Elektroautos ein gutes Geschäft?
Mittwoch, den 1. Dezember 2010Ob die Elektroautos für die Hersteller ein gutes Geschäft wird, bleibt abzuwarten. Die Stromerzeuger auf jeden Fall “wittern” bereits Gewinne. Eine Million Elektrofahrzeuge könnten schon mit Strom versorgt werden.
Das Stromnetz ist schon heute für eine Million Elektrofahrzeuge bereit
- Smart Grid als sinnvoller Entwicklungsschritt
- Arbeitsgruppe Ladeinfrastruktur und Netzintegration der Nationalen Plattform Elektromobilität legt Zwischenbericht vor
Das Ziel der Bundesregierung, bis 2020 rund eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen zu bringen, ist aus Sicht der Stromversorgung problemlos möglich.

Audi Concept e-tron auf dem Audi-Stand, IAA 2009 in Frankfurt
Mit dem zukünftigen Ausbau der Netze zum Smart Grid ergeben sich neue Perspektiven wie der Einsatz der Fahrzeuge zum Lastausgleich und die bessere Integration grünen Stroms. Mit Hilfe von intelligenten Stromzählern könnten die Batterien der Elektroautos gezielt geladen werden, wenn mehr Strom aus Erneuerbaren Energien zur Verfügung steht als in dem Moment benötigt wird, beispielsweise in windreichen Nächten. Die Versorgung der Fahrzeuge mit grünem Strom ist durch den geplanten Ausbau der Erneuerbaren Energien gedeckt. Dies sind die wesentlichen Ergebnisse im Zwischenbericht der Arbeitsgruppe Lade-Infrastruktur und Netzintegration der Nationalen Plattform Elektromobilität, die zum 30. November 2010 der Bundesregierung übergeben wurden.
Die Mitglieder der Arbeitsgruppe erwarten einen raschen technischen Fortschritt bei der Lade-Infrastruktur. Fahrzeuge können künftig schneller und komfortabler geladen werden. Bis 2020 könnten sowohl kabelloses induktives Laden als auch das Aufladen mit Gleichstrom bei höherer Spannung und Stromstärke den Ladekomfort erhöhen und die Ladedauer reduzieren. Die Akzeptanz der Elektromobilität und ihre Nutzungsmöglichkeiten werden damit zunehmen.
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Foto © Redaktionsbüro Kebschull IAA 2009 in Frankfurt
Eine aktuelle Studie des Beratungsdienstleisters Accenture zeigt: Zwar trauen sich vier von fünf Stromkunden in Deutschland die Optimierung des eigenen Energieverbrauchs grundsätzlich zu, aber nur ein Drittel ist sich der Vielfalt an neuen
Smart Grids sind zweifelsohne die Zukunft unserer Energieversorgung: Das “Internet der Energie” stimmt Stromerzeugung, -verteilung, -speicherung und -verbrauch auf intelligente Art und Weise aufeinander ab, um ein Höchstmaß an Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Umweltverträglichkeit zu gewährleisten. Möglich wird dies mit Hilfe von speziellen Informationstechnologien, über die Erzeugungsanlagen, Stromnetze und natürlich die Endverbraucher in direkte Kommunikation treten. Bei all diesen Prozessen werden permanent Daten erhoben, die – je nach Situation und Sichtweise – unbedenklich aber auch äußerst sensibel sein können. Überspitzt ausgedrückt, weiß das intelligente Netz, wann Stromkunde XY fernsieht, wie oft er seine Wäsche wäscht und wie knusprig er seinen Toast mag. Intelligente Stromnetze erlauben auf diese Weise einen direkten Einblick ins Private. Die neuen Herausforderungen, die die Einführung von Smart Grids mit sich bringt, sind also nicht rein technologischer, sondern auch gesellschaftspolitischer Natur.
Bereits heute zeigt sich die Siemens AG als emsiges Zugpferd in den Bereichen Windenergie, Solarkraft und Biomasse. Man ist Weltmarktführer bei Offshore-Windparks sowie im Geschäft mit Dampfturbinen für solarthermische Kraftwerke und hat unter anderem die größte Photovoltaikanlage Italiens in Betrieb genommen. Aber auch die Herausforderungen der nahen Zukunft sollen für Siemens grün schillern. Neben der vieldiskutierten Elektromobilität will der Konzern vor allem in die Smart-Grid-Technologie, also den Aufbau intelligenter Stromnetze, investieren. Man wolle in diesem Bereich bereits 2010 Umsätze von einer Milliarde Euro erzielen und auf lange Sicht einen Marktanteil von 20 Prozent oder mehr gewinnen, so Wolfgang Dehen, CEO der Energiesparte bei Siemens. Insgesamt soll das grüne Portfolio des Konzerns in diesem Jahr auf 25 Milliarden Euro anwachsen.
Mit Hilfe intelligenter Stromnetze lassen sich künftig erneuerbare Energien klug in die Gesamtversorgung einspeisen und Strom dann abrufen, wenn er am günstigsten ist. Die deutschen Energieversorger laufen jedoch derzeit Gefahr, die Chancen des lukrativen Smart-Grid-Marktes zu verpassen. Denn während beispielsweise Wettbewerber in Italien oder Frankreich die neue Technik mit dem landesweiten Einsatz elektronischer Zähler vorantreiben, sucht man vergleichbare Ansätze für ein zukunftsweisendes Stromnetz in Deutschland vergebens. Bereits bei der Einführung intelligenter Zähler hinkt die Bundesrepublik im europäischen Vergleich hinterher. Dabei sind die sogenannten Smart Meter der erste Schritt zum intelligenten Netz. Seit Jahresbeginn ist deren Installation zwar Pflicht in Neubauten sowie bei grundlegenden Sanierungen, allerdings zögern die Versorger bisher mit Investitionen in das Smart Metering und beschränken sich lediglich auf die Erfüllung der gesetzlichen Mindestvorgaben.