Abgespeckte Intelligenz

Prost Neujahr, hallo intelligente Stromzähler – so sollte es eigentlich sein. Denn seit dem 01.01.2010 ist in Neubauten sowie bei tiefgreifenden Sanierungen die Installation der sogenannten Smart Meter gesetzlich vorgeschrieben. Und nun das große Aber: Von der wirklichen Intelligenz und damit dem Sparpotenzial der elektronischen Zähler werden Stromkunden nur gegen Aufpreis profitieren. Otto Normalverbraucher erhält lediglich eine abgespeckte Variante.

Stromzähler werden dumm oder teuer

grey Abgespeckte IntelligenzDie Einführung der intelligenten Stromzähler zielt in erster Linie auf zwei Effekte ab. Während den Versorgungsunternehmen die nun machbare Fernablese Bequemlichkeit und Kostenersparnis bringt, soll Kunden anhand genauer Verbrauchsdaten eine ressourcen- und preisbewusste Stromnutzung ermöglicht werden. Motto: Wenn ich weiß, wann ich wieviel verbrauche, kann ich gezielt sparen. Eine Modernisierung also, von der beide Seiten profitieren, oder? Nicht ganz, denn leider schreibt der Gesetzgeber lediglich den bloßen Einbau der cleveren Zähler vor und lässt dabei die eigentlichen Nutzungszwecke außer Acht. Dem Stromkunden bringt das Smart Metering nämlich nur dann einen Vorteil, wenn er die vom Zähler erfassten Verbrauchsdaten auch einsehen kann. Konkret bedeutet dies die Vernetzung der Messgeräte inklusive einer speziellen Ablese- und Analyse-Software. Der Kunde kann auf diese Weise die gesammelten Daten bequem via Internet abrufen, Verbrauchsspitzen nach Zeit bzw. genutztem Gerät identifizieren und daraus lernen. All dies garantiert Vater Staat allerdings keineswegs frei Haus – und die Versorger schonmal gar nicht. Wer in Zukunft das volle Potenzial der intelligenten Stromzähler ausschöpfen will, muss mit einem deutlichen Aufpreis in der monatlichen Grundgebühr rechnen. Alle anderen können zwar zum simultanen Ablesen in den Keller gehen, aber das werden wohl nur die treppenhärtesten Sparfüchse machen.

Der Vorteil der neuen Technologie fällt also mal wieder einseitig zu Gunsten der Versorgungsunternehmen aus. Im Manager-Latein nennt man sowas eine Win-Win-Situation. Nutzt der Kunde das Smart Metering, zahlt er, nutzt er es nicht, zahlt er auch – nämlich den unnötig verbrauchten Strom. Also nochmal: Prost Neujahr, hallo teurer Strom.

Foto © Pixelio, Dieter Schütz

Über den Author

Björn Katz ist Nachrichten-Redakteur und Blog-Autor. Er schreibt seit 2008 für StromAuskunft.

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