Pfusch am Bau
Montag, den 23. November 2009Innerhalb weniger Monate muss sich der Energieriese E.ON gleich mit zwei problembehafteten Kraftwerksbauten auseinander setzen und steht möglicherweise vor milliardenschweren Investitionsruinen. Sowohl am Standort Datteln in NRW als auch im hessischen Großkrotzenburg droht E.ON aus relativ vorhersehbaren Gründen das Urteil Baustopp für die geplanten Kohlekraftwerke.
Kohlekraftwerke vor dem Aus
Das größte Monoblock-Steinkohlekraftwerk Europas im westfälischen Datteln ereilte Anfang September ein zukunftsweisendes Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Münster. Erstmals wurde die Baugenehmigung für ein Kohlekraftwerk eng an Fragen des Klimaschutzes geknüpft. Ergebnis: Die Richter befanden den Kraftwerksbau für unvereinbar mit dem klimapolitischen Entwicklungsplan des Landes NRW. Hinzu kommt eine Reihe gravierender Planungsfehler hinsichtlich Lage und Gefährdungspotenzial, von denen jeder einzelne bereits den nun erfolgten Baustopp erzwungen hätte.
Eine ähnliche Entwicklung, wenn auch aus ganz anderen Gründen, droht dem geplanten Ausbau des Kohlekraftwerks Staudinger im hessischen Großkrotzenburg. Casus Knaxus hier: Die Belastung des Mains mit Umweltgiften. Bereits jetzt werden die per EU-Richtlinie verordneten Grenzwerte für die Quecksilberbelastung in nahezu allen großen deutschen Flüssen, darunter auch der Main, um ein Vielfaches überschritten. Der geplante Block 6 des Kohlekraftwerks Staudinger würde diesbezüglich eine Zusatzbelastung darstellen – nach Auffassung des Bundesgeschäftsführers der Deutschen Umwelthilfe, Rainer Baake, ein “Licht-Aus-Kriterium”.
Ob überhaupt und in welcher Form E.ON die betreffenden Projekte weiterführen kann, steht zum jetzigen Zeitpunkt in den Sternen. Während im Fall Staudinger wohl noch zarter Optimismus keimt, sieht die Zukunft für Datteln steinkohlen-schwarz aus. Aber sicherlich lässt sich angesichts der Strompreiserhöhungen in 2010 so manche Investitionsruine kompensieren.
Foto © Pixelio, hennesd
Blauer Brief also. Deutlich besser schneiden da schon die Regierungsspitzen aus Brasilien, Südafrika, Indien und, oh Wunder, China ab. Ach ja: Oberstreber Barack Obama hat zwar den Friedensnobelpreis quasi für zukünftige Leistungen abgesahnt, ist in Sachen Klimaschutz aber noch weit hinter uns Angie zurück. Fairerweise muss man allerdings zugeben, dass hier unterschiedliche Grundvoraussetzungen gelten. Um bei der Metapher zu bleiben: Während wir in Deutschland gerade kurz vorm Abi kleben bleiben, sind die USA in Rekordzeit von der KiTA in den Förderunterricht versetzt worden. Aber da wollen sie wohl auch erstmal bleiben.
Nach deren Produktion erlischt die Betriebserlaubnis. Im Falle des Reaktors Neckarwestheim 1 wäre die maximale Strommenge unter normalen Bedingungen bereits Mitte Juli dieses Jahres erreicht worden und der Meiler hätte stillgelegt werden müssen. Stattdessen – darauf deuten der Umweltorganisation Greenpeace vorliegende Unterlagen hin – wurde die Stromproduktion in den Jahren 2007 und 2008 soweit gedrosselt, dass das Betriebsende deutlich über den Termin der Bundestagswahl hinaus verschoben werden konnte.