Stromverbrauch online
Montag, den 25. Januar 2010Wie das Wirtschaftsmagazin “Capital” in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, entwickelt der weltweit führende Anbieter von Unternehmenssoftware, SAP, Anwendungen, mit denen Haushalte sowie Kleinunternehmer ihren Stromverbrauch messen und kontrollieren können.
SAP entwickelt Software für Smart Meter
SAP wagt mit dieser Entwicklung einen Schritt auf bisher unbekanntes Terrain, um sich neue Wachstumschancen zu eröffnen. Bislang vertrieb der Walldorfer Konzern seine Software ausschließlich an Unternehmen, die damit den Einsatz ihrer Ressourcen etwa im Finanz- und Rechnungswesen managen. Im Zuge der weltweiten Digitalisierung der Stromnetze nutzt SAP nun die Gelegenheit, um neue Anwendergruppen zu erreichen. Das Thema Klimawandel spielt bei den unternehmerischen Planungen ebenfalls eine zentrale Rolle. Klaus Heimann, Manager bei SAP: “Wir wollen das Interesse dafür wecken, dass der Verbraucher mit Hilfe unserer Software ein wenig grüner werden kann.”
In Deutschland müssen seit Jahresbeginn in allen Neubauten sowie bei grundlegenden Sanierungsmaßnahmen intelligente Stromzähler installiert werden. Anhand der neuen Technik sollen Kunden künftig zeitnah über ihren Verbrauch informiert werden, um das Stromsparen zu erleichtern. SAPs Software, die online Verbrauchsdaten sowie Optimierungsvorschläge anbietet, schlägt genau in diese Kerbe und soll ab 2011 marktreif sein. Branchenschätzungen zufolge dürfte sich der weltweite Umsatz in diesem Segment bis 2030 mit rund 115 Milliarden US-Dollar mehr als verfünffachen. In dieses Geschäft drängen derzeit auch andere Software-Riesen wie Microsoft oder Google, die bereits erste Lösungen anbieten.
Foto © Pixelio, Bernd Boscolo
Möglich wird dies durch Erfolge bei der Kostensenkung, durch technologischen Fortschritt sowie durch einen gut in Fahrt gekommenen Photovoltaik-Markt. Aber auch die hohe Investitionsbereitschaft der Bürger trägt maßgeblich zum stetigen Ausbau der Solarenergie bei. “Solarstrom vom eigenen Dach ist bereits zum Ende dieser Legislaturperiode so günstig wie Strom aus der Steckdose”, prophezeit Carsten Körnig, Geschäftsführer des BSW. Das Konzept des BSW sieht im Übrigen vor, dass die staatliche Förderung bei anhaltend starkem Marktwachstum jährlich um bis zu fünf Prozentpunkte schneller abgesenkt wird, als bislang gesetzlich vorgesehen. Nach dem Erneuerbare Energien Gesetz sinkt die Solarförderung derzeit um rund neun Prozent im Jahr.
Die Energiepreise sind hoch und Braunkohle ist billig. Ein aus der Sicht von Erzeugungsunternehmen unschlagbares Argument für den Tagebau. Während importierte Brennstoffe aufgrund der hohen Nachfrage am Weltmarkt preislich immer weiter explodieren, ist Braunkohle in Deutschland massenhaft vorhanden und deshalb kostenmäßig nahezu konstant. Rund ein Viertel der heimischen Stromproduktion nährt sich noch immer aus dem bröckeligen Sedimentgestein und Deutschland ist unangefochtener Weltmeister im Braunkohle-Baggern. Angesichts des in der Schwebe hängenden Atomausstiegs und zu stark schwankenden Erträgen aus regenerativen Energien wedeln die Erzeuger schon lange das Fähnchen mit der Aufschrift “Versorgungslücke” und verweisen auf den Notausgang Kohlekraft. Aus dieser Logik heraus plant Vattenfall nun, die Dörfer Atterwasch, Grabko und Kerkwitz in eine Mondlandschaft zu verwandeln und deren Einwohner samt Kind, Kegel, Haus und Hof umzusiedeln. Ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor, aber der erweiterte Tagebau dürfte Vattenfalls Portokasse wohl um ein Vielfaches füllen. Aus Erfahrung haben die betroffenen Bürger mehr als nur Sorgenfalten, denn das ehemalige Nachbardorf Horno ereilte bereits 2004 trotz des Marschs durch sämtliche Gerichtsinstanzen das gleiche Schicksal. Heute ist Horno ein Krater.
Was da in den zurückliegenden zwei Wochen vor sich gegangen ist, hat in seiner Szenenhaftigkeit einen wirklich bizarren Charakter. Bereits die ausschweifenden Straßenkrawalle zu Beginn der Verhandlungen erinnerten eher an Bilder vom Rande eines G8-Gipfels als an ein gemeinschaftliches Treffen zur Rettung des Klimas. Zyniker könnten sagen: Eine globalpolitische Veranstaltung gerade in Kopenhagen mit seinem bekannt autonomen Stadtteil Christiania abzuhalten, ist ungefähr so als würde man zum Kuchenessen in ein Wespennest gehen. Und als wären die Ausschreitungen von den Straßen in die Sitzungssäle verlegt worden, verkam das ursprünglich geplante Miteinander zu einem knüppelharten Gegeneinander antiquierter Konflikte. Arm gegen Reich, Entwicklungs- gegen Industrieländer, Ost gegen West. Was gerade die beteiligten Nationen USA und China an Possen zum Besten gaben, bewegt sich irgendwo zwischen Dummheit und Frechheit. Statt Lösungen zu suchen, trat man lieber als ideologischer Sturrkopf oder gleich als beleidigte Leberwurst auf. Auch Barack “Friedensnobelpreis” Obama war da keine Ausnahme. Und dann die angesprochene Szenenhaftigkeit, mit der man ganze Fußballstadien zum Lachen bringen könnte: Saudi-Arabiens Chefunterhändler etwa forderte Kompensationszahlungen wegen etwaiger finanzieller Einbußen im Ölgeschäft durch den Klimaschutz. Das sind doch mal Prioritäten. Und als wollte man mit allen Mitteln den Kopenhagener Comedy-Preis gewinnen, ließ man von saudischer Seite gleich noch verlauten, der Klimawandel sei ohnehin nicht vom Menschen verursacht. Sehr spaßig auch folgendes Bild: Ein völlig übernächtigter Bundesumweltminister Norbert Röttgen steht umringt von den Lobbyisten der Energiekonzerne im Plenum und schüttelt leichenblass Hände, von denen er weiß, dass er sie gerade jetzt nicht schütteln sollte. “Der Arme”, hat man sich gedacht – und sowas ist nie gut für einen Politiker.
Die zurückliegenden Monate haben der heimischen Kohlekraft schwere Wunden zugefügt. Der Kampf gegen die Laufzeitverlängerung der Atomreaktoren scheint verloren – also starten Umweltverbände und Bürgerinitiativen nun einen neuen Frontalangriff. Denn nicht zuletzt durch gesellschaftlichen Druck wurden binnen kürzester Zeit diverse Neubauprojekte aufs Abstellgleis geschoben. Die geplanten Kohlekraftwerke in Mainz und Dörpen sind vom Tisch, das Projekt Staudinger im hessischen Großkrotzenburg steht wegen der Überschreitung von Quecksilber-Grenzwerten unter massivem Beschuss und im derzeit populärsten Fall Datteln erwägt die NRW-Landesregierung gar eine Gesetzesänderung, um den gerichtlich gestoppten Bau doch noch durchzuwinken. Hinzu gesellen sich geplatzte Pläne für Neubauten in Emden und Lubmin an der Ostsee. Harte Zeiten also für die Kohlekraft.
Als 2006 verlautet wurde, dass die Firmenzentrale der Deutschen Bank in Downtown Mainhattan nicht mehr den aktuellen Brandschutzbestimmungen entspricht, stand man vor der Wahl: Abrissbirne oder Millionensanierung. Letzteres wurde beschlossen und zwar in exemplarisch nachhaltigem Sinne. Nur ein paar Beispiele: Fahrstühle, die im laufenden Betrieb Energie erzeugen, mit aufgefangenem Regenwasser gespülte Toiletten, als Wärmespeicher genutzte Betonmassen und vieles mehr. Als “Green Towers” soll der Doppelturm in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres neugeboren werden und rund 3.000 Deutschbänkern ein klimafreundliches Dach über dem Kopf bieten. So mancher Anleger murrt zwar angesichts der Höhe der Investitionen, aber zumindest lässt sich sagen: Endlich mal gut angelegtes Kapital. Übrigens wurde bereits Anfang November die ebenfalls in Frankfurt thronende Commerzbank-Zentrale mit dem “Green-Building-Award” ausgezeichnet. So sieht heutzutage also Bänker-Wettstreit aus. Abseits der Finanzwirtschaft hat auch der deutsche Handel das Potenzial zeitgemäßer Klimatechnologien erkannt. So eröffneten sowohl die REWE-Group als auch die Discounter-Kette Netto unlängst grüne Filialen, die als Pilotprojekte eine neue Generation von Umwelt-Märkten einleiten sollen.
Anfang September hatte das OVG Münster den Bau des Kohlekraftwerks Datteln gestoppt. Grund: Das milliardenschwere Projekt des Energieriesen E.ON steht im Widerspruch zur Klimapolitik Nordrhein-Westfalens. Um den Kraftwerksbau allen Unkenrufen zum Trotz doch noch zu ermöglichen, wollen die Regierungsfraktionen CDU und FDP nun kurzerhand sämtliche klimapolitischen Ziele NRWs aus dem “Gesetz zur Landesentwicklung” tilgen. Spitzenidee! Ich empfehle zusätzlich, Stoppschilder aus dem Verkehrsrecht zu streichen, weil selbige das Porsche-Fahren entspaßen, sowie einige Schlüsselszenen der Bibel umzutexten, damit die Leute gefälligst auch an Ostern zur Arbeit erscheinen. Um das nochmal klar auszudrücken: Hier werden nicht nur landespolitische Langzeitinteressen, sondern auch globale Klimanotwendigkeiten zu Gunsten eines einzelnen Unternehmens durch den Wolf gedreht. Der Leiter Politik und Presse der Deutschen Umwelthilfe, Gerd Rosenkranz, nennt das eine “Renaissance der Kumpanei” zwischen Wirtschaft und Politik – und das ist noch milde ausgedrückt.
Studien zum Verbraucherverhalten auf dem Energiemarkt zeigen vor allem eins: Die Wechselbereitschaft der Stromkunden nimmt unaufhörlich zu. So kommt etwa die aktuelle Erhebung “Stromkunden Wechselbarometer” des Marktforschungsinstituts YouGov Psychonomics AG zu dem Ergebnis, dass mittlerweile jeder zweite Bundesbürger mit dem Gedanken spielt, seinem bisherigen Versorger den Rücken zu kehren. Laut Studienleiterin Anna Schneider gewinnt das Phänomen Anbieterwechsel innerhalb kürzester Zeiträume immer mehr an Selbstverständlichkeit. Aber: Bei Ökostromkunden ticken die Uhren anders. Hier, so Schneider, habe die Treue zur Marke im Gegensatz zur allgemeinen Entwicklung sogar noch zugenommen. Untermauert wird dieser Trend durch die Meldung des Ökostromanbieters NaturWatt, man habe den Absatz in 2009 um satte 55 Prozent steigern können. Bereits im März dieses Jahres verzeichnete der Branchenprimus LichtBlick seinen 500.000sten Vertragsabschluss.
Das größte Monoblock-Steinkohlekraftwerk Europas im westfälischen Datteln ereilte Anfang September ein zukunftsweisendes Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Münster. Erstmals wurde die Baugenehmigung für ein Kohlekraftwerk eng an Fragen des Klimaschutzes geknüpft. Ergebnis: Die Richter befanden den Kraftwerksbau für unvereinbar mit dem klimapolitischen Entwicklungsplan des Landes NRW. Hinzu kommt eine Reihe gravierender Planungsfehler hinsichtlich Lage und Gefährdungspotenzial, von denen jeder einzelne bereits den nun erfolgten Baustopp erzwungen hätte.