Teilen vom Qatar Science & Technology Park und dem Land Sachsen aus Mitteln der Europäischen Union gefördert. Ziel der gemeinsamen Forschungen ist die solarthermische Herstellung von Wasserstoff aus Methan. Es wird ein Solarreaktor entwickelt, der konzentrierte Sonnenenergie zur direkten Aufspaltung von Methangas in Wasserstoff und Kohlenstoffpartikel nutzt. Dieses Verfahren soll erheblich zur Reduzierung von CO2-Emissionen beitragen. So werden einerseits keinerlei toxische oder umweltschädigende Gase freigesetzt und im Vergleich zur Energiegewinnung aus fossilen Rohstoffen wird die CO2-Emission durch die solarthermische Herstellung von Wasserstoff erheblich reduziert. Dementsprechend weniger CO2 muss dadurch umgewandelt, transportiert und gespeichert werden.

Zum Verständnis: Wasserstoff fungiert nicht als Energie selbst, er dient in diesem Zusammenhang als Energiespeicher. Aus regenerativen Quellen gewonnene Energie wird also also in Form von Wasserstoff gespeichert und für den letztlichen Verbrauch bereit gestellt. Somit könnte diese Technologie das Problem der schwankenden Erträge aus Sonne, Wind und Wasser kompensieren. Die erste wirtschaftlich wichtige Anwendung des Wasserstoffs soll die als Kraftstoff für Straßenfahrzeuge sein. Die Bundesregierung unterstützt das Vorhaben und alle großen Autohersteller arbeiten an entsprechenden Fahrzeugen. Die krisenhaften Erscheinungen in der Branche sind laut dem Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verband dabei kein Hindernis – im Gegenteil: Der Elektroantrieb mit Brennstoffzelle sei Teil der Überlebensstrategie der Automobilhersteller für die nächsten 20 Jahre. Der Verband ist sich zudem sicher, dass der Faktor Wasserstoff in einem Energienetz, das sich auf erneuerbare Quellen stützt, mittelfristig eine wichtige Rolle spielen wird. Die Entstehung großer Offshore-Windparks werde beispielsweise das Problem der Schwankungen von Angebot und Nachfrage verschärfen. Hier könne die Bedeutung von Wasserstoff als Speicherelement entscheidend werden.