Energieriesen unter Beschuss
Dienstag, den 26. Juli 2011Das Ansehen der vier großen Energiekonzerne Deutschlands befindet sich im freien Fall. Wie eine aktuelle Studie von StromAuskunft belegt, haben E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall im Zuge des Atomausstiegs mit massiven Vertrauensverlusten innerhalb der Bevölkerung zu kämpfen. Und damit nicht genug. Auch Finanz- und Wirtschaftsexperten beurteilen die Lage der Energieriesen mittlerweile als prekär.
Beispiel: RWE
In der vergangenen Woche hatte die New Yorker Ratingagentur Moody’s – bereits berüchtigt für herzhafte Schlammschlachten mit diversen Euro-Staaten – die Bonität des Energiekonzerns RWE herabgestuft. Als Begründung wurden neben dem beschlossenen Atomausstieg auch die veranschlagte Brennelementesteuer sowie nötige Großinvestitionen aufgrund der Energiewende genannt. In der Summe führe dies zur Minderung der Kreditwürdigkeit des Unternehmens. Auch wenn der börsianischen Orakelei solcher Ratingagenturen im Hinblick auf die ohnehin schon pervertierten Finanzmärkte dringend Einhalt geboten werden muss, dürfte die versammelte Buchhaltungsetage von RWE wohl trotzdem wütend Bleistifte kauen.
Dazu gesellte sich ebenfalls in der letzten Woche folgende Nachricht: Jürgen Großmann, Vorstandsvorsitzender von RWE, landete in der regelmäßigen Umfrage “Manager nach Noten” einer Wiesbadener Unternehmensberatung auf dem vorletzten Platz. Befragt wurden 1.000 deutsche Führungskräfte zu ihrer Einschätzung gegenüber den 15 bedeutendsten Konzernspitzen im Lande. Da die Mehrheit der Befragten die beschleunigte Energiewende für richtig hält, wurde der unnachgiebige Atomkurs von RWE entsprechend abgestraft. Also, wenn man sogar schon nach dem Prinzip “Manager beurteilen Manager” hinten liegt – dann gut’ Nacht.
Das größte Rätsel bei alledem ist die Frage, warum sich die deutschen Energieriesen offenkundig so wenig um ihr gesellschaftliches Ansehen scheren. Möglicherweise ist es die tiefsitzende Arroganz eines über Jahrzehnte kultivierten Oligopols. Vielleicht ist es aber auch nur der einsetzende Realitätsverlust im Angesicht des wirtschaftlichen Niedergangs. Denn wenn die Konzerne ihren reaktionären Kurs nicht schleunigst korrigieren und endlich anfangen die Energiewende konstruktiv mitzugestalten, werden sie sich bald in einem Land wiederfinden, dessen Bürger nur noch Solardächer und Ökostromanbieter benötigen.
Foto © Pixelio, Ralf Schmitz


Anfang Juli hatte das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) zusammen mit der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) und dem Deutschen BiomasseForschungszentrum (DBFZ) zum Projekttag “Bioenergie 2050″ eingeladen.