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Monatsarchiv für Juni 2010

Warum Wachstum?

Dienstag, den 29. Juni 2010

Ob beim derzeitigen G20-Gipfel im kanadischen Toronto, in der Diskussion um die weltweite Finanz- und Konjunktur-Krise oder in den Populismus-Duellen jedes Wahlkampfs – das Wörtchen “Wachstum” liegt in aller (Politiker-)Munde und scheint so etwas wie das Allheilmittel jeder wirtschaftlichen Schieflage zu sein. Aber ist ein Konzept, dessen Wurzeln immerhin in der Epoche der Industrialisierung liegen, überhaupt noch zeitgemäß? Und sollten wir nicht gerade im Bereich Energieerzeugung und -verbrauch längst Gegenstrategien fahren?

Besser statt Mehr

Dieter SchützAlles soll wachsen: der Arbeitsmarkt, das Konsumverhalten, jedes einzelne Unternehmen und der allgemeine Wohlstand der Gesellschaft. Ein schlichtes Stehenbleiben scheinen unsere wirtschaftlichen Prinzipien nicht zu erlauben. Und die gleichen Grundfesten gelten natürlich auch für die Energiemärkte. Nicht nur regenerative Solar- und Windkrafttechnologien sollen den Weg in die Zukunft weisen – auch die alteingesessenen Platzhirsche Kohle und Kernkraft wollen ihr Stück vom Wachstumskuchen. Bereits jetzt sind die Übertragungsnetze teilüberlastet und trotzdem wird emsig über Laufzeitverlängerungen (Atomkraft) und Kraftwerksneubauten (Kohle) verhandelt. Aber ist diese Entwicklung wirklich bedarfsorientiert oder nicht vielmehr eine Fessel des Prinzips Wirtschaftswachstum? Fakt ist: Wir brauchen nicht mehr Energie, wir brauchen bessere Energie. Und wenn wir beispielsweise einen Teil der klimakillenden Kohlekraftwerke schon jetzt eins zu eins durch ambitionierte Offshore-Windprojekte ersetzen oder in wenigen Jahren die Atomkraft komplett abschalten können – warum tun wir das nicht einfach? Immerhin: In Sachen Energieverbrauch wird längst zu Askese gemahnt. Sparsamkeit und Effizienz sind in der Politik ebenso populär wie im Elektronikfachhandel. Ein Schritt in die richtige Richtung.

Eine Reihe renommierter Zukunftsforscher glaubt schon lange nicht mehr an das Konzept Wachstum. Selbiges, so sagen sie, sei nur bis zu einem gewissen Grad möglich. Ab dann hätten Wohlstand, Wirtschaft und Ressourcenverbrauch ihren Gipfel erreicht. Und sie sagen auch: Der Zenit ist längst überschritten. Genau das ist es wohl, was wir derzeit im Doppelcrash aus Finanz- und Klimakrise erleben. Von jetzt an also abwärts? Mitnichten. Ein zukunftsorientiertes Umdenken und Mut zu neuen Strategien sind gefragt. Man muss nicht unbedingt wachsen, um besser zu werden.

Foto © Pixelio, Dieter Schütz

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Renaissance der Atomkraft

Donnerstag, den 24. Juni 2010

Nicht nur die deutsche Regierung diskutiert sich derzeit von Atomgipfel zu Atomgipfel, um der Frage nachzugehen, ob und in welcher Form die Laufzeit hiesiger Kernkraftwerke verlängert werden soll. Auch in der europäischen Nachbarschaft gewinnt das Thema an zunehmender Popularität. Beispiel Schweden: Hier wurde in der vergangenen Woche der gesetzliche Ausstieg aus dem Atomausstieg besiegelt.

Schweden beschließt Neubau von Kernkraftwerken

Thommy WeissVor exakt 30 Jahren hatte das schwedische Parlament in Folge einer Volksabstimmung künftige AKW-Neubauten rechtlich untersagt. In den späten 1990er Jahren kam eine verbindliche Atomausstiegsregelung hinzu. Anfang 2009 kündigte die Regierung dann einen Strategieschwenk an und hat nun beide Entscheide per Gesetzesänderung in äußerst tiefgreifender Form gekippt. Während in Deutschland beispielsweise “nur” über längere Laufzeiten für alte Meiler diskutiert wird, sollen in Schweden ebensolche durch gänzlich neue Anlagen ersetzt werden. Das würde der schwedischen Atomindustrie nicht nur ein paar zusätzliche Jahrzehnte, sondern gleich eine komplette Renaissance bescheren. Die Parteichefin der grünen Opposition im schwedischen Parlament drückt es so aus: “Mit dieser Entscheidung machen wir uns für 100 Jahre von der Kernkraft abhängig.” Stimmt, denn bereits heute wird in Schweden nahezu jede zweite Kilowattstunde Strom im Reaktor erzeugt. Grund für die Pro-Atom-Entscheidung sei laut Schwedens Umweltminister Andreas Carlgren unter anderem der Klimawandel. Man wolle sich von fossilen Brennstoffen, vor allem vom Öl, emanzipieren. Angesichts des massiven Ausbaus der schwedischen Windkraft, der dort reichlich vorhandenen Wasserkraft sowie eines breit angelegten Energieeffizienz-Programms der Regierung hätte man die Kernkraft dazu allerdings nicht gebraucht. Stattdessen wird Schweden wohl künftig Exportweltmeister in Sachen Atomstrom werden.

Die schwedische Mitte-Links-Opposition hat bereits angekündigt, das Gesetz im Falle eines Wahlsiegs im kommenden September wieder zurückzunehmen. Ein Szenario, das auch uns in Deutschland mit jeder neuen Legislaturperiode blühen kann. Und wenn sie nicht gestorben sind, entscheiden sie noch heute…

Foto © Pixelio, Thommy Weiss

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Deutsche Bahn – Größtes serienmäßiges eMobil

Montag, den 21. Juni 2010

Für Autoplenum.de haben wir einen Opel Corsa LPG in Rüsselsheim abgeholt. Wie kommen wir nach Rüsselsheim? Wir entscheiden uns für die Bahn.

Die Bahn ist pünktlich – Man könnte glatt zum Bahn-Fan werden.

Erste Option: Mit einem Wagen nach Rüsselsheim fahren. Blöd, weil man dann zwei Autos für den Rückweg benutzt. Zweite Option: Mit einem Mietwagen nach Rüsselsheim. Kosten ca. 80 Euro plus Kraftstoff. Außerdem müsste der Mietwagen abgeholt und anschließend wieder abgegeben werden. Warum nicht mal das Wagnis Bahn eingehen?

Mit der Bahn am Rhein entlang

Mit der Bahn am Rhein entlang

Die Tickets waren im Internet schnell gebucht (als Frühbucher hätte man sogar noch etwas sparen können und für ein paar Euro mehr, können Sitzplätze reserviert werden). Einen Parkplatz haben wir sofort am Bahnhof gefunden und schon konnte es losgehen. Die Fahrt ging über Münster, kurz umsteigen – alles klappte perfekt. Sogar das Personal war freundlich. Die Durchsagen wurden in Deutsch und in Englisch gemacht.

Wir haben die Fahrt als angenehm empfunden. Für die fünf Minuten Verspätung, hat man sich sogar entschuldigt. Die Bahn ist auf einem guten Weg!

Fazit: Wir haben mit Null-Emmision unser Ziel erreicht. Bislang kann mich das Konzept für Elektroautos nicht überzeugen. Aber wir bleiben an dem Thema dran.

Linktipps:

Foto © Gerd Kebschull

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Datenschutz im Stromnetz

Montag, den 21. Juni 2010

Welche Daten von Verbrauchern müssen in intelligenten Stromnetzen erhoben werden und auf welche Daten kann gerade wegen der Intelligenz der Netze verzichtet werden? Wie können Sicherheit und Schutz der sensiblen Daten gewährleistet werden, wo werden sie gespeichert und wie lange? Kurzum: Welche Sicherheitsstandards für Smart Grids sind wünschenswert und praktikabel? Diese Fragen stellen sich derzeit nicht nur die Netzbetreiber, sondern auch deutsche Datenchützer.

Smart Grids stellen neue Herausforderungen

Rainer SturmSmart Grids sind zweifelsohne die Zukunft unserer Energieversorgung: Das “Internet der Energie” stimmt Stromerzeugung, -verteilung, -speicherung und -verbrauch auf intelligente Art und Weise aufeinander ab, um ein Höchstmaß an Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Umweltverträglichkeit zu gewährleisten. Möglich wird dies mit Hilfe von speziellen Informationstechnologien, über die Erzeugungsanlagen, Stromnetze und natürlich die Endverbraucher in direkte Kommunikation treten. Bei all diesen Prozessen werden permanent Daten erhoben, die – je nach Situation und Sichtweise – unbedenklich aber auch äußerst sensibel sein können. Überspitzt ausgedrückt, weiß das intelligente Netz, wann Stromkunde XY fernsieht, wie oft er seine Wäsche wäscht und wie knusprig er seinen Toast mag. Intelligente Stromnetze erlauben auf diese Weise einen direkten Einblick ins Private. Die neuen Herausforderungen, die die Einführung von Smart Grids mit sich bringt, sind also nicht rein technologischer, sondern auch gesellschaftspolitischer Natur.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar und seine Länderkollegen Dr. Alexander Dix aus Berlin und Dagmar Hartge aus Brandenburg sowie Experten von Verbraucherschutz- und IT-Verbänden diskutierten deshalb kürzlich mit Vertretern der Energiewirtschaft, wie sich gemeinsame Standards zum Datenschutz in Smart Grids entwickeln lassen. Die Punkte Datensicherheit und Datensparsamkeit standen dabei in Bezug auf die Entwicklung kommender Stromnetz-Infrastrukturen im Fokus. Darüber hinaus hat Bundeskanzlerin Angela Merkel das Förderprogramm “E-Energy – Smart Grids made in Germany” zum nationalen Leuchtturmprojekt erklärt. In sechs Modellregionen werden die Verfahrensweisen von Smart Grids getestet. Hierzu steuert das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit insgesamt 60 Millionen Euro bei, weitere 80 Millionen fließen seitens der Privatwirtschaft in das Projekt.

Foto © Pixelio, Rainer Sturm

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Superauto RINSPEED iChange

Sonntag, den 20. Juni 2010

Es gibt Autos, die wohl leider nie von einem „normalen“ Kraftfahrer auf einer Straße bewegt werden. Dennoch lohnt es sich, dass man dieses Konzept beobachtet, weil Machbares in die Serie von Straßenautos einfließen kann. James Bond würde den RINSPEED iChange lieben.

Spektakuläre Ausstellung im RWE Energieladen

  • RWE präsentiert “RINSPEED iChange”
  • E-Mobilität der Extraklasse
  • Frank M. Rinderknecht ist Visionär
  • Concept Car für das automobile Denken von morgen

ichange_rwe_350x233Vor rund acht Monaten eröffnete der Essener Energieversorger RWE seinen Energieladen in der Berliner Friedrichstraße 56. Und mit der Präsentation des RINSPEED iChange am letzten Donnerstag, 17.06.2010, wurde eventuell sogar ein neues Kapitel in der noch jungen Geschichte der E-Mobilität geöffnet.

Der RINSPEED iChange ist nicht nur ein futuristisch anmutendes Auto der Extraklasse: der iChange ist zudem ein E-Mobil der besonderen Art, denn der iChange ändert seine Form – und damit auch das automobile Denken.
„Der Rinspeed iChange ist das erste Auto der Welt, dessen Karosserie sich dem Platzbedarf für Passagiere anpasst“, so Frank M.

Rinderknecht, Gründer und Inhaber der Schweizer Rinspeed AG, anlässlich der Ausstellungseröffnung. „Der iChange ist mehr  als nur ein pfiffiges Concept Car. Er ist ein Symbol für den fundamentalen Umbruch, in dem sich die Autoindustrie weltweit befindet“.

Für den Schweizer Autovisionär steht fest, dass sich die Ära spritfressender Ungetüme dem Ende zuneigt: „Der iChange will Zeichen dafür sein, dass wir weltweit vor großen Veränderungen in Sachen Mobilität stehen, denen wir mit neuen Ideen Rechnung tragen müssen“.

Der Energieversorger RWE nutzt den Energieladen in der Friedrichstraße immer wieder zu Aktionen rund um das Thema Elektromobilität, dem sich das Essener Unternehmen seit mehr als zwei Jahren intensiv widmet.

Der iChange wird rund sechs Wochen im Energieladen stehen. Die täglichen Öffnungszeiten sind von 10-13 Uhr und von 14-19 Uhr, außer am Sonntag.

Linktipps:

Foto © RWE

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Photovoltaik auf Förderdiät

Freitag, den 18. Juni 2010

Nicht erst seit Bekanntwerden der bundespolitischen Sparpläne hat die deutsche Solarwirtschaft mächtig zu knapsen. Die Branche boomt und trotzdem gehen ihr die Gelder aus. Denn bereits im Vorfeld der allgemeinen Finanzschieflage wurden im Bereich Photovoltaik seitens der Regierung schwerwiegende Förderstopps bzw. Haushaltssperren verhängt. Ein Vorgehen, dass mittlerweile nicht nur seitens der Solarwirtschaft, sondern auch aus politischen Kreisen harsch kritisiert wird.

Solarwirtschaft bangt vor Markteinbruch

Rainer SturmBeispiel 1 – Solarstrom: Die Bundesregierung plant, die im EEG geregelte Solarstromförderung in den nächsten zwei Jahren um bis zu 42 Prozentpunkte zu senken, noch in diesem Sommer soll sie um 16 Prozent gekürzt werden. Die Förderung von neuen Solarstromanlagen auf Ackerflächen – eine besonders effiziente Methode der solaren Stromerzeugung – soll sogar ganz entfallen. Nach Einschätzung der Branche hätten Förderkürzungen in dieser Höhe erhebliche Negativfolgen. Man rechnet mit Standortverlagerungen ins Ausland, der Gefährdung von tausenden Arbeitsplätzen und nicht zuletzt dem Verlust der Technologieführerschaft. Diese kritische Sichtweise wird im Übrigen vom Bundesrat geteilt. In Übereinstimmung mit der Solarbranche fordert die Länderkammer aktuell Nachbesserungen in der laufenden EEG-Novelle.

Beispiel 2 – Solarthermie: Die Mittel des Marktanreizprogramms, kurz MAP, für die erneuerbare Wärme wurden seitens der Bundesregierung seit April dieses Jahres auf Eis gelegt. Die Fördersperre in der Solarthermie hat bereits jetzt zu einem massiven Markteinbruch beim Absatz von Solarwärmeanlagen geführt. Branchenauskünften zufolge sank allein im Mai die Nachfrage nach Solarkollektoren um ganze 33 Prozent. Ein aktuelles Gutachten des ifo Instituts hat nun belegt, dass der Förderstopp im MAP nicht nur klimapolitisch kontraproduktiv ist, sondern den Staat zudem finanziell untergräbt. Denn die Steuerausfälle bei einem zurückgehenden Markt – laut Studie auf rund 150 Millionen Euro beziffert – überwiegen die derzeit eingefrorenen Förderausgaben bei Weitem.

Paradoxerweise hatte die deutsche Solarwirtschaft in der Vergangenheit immer wieder betont, dass ein kontinuierliches Absenken staatlicher Förderung prinzipiell richtig und wichtig sei. Immerhin boomt die Branche wie keine Zweite und will Solarstrom schon kurzfristig zum Steckdosenpreis ermöglichen können. Aber derart drastische und unreflektierte Schnellschüsse bei der Fördersenkung schaden allen Beteiligten: dem Klima, der Konjunktur, dem Verbraucher und letztlich auch dem Staat selbst.

Foto © Pixelio, Rainer Sturm

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Energie aus flüssiger Biomasse

Donnerstag, den 17. Juni 2010

20 Milliarden US-Dollar Entschädigung für die Umweltschäden. Das ist eine bittere Pille, die der Ölmulti BP schlucken muss. Jetzt denkt auch Amerika und vor allem der US-Vordenker Obama über den Ausbau von Erneuerbareren Energien laut nach. Wir in Europa sind da schon einen Schritt weiter. Stichwort: Biomasse

Wirtschaft plädiert für Verschiebung des Nachhaltigkeitsstandards für Biomasse

Wie der Bundestag berichtet:
Die an der Erzeugung und Nutzung aus flüssiger Biomasse hergestellter Energie beteiligte Wirtschaft fordert eine Verschiebung der Nachhaltigkeitsstandards für Biostrom und Biokraftstoffe. Das wurde während einer öffentlichen Anhörung des Umweltausschusses am Mittwochvormittag deutlich. Klaus-Dieter Schumacher vom Agrar-Handelsunternehmen Toepfer International sprach sich dabei für die von den Koalitionsfraktionen geplante Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und der Biomassestrom-Nachhaltigkeitsverordnung (17/1750) aus.

250 Ölmühlen und etwa 4.500 landwirtschaftlichen Betrieben sollen zertifiziert werden

250 Ölmühlen und etwa 4.500 landwirtschaftlichen Betrieben sollen zertifiziert werden

Erst ab 1. Januar 2011 soll demnach die Pflicht gelten, zur Stromerzeugung aus flüssiger Biomasse nur solche aus nachhaltiger Herstellung zu verwenden, sofern der erzeugte Strom nach den Maßgaben des EEG vergütet werden soll. Nach bisheriger Gesetzeslage soll die Pflicht ab 1. Juli 2010 gelten.

Eine Verschiebung sei ”unvermeidbar“, sagte Schumacher und verwies darauf, dass alle Beteiligten ”Neuland“ betreten würden und zudem die nötigen Durchführungsbestimmungen erst ”in letzer Minute“ erhalten hätten. Die Wirtschaft habe sich zwar darauf vorbereitet, die Ernte 2010 als nachhaltig zu zertifizieren. Es sei jedoch zu ”Engpässen“ gekommen, da bis vor kurzem nicht klar gewesen sei, wie und wer zertifiziert werden solle. Die Zertifizierung sei in folge dessen ”schwer angelaufen“, sagte Schumacher und verwies darauf, dass es nur elf anerkannte Zertifizierer gebe, die begrenzt Personal zur Verfügung hätten. ”Nur wenn es zu einer Verschiebung kommt, wird es möglich sein, nachhaltig zertifizierte Biomasse zur Aufrechterhaltung der bisherigen Biomenge für die Märkte zu beschaffen“, schätzte Schumacher ein.

Für die Zertifizierungswirtschaft sei angesichts von 1.500 Unternehmen im Erfassungssektor, 250 Ölmühlen und etwa 4.500 landwirtschaftlichen Betrieben, die stichprobenartig untersucht werden, auch der 1. Januar 2011 ein ”ambitioniertes Ziel“, sagte Peter Jürgens von der REDcert GmbH, einer Gesellschaft zur Zertifizierung nachhaltig erzeugter Biomasse. Es werde alles unternommen, um dies umzusetzen, sagte er. Es gehe dabei jedoch nicht allein um eine Fristeinhaltung, sondern um eine ”sorgfältige und mit der gebotenen Ernsthaftigkeit“ vorzunehmende Zertifizierung, um Akzeptanz auf Seiten der Anwender zu schaffen. Das Verfahren dürfe keine ”Formalnummer“ werden, forderte Jürgens.

Gegen die geplante Verschiebung sprach sich Martina Fleckenstein von der Umweltschutzorganisation WWF Deutschland aus. Es wäre, sagte Fleckenstein, schon die zweite Verschiebung, da das EEG ursprünglich zum 1. Januar 2010 in Kraft treten sollte. ”Unsere Befürchtung ist, dass wir im November wieder hier sitzen und über eine weitere Verschiebung diskutieren“, sagte sie. Es sei aus ihrer Sicht auch nicht nachvollziehbar, warum die Industrie sich so überrascht von den Zertifizierungsbemühungen gebe. Es sei doch schon 2006 von der Politik die Initiative ergriffen und ein ”sehr gutes Zertifizierungssystem entwickelt worden“, welches seit Januar 2010 anerkannt sei.

Auf die Situation der ”kleinen dezentralen Ölmühlen“ in Deutschland ging Thomas Kaiser vom Institut für Energie- und Umwelttechnik ein. In den letzten Jahren seien 300 von ihnen aufgebaut worden. Sie seien ein Stützelement der Landwirtschaft. Nur eine davon sei bisher zertifiziert, sagte Kaiser. Ohnehin rufe bei den Beteiligten der Gedanke, Ölmühlen, die ohne jede Chemie arbeiten würden einer Zertifizierung zu unterziehen ”Kopfschütteln“ hervor. Kaiser plädierte daher für eine ”Verschiebung oder eine Sonderstellung“. ”Wir erwürgen sonst die kleinen Ölmühlen“, warnte er. Dies wäre schade, weil sie künftig ”dringend gebraucht würden“.

Linktipps:

Foto © Pixelio | Krümel

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Streit um Brennelementesteuer

Dienstag, den 15. Juni 2010

Da die allseits gescholtenen Sparpläne der Bundesregierung nun unter dem Stichwort Brennelementesteuer auch über den Köpfen der Atomwirtschaft schweben, brennt sozusagen die Luft in der Dampfturbine. Da hatte man sich schon über milliardenschwere Zusatzgewinne durch gekungelte Laufzeitverlängerungen gefreut – und nun soll man doch noch zur Kasse gebeten werden. Aber Deutschlands AKW-Bosse lassen sich so schnell nicht ins Bockshorn jagen und rufen laut nach Justitia. Aus welcher Richtung sie das tun, ist allerdings mehr als kurios.

Atomwirtschaft strebt Gerichtsverfahren an

S.HofschlaegerNach einem Bericht des Handelsblatts vom vergangenen Freitag wollen die Atomkraftwerksbetreiber gegen die von der Bundesregierung angekündigte Brennelementesteuer vor Gericht ziehen – und berufen sich dabei ausgerechnet auf die vor zehn Jahren unterschriebene, aber seit etwa fünf Jahren bekämpfte Ausstiegsvereinbarung mit der damaligen rot-grünen Regierungskoalition. In der Ausstiegsvereinbarung vom 14. Juni 2000 hatte es unter der Überschrift “Wirtschaftliche Rahmenbedingungen” geheißen: “Die Bundesregierung wird keine Initiative ergreifen, mit der die Nutzung der Kernenergie durch einseitige Maßnahmen diskriminiert wird. Dies gilt auch für das Steuerrecht.” Die angekündigte Brennelementesteuer würde nach Auffassung der Atomwirtschaft aber eine ebensolche wirtschaftliche Diskriminierung darstellen. Soweit, so unlogisch. Denn in der wohlgemerkt beiderseitig unterzeichneten Ausstiegsvereinbarung heißt es auch: “Beide Seiten werden ihren Teil dazu beitragen, dass der Inhalt dieser Vereinbarung dauerhaft umgesetzt wird.” War nicht der Atomausstieg Kerninhalt der Vereinbarung? Und will man nicht gerade den mit allen Mitteln verhindern? Also, was nun: Vertrag gültig oder nicht? Denn wenn die AKW-Betreiber die Brennelementesteuer unter Berufung auf eine vor zehn Jahren unterzeichnete Klausel umgehen wollen, dann müssen sie sich auch der ganzen Vereinbarung erinnern. Und das hieße für die Meiler: Klappe zu, Affe tot.

Foto © Pixelio, S. Hofschlaeger

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Kein Rotstift für Kohle

Donnerstag, den 10. Juni 2010

Der Begriff “Sparpaket” ist bereits jetzt ein heißer Anwärter auf den Titel (Un-)Wort 2010. Vor allem deshalb, weil die geplanten Kürzungen der Bundesregierung an den mutmaßlich falschen Stellen ansetzen. Dass dies nicht nur im Bereich von Sozialleistungen, sondern ebenso für den Energiesektor gilt, zeigt eine aktuelle Studie der Umweltorganisation Greenpeace. Demnach kommen staatliche Subventionen des Klimakillers Kohle den Steuerzahler wesentlich teurer zu stehen als die offiziellen Zahlen bislang zeigen.

Bundesregierung trickst Subventionen zurecht

Sabine KoriathGreenpeace hat vor wenigen Tagen eine Liste der vollständigen staatlichen Kohle-Förderung in der Zeit von 1950 bis 2008 vorgelegt. Die Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft berechnet, dass auf Stein- und Braunkohle im Jahr 2008 Vergünstigungen und Subventionen in Höhe von 12,8 Milliarden Euro entfielen. Die Bundesregierung nennt in ihrem Subventionsbericht hingegen nur 1,9 Milliarden Euro. Die Greenpeace-Studie beziffert die gesamte tatsächliche Förderung für Stein- und Braunkohle seit 1950 auf mindestens 432 Milliarden Euro. Steinkohle wurde mit etwa 331 Milliarden Euro begünstigt, Braunkohle, der bei weitem klimaschädlichste aller Energieträger, genoss finanzielle Vorteile in Höhe von etwa 101 Milliarden Euro. Aber: Nach offiziellen Angaben gilt Braunkohle als “subventionsfreier Energieträger”. Die geringen Zahlen der Bundesregierung ergeben sich aus deren äußerst eng gefasstem Subventionsbegriff. So werden unter anderem spezielle Steuervergünstigungen und budgetunabhängige Regelungen wie die kostenlose Zuteilung von CO2-Zertifikaten nicht einbezogen. Die Greenpeace-Studie berücksichtigt hingegen auch direkte Finanzhilfen von Bund und Ländern wie etwa Forschungsförderung von Kraftwerkstechnik und Vergünstigungen bei der Energiesteuer. Greenpeace-Energie-Expertin Anike Peters: “Die Bundesregierung kürzt drastisch beim Klimaschutz, aber umweltschädliche Energieträger werden immer noch massiv subventioniert. Das macht keinen Sinn.”

Weder hat die Bundesregierung bislang den Beschluss des G20-Gipfels vom September 2009 umgesetzt, nach dem alle Subventionen für fossile Energieträger auslaufen sollen, noch setzt sie innerhalb ihrer aktuellen Sparpläne den Rotstift bei der Kohle an. Stattdessen bluten derzeit Zukunftsbranchen wie die Solarstrom- und Solarthermiewirtschaft durch massive Förderstopps und Haushaltssperren.

Foto © Pixelio, Sabine Koriath

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ITER ein Milliardengrab?

Mittwoch, den 9. Juni 2010

Wir hatten schon mehrfach das Thema: Fusionsenergie wäre eine Möglichkeit, riesige Mengen Energie zu erzeugen. Aber ITER wird immer teurer und die Kassen sind klamm. Jetzt sollen Gelder aus der EU fließen.

Finanzlücke bei Iter soll aus europäischem Haushalt gedeckt werden

Wie die Bundesregierung bekannt gibt:
Die Finanzierungslücke beim geplanten Forschungsreaktor Iter soll aus dem europäischen Haushalt gedeckt werden. Das gab die Bundesregierung in der Sitzung des Ausschusses für Bildung und Forschung am Mittwochvormittag bekannt.

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In dem geplanten Reaktor, der in internationaler Zusammenarbeit im französischen Cadarache gebaut werden soll, soll die Energieerzeugung durch Kernfusion erforscht werden. An dem Projekt sind neben der Europäischen Union auch weitere Staaten wie China, Japan, die USA und Russland beteiligt.

In den vergangenen Wochen seien ”erhebliche Kostensteigerungen“ bei dem Projekt bekannt geworden, sagte die Bundesregierung. Der Anteil der Europäer sei von 2,7 Milliarden Euro auf jetzt voraussichtlich 7,2 Milliarden Euro gestiegen. Auf Drängen der Bundesregierung sei deshalb eine Task Force auf EU-Ebene eingerichtet worden, die unter anderem Vorschläge zur Finanzierung vorlegen solle. Die EU-Kommission sei außerdem aufgefordert worden, Vorschläge zu Kosteneinsparungen und zur Finanzierung der Mehrkosten aus dem EU-Haushalt vorzulegen. Die Europäische Kommission werde innerhalb von vier Wochen einen Finanzierungsvorschlag vorlegen, erklärte die Bundesregierung.

Auch beim Management von Iter sollen Veränderungen vorgenommen werden. Die Bundesregierung hat eine grundlegende Neuausrichtung der Kostensteuerung europäischer Forschungsprojekte gefordert. Die Gesamtkosten für den Forschungsreaktor sollen künftig begrenzt werden; Mehrkosten müssten dann beim Projekt eingespart werden.

Linktipps:

Foto © Gerd Kebschull

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