Stromtransport per Deutsche Bahn
Freitag, den 13. Mai 2011Wenn Sie in Zukunft nach Feierabend in den Zug nach Hause steigen, dann könnte es sein, dass ihr Strom gleich mitfährt. Denn in einer Machbarkeitsstudie soll demnächst geprüft werden, ob und in welchem Ausmaß das Stromnetz der Deutschen Bahn genutzt werden kann, um Ökostrom von A nach B zu schicken.
Bahn-Netz soll Ökostrom befördern
Nicht erst seit der Diskussion um einen vorzeitigen Atomausstieg ist der Politik eines klar: Die Energiewende wird teuer. Einen erheblichen Kostenfaktor im Versorgungskonzept der Zukunft stellen vor allem die Netze dar. Selbige sollen nämlich nicht nur möglichst intelligent sein – Stichwort Smart Grid – sondern auch massiv ausgebaut werden. Schließlich will man vom sauberen Windstrom aus der Nordsee auch im alpinen Bayern noch was haben. Ergo muss der Ökostrom transportiert werden. Ob dies zu einem gewissen Teil künftig über das Netz der Deutschen Bahn realisiert werden kann, wollen nun Vertreter der Bundesministerien für Wirtschaft und Verkehr, der Bahn, des Eisenbahn-Bundesamtes sowie der Bundesnetzagentur überprüfen. Die rund 7.800 Kilometer langen Hochspannungsleitungen der Bahn werden bislang ausschließlich für die Versorgung der Züge genutzt. Würden diese zusätzlich zu Gütern und Fahrgästen in Zukunft auch noch Strom transportieren, könnte sich die Regierung so manche neue Trasse und damit vielleicht die ein oder andere Million sparen.
Laut einer Studie der Deutschen Energie-Agentur müssten 3.600 Kilometer an neuen Stromtrassen errichtet werden, um den im Norden der Republik erzeugten Windstrom künftig bundesweit effektiv zu verteilen. Neben den immensen Kosten stehen diesem Vorhaben auch zahlreiche Bürgerproteste im Wege, die negative Auswirkungen der Hochspannungsleitungen auf Mensch und Umwelt befürchten. Warum also nicht ein bereits landesweit bestehendes Netz nutzen und den Bau neuer Trassen minimieren? Die Bahn zumindest steht diesem Konzept noch eher skeptisch gegenüber. Die möglichen Gewinnmargen gelten als niedrig, und man fragt sich im Unternehmen, ob man mit der Stromdurchleitung überhaupt ein neues Geschäftsfeld aktivieren kann und will. Immerhin äußerte ein Vertreter der Bahn kürzlich gegenüber dem Magazin Spiegel: “Alles ist möglich, wenn für die Bahn keine zusätzlichen Kosten entstehen.” Tja, wer weiß, vielleicht kommt unser Strom bald auch immer zehn Minuten später als laut Fahrplan angekündigt.
Foto © Pixelio, Erich Westendarp
Wenn in diesen Tagen die Rede von steigenden Energiekosten ist, dürften zahlreiche Verbraucher äußerst empfindlich reagieren. Und dies aus gutem Grund. Als würde es nicht reichen, dass einem der letzte Rekordwinter die eisigste Heizkostenabrechnung seit Jahren um die Ohren weht, hatten zudem zahlreiche
Eine aktuelle Studie des Beratungsdienstleisters Accenture zeigt: Zwar trauen sich vier von fünf Stromkunden in Deutschland die Optimierung des eigenen Energieverbrauchs grundsätzlich zu, aber nur ein Drittel ist sich der Vielfalt an neuen
Der Sachzwang zum Ausbau des deutschen Stromnetzes ist ein im Prinzip hausgemachtes Problem. Durch die fortschreitende Integration erneuerbarer Energien, speziell der Windkraft, sind bei gleichzeitigem Nichtabschalten von Kohle- und Atomenergie zusätzliche Leitungskapazitäten von Nöten. Es fließt schlichtweg zuviel Strom durch die Trassen. Würde man die konventionellen Energieträger parallel zur Zunahme der erneuerbaren herunterfahren, ließe sich der kostenintensive Netzausbau wohl umgehen. Nicht aber die Interessen der Energiewirtschaft – und so verlegt der Bund lieber neue Kabel, anstatt den Energiemix früher als geplant anzupassen. Entsprechend wenig Akzeptanz findet der anstehende Netzausbau in der Bevölkerung. Im Rahmen einer aktuellen Studie der Universität Magdeburg im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe wurden von neuen Stromtrassen Betroffene befragt. Ergebnis: Um sich überhaupt mit dem Thema Netzausbau anfreunden zu können, fordern die Bürger beispielsweise Mindestabstände der Leitungen von ihren Wohngebieten bzw. eine grundsätzliche Erdverkabelung. Dafür wären viele Befragte sogar bereit, einen höheren
Smart Grids sind zweifelsohne die Zukunft unserer Energieversorgung: Das “Internet der Energie” stimmt Stromerzeugung, -verteilung, -speicherung und -verbrauch auf intelligente Art und Weise aufeinander ab, um ein Höchstmaß an Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Umweltverträglichkeit zu gewährleisten. Möglich wird dies mit Hilfe von speziellen Informationstechnologien, über die Erzeugungsanlagen, Stromnetze und natürlich die Endverbraucher in direkte Kommunikation treten. Bei all diesen Prozessen werden permanent Daten erhoben, die – je nach Situation und Sichtweise – unbedenklich aber auch äußerst sensibel sein können. Überspitzt ausgedrückt, weiß das intelligente Netz, wann Stromkunde XY fernsieht, wie oft er seine Wäsche wäscht und wie knusprig er seinen Toast mag. Intelligente Stromnetze erlauben auf diese Weise einen direkten Einblick ins Private. Die neuen Herausforderungen, die die Einführung von Smart Grids mit sich bringt, sind also nicht rein technologischer, sondern auch gesellschaftspolitischer Natur.
Um der misslichen Lage Herr zu werden, hat die Bundesregierung bereits Mitte 2009 die Erweiterung der deutschen Stromnetze per Gesetz beschlossen. Die Notwendigkeit sah und sieht man vor allem in der stetigen und unbedingt gewollten Zunahme erneuerbarer Energien begründet. Gerade die Windkraft im Norden der Republik stellt einen immer wichtiger werdenden Faktor bei der Stromerzeugung dar. Aber ist ein Ausbau der Netze wirklich nötig? Immerhin werden Deutschlands Haushalte doch bereits ausreichend mit Energie versorgt. Die Logik lautet: Mehr Strom, mehr Leitungen. Und genau da liegt der Denkfehler.
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