Internet per Steckdose
Montag, den 29. November 2010Die Idee, Stromleitungen auch für Netzwerkverbindungen zu nutzen, ist fast so alt wie das Internet selbst. Nur durchgesetzt hat sie sich bisher kaum. Die derzeit noch wenig bekannte Powerline-Technologie verspricht allerdings, die Möglichkeiten von LAN und WLAN per Stromnetz effektiv zu erweitern.
Powerline bringt das Netzwerk ins Stromkabel
Das Wörtchen WLAN ist in der Gegenwart derart omnipräsent, dass man meinen könnte, die ganze Welt wäre ein Hotspot. Schulen und Universitäten haben es, Hotels, Cafés, Flughäfen – und die meisten Haushalte sowieso. Das gute, alte Netzwerkkabel kommt meist nur noch dort zum Einsatz, wo privat oder beruflich ein fester Arbeitsplatz installiert ist. Aber die gefunkte Vernetzung hat ihre Grenzen. Beispielsweise wenn besonders dicke Decken und Wände oder gleich mehrere Etagen überbrückt werden sollen. Hier verspricht die sogenannte Powerline-Technologie unkomplizierte Hilfe. Denn sie nutzt die bereits vorhandene Stromverkabelung, um Netzwerke in Häusern und Wohnungen zu erweitern.
Das Prinzip: Powerline-Startersets enthalten in der Regel zwei Steckdosen-Adapter, die über LAN-Buchsen verfügen. Rechner, Modem oder sonstige Geräte werden per Netzwerkkabel angeschlossen und die Verbindung zwischen den Adaptern wird automatisch über das Stromnetz hergestellt. Solche Startersets kosten je nach Datenübertragungsrate zwischen 50 und 150 Euro und sind durch zusätzliche Adapter erweiterbar. In fortgeschrittenen Varianten bieten bestimmte Powerline-Geräte einen zusätzlichen Stromanschluss, um die genutzte Steckdose nicht zu blockieren und verfügen neben der LAN-Buchse auch über WLAN. So kann die Reichweite des heimischen Netzwerks insgesamt erhöht werden.
Völlig störungsfrei ist die Technologie allerdings noch nicht. Die Datenübertragungsgeschwindigkeit bereitet zwar keine Probleme beim alltäglichen Surfen oder beim Streamen von Videos, sie ist allerdings noch deutlich ausbaufähig. Ein neuer Standard in 2011 soll dies verbessern. Ein weiteres Problem sind Störungen, die direkt im Stromnetz entstehen. Zum Beispiel können Energiesparlampen den Datenfluss per Stromkabel behindern. Die dann entstehenden, kleinen Schwankungen bekommen Nutzer in der Regel aber kaum zu spüren. Und die Frage nach der Sicherheit? Nun ja, theoretisch könnten sich Nachbarn in Mehrfamilienhäusern über das Stromnetz ins Netzwerk einwählen. Aber das Problem kennt man bereits vom konventionellen WLAN. Hier gilt es schlicht und einfach, sensibel mit Passwörtern und Verschlüsselung umzugehen.
Foto © Pixelio, R.B.
Christian Wulff ist dieser Tage wirklich nicht zu beneiden. Der erste Mann im Staat soll demnächst ein Gesetz unterschreiben, das ihm und seiner Partei möglicherweise schon kurze Zeit später wieder um die Ohren fliegen könnte. Dass die im deutschen Bundestag beschlossene Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken aufgrund der oppositionellen Mehrheit im Bundesrat keine Chance hätte, ist unstrittig. Wie legal es ist, ebendieses Gesetz an der Länderkammer vorbeizuschleusen, darüber scheiden sich hingegen seit Monaten die Geister. Der ehemalige Verfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier hält das Atomkonzept der Bundesregierung beispielsweise für unbedingt zustimmungsbedürftig durch den Bundesrat. Ein noch aktuelleres Rechtsgutachten des Kasseler Juristen Alexander Roßnagel im Auftrag der Grünen-Fraktion kommt zum selben Schluss. Stein des Anstoßes ist in beiden Fällen Artikel 87c des Grundgesetzes, der besagt, dass ein entscheidender Eingriff in die Kompetenzen der Länder deren Zustimmung erfordert. Und das neue Atomgesetz wäre ein solch entscheidender Eingriff, da es eine länger als ursprünglich geplante Aufsicht der Länder über die Atomkraftwerke nach sich zieht. Die Mehrzahl der bislang bekannten Rechtsgutachten hält deshalb ein Umgehen des Bundesrates für gesetzeswidrig und durch das Bundesverfassungsgericht anfechtbar.
Vor wenigen Wochen berichtete das Handelsblatt über eine angebliche Verschuldung und möglicherweise sogar drohende Insolvenz von 

Stuttgart 21, Hartz IV, verlängerte AKW-Laufzeiten, Gorleben, Castor – die Reihe der möglichen Auslöser für die letzte oder nächste Großdemonstration ist derzeit wohl länger als eine durchschnittliche Anwesenheitsliste im Bundestag. Und wenn schon Wasserwerfer und Tränengas das Abholzen eines Parks durchdrücken müssen, scheinen sich die Fronten einigermaßen verhärtet zu haben. Die Stuttgarter Proteste haben dabei möglicherweise erst angedeutet, was sich am kommenden Wochenende entlang der Bahnschienen des anstehenden Castor-Transportes nach Gorleben abspielen könnte. Laut Medienberichten machen in diesen Stunden rund 17.000 Polizeibeamte aus ganz Deutschland mobil, um “gewaltbereitem” Widerstand entgegenzutreten. Vor allem das Energiekonzept der Bundesregierung mit dem Kernthema der verlängerten AKW-Laufzeiten hat in der Anti-Atom-Bewegung anscheinend einen schlafenden Riesen geweckt. Dabei sind es weniger sich an Schienen kettende Demonstranten, die die schwarz-gelbe Koalition möglicherweise ins Unglück stürzen könnten. Es ist der massive Rückhalt nicht nur durch die politische Opposition, sondern vor allem in der Bevölkerung, den die Proteste genießen. Laut Umfragewerten spricht sich die überwältigende Mehrheit der Bundesbürger sowohl gegen längere Laufzeiten von Kernkraftwerken als auch gegen den Standort Gorleben als Endlager aus und befürwortet sogar direkte Protestaktionen. Ganz zu schweigen vom aktuellen Politbarometer, das die Grünen dieser Tage mit konstant über 20 Prozent auf das Niveau einer Volkspartei hievt. Es könnte also passieren, dass sich Schwarz-Gelb durch die eigene Energiepolitik beizeiten selbst ins Aus manövriert – und die Atomkraft gleich mitnimmt.