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Skepsis im Stromnetz

Montag, den 30. August 2010

Nicht nur in den Planungen der Bundesregierung spielen intelligente Netze eine zentrale Rolle. “Smart Grid” lautet das Zauberwort für das Energiekonzept der nahen Zukunft. Ob allerdings der Verbraucher die baldige Intelligenz der Netze überhaupt zum eigenen Vorteil nutzen kann und will, ist eine ganz andere Frage.

Verbraucher sehen Smart Grid misstrauisch entgegen

Susanne SchmichEine aktuelle Studie des Beratungsdienstleisters Accenture zeigt: Zwar trauen sich vier von fünf Stromkunden in Deutschland die Optimierung des eigenen Energieverbrauchs grundsätzlich zu, aber nur ein Drittel ist sich der Vielfalt an neuen Stromprodukten und Tarifen bewusst, die der Ausbau des intelligenten Stromnetzes künftig ermöglichen soll. Speziell gegenüber den ersten zeitvariablen Tarifmodellen, die bereits im kommenden Jahr verfügbar sein werden, ist die Skepsis noch groß. Mit dem fortschreitenden Einbau intelligenter Stromzähler hat die erste Stufe des Smart Grid deutsche Haushalte bereits punktuell erreicht. Aber trotz der Transparenz über den eigenen Stromverbrauch, die die neue Technik mit sich bringt, herrscht beim Bürger bislang vor allem Unwissenheit und Unsicherheit. Nur jeder Dritte etwa weiß, dass sich mit zeitvariablen Stromtarifen in Zukunft Energie und Kosten einsparen lassen, beispielsweise durch den gezielten Betrieb energieintensiver Geräte während verbrauchsarmer und damit kostengünstiger Tageszeiten. Das Energiewirtschaftsgesetz verpflichtet die Stromversorger nämlich ab 2011 dazu, genau solche Tarife anzubieten. Wie das lastvariable Stromangebot ihres jeweiligen Versorgers konkret aussieht, ist den meisten Kunden allerdings völlig unbekannt. Und wie so oft führt auch hier Unwissenheit zu Ablehnung: Laut Studie bewerten neun von zehn Befragten die neuen Tarifmodelle negativ. Man fühlt sich in der freien Gestaltung des eigenen Energieverbrauchs und dadurch im generellen Lebenskomfort eingeschränkt und hat darüber hinaus datenschutzrechtliche Bedenken. Auch befürchten die Kunden durch die Installation der neuen Technik eher steigende als sinkende Stromrechnungen.

Das Hauptproblem liegt wohl noch immer in der Wahrnehmung des Produktes. Viele Verbraucher sehen Strom nicht als frei wählbare Ware, die sie individuell gestalten können, sondern als selbstverständliches Gebrauchsgut, dass schlicht aus der Steckdose fließt. Aber: Der Strommarkt ist bereits seit zwölf Jahren liberalisiert und vollzieht nun durch den Ausbau intelligenter Netze einen weiteren Wandel. Das Produkt Strom wird in naher Zukunft noch liberaler, noch individueller.

Foto © Pixelio, Susanne Schmich

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Datenschutz im Stromnetz

Montag, den 21. Juni 2010

Welche Daten von Verbrauchern müssen in intelligenten Stromnetzen erhoben werden und auf welche Daten kann gerade wegen der Intelligenz der Netze verzichtet werden? Wie können Sicherheit und Schutz der sensiblen Daten gewährleistet werden, wo werden sie gespeichert und wie lange? Kurzum: Welche Sicherheitsstandards für Smart Grids sind wünschenswert und praktikabel? Diese Fragen stellen sich derzeit nicht nur die Netzbetreiber, sondern auch deutsche Datenchützer.

Smart Grids stellen neue Herausforderungen

Rainer SturmSmart Grids sind zweifelsohne die Zukunft unserer Energieversorgung: Das “Internet der Energie” stimmt Stromerzeugung, -verteilung, -speicherung und -verbrauch auf intelligente Art und Weise aufeinander ab, um ein Höchstmaß an Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Umweltverträglichkeit zu gewährleisten. Möglich wird dies mit Hilfe von speziellen Informationstechnologien, über die Erzeugungsanlagen, Stromnetze und natürlich die Endverbraucher in direkte Kommunikation treten. Bei all diesen Prozessen werden permanent Daten erhoben, die – je nach Situation und Sichtweise – unbedenklich aber auch äußerst sensibel sein können. Überspitzt ausgedrückt, weiß das intelligente Netz, wann Stromkunde XY fernsieht, wie oft er seine Wäsche wäscht und wie knusprig er seinen Toast mag. Intelligente Stromnetze erlauben auf diese Weise einen direkten Einblick ins Private. Die neuen Herausforderungen, die die Einführung von Smart Grids mit sich bringt, sind also nicht rein technologischer, sondern auch gesellschaftspolitischer Natur.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar und seine Länderkollegen Dr. Alexander Dix aus Berlin und Dagmar Hartge aus Brandenburg sowie Experten von Verbraucherschutz- und IT-Verbänden diskutierten deshalb kürzlich mit Vertretern der Energiewirtschaft, wie sich gemeinsame Standards zum Datenschutz in Smart Grids entwickeln lassen. Die Punkte Datensicherheit und Datensparsamkeit standen dabei in Bezug auf die Entwicklung kommender Stromnetz-Infrastrukturen im Fokus. Darüber hinaus hat Bundeskanzlerin Angela Merkel das Förderprogramm “E-Energy – Smart Grids made in Germany” zum nationalen Leuchtturmprojekt erklärt. In sechs Modellregionen werden die Verfahrensweisen von Smart Grids getestet. Hierzu steuert das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit insgesamt 60 Millionen Euro bei, weitere 80 Millionen fließen seitens der Privatwirtschaft in das Projekt.

Foto © Pixelio, Rainer Sturm

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Intelligente Stromnetze

Freitag, den 12. Februar 2010

Die Europäische Kommision geht davon aus, dass bis 2030 Investitionen in Höhe von rund 400 Milliarden Euro für neue, intelligente Stromnetze gestemmt werden müssen. Doch gerade das finanzielle Zugpferd Deutschland lahmt bei dieser Entwicklung bislang.

Deutschland hinkt Europa hinterher

Ralph KarowMit Hilfe intelligenter Stromnetze lassen sich künftig erneuerbare Energien klug in die Gesamtversorgung einspeisen und Strom dann abrufen, wenn er am günstigsten ist. Die deutschen Energieversorger laufen jedoch derzeit Gefahr, die Chancen des lukrativen Smart-Grid-Marktes zu verpassen. Denn während beispielsweise Wettbewerber in Italien oder Frankreich die neue Technik mit dem landesweiten Einsatz elektronischer Zähler vorantreiben, sucht man vergleichbare Ansätze für ein zukunftsweisendes Stromnetz in Deutschland vergebens. Bereits bei der Einführung intelligenter Zähler hinkt die Bundesrepublik im europäischen Vergleich hinterher. Dabei sind die sogenannten Smart Meter der erste Schritt zum intelligenten Netz. Seit Jahresbeginn ist deren Installation zwar Pflicht in Neubauten sowie bei grundlegenden Sanierungen, allerdings zögern die Versorger bisher mit Investitionen in das Smart Metering und beschränken sich lediglich auf die Erfüllung der gesetzlichen Mindestvorgaben.

Doch der Handlungsdruck steigt: Dafür sorgt zum einen die Bundesregierung mit der Vorgabe notwendiger Klimaziele. Intelligente Zähler in einem intelligenten Netz bilden eine wesentliche technologische Grundlage auf dem Weg zu umweltfreundlicher Energiepolitik – strengere Auflagen des Gesetzgebers sind daher absehbar. Zum anderen zeigt sich immer deutlicher, dass die bisherige Infrastruktur den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen nicht mehr gewachsen ist. So speisen dezentrale Energieerzeuger durch Windkraft-, Biogas- oder Photovoltaikanlagen kontinuierlich mehr Energie in die Netze ein, was eine wesentlich komplexere Struktur erforderlich macht. Innerhalb der nächsten Jahrzehnte wird zudem eine deutlich wachsende Anzahl von Elektroautos neue Ansprüche an die Netzbetreiber stellen. Es besteht also dringender Handlungsbedarf.

Foto © Pixelio, Ralph Karow

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