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Archiv der Kategorie ‘Klimaschutz‘

Stromverbrauch online

Montag, den 25. Januar 2010

Wie das Wirtschaftsmagazin “Capital” in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, entwickelt der weltweit führende Anbieter von Unternehmenssoftware, SAP, Anwendungen, mit denen Haushalte sowie Kleinunternehmer ihren Stromverbrauch messen und kontrollieren können.

SAP entwickelt Software für Smart Meter

Bernd BoscoloSAP wagt mit dieser Entwicklung einen Schritt auf bisher unbekanntes Terrain, um sich neue Wachstumschancen zu eröffnen. Bislang vertrieb der Walldorfer Konzern seine Software ausschließlich an Unternehmen, die damit den Einsatz ihrer Ressourcen etwa im Finanz- und Rechnungswesen managen. Im Zuge der weltweiten Digitalisierung der Stromnetze nutzt SAP nun die Gelegenheit, um neue Anwendergruppen zu erreichen. Das Thema Klimawandel spielt bei den unternehmerischen Planungen ebenfalls eine zentrale Rolle. Klaus Heimann, Manager bei SAP: “Wir wollen das Interesse dafür wecken, dass der Verbraucher mit Hilfe unserer Software ein wenig grüner werden kann.”

In Deutschland müssen seit Jahresbeginn in allen Neubauten sowie bei grundlegenden Sanierungsmaßnahmen intelligente Stromzähler installiert werden. Anhand der neuen Technik sollen Kunden künftig zeitnah über ihren Verbrauch informiert werden, um das Stromsparen zu erleichtern. SAPs Software, die online Verbrauchsdaten sowie Optimierungsvorschläge anbietet, schlägt genau in diese Kerbe und soll ab 2011 marktreif sein. Branchenschätzungen zufolge dürfte sich der weltweite Umsatz in diesem Segment bis 2030 mit rund 115 Milliarden US-Dollar mehr als verfünffachen. In dieses Geschäft drängen derzeit auch andere Software-Riesen wie Microsoft oder Google, die bereits erste Lösungen anbieten.

Foto © Pixelio, Bernd Boscolo

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Solarstrom zum Steckdosenpreis

Mittwoch, den 13. Januar 2010

Nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft lässt sich Solarenergie bereits in vier Jahren auf deutschen Dächern zu Kosten erzeugen, die dem Niveau herkömmlicher Stromtarife entsprechen. Von sauber produziertem Sonnenstrom auf wirtschaftlicher Augenhöhe sind wir also nur noch einen winzigen Schritt entfernt.

Bürger fördern Photovoltaik

Rainer SturmMöglich wird dies durch Erfolge bei der Kostensenkung, durch technologischen Fortschritt sowie durch einen gut in Fahrt gekommenen Photovoltaik-Markt. Aber auch die hohe Investitionsbereitschaft der Bürger trägt maßgeblich zum stetigen Ausbau der Solarenergie bei. “Solarstrom vom eigenen Dach ist bereits zum Ende dieser Legislaturperiode so günstig wie Strom aus der Steckdose”, prophezeit Carsten Körnig, Geschäftsführer des BSW. Das Konzept des BSW sieht im Übrigen vor, dass die staatliche Förderung bei anhaltend starkem Marktwachstum jährlich um bis zu fünf Prozentpunkte schneller abgesenkt wird, als bislang gesetzlich vorgesehen. Nach dem Erneuerbare Energien Gesetz sinkt die Solarförderung derzeit um rund neun Prozent im Jahr.

Eine überwiegende Mehrheit der Bundesbürger scheint dieser Idee äußerst geneigt. Einer aktuellen Forsa-Umfrage zufolge sind 71 Prozent der Befragten bereit, über ihre Stromrechnung einen signifikanten Beitrag für den Ausbau der Solarenergie zu leisten.  Kaum zu glauben, dass derart viele Verbraucher trotz der kürzlichen Strompreiserhöhungen eine weitere Mehrbelastung nicht nur schlucken, sondern gar befürworten würden – und ein weiteres Plädoyer für ein nachhaltiges Umdenken in der Stromerzeugung.

Foto © Pixelio, Rainer Sturm

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Vattenfall holt die Schaufel raus

Donnerstag, den 7. Januar 2010

Atterwasch, Grabko und Kerkwitz – das sind die idyllischen Namen dreier Lausitzer Dörfer, die in Kürze möglicherweise von der Landkarte verschwunden sein werden. Grund: Der Energiekonzern Vattenfall plant einen massiven Ausbau des Braunkohletagebaus Jänschwalde, dem die rund 900 betroffenen Einwohner per Zwangsumsiedlung weichen sollen.

Braunkohle bedroht Bürger

Jochen SievertDie Energiepreise sind hoch und Braunkohle ist billig. Ein aus der Sicht von Erzeugungsunternehmen unschlagbares Argument für den Tagebau. Während importierte Brennstoffe aufgrund der hohen Nachfrage am Weltmarkt preislich immer weiter explodieren, ist Braunkohle in Deutschland massenhaft vorhanden und deshalb kostenmäßig nahezu konstant. Rund ein Viertel der heimischen Stromproduktion nährt sich noch immer aus dem bröckeligen Sedimentgestein und Deutschland ist unangefochtener Weltmeister im Braunkohle-Baggern. Angesichts des in der Schwebe hängenden Atomausstiegs und zu stark schwankenden Erträgen aus regenerativen Energien wedeln die Erzeuger schon lange das Fähnchen mit der Aufschrift “Versorgungslücke” und verweisen auf den Notausgang Kohlekraft. Aus dieser Logik heraus plant Vattenfall nun, die Dörfer Atterwasch, Grabko und Kerkwitz in eine Mondlandschaft zu verwandeln und deren Einwohner samt Kind, Kegel, Haus und Hof umzusiedeln. Ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor, aber der erweiterte Tagebau dürfte Vattenfalls Portokasse wohl um ein Vielfaches füllen. Aus Erfahrung haben die betroffenen Bürger mehr als nur Sorgenfalten, denn das ehemalige Nachbardorf Horno ereilte bereits 2004 trotz des Marschs durch sämtliche Gerichtsinstanzen das gleiche Schicksal. Heute ist Horno ein Krater.

Während Vattenfall mit Versorgungszwängen und der Wirtschaftlichkeit der Region argumentiert, setzen die Bürgerproteste Heimatvertreibung und Klimaschutz dagegen. Wer hier sozialmoralisch auf der sauberen Seite ist, steht außer Frage – aber danach wird nicht entschieden. Trotzdem: Die Braunkohle weist von allen gängigen Energieträgern die schlechteste CO2-Bilanz auf und das Kraftwerk Jänschwalde zählt zu den drei dreckigsten Deutschlands. Welche Zukunft wird also eher enden? Die der drei Dörfer oder die der Braunkohle?

Foto © Pixelio, Jochen Sievert

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Klimapolitik Kopenhagen – Versuch einer Zusammenfassung

Dienstag, den 22. Dezember 2009

Nach einer Wahl ist vor einer Wahl – und nach einer Konferenz wird eine weitere folgen müssen, vor allem dann, wenn die Ergebnisse so dünn ausgefallen sind. Alle Politiker haben es verstanden: Es muss etwas passieren! Aber warum sollen gerade wir anfangen, viel Geld in die Hand zu nehmen? Die Frage der Politiker ist immer: Wird es uns der Wähler danken?

Deutschland und die EU stehen in der Pflicht

„Es nützt überhaupt nichts, das Debakel von Kopenhagen schön zu reden“, so die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, „Kopenhagen ist ein unrühmliches Kapitel der internationalen Klimapolitik. Was mit dem inakzeptablen Ausschluss zahlreicher NGOs von der Konferenz, seinen verhängnisvollen Anfang nahm, fand nach 12 Tagen, nur in einem unzureichenden Minimalkonsens, ein vorläufiges Ende. Die bittere Bilanz: Trotz aller eindringlichen Warnungen der Klimawissenschaft, steht die Weltgemeinschaft klimapolitisch mit leeren Händen da.“

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Angela Merkel, unsere Klimakanzlerin, hatte es natürlich schwer auf dem Klimagipfel. Trotzdem hat sie versucht, das Ergebnis zu rechtfertigen. “Kopenhagen ist ein erster Schritt hin zu einer neuen Weltklimaordnung, nicht mehr, aber auch nicht weniger”, sagte sie zum Abschluss des UN-Gipfels am Sonntag in Berlin – und berichtet darüber auf ihrer Homepage. Aber reicht das? Viele Wissenschaftler behaupten, es ist zehn vor zwölf und wir tun so, als ginge es darum, rechtzeitig die Weihnachtsplätzchen fertig zu haben. Die Rettung soll jetzt eine UN-Klimaagentur bringen. UN? Ist das wieder so ein Papiertiger?

Und die SPD? Die hat es einfach, sie ist in der Opposition. Jahrzehnte waren sie verantwortlich, aber leider auch nicht in der Lage, den Klimaschutz konstruktiv nach vorne zu bringen. Sie kann sich entspannt zurück- und den Finger in die Wunde legen. Die SPD spricht von einer “unrühmlichen” Rolle Deutschlands auf dem Klimaschutzgipfel in Kopenhagen. “Wir werden von Praktikanten regiert, die nur ein Thema kennen: ihre Klientel mit Steuergeschenken zu bedienen”, wettert Sigmar Gabriel auf der Homepage der SPD.

Bei der FDP bemüht sich Westerwelle um eine Zusammenfassung. Westerwelle hätte sich “mehr gewünscht”, schreibt er auf der Homepage der FDP. „Der Weg zum Klimaschutz müsse noch sehr viel klarer beschrieben werden“, so Westerwelle, „wir sind noch lange nicht am Ziel.“. Was heißt das jetzt? Was müssen wir tun? Wie viel Geld müssen wir in die Hand nehmen, um diesen Zustand zu ändern.

Fazit: Nach einem Stammtischabend, hätten wir auch keine anderen, besseren Vorschläge gemacht. Aber Stammtisch ist Hobby. Wir haben es aber hier mit Berufspolitiker zu tun, die eigentlich konstruktiverer Vorschläge im Portfolio haben sollten.

Linktipps:

Foto © Pixelio | GesaD

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Der Kopenhagen-Klamauk

Montag, den 21. Dezember 2009

“Desaster” war das in den letzten Tagen wohl am häufigsten genutzte Wort zur Umschreibung der Ergebnisse des zu Ende gegangenen Weltklimagipfels in Kopenhagen. Wer auch immer zu Kommentaren vor eine Kamera oder ein Mikrofon genötigt wurde – Kopfschütteln und leere Blicke waren noch die positivsten Reaktionen von Beteiligten und Beobachtern.

Klimagipfel wird zur Nullrunde

Andreas KöckeritzWas da in den zurückliegenden zwei Wochen vor sich gegangen ist, hat in seiner Szenenhaftigkeit einen wirklich bizarren Charakter. Bereits die ausschweifenden Straßenkrawalle zu Beginn der Verhandlungen erinnerten eher an Bilder vom Rande eines G8-Gipfels als an ein gemeinschaftliches Treffen zur Rettung des Klimas. Zyniker könnten sagen: Eine globalpolitische Veranstaltung gerade in Kopenhagen mit seinem bekannt autonomen Stadtteil Christiania abzuhalten, ist ungefähr so als würde man zum Kuchenessen in ein Wespennest gehen. Und als wären die Ausschreitungen von den Straßen in die Sitzungssäle verlegt worden, verkam das ursprünglich geplante Miteinander zu einem knüppelharten Gegeneinander antiquierter Konflikte. Arm gegen Reich, Entwicklungs- gegen Industrieländer, Ost gegen West. Was gerade die beteiligten Nationen USA und China an Possen zum Besten gaben, bewegt sich irgendwo zwischen Dummheit und Frechheit. Statt Lösungen zu suchen, trat man lieber als ideologischer Sturrkopf oder gleich als beleidigte Leberwurst auf. Auch Barack “Friedensnobelpreis” Obama war da keine Ausnahme. Und dann die angesprochene Szenenhaftigkeit, mit der man ganze Fußballstadien zum Lachen bringen könnte: Saudi-Arabiens Chefunterhändler etwa forderte Kompensationszahlungen wegen etwaiger finanzieller Einbußen im Ölgeschäft durch den Klimaschutz. Das sind doch mal Prioritäten. Und als wollte man mit allen Mitteln den Kopenhagener Comedy-Preis gewinnen, ließ man von saudischer Seite gleich noch verlauten, der Klimawandel sei ohnehin nicht vom Menschen verursacht. Sehr spaßig auch folgendes Bild: Ein völlig übernächtigter Bundesumweltminister Norbert Röttgen steht umringt von den Lobbyisten der Energiekonzerne im Plenum und schüttelt leichenblass Hände, von denen er weiß, dass er sie gerade jetzt nicht schütteln sollte. “Der Arme”, hat man sich gedacht – und sowas ist nie gut für einen Politiker.

Was also ist letztenendes übrig geblieben? Ein auf den letzten Drücker zusammengeflickter 12-Punkte-Plan, dessen ominöses 2-Grad-Ziel noch die konkreteste Aussage ist. Mottogerecht wurde selbiger dann auch lediglich “zur Kenntnis genommen” und verpflichtet niemanden zu nichts. Fazit: Wir lassen uns vom Klima nicht den Spaß verderben.

Foto © Pixelio, Andreas Köckeritz

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Reizthema Kohlekraft

Dienstag, den 15. Dezember 2009

Der Rauch des Kernenergie-Streits hängt noch schwer in der Luft, da tut sich mit dem Thema Kohlekraft bereits ein neuer Nebenkriegsschauplatz in der deutschen Klimapolitik auf. Zwischen Lobbyisten und Bürgerinitiativen, auf Eis liegenden Kraftwerksprojekten und dem Weltklimagipfel, fragt sich nicht zuletzt der neue Bundesumweltminister, wohin die Reise denn nun geht.

Röttgens Spagat zwischen Kohle und Kopenhagen

BuntschattenDie zurückliegenden Monate haben der heimischen Kohlekraft schwere Wunden zugefügt. Der Kampf gegen die Laufzeitverlängerung der Atomreaktoren scheint verloren – also starten Umweltverbände und Bürgerinitiativen nun einen neuen Frontalangriff. Denn nicht zuletzt durch gesellschaftlichen Druck wurden binnen kürzester Zeit diverse Neubauprojekte aufs Abstellgleis geschoben. Die geplanten Kohlekraftwerke in Mainz und Dörpen sind vom Tisch, das Projekt Staudinger im hessischen Großkrotzenburg steht wegen der Überschreitung von Quecksilber-Grenzwerten unter massivem Beschuss und im derzeit populärsten Fall Datteln erwägt die NRW-Landesregierung gar eine Gesetzesänderung, um den gerichtlich gestoppten Bau doch noch durchzuwinken. Hinzu gesellen sich geplatzte Pläne für Neubauten in Emden und Lubmin an der Ostsee. Harte Zeiten also für die Kohlekraft.

An Brisanz gewinnt diese Entwicklung auch vor dem Hintergrund der kürzlich getroffenen Aussagen des taufrischen CDU-Bundesumweltministers, der den Neubau von Kohlekraftwerken ausdrücklich befürwortet. Die Kohlekraft, so Röttgen, könne als “Brücke” zu regenerativen Energien dienen und deren Schwächen ausgleichen. Aha, “Brückentechnologie”, das hatten wir doch schonmal – Helmut Kohl lässt grüßen. Es ist allerdings selbiger Norbert Röttgen, der aktuell auf dem Weltklimagipfel in Kopenhagen Nationen wie China und die USA zu mehr Klimaverantwortung rügt. Die Treibhausgase müssen runter, drängelt Röttgen und orakelt, der Klimawandel werde “keine Pause machen, wenn wir Politiker uns vertagen.” Wie wärs denn dann mit einer Pause beim Kraftwerksbau?

Foto © Pixelio, Buntschatten

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Grüne deutsche Wirtschaft

Montag, den 7. Dezember 2009

In Zeiten, da sich die Staatschefs dieser Welt für einen dringend nötigen Klimakonsens nicht gerade mit Ruhm bekleckern, machen ausgerechnet deutsche Wirtschaftseliten Schlagzeilen in Sachen Nachhaltigkeit. Sogenannte Green Buildings schießen wie Pilze aus dem Boden – zum Beispiel bei der Deutschen Bank.

Unternehmen als Klimaschützer

terramaraAls 2006 verlautet wurde, dass die Firmenzentrale der Deutschen Bank in Downtown Mainhattan nicht mehr den aktuellen Brandschutzbestimmungen entspricht, stand man vor der Wahl: Abrissbirne oder Millionensanierung. Letzteres wurde beschlossen und zwar in exemplarisch nachhaltigem Sinne. Nur ein paar Beispiele: Fahrstühle, die im laufenden Betrieb Energie erzeugen, mit aufgefangenem Regenwasser gespülte Toiletten, als Wärmespeicher genutzte Betonmassen und vieles mehr. Als “Green Towers” soll der Doppelturm in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres neugeboren werden und rund 3.000 Deutschbänkern ein klimafreundliches Dach über dem Kopf bieten. So mancher Anleger murrt zwar angesichts der Höhe der Investitionen, aber zumindest lässt sich sagen: Endlich mal gut angelegtes Kapital. Übrigens wurde bereits Anfang November die ebenfalls in Frankfurt thronende Commerzbank-Zentrale mit dem “Green-Building-Award” ausgezeichnet. So sieht heutzutage also Bänker-Wettstreit aus. Abseits der Finanzwirtschaft hat auch der deutsche Handel das Potenzial zeitgemäßer Klimatechnologien erkannt. So eröffneten sowohl die REWE-Group als auch die Discounter-Kette Netto unlängst grüne Filialen, die als Pilotprojekte eine neue Generation von Umwelt-Märkten einleiten sollen.

Bedeutet diese Entwicklung nun im Umkehrschluss, dass sich unsere heimischen Bosse in Blaue Engel verwandelt haben? Nun ja, eingeschränkt. Finanzkrise, Konzernpleiten und Massenentlassungen haben während der letzten Jahre derart tiefe Furchen in den Imagelack gekratzt, dass das öffentlichkeitswirksame Thema Klimaschutz einen dankbaren Rettungsanker bietet. Aber noch viel wichtiger: Deutsche Unternehmen haben endlich auch das ökonomische Potential ökologischen Handelns erkannt und gewinnen zumindest diesbezüglich an Vorbildcharakter.

Foto © Pixelio, terramara

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Runde 2 im Datteln-Drama

Montag, den 30. November 2009

Langsam wirds komödienhaft. Weil die bösen Buben vom Oberverwaltungsgericht Münster dem E.ON-Kohlekraftwerk Datteln unlängst das Urteil Baustopp zugemutet hatten, schreiten nun die Lichtgestalten der nordrhein-westfälischen Regierungskoalition aus CDU und FDP höchstpersönlich ein. Rettung muss her – und da lässt sich auch schonmal geltendes Recht hinbiegen.

NRW-Regierung will rechtswidriges Kohlekraftwerk durchwinken

GesaDAnfang September hatte das OVG Münster den Bau des Kohlekraftwerks Datteln gestoppt. Grund: Das milliardenschwere Projekt des Energieriesen E.ON steht im Widerspruch zur Klimapolitik Nordrhein-Westfalens. Um den Kraftwerksbau allen Unkenrufen zum Trotz doch noch zu ermöglichen, wollen die Regierungsfraktionen CDU und FDP nun kurzerhand sämtliche klimapolitischen Ziele NRWs aus dem “Gesetz zur Landesentwicklung” tilgen. Spitzenidee! Ich empfehle zusätzlich, Stoppschilder aus dem Verkehrsrecht zu streichen, weil selbige das Porsche-Fahren entspaßen, sowie einige Schlüsselszenen der Bibel umzutexten, damit die Leute gefälligst auch an Ostern zur Arbeit erscheinen. Um das nochmal klar auszudrücken: Hier werden nicht nur landespolitische Langzeitinteressen, sondern auch globale Klimanotwendigkeiten zu Gunsten eines einzelnen Unternehmens durch den Wolf gedreht. Der Leiter Politik und Presse der Deutschen Umwelthilfe, Gerd Rosenkranz, nennt das eine “Renaissance der Kumpanei” zwischen Wirtschaft und Politik – und das ist noch milde ausgedrückt.

Datteln hätte Präzedenzfall und somit Anwalt für das Klima werden können. Stattdessen beantwortet NRWs Landesregierung einmal mehr die Frage, warum Deutschland so politikverdrossen ist. Entschuldigung, parteienverdrossen. Aber 2010 sind ja wieder Landtagswahlen.

Foto © Pixelio, GesaD

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Ökostrom macht treu

Donnerstag, den 26. November 2009

Es gab mal Zeiten, da dachte man, die intensive Liebe des Kunden zum Produkt nur mit äußerst konservativen Attributen erzielen zu können. Tradition, Sicherheit und Bodenständigkeit sollten die Identität der Ware prägen und damit eine hohe Bindung schaffen. Aber in einer Gegenwart, in der selbst so urdeutsche Marken wie Opel, Quelle und die SPD Schiffbruch erleiden, findet Kundentreue anderswo statt. Zum Beispiel beim Ökostrom.

Kundenbindung durch Klimabewusstsein

Klaus-Uwe GerhardtStudien zum Verbraucherverhalten auf dem Energiemarkt zeigen vor allem eins: Die Wechselbereitschaft der Stromkunden nimmt unaufhörlich zu. So kommt etwa die aktuelle Erhebung “Stromkunden Wechselbarometer” des Marktforschungsinstituts YouGov Psychonomics AG zu dem Ergebnis, dass mittlerweile jeder zweite Bundesbürger mit dem Gedanken spielt, seinem bisherigen Versorger den Rücken zu kehren. Laut Studienleiterin Anna Schneider gewinnt das Phänomen Anbieterwechsel innerhalb kürzester Zeiträume immer mehr an Selbstverständlichkeit. Aber: Bei Ökostromkunden ticken die Uhren anders. Hier, so Schneider, habe die Treue zur Marke im Gegensatz zur allgemeinen Entwicklung sogar noch zugenommen. Untermauert wird dieser Trend durch die Meldung des Ökostromanbieters NaturWatt, man habe den Absatz in 2009 um satte 55 Prozent steigern können. Bereits im März dieses Jahres verzeichnete der Branchenprimus LichtBlick seinen 500.000sten Vertragsabschluss.

Wo Stadtwerke, lokale Traditionsversorger und nationale Energieriesen den zunehmenden Treuebruch ihrer Kunden erleiden müssen, da laufen selbige dem noch relativ jungen Geschäftsmodell Ökostrom zu. Sofern man also davon ausgeht, dass Verbraucher nur identitätsstiftenden Kaufentscheidungen treu bleiben, scheinen ökologische Stromprodukte schon jetzt zur Tradition zu werden.

Linktipps:

- StromAuskunft: Ökostrom-Tarifrechner

- StromAuskunft: Ökostrom-Broschüre

Foto © Pixelio, Klaus-Uwe Gerhardt

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Pfusch am Bau

Montag, den 23. November 2009

Innerhalb weniger Monate muss sich der Energieriese E.ON gleich mit zwei problembehafteten Kraftwerksbauten auseinander setzen und steht möglicherweise vor milliardenschweren Investitionsruinen. Sowohl am Standort Datteln in NRW als auch im hessischen Großkrotzenburg droht E.ON aus relativ vorhersehbaren Gründen das Urteil Baustopp für die geplanten Kohlekraftwerke.

Kohlekraftwerke vor dem Aus

hennesdDas größte Monoblock-Steinkohlekraftwerk Europas im westfälischen Datteln ereilte Anfang September ein zukunftsweisendes Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Münster. Erstmals wurde die Baugenehmigung für ein Kohlekraftwerk eng an Fragen des Klimaschutzes geknüpft. Ergebnis: Die Richter befanden den Kraftwerksbau für unvereinbar mit dem klimapolitischen Entwicklungsplan des Landes NRW. Hinzu kommt eine Reihe gravierender Planungsfehler hinsichtlich Lage und Gefährdungspotenzial, von denen jeder einzelne bereits den nun erfolgten Baustopp erzwungen hätte.

Eine ähnliche Entwicklung, wenn auch aus ganz anderen Gründen, droht dem geplanten Ausbau des Kohlekraftwerks Staudinger im hessischen Großkrotzenburg. Casus Knaxus hier: Die Belastung des Mains mit Umweltgiften. Bereits jetzt werden die per EU-Richtlinie verordneten Grenzwerte für die Quecksilberbelastung in nahezu allen großen deutschen Flüssen, darunter auch der Main, um ein Vielfaches überschritten. Der geplante Block 6 des Kohlekraftwerks Staudinger würde diesbezüglich eine Zusatzbelastung darstellen – nach Auffassung  des Bundesgeschäftsführers der Deutschen Umwelthilfe, Rainer Baake, ein “Licht-Aus-Kriterium”.

Ob überhaupt und in welcher Form E.ON die betreffenden Projekte weiterführen kann, steht zum jetzigen Zeitpunkt in den Sternen. Während im Fall Staudinger wohl noch zarter Optimismus keimt, sieht die Zukunft für Datteln steinkohlen-schwarz aus. Aber sicherlich lässt sich angesichts der Strompreiserhöhungen in 2010 so manche Investitionsruine kompensieren.

Foto © Pixelio, hennesd

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