Die Chancen stehen gut, dass das Jahr 2011 irgendwann einmal als entscheidender Impuls für die deutsche, vielleicht sogar die globale Energiewende in den Geschichtsbüchern vermerkt sein wird. In den vergangenen zwölf Monaten ist in Sachen Energie auf politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene so viel wie selten zuvor passiert. Grund genug für einen Rückblick auf die wichtigsten Eckdaten.
Von A(tomausstieg) bis Z(wischenlager Gorleben)
Blickt man auf das abgelaufene Jahr zurück, so überschattet nicht nur aus energiepolitischer Sicht ein Ereignis alle anderen: Fukushima. Die anfängliche Naturkatastrophe mit all ihren menschlichen Tragödien mündete letztlich in eine Nuklearkatastrophe und hat damit unsere Angst vor dem Unbeherrschbaren gleich in doppelter Hinsicht geschürt. Fukushima war nicht nur ausschlaggebend für den politischen Beschluss zum Atomausstieg, es hat gleichzeitig in allen Teilen der Gesellschaft zu einem breiten Konsens für sichere und zukunftsfähige Energie geführt. Es folgten massenhafte Anti-Atom-Demonstrationen, verordnete Sicherheitsüberprüfungen für Kernkraftwerke, ein nie gekannter Run der Verbraucher auf Ökostrom und letztlich sogar der erste grüne Ministerpräsident der deutschen Geschichte. Auch in der zweiten Jahreshälfte manifestierte sich das Thema in den bis heute massivsten Castor-Protesten und der hitzigen Diskussion um das mögliche Atommüll-Endlager Gorleben. Möglicherweise ist Fukushima sogar der entscheidende Impuls für die zarten Annäherungsversuche notorischer Klimaschutz-Verweigererstaaten gewesen, die Anfang Dezember auf der Weltklimakonferenz in Durban zu erkennen waren.
Fasst man den Blick etwas enger, so hat sich in 2011 auch viel für uns Stromverbraucher getan – sowohl auf dem Energiemarkt als auch in den eigenen vier Wänden. Im September verschwand die klassische 60-Watt-Glühlampe aus den Ladenregalen und seit Dezember verfügen endlich auch TV-Geräte über ein eigenes Energielabel. Generell scheinen die Themen Energieeffizienz, Stromsparen und Modernisierung nicht nur als politische Konstrukte, sondern auch beim Verbraucher deutlich an Stellenwert gewonnen zu haben. Negativer Höhepunkt auf dem Strommarkt war zweifelsohne die TelDaFax-Pleite im Sommer 2011. Die Insolvenz des Troisdorfer Unternehmens hat nicht nur eine Vielzahl von Haushalten ins finanzielle Unglück gestürzt, sondern auch eine berechtigte Diskussion um strittige Geschäftsmodelle, speziell das Vorkasse-Prinzip, entfacht. Was bleibt, sind sensibilisierte Stromkunden sowie die im November eröffnete, von Verbänden und Politik unterstützte “Schlichtungsstelle Energie”, die künftig bei Konflikten zwischen Versorgern und Verbauchern vermitteln soll.
Und was wird das gerade begonnene Jahr 2012 bringen? In erster Linie viel Arbeit – denn die Energiewende hat schließlich bestenfalls begonnen. Die Themen Netzausbau, Stromspeicherung und Kraftwerksmodernisierung dürften ganz oben auf der Agenda stehen. Auch die weitere Integration von Wind- und Solarkraft, die bereits in 2011 Rekordergebnisse erzielten, wird entscheidend bleiben. Neue und alte Diskussionen werden mit ziemlicher Sicherheit zur Kohlekraft, zur Atommüll-Endlagersuche sowie über die umstrittene Technologie zur unterirdischen Verpressung von CO2 geführt. Und ebenso wahrscheinlich ist, dass wir Verbraucher uns erneut über steigende Strompreise ärgern werden, die wir aber – sofern man den Umfragewerten des vergangenen Jahres Glauben schenkt – gern zum Wohle der Energiewende bezahlen.
Foto © Pixelio, Kathrin Antrak
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