stromblog

Stromtarife, Stromanbieter, Nachrichten, Spartipps und mehr

Monatsarchiv für Juli 2011

Energieriesen unter Beschuss

Dienstag, den 26. Juli 2011

Das Ansehen der vier großen Energiekonzerne Deutschlands befindet sich im freien Fall. Wie eine aktuelle Studie von StromAuskunft belegt, haben E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall im Zuge des Atomausstiegs mit massiven Vertrauensverlusten innerhalb der Bevölkerung zu kämpfen. Und damit nicht genug. Auch Finanz- und Wirtschaftsexperten beurteilen die Lage der Energieriesen mittlerweile als prekär.

Beispiel: RWE

400869_R_by_Ralf Schmitz_pixelio.deIn der vergangenen Woche hatte die New Yorker Ratingagentur Moody’s – bereits berüchtigt für herzhafte Schlammschlachten mit diversen Euro-Staaten – die Bonität des Energiekonzerns RWE herabgestuft. Als Begründung wurden neben dem beschlossenen Atomausstieg auch die veranschlagte Brennelementesteuer sowie nötige Großinvestitionen aufgrund der Energiewende genannt. In der Summe führe dies zur Minderung der Kreditwürdigkeit des Unternehmens. Auch wenn der börsianischen Orakelei solcher Ratingagenturen im Hinblick auf die ohnehin schon pervertierten Finanzmärkte dringend Einhalt geboten werden muss, dürfte die versammelte Buchhaltungsetage von RWE wohl trotzdem wütend Bleistifte kauen.

Dazu gesellte sich ebenfalls in der letzten Woche folgende Nachricht: Jürgen Großmann, Vorstandsvorsitzender von RWE, landete in der regelmäßigen Umfrage “Manager nach Noten” einer Wiesbadener Unternehmensberatung auf dem vorletzten Platz. Befragt wurden 1.000 deutsche Führungskräfte zu ihrer Einschätzung gegenüber den 15 bedeutendsten Konzernspitzen im Lande. Da die Mehrheit der Befragten die beschleunigte Energiewende für richtig hält, wurde der unnachgiebige Atomkurs von RWE entsprechend abgestraft. Also, wenn man sogar schon nach dem Prinzip “Manager beurteilen Manager” hinten liegt – dann gut’ Nacht.

Das größte Rätsel bei alledem ist die Frage, warum sich die deutschen Energieriesen offenkundig so wenig um ihr gesellschaftliches Ansehen scheren. Möglicherweise ist es die tiefsitzende Arroganz eines über Jahrzehnte kultivierten Oligopols. Vielleicht ist es aber auch nur der einsetzende Realitätsverlust im Angesicht des wirtschaftlichen Niedergangs. Denn wenn die Konzerne ihren reaktionären Kurs nicht schleunigst korrigieren und endlich anfangen die Energiewende konstruktiv mitzugestalten, werden sie sich bald in einem Land wiederfinden, dessen Bürger nur noch Solardächer und Ökostromanbieter benötigen.

Foto © Pixelio, Ralf Schmitz

» Energieriesen unter Beschuss

„Blue-e-Motion“ – Leben mit Elektromobilität

Montag, den 25. Juli 2011

Wer sich für Elektromobilität interessiert und zufällig in Berlin ist, sollte sich die Ausstellung „Blue-e-Motion“ nicht entgehen lassen.

Ausstellung „Blue-e-Motion“ im Automobil Forum Unter den Linden

Im Automobil Forum Unter den Linden läuft die Ausstellung „Blue-e-Motion“ an. Bis Ende des Jahres können sich Besucher über verschiedene Aspekte rund um das Thema „Elektromobilität“ informieren. Wie sehen die Schritte zur CO2-neutralen Mobilität aus, welche Technik verbirgt sich in einem Elektrofahrzeug, wie alltagstauglich ist es?

DB2011AL01075

Diese und viele weitere Fragen werden beantwortet und anschaulich an Exponaten erklärt. Die Ausstellung setzt auf das aktive Erleben der E-Mobilität. So erlaufen Interessierte auf einem Laufband im wahrsten Sinne des Wortes „schrittweise“ den Weg von aktuellen Antriebsformen bis zu einer CO2-freien mobilen Zukunft. Auf interaktiven Displays gibt die Ausstellung Informationen zum Vorserienfahrzeug Golf Blue-e-Motion und vermittelt allgemeine Infos zu E-Mobilität und Energie.

Aktuell findet in der Bundeshauptstadt ein Flottentest mit 35 Golf Blue-e-Motion statt. Diese rein elektrisch angetriebenen Vorserienfahrzeuge des erfolgreichsten europäischen Autos sind reine „Batteriefahrzeuge”, die weder einen Auspuff noch einen Verbrennungsmotor mit Tank besitzen. Dank des Elektromotors fährt der Golf Blue-e-Motion leise und mit Naturstrom CO2-neutral. Daher ist er ideal für die städtische Mobilität. Nach Angaben der Agentur für Elektromobilität (eMO) gibt es aktuell in der Bundeshauptstadt mehr Praxisprojekte als in jeder anderen Stadt Deutschlands.

Ein wichtiger Aspekt der Elektro-Studien ist die Alltagstauglichkeit des neuen Antriebssystems:

  • Wie weit komme ich mit einem Elektroauto?
  • Wie und wo lade ich es?
  • Wie viel Energie benötigt es?

Wer will, kann sich zudem in den Ausstellungsräumen des Automobil Forums Unter den Linden auf eine spielerische „Testfahrt” mit dem Golf Blue-e-Motion begeben: Per Fahrrad erzeugen die Besucher die Energie für Modelle der Projektstudie, die auf einer Berlin-Carrerabahn um die Wette flitzen.

„Blue-e-Motion”
19. Juli bis 31. Dezember 2011
im Automobil Forum Unter den Linden,
Unter den Linden 21 (Ecke Friedrichstraße), Berlin-Mitte,
Montag bis Sonntag 10.00 – 20.00 Uhr, Eintritt frei.

Foto © Volkswagen AG

» „Blue-e-Motion“ – Leben mit Elektromobilität

Unsichere Steckdosenleisten

Donnerstag, den 21. Juli 2011

Steckdosenleisten sind äußerst praktisch, schnell und bequem zu installieren und helfen, sofern schaltbar, sogar beim Stromsparen. Deshalb werden sie beim Umgang mit Standby-Elektronik stets wärmstens empfohlen. Warm ist allerdings genau das Stichwort, denn laut einer aktuellen Studie der Stiftung Warentest können zahlreiche Modelle bei hoher Stromzufuhr stark erhitzen oder leiden an weiteren Sicherheitsmängeln.

Stiftung Warentest diagnostiziert Überhitzungsgefahr

247363_R_K_by_Hans-Peter Reichartz_pixelio.deIn Ausgabe 07/2011 prüfte Stiftung Warentest insgesamt 19 Steckdosenleisten verschiedener Hersteller, davon vier mit Überspannungsschutz. Das ernüchternde Ergebnis: Ganze 11 der 19 Prüflinge fielen aufgrund ihrer mangelhaften elektrischen Sicherheit durch. Dabei spielt der Preis offensichtlich keine Rolle. Bei den einfachen, zwischen drei und sieben Euro liegenden Leisten wurden querbeet Sicherheitsmängel entlarvt, und auch unter den teureren Varianten mit Überspannungsschutz konnte lediglich die Hälfte überzeugen.

Hauptproblem der abgestraften Modelle ist die latente Überhitzungsgefahr. Die Steckdosenleisten sollten im Test eine Stunde lang einen Stromfluss von bis zu 20 Ampere schlucken. Dabei sprengten erschreckend viele Kandidaten die geltende Sicherheitsnorm, indem sie Temperaturen jenseits der 100-Grad-Marke entwickelten. Zwei Produkte gingen wegen nicht feuerfester Kunststoffteile sogar in Flammen auf. Unter den getesteten Modellen mit Überspannungsschutz versagten ausgerechnet die zwei teuersten. Trotz satter Anschaffungspreise zwischen 30 und 40 Euro überhitzten auch diese Leisten bzw. hielten aufgrund mangelhafter Bauteile keinen Kurzschluss aus. Immerhin, verlässliche Modelle gibt es auch. Unter den wenigen mit “gut” bewerteten Steckdosenleisten befanden sich die Marken GAO und GO/ON (Hagebaumarkt), Flector Technik (Hellweg) und REV Ritter.

Natürlich kann auch der persönliche Umgang mit Mehrfachsteckern zur Sicherheit im Haushalt beitragen. Beispielsweise sollten niemals mehrere Leisten hintereinander geschaltet werden. Denn in diesem Fall zentriert sich der gesammelte Stromfluss an nur einer Wandsteckdose. Zudem ist es wichtig, die Belastungsgrenze von zumeist 3.500 Watt nicht zu überschreiten. Bei mehreren Stromfressern an einer Leiste kann dieser Grenzwert durchaus schnell überschritten werden. Bei beschädigten Kabeln, verbogenen Kontakten, locker sitzenden Steckern oder heißlaufendem Plastik hilft ohnehin nur noch eins: Ausmustern.

Foto © Pixelio, Hans-Peter Reichartz

» Unsichere Steckdosenleisten

Elektroautos – Die leise Revolution

Mittwoch, den 20. Juli 2011

Gestern wurde in der ZDF-Sendung “Die leise Revolution” das Thema Elektroauto behandelt. Die deutschen Autobauer sind dabei nicht gut weg gekommen. Haben wir den Zug wieder einmal verpasst?

Nicht mehr genug Öl für alle da

Das ist die Botschaft. Während der Bedarf am “Schwarzen Gold” drastisch steigt, weil vor allem Länder wie China, Indien einen hohen Nachholbedarf in Sachen Mobilität haben, kann für die Zukunft nicht mehr genügend Kraftstoff bereit gestellt werden. Raus aus der Krise kommt man nur mit Elektromobilität, so die Botschaft.

48775-0-04_199875_ZDF_Leise_Revolution_540

Der ZDF-Elektroingenieur, der regelmäßig als gutes Beispiel für die “gekonnte” Umsetzung der Elektromobilität herangezogen wurde, passte genau ins Schema: Raus aus der fossilen Verbrennung – rein in die Elektromobilität. Aber 100 maximal 125 Kilometer Reichweite, ist für viele Kraftfahrer ein Problem. Vor allem für Vertreter, die täglich oft 400 und mehr Kilometer zurücklegen müssen.

Mercedes-Benz setzt auf Wasserstofftechnik. Dieses Thema wurde nur kurz angesprochen, dennoch mehr oder weniger als unakzeptabel abgelehnt. LPG und Erdgas ist vielleicht noch ein Lösungsansatz.

Mein Fazit

Ich denke, den Zug haben wir noch lange nicht verpasst. Die zunehmende Akzeptanz der Elektroautos wird mit dem steigenden Kraftstoffpreis einhergehen. Denn die Pleite mit dem 3-Liter Auto hat Volkswagen noch nicht weg gesteckt. Die Elektroautos werden parat stehen, wenn es Autos zu vernünftigen Preisen gibt und man das Problem der langen “Ladezeiten” gelöst hat. Ungelöst ist sicher auch noch das Entsorgungsproblem der Batterien.

  • Die Sendung verpasst. Kein Problem. Der Beitrag kann Online unter ZDF.de abgerufen werden.

Foto © ZDF und Jürgen Dombrowski
Hilke Petersen beim Ladeversuch an einer öffentlichen Zapfstation in Berlin

» Elektroautos – Die leise Revolution

Projekttag Bioenergie 2050

Dienstag, den 19. Juli 2011

Wer sich mit Bioenergie beschäftigt, hat sicher schon einmal auf der Homepage der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) gestöbert. Jetzt können alle Vorträge zum Thema “Projekttag Bioenergie 2050″als Download abgerufen werden.

Clemens Neumann eröffnet die Veranstaltung Bioenergie 2050

logo_fachagentur_nachw_rohstoffeAnfang Juli hatte das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) zusammen mit der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) und dem Deutschen BiomasseForschungszentrum (DBFZ) zum Projekttag “Bioenergie 2050″ eingeladen.

Nach der Eröffnung der Veranstaltung durch Abteilungsleiter Clemens Neumann (BMELV) diskutierten Experten aus Politik, Forschung, Industrie und Landwirtschaft angeregt über Bioenergie und ihre Rolle als wichtiger Baustein in einem nachhaltigen Energiemix. Mehr als genug Stichworte hierfür lieferten die sieben Fachvorträgen, mit denen ein weiter Bogen von den aktuellen Erkenntnissen zum Anbau und zur Züchtung von Energiepflanzen bis hin zu den neuesten Ansätzen zur weiteren Optimierung der Bioenergie-Technologien gespannt wurde.

Mittlerweile stehen alle Vorträge der Veranstaltung im Internet zum Download bereit:

Logo © Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR)

» Projekttag Bioenergie 2050

Kraftwerk in Ensdorf – Kohlekraft für das Saarland

Sonntag, den 17. Juli 2011

Raus aus der Kernkraft, rein in die alten Techniken? Ist das der richtige Weg? RWE strebt den Weiterbetrieb des Kraftwerks in Ensdorf an.

Kraftwerk Ensdorf produziert weiter Strom fürs Saarland

  • VSE, Saarstahl, Saarschmiede und RWE Power schließen Vereinbarungen, die den Weiterbetrieb des Kraftwerks in Ensdorf nach 2012 sichern.

Kraftwerk Ensdorf

Der Unterzeichnung waren lange Verhandlungen vorangegangen, die seitens Politik und Gewerkschaft verdi unterstützt wurden: „Unser Dank gebührt allen Beteiligten, die diese Abmachung erst ermöglicht haben“, so einhellig die beiden Verhandlungsführer VSE-Vorstandsmitglied Tim Hartmann und der Vorstandsvorsitzende von Saarstahl, Dr. Klaus Harste.

Saarstahl und Saarschmiede werden jeweils Betreiber des Blockes 3 in Ensdorf. Hierzu erwirbt VSE den Block 3 von RWE Power und verpachtet diesen dann an Saarstahl und Saarschmiede. VSE als Betreiber des Blockes 1 in Ensdorf wird wie bisher die Betriebsführung für beide Blöcke übernehmen.

Auch Tim Hartmann sieht in der Kooperation einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit aller Beteiligten und des Energiestandortes Saar: „Diese Kooperation haben wir selbstverständlich zunächst unseren langjährigen Kunden Saarstahl und Saarschmiede angeboten. Mit der gefundenen Lösung sichern wir hochqualifizierte Arbeitsplätze und wertvolles Know how an der Saar“. RWE habe VSE durch den Verkauf von Block 3 bei den Bemühungen unterstützt, ein regionales Partnerkonzept zu realisieren, das wichtig für den Industriestandort Saarland sei. Deshalb danke man RWE Power für die Bereitschaft, dieses Konzept mitzutragen.

In der Vergangenheit wurden bereits umfangreiche Investitionen im Kraftwerk getätigt. Zum wirtschaftlichen Weiterbetrieb sind bei den sich ständig ändernden Marktbedingungen für konventionelle Kraftwerke Anpassungen auch des Personalbestandes unumgänglich. Wegen einer marktbedingt anderen Fahrweise und des Einsatzes von Importkohle müssen die Prozesse im Kraftwerk weiter optimiert werden

Foto © pixelio.de | Siegfried Fries

» Kraftwerk in Ensdorf – Kohlekraft für das Saarland

Atomprotest als Bürgerhobby

Dienstag, den 12. Juli 2011

Deadline 2022 und bis dahin schrittweises Abschalten der deutschen Meiler – die Würfel in der Atompolitik sind gefallen. Sollte man meinen. Gesellschaftliche Zufriedenheit sieht allerdings anders aus, denn der zivile Protest läuft so unaufhörlich Sturm gegen das Energiekonzept der Bundesregierung, als hätte es die Ausstiegsentscheidung nie gegeben.

“Erna, grab den Pflasterstein aus”

503336_R_B_by_Gerd Altmann_pixelio.deDie deutsche Demonstrationskultur ist innerhalb des letzten Jahres prächtig gediehen. Es gab ja auch jede Menge Anlässe zum Üben. Speziell Stuttgart 21, die kurzzeitige Laufzeitverlängerung der AKW und Fukushima haben dazu geführt, dass sich Alt-68er und Oberstudienräte in der ersten Reihe vor dem Wasserwerfer in den Armen lagen. Gut so, denn eine lebhafte Protestkultur zeigt stets den Grad der politischen Aufklärung einer Gesellschaft an. Allerdings existiert ziviler Widerstand ja nicht um seiner selbst Willen, sondern um bestimmte Ziele zu erreichen oder zumindest zum Ausdruck zu bringen. Und doch sind die Kampfparolen nach der Verkündung des schrittweisen Atomausstiegs keineswegs knallenden Sektkorken gewichen. Umweltverbände und Bürgerinitiativen zieht es nach wie vor in Strömen auf die Straße, und in der politischen Phalanx der neuen Erfolgs-Grünen tun sich tiefe Gräben bei der Frage auf, ob man dem Kurs der Regierung nun zustimmen sollte oder nicht.

Bei allem Verständnis für die Sache, muss man sich doch die Frage stellen: Macht das noch Sinn? Immerhin markiert der nun beschlossene Atomausstieg einen historischen Einschnitt in der deutschen Energiepolitik. Anders als beim rot-grünen Konzept von 2001 sitzt heute die komplette Parteienlandschaft in einem Boot – einen nochmaligen Ausstieg aus dem Ausstieg wird es also nicht geben. Zudem hätte sich bis vor wenigen Monaten wohl nicht mal der Kapitän der Rainbow Warrior erträumen lassen, dass gleich acht Meiler auf einen Schlag vom Netz genommen werden. Vielleicht ist es also an der Zeit, auch mal die Erfolge zu feiern und die Protestplakate im Hobby-Keller zu lassen.

Ach ja, die notorischen Atomkraftbefürworter halten im Angesicht des offiziellen Ausstiegs natürlich auch nicht still. Neben der Tatsache, dass der ein oder andere Energiekonzern noch immer Verfassungsklagen erwägt, wirkt eine aktuelle Meldung besonders kurios: Die Working Class der deutschen Kerntechniker hatte unlängst zur allgemeinen Mobilmachung gegen den “überhasteten” Atomausstieg aufgerufen und war bis vor die Türen des Kanzleramtes marschiert. Mal ehrlich, der Berufsstand der Kerntechniker dürfte auf der öffentlichen Beliebtheitsskala derzeit irgendwo zwischen Hedge-Fonds-Manager und griechischem Finanzpolitiker rangieren. Auf welche gesellschaftliche Lobby hofft man denn da?

Wäre ein schnellerer Atomausstieg möglich? Mit Sicherheit. Aber die Deadline 2022 ist eben kein umweltpolitischer Idealfall, sondern eine gesamtgesellschaftliche Kompromisslösung. Und wahrscheinlich ging das auch nicht anders, denn die Politik musste neben den Protestbannern der Bürger wohl oder übel auch die drohenden Zeigefinger der Konzerne im Hinterkopf behalten.

Foto © Pixelio, Gerd Altmann

» Atomprotest als Bürgerhobby

alpha ventus – Offshore mit hoher Stromausbeute

Montag, den 11. Juli 2011

Mit Wind ist gut Geld zu verdienen. So die erste Zwischenbilanz von alpha ventus – Offshore. Ein Kritikpunkt ist ja häufig: Was passiert mit der Stromversorgung, wenn mal eine “Flaute” herrscht.

alpha ventus zieht positive Zwischenbilanz

  • Offshore-Stromausbeute höher als erwartet

Deutschlands erster Offshore-Windpark alpha ventus produziert mehr Strom als erwartet. Während das erste Halbjahr 2011 bei Deutschlands Onshore-Windparks enttäuschend war, hat der konstante und starke Wind auf der hohen See in den vergangenen neun Monaten mehr als 190 Gigawattstunden Strom erzeugt. Damit liegt die Windausbeute zirka fünf Prozent über dem für diesen Zeitraum prognostizierten Wert, teilt das alpha ventus Konsortium DOTI mit,  bestehend aus den Unternehmen EWE, E.ON und Vattenfall.

av_100126_Abseilen_JO_(c)_alpha-ventus_540

Nachdem technische Probleme in der ersten Betriebsphase erfolgreich gelöst wurden, hat der Windpark eine hohe Verfügbarkeit erreicht. Die Anlagen waren an beinahe 98 Prozent aller Tage einsatzbereit. Claus Burkhardt: „Dies spricht für die Zuverlässigkeit der deutschen Anlagentechnik in der Windenergiebranche. Auch sehen wir unser Betriebs- und Wartungskonzept voll bestätigt.“

Gleichzeitig weist Burkhardt aber darauf hin, dass ein Offshore-Windpark in Deutschland im Vergleich zu einem Onshore-Windpark auch einer weitaus höheren Windausbeute bedarf, um die deutlich höheren Investitions- und Betriebskosten zu kompensieren.

Die Offshore-Branche in Deutschland steht noch vor großen Herausforderungen, um die ehrgeizigen Ausbauziele der Bundesregierung zu erreichen, betont auch DOTI-Geschäftsführer Rudolf Neuwirth von E.ON.

„alpha ventus als erfolgreiches Pionierprojekt zeigt das Potenzial der Offshore-Windenergie, aber auch die wirtschaftlichen Risiken der aufwändigen Errichtung. Aktuell wird im Rahmen der Energiewende nicht weniger als der Aufbau eines ganz neuen Industriezweigs mitten in der deutschen Nord- und Ostsee unternommen – hier sind trotz der positiven Erfahrungen mit alpha ventus noch viele Schritte nötig“, so Neuwirth.

Linktipps:

Foto © Alpha Ventus

» alpha ventus – Offshore mit hoher Stromausbeute

Energiewende auf Kosten der Armen?

Dienstag, den 5. Juli 2011

Der endgültige Beschluss zum Atomausstieg und damit zur breit angelegten Energiewende trifft bei der überwältigenden Mehrheit der Bundesbürger auf große Zustimmung. Wenn man sich auch nicht gleich “blühende Landschaften” ausmalt, dann doch zumindest eine nachhaltige, klima- und ressourcenschonende Zukunft. Aber ist die dann auch sozial gerecht? Die Hilfsorganisation “Brot für die Welt” mahnt diesbezüglich an, dass die nationale Energiewende durchaus Tendenzen beinhaltet, die die internationale Armut befördern.

“Brot für die Welt” kritisiert Kürzungen beim internationalen Klimaschutz

517018_R_B_by_Gerd Altmann_Shapes_dezignus.com_pixelio.deGrundsätzlich begrüßt das evangelische Hilfswerk den Beschluss der Bundesregierung zum Atomausstieg. Immerhin sei die Verwirklichung der Energiewende auch auf das Engagement der Zivilgesellschaft und der Kirchen zurückzuführen. Deren Ruf nach Zukunftsverantwortung habe den politischen Entscheidungsprozess positiv beeinflusst. Nun aber appelliert “Brot für die Welt” an die Regierungskoalition, ihre klimapolitische Verantwortung auch international wahrzunehmen. Auf einer Bilanzpressekonferenz in Berlin gab die Direktorin, Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel, zu bedenken, dass die deutsche Energiewende auf Kosten armer Länder zu gehen drohe. Hintergrund ist ein Gesetzentwurf der Regierung, demzufolge die ursprünglich für den weltweiten Klimaschutz vorgesehenen Mittel gekürzt werden sollen, um die nationale Energiewende zu finanzieren. Diese Gelder sollen künftig beispielsweise in den Ausbau der Elektromobilität oder auch in die Kompensation energieintensiver Wirtschaftszweige fließen. Füllkrug-Weitzel übt daran deutliche Kritik: “Damit würden wir nicht nur die Armen weiter in eine fatale Richtung treiben, sondern auch unsere Glaubwürdigkeit verlieren.”

Nicht nur Kürzungen beim internationalen Klimaschutz könnten sich dabei als fatal für die Entwicklung ärmerer Länder erweisen, sondern auch der zunehmende Run auf Agrarflächen, die zum Anbau von Biotreibstoffen genutzt werden. Während selbst in Deutschland diesbezüglich immer wieder Diskussionen geführt werden, stellt die Vedrängung des Nahrungsmittelanbaus durch Bioenergien gerade in agrarwirtschaftlich orientierten Ländern und Regionen eine massive Belastung dar. Benachteiligt werden in erster Linie ärmere Bevölkerungsteile, weil Ackerflächen knapp und Nahrungsmittel teurer werden. Als Beispiel nennt “Brot für die Welt” den Fall Sierra Leone, wo ausländische Firmen Ackerland für den Anbau von Zuckerrohr als Biotreibstoff vereinnahmen, während die heimischen Kleinbauern gleichzeitig verarmen.

Foto © Pixelio, Gerd Altmann

» Energiewende auf Kosten der Armen?

TelDaFax ist pleite – Report Mainz berichtete

Dienstag, den 5. Juli 2011

Wie gestern in der TV-Serie Report Mainz berichtet wurde, ist der Stromanbieter TelDaFax pleite. Auf der Homepage wird auf das laufende Insolvenzverfahren hingewiesen.

Vorkasse ist immer ein Problem

Bereits im März 2010 haben wir im Beitrag “Vorkasse-Stromanbieter in der Kritik” darauf hingewiesen, dass Vorkasse schnell zu einem Eigentor werden kann. Es wird wohl jetzt so sein, dass die Kunden von TelDaFax mit leeren Händen dastehen.

493439_R_K_by_Thorben Wengert_pixelio_Insolvenz_540x241

TelDaFax hatte schon länger Probleme (s.a. TelDaFax hat Sorgen – oder Sorgen gelöst?. Die Geschäftsleitung hatte aber durch ein Schneeballsystem geschickt die Lücken geschlossen. Von einem Schneeballsystem spricht man, wenn man durch Akquirierung neuer Aufträge nur die Verluste deckt.

Report Mainz geht von 100.000 Betrugsopfern aus. Wir bleiben an dem Thema dran.

Linktipps.

Foto © Pixelio | Thorben Wengert

» TelDaFax ist pleite – Report Mainz berichtete

Pages: 1 2 Next