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Teil 3: Interview mit Dr. Georg Nüßlein

29. April 2008 von Gerd Kebschull

Die Atomkraftwerke sollen sukzessive abgeschaltet werden. Aber wie wird die “Stromlücke” geschlossen? Zu diesem Thema werden wir Politiker und Verantwortliche der Stromindustrie befragen. Stromauskunft.de sprach mit dem Energieexperten Dr. Georg Nüßlein (CDU/CSU) und Mitglied des Deutschen Bundestages.

…es müsste teuerer Strom – aus europäischen Kernkraft – und Kohlekraftwerken – bezogen werden.

Frage: Der Atomausstieg ist eine beschlossene Sache. Es stellt sich nun die Frage, wie kann die produzierte Energiedifferenz ausgeglichen werden?

Dr. Georg Nüßlein: Der Ausstieg aus der Kernenergie im herkömmlichen Sinne ist politisch nicht zu verantworten, solange Alternativen, wie etwa die Kernfusion oder die C02-Abscheidung, fehlen. Wir brauchen die Kernenergie als Brücke zu einem neuen Energiemix.

Frage: Gibt es eine Prognose, wie hoch etwa der Anteil an Erneuerbaren Energien (EN) in fünf Jahren (2013) sein wird?

Nüßlein: Die Koalition hat sich verständigt, die Erneuerbaren Energien auf bis zu 30% im Jahr 2020 auszubauen. Das EEG ist hierfür ein ebenso geeignetes, wie notwendiges Instrumentarium. Unter Klimaschutzgesichtspunkten müssten die Erneuerbaren eigentlich fossile Energiequellen ersetzen. Erreichen wir im Strombereich das Ziel bis 2020 von 25 bis 30 %, bleiben nämlich 70 % noch zu decken. Das Argument, hier sei mit Energieeffizienz etwas zu machen, ist falsch. Die relative Angabe muss sich auf den tatsächlichen Bedarf nach Effizienzgewinnen beziehen. So jedenfalls habe ich Prozentrechnung gelernt.

Ich halte es an sich schon für fraglich, ob Kernkraft in gut zehn Jahren durch den verstärkten Einsatz von Erneuerbaren, der Kraft-Wärme-Kopplung sowie dem Ausschöpfen von Energieeffizienzpotentialen komplett abgelöst werden kann. Ein zentrales Thema ist dabei die so genannte Grundlastfähigkeit der Kernenergie – an dieser Stelle muss speziell die Technologie im Bereich der Erneuerbaren noch entscheidend vorankommen. Vor diesem Hintergrund halte ich zum heutigen Zeitpunkt die Weichenstellung für den vorgesehenen Atomausstieg für absolut verfrüht. An dieser Stelle verweise ich etwa auch auf eine aktuelle Studie der Deutsche Energie Agentur (dena), wonach bei der im Jahr 2020 zu erwartenden Stromnachfrage die deutschen Kraftwerkskapazitäten nicht mehr ausreichen werden. Das hieße, dass Deutschland in absehbarer Zukunft entweder nicht mehr genug Energie zur Verfügung stünde oder es müsste teuerer Strom – aus europäischen Kernkraft – und Kohlekraftwerken – bezogen werden. Wer hier weiter die Verlängerung von Restlaufzeiten bei Kernkraftwerken oder den Bau von Kohlekraftwerken boykottiert, gefährdet eine sichere bezahlbare und umweltfreundliche Energieversorgung in Deutschland.”

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Foto (c) Georg Nüßlein

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Gerd Kebschull bloggt für StromAuskunft seit dem Jahr 2006. Du kannst Ihm auch auf Google+ folgen.

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