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Archiv der Kategorie ‘Stromanbieter‘

Kommune statt Konzern?

Donnerstag, den 5. November 2009

Der Trend “lokal statt global” oder in unserem Sinne “kommunal statt national” ist auf vielen Märkten spürbar. Entscheidend sind eben nicht mehr nur das Was und Wieviel, sondern immer mehr auch das Woher. Und neben Bio-Tomaten von deutschen Äckern und – der Finanzkrise sei Dank – örtlich begrenzten Provinzbanken sehen sich auch die traditionellsten aller Kommunalunternehmen im Aufwind: die Stadtwerke.

Regionaler Strom

“Stadtwerke erleben eine Renaissance”, bilanzierte unlängst der Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen, Hans-Joachim Reck. Stimmt bedingt. Einerseits hat sich das Marktklima durch den Verkauf der E.ON-Tochter Thüga an zwei Stadtwerke-Konsortien sowie durch die Veräußerung der Vattenfall-Mehrheitsanteile an der WEMAG deutlich zu Gunsten der kommunalen Energiewirtschaft verschoben.Stephan Bratek Darüber hinaus mag es durchaus sein, dass viele Verbraucher ihre Stromversorgung lieber in die Hände eines lokalen Unternehmens legen als in die eines (multi-)nationalen Players. Andererseits sind gerade die hohen Grundversorgungstarife vieler Stadtwerke dafür verantwortlich, dass immer mehr Kunden zum Anbieterwechsel neigen. Und diese Wechsel finden in der Regel nicht auf kommunaler Ebene statt, sondern unter Berücksichtigung bundesweiter Stromangebote. Mal abgesehen davon: Was genau unterscheidet ein Stadtwerke-Konsortium eigentlich noch von einem Großkonzern?

Ein entscheidender Punkt wird von Seiten der kommunalen Energiewirtschaft allemal außer Acht gelassen. Denn mittlerweile kämpfen die Stadtwerke nicht mehr nur gegen die Windmühlen der Stromriesen. Die neue Konkurrenz ist viel differenzierter und unüberschaubarer: Kleinteilige Unternehmen mit regionalem Bezug, Ökostrom-Spezialisten, Discount-Anbieter und, und, und. Angesichts dessen können die Stadtwerke ihre Renaissance wohl nur dann erleben, wenn sie einerseits die regionalen Bindungen weiter festigen und andererseits endlich die Preisschraube lockern.

Foto © Pixelio, Stephan Bratek

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Wie öko ist Ihr Ökostrom?

Montag, den 2. November 2009

Soviel steht fest: Ökostrom ist der derzeitige Messias der Energieversorgung. Wann immer Politiker aller Lager die Reizworte Kohle- oder Atomkraft in den Mund nehmen – sie tun es niemals, ohne die rhetorische Brücke zu erneuerbaren Energien zu bauen. Und wann immer die Energiewirtschaft neue Konzepte, Produkte oder Tarife bewirbt – irgendwie öko sollte es schon sein. Grund genug, mal genauer hinzusehen.

Im Dickicht des Zertifikate-Dschungels

Zweifelsohne ist jede ressourcenschonende Art der Energieerzeugung immer ein Gewinn. Nichtsdestotrotz gibt es Unterschiede – und derer sollte man sich bewusst sein. Das Schlüsselwort lautet: Ökostrom-Zertifikate. Was letztlich als Ökostrom bezeichnet wird, hängt vom Anbieter und dessen Zertifikat ab.Kellermeister So wird von manchen Zertifikaten beispielsweise Strom aus Kraft-Wärme-Kopplung als Ökostrom anerkannt. Der fossile Energieträger Gas wird hier zwar besonders effizient genutzt, trotzdem stoßen die Kraftwerke klimaschädliches CO2 aus. Ähnliche Unterschiede gelten für den ökologischen Nutzen. Zentraler Aspekt dabei ist, ob sich durch die Herstellung und den Verkauf von Ökostrom die prozentualen Anteile am Strommix zu Gunsten regenerativer Energien verschieben. Deshalb verpflichten manche Zertifikate die Anbieter dazu, einen Teil ihrer Ökostrom-Erlöse in den Ausbau erneuerbarer Energien zu investieren – andere Zertifikate verzichten auf diese Klausel. Und natürlich gibt es auch die ganz schwarzen Schafe: Gewisse Geschäftsmodelle basieren lediglich auf dem Handel mit Herkunftsnachweisen. Dabei kauft ein Stromanbieter beispielsweise in Skandinavien billige Zertifikate für Ökostrom aus Wasserkraft, nicht jedoch den Strom selbst. In Deutschland wird dann der konventionelle Strom mit Hilfe der Zertifikate zu Ökostrom umdeklariert. Sowas nennt man dann “Greenwashing”.

Die aktuell geläufigsten Gütesiegel im Zertifikate-Dschungel sind das “Grüner Strom Label”, das “ok power Label” sowie verschiedene Zertifikate der großen TÜV-Gesellschaften. Hier werden zwar strenge Kriterien für die ökologische Herkunft eines Stromproduktes gesetzt, allerdings bewerten die Zertifikate nicht die allgemeine Geschäftspolitik der jeweiligen Anbieter. Für die Zukunft kann die Forderung nur lauten: Ein einheitliches Gütesiegel, das nicht nur die einwandfreie Herkunft des Ökostroms bezeugt, sondern auch dessen nachhaltigen Nutzen im Sinne einer klimafreundlichen Investitions- und Geschäftspolitik der Anbieter.

Linktipps:

- StromAuskunft: Was ist Ökostrom?

- StromAuskunft: Ökostrom-Broschüre

Foto © Pixelio, Kellermeister

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Hoffnungsträger Elektroauto

Donnerstag, den 22. Oktober 2009

Spätestens seitdem der Goldesel Abwrackprämie aufgehört hat Taler zu spucken, steht die deutsche Automobilbranche vor einem großen Fragezeichen. Spritfresser und PS-Monster sind außer Mode und zugleich scheint der Markt für sparsame Kleinwagen gesättigt zu sein. Ein Rettungsanker könnte, wenn auch eher auf lange Sicht, das Zukunftsprojekt Elektromobilität sein – zumal man mit der Stromwirtschaft einen finanzstarken Partner mit im Boot hat.

Energiekonzerne und Automobilhersteller starten Modellprojekte

Die Tatsache, dass gerade die beiden größten deutschen Energiekonzerne E.ON und RWE Hand in Hand mit der Automobilindustrie Modellprojekte in Sachen Elektromobilität anstrengen, zeigt die Wichtigkeit des Themas.BMW AG So testen RWE und Daimler bereits seit Mitte des Jahres in einem bis 2012 laufenden Pilotverfahren die Alltagstauglichkeit der E-Mobility. Dazu installiert RWE zunächst in Berlin und anschließend in fünf weiteren Großstädten entsprechende Ladestationen, die Elektro-Smarts aus dem Hause Daimler füttern sollen. Ein nahezu identisches Projekt verfolgen aktuell auch E.ON und BMW. Die Marke heißt MINI E und der Feldversuch ist in München gestartet. Auch hier stehen die Testthemen Alltagstauglichkeit der Fahrzeuge und Praktikabilität der Ladeinfrastruktur im Vordergrund.

Die alte und möglicherweise auch die neue Bundesregierung rechnen mit der Zahl von einer Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen bis zum Jahr 2020. Eine Planung, die anhand wirtschaftlicher Zwänge möglicherweise sogar noch überholt werden könnte. Sofern die technologischen Knackpunkte Antriebsleistung und Speicherkapazität zeitnah gelöst werden, stünde einer Serienproduktion innerhalb der nächsten Jahre nichts im Wege. Und das Entscheidende: Die Thematik Elektromobilität ist untrennbar mit erneuerbaren Energien verbunden. Denn die Entscheidungsträger aus der Energie- und Automobilwirtschaft haben wohl nur dann konjunkturelle Hilfen des Staates zu erwarten, wenn ihre Fahrzeuge zukunftsfähigen Strom verbrauchen.

Foto © BMW AG

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Strom und Mobilfunk

Freitag, den 16. Oktober 2009

Das Prinzip, artverwandte Produkte und Dienstleistungen Hand in Hand zu vermarkten, ist im Grunde nichts Neues. Die Klassiker kommen aus den Branchen Telekommunikation, Medien und Entertainment und sind mittlerweile so gängig, dass wir sie kaum noch bemerken: Telefonie und Internet, DSL und Kabelfernsehen, Print-Magazine und TV-Dokumentationen, Hollywood-Blockbuster mit den dazugehörigen Soundtracks und Videospielen. Und nun auch: Strom und Mobilfunk. Geht das?

Strom als Cross-Seller

Grundsätzlich gibt es zwei Wege, eine solche Produktbündelung am Markt zu etablieren: Entweder man ist ein branchenübergreifender Konzernriese oder man kooperiert mit spartenfremden Unternehmen. In unserem Beispiel ist eher Letzteres der Fall. So hat kürzlich der Hamburger Mobilfunkdiscounter blau die Strommarke blux.de ins Leben gerufen, über die nun ein bundesweiter Tarif der RWE-Tochter eprimo vertrieben wird. Passenderweise erhalten Neukunden Mobilfunkguthaben als Wechselprämie. Strom lädt sozusagen zweimal das Handy auf. Bereits Ende 2007 hatte eprimo eine strategische Kooperation mit dem Münsteraner Mobilfunkanbieter The Phonehouse gestartet. Seither werden die Tarife des Energiediscounters per Phonehouse-Callcenter deutschlandweit vermarktet. Eine umstrittene und mittlerweile auch rechtlich brisante Strategie. Im Übrigen hat auch TelDaFax, ein Unternehmen, das heute fast nur noch als Stromanbieter wahrgenommen wird, seine Wurzeln in der Telekom-Branche und ist damit wohl so etwas wie der Urvater des Gedanken.

Die Querverbindungen zwischen Strom und Mobilfunk oder im weiteren Sinne Telekommunikation sind klar: Beides sind technikbasierte, nicht fassbare Produkte, beide unterliegen einer Tarifstruktur und sogar das aus dem Mobilfunk bekannte Prepaid-System wird bereits seit Längerem von diversen Stromanbietern praktiziert. Natürlich liegt da das Motto “Alles aus einer Hand” nahe. Ob man als Stromkunde bei Vertragsabschluss allerdings gleich an zwei oder drei Unternehmen gebunden sein möchte, die verschiedenste, möglicherweise ungewollte Leistungen quervermarkten und man am Ende gar nicht mehr weiß, in wessen Tasche man eigentlich wirtschaftet, ist eine andere Frage.

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