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Atom-Auktion

16. Juli 2010 von Björn Katz

Demnächst bei ebay: AKW Brunsbüttel und Pannenmeiler Krümmel überbieten sich für ein Jahrzehnt zusätzliche Laufzeit um die Wette. 3, 2, 1, meins – und der Staat kassiert ein paar Milliarden. So oder so ähnlich stellen sich das jedenfalls Teile der Bundesregierung vor. Deren neuester Geistesblitz im Streit um den Atomausstieg lautet nämlich, ein bestimmtes Kontingent an verlängerten Laufzeiten unter den AKW-Betreibern zu versteigern.

AKW-Laufzeiten unter dem Hammer

Thorben Wengert“Das ist ein interessanter Vorschlag, der eine ernsthafte Prüfung verdient”, meint Bundesumweltminister Norbert Röttgen zur vor wenigen Tagen aufgekommenen Idee einer Atom-Auktion. Und viele seiner Kollegen aus CDU und FDP schließen sich an. Kein Wunder: Immerhin würden dem gebeutelten Staatshaushalt im Falle einer Versteigerung von verlängerten AKW-Laufzeiten nach ersten Schätzungen Einnahmen in zweistelliger Milliardenhöhe winken – solche Summen holt man sich hierzulande ansonsten nur bei Arbeitslosen und Studenten. Ergo hat die Auktionsidee keinerlei energiepolitischen Hintergrund, sie basiert auf rein finanziellem Kalkül. Gut möglich, dass die Kraftwerksbetreiber da sogar mitspielen würden – immerhin winken auch ihnen im Szenario verlängerter Laufzeiten Fantastilliardengewinne. Umweltverbände und Oppositionspolitiker schlagen natürlich längst Alarm. Die Idee sei unanständig, gehe zu Lasten der Sicherheit und werde darüber hinaus zu Kungeleien im Oligopol der vier großen Energiekonzerne führen. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles nennt die Versteigerung von AKW-Laufzeiten “russisches Roulette” und attestiert der Regierung in dieser Sache gleich noch einen “Sonnenstich”. Atomkraft sei “keine Ware, die man auf dem Basar verhökert”, kommentiert Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin den Vorschlag.

Man könnte jetzt eine lange Liste von Gründen abarbeiten, warum die Atom-Auktion eine Schnapsidee von lange nicht mehr dagewesener Qualität ist. Man könnte kritisieren, dass eine Versteigerung keinen Unterschied zwischen maroden Pannenmeilern und weitestgehend störungsfreien Reaktoren machen würde. Man könnte befürchten, dass die Idee nicht zu soviel Atomkraft wie nötig, sondern zu soviel Atomkraft wie möglich führen würde. Und man könnte sagen, dass Deutschland nach dem bisher gesetzten Abschaltdatum 2021 sowieso keine Atomkraft mehr braucht. Aber das sind alles keine Argumente, denn in dieser Diskussion zählt nur Geld.

Foto © Pixelio, Thorben Wengert

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